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1872

Marburg, Sonntag, den 31. März

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Graf Schlippenbach, Rittmeister v. Brünneck, Prem.- Lieut. Graf Pourtalö«, Prem.-Lieut. v. d. Schulen­burg, Lieut. v. Blumenthal, Prem.-Lieut. v. Zedlitz, Lieut. Graf Lippe, Lieut v. Rohr, Lieut. Graf Ein siedel, Lieut. v. d. Affeburg, Lieut, v. Kramsta, Ritt meister John, Lieut. v. Wurmb, U. v. Oertzen, Ritt meister v. Senden. Bon diesen sechszehn Herren trug die eine Hälfte die Uniform der Leib-Cuirasstere aus

schwarzen Kragen und Aufschlägen, eben so die vier Damen, denen der kleine schwarze dreieckige Hut auf der weißen Perrücke allerliebst stand; die andere Hälfte mit den vier Damen war in die Uniform der Bay­reuth Dragoner gekleidet, in weiße Röcke mit rochen Kragen und Ausschlägen. Schöner, kunstgerechter und eleganter konnte man wohl nicht reiten sehen, als bei diesen Produktionen, die als „Damenmanöver aus der Zeit Friedrich's des Großen" im Programm verzeich­net waren. Auch wird man selten eine solche Masse von edlen und herrlichen Pferden vereinigt sehen können, als an diesem Abend. Bon Damen zeichneten sich namentlich aus die Gräfin Saurma, geb. Gräfin Renard, Fürstin Carolath, geb. Prinzess Hatzfeld, und Vor Allen Fräulein Martha von Arnim, welche eines der berühmtesten Rennpferde, die „Sagitta" des Pre­mier-Lieutenants v. Ziegler ritt. In dieser Damen- Cavalcade zog ein ganz junges Fräulein die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich; dasselbe mochte noch nicht fünfzehn Jahre alt sein, und wie fest saß eS im Sat­tel, wie sicher führte eS das Pferd I Und doch hatte Fräulein v. Prillwitz dieses Manöver erst das dritte Mal mitgeritten als Ersatz für die Prinzessin von Ratibor, die durch den Unfall ihres Bruders der Theilnahme an dem Feste entsagt hatte.

Das Manöver sollte wie oben bemerkt, in einzel­nen Reiterbildern eine Entwickelung der Wehrkraft Brandenburgs wie Preußens darsteüen. Selbstver­ständlich durfte in der Reihe derselben auch die Zeit

Hauptschlachtfeld wird nächstens Böhmen sein. — Der Umstand, daß die Regierung auf der Wiener Weltausstellung Böhmen wie Ungarn keine besondere Stelle einräumen will, hat im Schooße der patriotisch- ökonomischen Gesellschaft zu sehr lebhaften Scencn geführt. — In Ungarn sind die Deakpartei und die Zinke noch zu keiner Verständigung gekommen.

Der schweizerische Bundesrath hat am 20. Mär; den Chef des eidgenössischen Postdepartements ermächtigt, den in Bern mit dem russischen General- Postdirector, Baron Velho, verabredeten neuen Post­vertrag zu unterzeichnen. — Der Termin für die Volks abstimmung über die Bundesreviflon soll vom 12. Mai auf den 26. Mai verschoben werden.

Die Kündigung des Handelsvertrages mit England hat zur Folge gehabt, daß von Frankreich aus noch umfangreiche Bestellungen in England gemacht sind, um sich noch für das übrige Jahr die ermäßigten Einfuhrzölle zu Nutzen zu machen. Die Handelsver­träge mit anderen Ländern laufen noch mehrere Jahre, der letzte bis 1877. — Ter französische Gesandte bei König Victor Emanuel, Fournier, ist in Rom ange­kommen und vom König in Audienz empfangen worden. — Bischof Dupanloup hat davon Abstand genommen, eine Berathung der ultramontanen Petitionen zu ver- anlafien, nachdem sich Hr. ThierS dagegen erklärt hatte. — Die Nationalversammlung hat in ihrer Sitzung vom 28. d. beschlossen, Ferien zu machen vom 30. d. bis zum 22. April. — Die Commission für die Be- ralhung des Postvertrages mit Deutschland hat ihre Arbeiten bis nach dem Wiederzusammentritt der Na­tionalversammlung vertagt. — Auch in Frankreich, namentlich in Bordeaux, regt sich die altkatholische Bewegung.

Am letzten Montag würde im englischen Unter­haus die Budgetvorlage eingebracht. Der Schatzkanzler war in der Lage, ein günstige Abrechnung der Staats- finanzcn vorlegen zu können, welche einen Ueberschuß von 2,815,000 L. ergab. Die Voranschläge des kom wenden Finanzjahres würden sogar nach den alten Steuerverhältnifien ein Mehr von 3,602,000 L. er

In Holland beschäftigt man sich eifrig mit den Vorbereitungen auf das Nationalfest am 1. April. DaS Fest bezieht sich auf den dreihundertjährigen Jahrestag der Ueberrumpelung der kleinen Festung Brielle durch die Wassergeusen, wodurch der bis dahin unglücklich geführte Aufstand gegen die Spanier eine Wendung nahm, die bekanntlich mit der LoStrennung Hollands von der spanischen Herrschaft und der Con- tituirung der sieben Provinzen zum unabhängigen Staate endete. In allen größeren Städten werden Umzüge gehalten und Illuminationen veranstaltet und selbst die kleinen Städte werden öffentliche Lustbarkeiten veranstalten. Der König begibt sich nach Brielle, um dort den Grundstein zu deni zu errichtenden Denkmale und einem Hospitale für alte Seeleute zu legen.

Am 21. d. M. hat die italienische Kammer die wichtigsten Bestimmungen des Sella'schen Finanz- Entwurfs angenommen und sich bis zum 15. April vertagt.

Die Kaiserin von Rußland ist am 26. d. von Petersburg abgereist, um sich nach der Krim zu begeben, und dort von ihrem Leiden zu genesen. Der Kaiser begleitete sie nach Odefia, kehrt von dort in die Hauptstadt zurück und geht dann im Mai eben­falls nach Livadia. Wie es heißt, soll bei dieser Reise eine persönliche Begegnung zwischen ihm und dem Sultan stattfinden. — Am 22. d., dem Geburtstage des Deutschen Kaisers Wilhelm, war im Winterpalais festliche Tafel. Die Deutschen in Petersburg feinten den Tag durch ein Festmahl, bei welchem 686 Rubel für das National-Denkmal auf dem Niederwald am Rhein und 246 Rubel für die deutschen Invaliden eingesammelt wurden.— Sebastopol soll als Handels» und Kricgshafen wieder eröffnet und durch eine Eisenbahn mit dem russischen Bahnnetze verbunden werden. Der ganze östliche Theil der südlichen Bucht wird dem Marineressort eingeräumt, der westliche, städtische Theil bleibt für den Handel frei. In strategischer Beziehung soll nicht mehr Sebastopol allein, sondern die ganze Halbinsel befestigt und gedeckt werden.

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Deutsches Reich.

** Berlin, 28. März. Während die Blätter aller Parteien der Regierung bei ihren Maßnahmen behufs Auseinandersetzungen zwischen Staat und Kirche volles Recht widerfahren lassen und besonders hervor­heben, daß die leitenden Staatsmänner mit Energie daS begonnene Werk durchsetzen, ließ sich in der „Vossischen Zeitung" eine Stimme vernehmen, welche von dem Verhalten der Regierung nicht befriedigt ist und insbesondere gegen den Fürst Bismarck den Vor­wurf richtet, daß seinen Worten nicht die That gefolgt ist. WaS den Bischof von Ermland anbelangt, meint die „Voss. Ztg.", so hätte derselbe bereits Zeit gehabt, eine Antwort zu geben, es sei nur eine Verschleppung

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Stimmenthaltung der Polen — angenommen worden, und am gleichen Tage ist eine möglichst beschleunigte Vorberathung dem Herrenhause durch den Minister des Innern dringend empfohlen worden. Beide Häuser der Landtages haben dann zur Osterpause ihre Sitzun­gen auf unbestimmte Zeit vertagt. — Der Hochver rathsproeeß am Schwurgericht zu Leipzig gegen Bebel, Liebknecht und Hepner ist am 26. März mit der Berurtheilung der beiden Erstgenannten zu zwei Jahren Festungshaft und der Freisprechung des Letztgenannten beendet worden. — Im baierischen Landtage schreitet die Erledigung deS Budgets günstig fort, doch hat eine Verlängerung der Session bis zum 13. April erfolgen müssen, so daß derselbe mehrere Tage neben dem am 8. April zusammentretenden Reichstage zu tagen haben wird. — Der badische Landtag ist am

Regiment« Rr. 7 mit seinen beiden jüngsten Kindern, der zehnjährigen Prinzessin Victoria und dem sieben­jährigen Prinzen Ludwig Friedrich, dann zunächst der Großherzog von Oldenburg; weiter nach rechts und links gruppirten sich die Prinzen und Prinzessinen des königliches Hauses und die übrigen hohen Gäste desselben. Der Kronprinz, in der Uniform der Kö­nigin-Kürassiere, hatte in der Seitenloge nahe dem Eingänge Platz genommen. Vielleicht hatte der hohe --------

Herr, als der Protektor des Wappenfestes, diese Uni Iber Zeit Friedrich S des Großen, weche Röcke mit

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geben, und die Regierung hat sich daher, um daS Gleichgewicht herzustellen, entschlossen, die Einkommen steuer von sechs wieder auf vier Pence zu ermäßigen und die Kaffee- und Cichorienzölle um die Hälfte zu erniedrigen. Das Unterhaus und nicht minder das Land gibt mit den Vorschlägen des Finanz-Ministers seine Zufriedenheit zu erkennen.. Die Königin hat ihre Reise nach Baden angetreten, und daS Thron­folgerpaar verweilt gegenwärtig in Italien — Der alljährliche Ruderwettkampf auf der Themse zwischen den Universitäten Oxford und Cambridge, welcher in London zu den großen Ereignissen gehört, ist unter Schneegestöber am SamStag von statten gegangen und Cambridge hat um eine BootSlänge gewonnen.

form an dem heutigen Abende nicht ohne Absicht ge wählt. Das genannte Regiment ist aus den Bayreuth- Dragonern entstanden, und von der Musik, die unter dem Einreiten der Herolde den Beginn der zweiten Ab- theilung ankündigte, klangen die Töne des Hohenfried- berger Marsches wieder, jenes Siegeshymnus, unter dessen Klängen das Regiment die blutigen Lorbeeren von Hohenfriedberg gepflückt hatte. ES nahte die Hel­denzeit in Zopf und Puder:

Ein glänzend Blatt im Zeiten-Buch Liegt vor uns aufgeschlagen;

Nun um der Preußenhelden Haar Frisch flattern Ruhrneskränze.

Acht Damen: Gräfin Saurma, Prinzess Euphe­mia Radziwill, Fräulein v. Prillwitz, Prinzess Elisa­beth Ratibor, Fräulein Therese v. Kramsta, Gräfin Marie v. Schlippenbach, Fräulein Martha v. Arnim und Gräfin Eulenburg, erschienen je in der Mitte von zwei Reitern auf dem Schauplatze. Die Reiter waren Rittmeister Prinz Friedrich von Hohenzollern, Lieut.

21. März geschlossen worden.

Der österreichische Reichsrath ist bis zum 7. Mai vertagt, nachdem er u. A. da« Nothwahlgesetz zu Stande gebracht hat. Der Verfassungskampf dauert augenblicklich noch ununterbrochen fort, und sein

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DaS Wapvenfeft am 75. Geburtstage des Kaisers.

(Schluß.)

Werfen wir in der kurzen Pause, die nun folgt, einen Blick in die kaiserliche Loge. Der Kaiser saß zur Rechten seiner Gemahlin; er trug die Uniform des Regiments der Garde du Corps , die Kaiserin einen kostbaren Cashmirshawl und einen hellblauen Frühlingshut. An der rechten Seite deS Kaisers hatte der Kronprinz von Sachsen Platz genommen, daneben die Schwester de« Kaisers, die Großherzogin-Mutter von Mecklenburg-Schwerin. Sie fehlt bei keinem Fa- milien-Ereignisse, welches in ihrem einstigen Heimath- hause gefeiert wird; zu ihrer Rechten hatte sie den Großherzog von Sachsen in der Uniform des Rhein. Kürassier Regiments Nr. 8. Den Sitz links von der Kaiserin hatte die Tochter des Kaiserpaares, die Groß­herzogin von Baden, inne, den nächsten die Groß­herzogin von Sachsen; weiter folgte der Großherzog von Baden in der Uniform seines Rhein. Ulanen-

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OBAftAffitttn»« auf das mit dem 1. April be- öC|ttUUU(|tn ginnende neue Quartal der „Oberheffifchen Zeitung" und des mit der selben gratis ausgegebenen Kreisblatte- für die -reise Marburg, Frankenberg - Vöhl und Kirchhain ersuchen wir baldigst bei den betreffenden Postämtern wichen zu wollen, da ohne vorherige Bestellung von der Post die Fortsetzung nicht geliefert wird.

DM» Auf dem Lande nehmen die Landpostbotcn Bestellungen an.

Die Sxtzrbitta» »er Oberhrsfische« Zettmtg.

Politische W»chrn-Ueberficht

Am 22. März wurde der 75. Geburtstag des -aiserS Wilhelm nicht nur in Preußen mit ge­wohnter Herzlichkeit gefeiert, sondern au« allen Theilen Deutschlands und selbst aus weiter Ferne deS Aus­landes liefen telegraphische Segenswünsche ein Die letzteren stammen meistens auS den Kreisen der dort ansässigen Deutschen und legen eben so wie die aus Deutschland ein Zeugniß ab für die Einmüthig- keit, mit' welcher die gejammte deutsche Nation dem Keichsoberhaupte die Huldigungen ihrer Dankbarkeit enb Verehrung darbringt. Für den weiten Ruhm des Reiche« spricht eS, daß unter den Glückwünschenden auch der Schah von Persien mit einem Telegramm ans Teheran erschienen ist. Fürst Bismarck war am 21. d. aus seinem lauenburgischen Besitzthum Fried- richsruh herübergekommen, um persönlich an dem kai­serlichen Geburtsfeste theilzunehmen, und hat sich dann am Sonntag noch zu einem kurzen Aufenthalt nach Varzin begeben. Die neue Kreisordnung ist vom Ab­geordnetenhause in günstiger Compromißfassung am Sonnabend mit 256 Stimmen gegen 61 — unter

Oberhessische Zeitung.

"orfebeint tä lich-außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesflschen Bettung mit KreiSblatt durch die Erpedition lKoch'fch« iButbbtudetei) bezogen 88; Egr., durch die Postämter 87 Ggr. 8 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Au-land rxcl- stempel 88 Ggr.

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