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Ür. 74.

Marburg, Donnerstag, den 28. März.

1872.

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i Oberhessische Zeitung.

ZfAeint täTÜÄ außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Obrrhesnschru Srituug mit KreUblatt durch dw Erpeditwu («och'sche ®ud> bt«dere i) e»ogen tt; »gr., hur® die Postämter 27 ®gr. # Pfg. (epi. Bestellgebühr und ind- Stempelsteuer), fÄr da- Ausland etd- Stempel 22 ®gt.- ' Iniertwnsget'üdr sür die gespaltene Z ile I Lgr. Sämmtliche Annoncen-BUreaus nebmen Inserate an.

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Abstoss 11 napll auf baS mit dem 1. April be- ginnende neue Quartal der

,^vberhessischen Zeitung" und des mit der selben gratis ausgegebenen Kreisblattes für die -reise Marburg, Frankenberg-Vöhl und Kirchhain ersuchen wir baldigst bei den betreffenden Postämlern machen zu wollen, da ohne vorherige Bestellung von der Poft die Fortsetzung nicht geliefert wirb.

Auf dem Lande nehmen die Landpostbotkil Bestellungen an.

Die Expedition der Oberhessischen Zntnng.

Die Reguliruog der Grundsteuer in den Provinzen Hessen Nassau, Hannover und Schleswig Holstein.

Die provisorischen Tarife zur Regulirung der Grundsteuer in den Piovinzen H.flen- Nassau, Han nover und SchleSwig-Holsteiu sind nunmehr im Laufe diese« Monat« von der Central-Commission frstgestelli worden, und da die Interessen der Grundbesitzer durch diese Regelung wesentlich berührt werken, so wird es für Ihre Leser von Interesse sein, daS Crgebnkß der Tarifs' stsetzung zu erfahren.

Tie Aufgabe der Central«Commission war eine dreifache. Sie mußte untersuchen, ob die für die ein­zelnen Kreise der drei Provinzen festgesetzten Tarife unter sich den thalsächlichen Verhältnissen ent'prechen, eb — wenn darüber keine Bedenken oba allen— die einzelnen Provinzen unter sich gleichmäßig tarifier sind und ob die festgesetzterr Tarife mit den Tarifen der altländischen Provinzen in einem richtigen Vcr- hältnisse stehen.

Zuerst unterlagen die Tarife der einzelnen Pro- vinzen in Sudkommissionen einer eingehenden Prüfung und nach Erledigung der sich ergebenden Bedenken fand im Plenum der Central Commission die Vergleichung der Tarifsätze der einzelnen Provinzen statt.

Die Tarife für den Regierungsbezirk Kaffel halten, in Folge vielfältiger Reklamationen Seitens der Kreis- stände und Ortsvorsteher gegen die ursprünglich aw genommenen Tarifsätze, von Seiten der Bezirkscom- mission in ihrer Schlußsitzung vom 16. und 17. Oki. 1871 mancherlei Modifikationen erlitten, namentlich waren in denjenigen Kreisen, in welchen der Unter­schied zwischen Berg und Thal auffallend hervortritt, sowie in solchen Kreisen, in welchen große Unterschiede in den Bodenklassen der oberen und mittleren Klaffen sich finden, die Tarife der mittleren Klassen ermäßigt

DaS Wappenfcß am 75. Geburtstage des Kaisers.

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Wer liebte eS nicht, in späteren Lebenstagen die Bilder der Jugenb unb Vergangenheit vor sich auf tauchen zu sehen! Vielleicht war es dieser Gedanke, der einer Anzahl von Herren und Damen der Ber­liner Hofgesellschaft die Anregung gab, unter vem Protektorate er. kaiserl. und kSuigl. Hoheit de« Kron- Prinzen dem kaiserl. unb kSuigl. Herrn zu seinem diesjährigen Geburtstage ein Fest zu bereiten, welches den hohen Herrn in die gelkenen Tage feiner In gend zurückversetzte Das Kampf und Ringelspiel der weißen Rose, welches im Herbste des Jahre« 1834 auf dem Platze vor dem neuen Palais bei Potsdam gefeiert worden, war zu Ehren der Anwesenheit der kaiserl. Schwester von Rußland veranstaltet worden. Damals war der int jugendlichen Mannesalter stehende Prinz Wilhelm der zweite Ritter, der in die Schran­ken einritt, und sein Schild trug die Devise „Golt mit un«/ heute war e« der greise Kaiser und König selbst, dem die Huldigung der Jugend und Schönheit gelt Die Kampf- und Reiterspiele, die vor ihm von den Herren und Damen der höchsten Gesellschaftskreise aufgeführt wurden, hatten einen großen historischen Hintergrund, eS waren Bilder aus der Entwicklung der Wehrkraft, deren Wunder wir in den letztver­gangenen Zeiten gefehett Haden, eS waren Erinnerungen an den in den Büchern der Geschichte verzeichneten Waffenruhm Brandenburgs und Preußens.

Zum Schauplatz de» Feste« war die Reitbahn de« Tattersall erwählt worben, eine Lvcaliiäi, die hin reichenden Raum bot, um etwa siebenhundert Zu­schauer aufzunehmen. Um bequeme Plätze in eleganter Ausstattung für die Zuschauer zu schaffen, Waren Tribünen errichtet. Zur Unterbringung von Hunden Pferden.mußten dem Gebäude deS Tattersall auSge-

worben, so namenlich in den Kreisen Frankenberg, Fulda, Gelnhausen, Hanau, HerSselv, Hofgeismar, Homberg, Hünfeld, Kassel Land, Kirchhain, Marburg, Rotenburg, Witzenhausen und Ziegenhain.

Der sür Hessen Nassau bifteUte Generalkommissar halte diese von der Bezirkskommission beantragten Tarife theilweise auf die vor den Reklamationen festge­setzten Tarifsätze wieder erhöht. In Folge der von den hefsischen Mitgliedern der Cmtral-Kommission gegen kiese Erhöhungen geltend gemachten Gründe wurden die von der Bezirkskommisston ermäßigten Tarifsätze wieder hergestellt unb nur in den Kreisen Fulda, Hanau, Witzenhausen wurden etwas höhere Sätze als Die Bezirkskommission beantragt hatte, vom Plenum der Central - Kommiision sestgestellt unb zwar würben in Fulba eie 6., 7., u. 8 Klasse von 21, 9, 3 erhöht auf 24, 12, 6, im Kreis Hanau die 4. und 5. Klasse von 120, 81 auf 135, 90, im Kreis Witzenhaufen die 4. Klaffe von 81 auf 90 Thlr.

Die hessischen Mitglieder her Central-Kommission waren der Ansicht, daß der Kreis Rinteln in seinen drei höchsten Klassen des Ackertarifs von 195, 165 u. 120 auf 210, 180 und 135 erhöht werden müsse, ba sie biesen Kreis in feinen Boden-, klimatischen und sonstigea Verhältnissen für besser alS die Kreise Fritzlar, Kirchhain, Marburg, Homberg unb Witzenhausen m diesen drei Klassen halten und sie gewissermaßen eine Bestätigung ihier Ansicht in der Denkschrift deS Ge iieralkommissais Milchling auf S. 25 unb 26 fanden. Da jedoch die Bezirkskommision in den Sitzungen vom 3. u. 4. August und 16. u. 17. Octbr. 1871 bk von der Veranlagungskommission Rinteln ursprünglich auf 210. 180. 135. festgesetzten Tarife in den drei crften Klassen für diesen Kreis auf 195, 165, 120 ermäßigt und diesen Kreis den vorgenannten Kreisen gleichgestellt hatte, so waren die hessischen Mitglieder ber Central Commiision nicht, tm Staube ihrer Ansicht Geltung zu verschaffen. Würbe die von betreiben be antragte Et Höhung für Rinteln von der Central Commission angenommen worben sein, so hätte in konsequenter Folge eine Erhöhung der mit Rinteln gleichstehenken hannoverschen Kr.ise Hameln, Wening- sen, Hildesheim, Einbeck und ebenso eine Erhöhung der Kreise Lnbenburg unb Marienburg eintreten nmssen.

Der Regierungsbezirk Wiesbaden gab wenig Ver­anlassung zu Aenderungem, und es wurden nur im Ober- unb Unter Lahnkreis die 5. und 6. Klasse von 54 und 30 auf 48 unb 24 Sgr. erniedrigt.

dehnte Stallbauten angefügt werden, kurz, die Vor­bereitungen waren die umfasstndsten und großartigsten. 5?er Festraum selbst war an den Wänden mit einer hellen Lichisarbe, mit gelben unb himmelblauen Dra periett geschmückt. In bem offenen Balkenwerk hingen die farbigen Banner der Staaten des deutschen Rei­ches. An der einen Breitseite war die in Roth und Gold decvrirte kaiserliche Loge errichtet, unter wel­cher das Orchester angebracht war; an der gegen­überliegenden hingen, hoch umgeben von den Fahnen, zeicheu der deutschen Staaten, da« Banner deS Kai jer«: der schwarze, rothbewehrte Adler auf goldenem Grunde, Kronleuchter von Bronee und vergoldete Armleuchter, die von der Brüstung der die Reitbahn umgebenden Einsaffungen sich erhoben, verbreiteten strahlendes Licht und wohlthuende Wärme durch den imposanten, von Farben und Glanz eriüUten Raum.

Gegen 7 Uhr waren sämmiliche Plätze von der Elite des Publikums der Residenz besetzt. Die Damen hatten diese Gelegenheit ergriffen, ihre eleganten und geschmackvollen Frühlingstoiletten zu zeigen, die Offi eiere waren im Wafstnrock unb Helm, die Herren vom Civil mit weißer Cravatte Arn Eingänge machte der Kammerherr v. Prilliritz als Mitglied deS Herren- Komite'S die Honneur«; dasselbe bestanv aus drei Herren, aber von diesen war der Flügeladjutant Graf Lehndorff an der Aufführung selbst beseitigt, der Rittmeister und Escabrouchef im Garde-Husaren-Regi- ment v. Michaelis leitete bie Arrangements deS Gan zeit. Zum Empfang der Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften in der königlichen Loge hatten sich rie Damen des Damen Comite'S versammelt, Ihre König­liche Hoheit die Herzogin Wilhelm von Mecklenburg Schwerin, die Herzogin von Sagan unb Frau von Romberg. In erster Reihe ber königlichen Loge war eine Anzahl vergoldeter Stühle für bie Fürstlichkeiten

Gegen die Tarife in Hannover unb Schleswig- Holstein würben die Bedenken geltend gemacht, daß einestheil« die hannöverschen Fluß- und See Marschen gegen bie schleowig holstein'schen Marschen unb an­dererseits einzelne Kreise der holstein'schen Ostküste gegen entsprechende Kreise in Hannover und Hessen- Nassau zu niedrig tarifirt seien.

Diesen Bedenken wurde nach beiden Seiten von der Central-Commission Rechnung gertragen. Der Be- zirkscommissar für Hannover und der Generalcom- miffar für Hannover unb Schleswig-Holstein hatten bereits bie von der BezirkScommission für Hannover vorgeschlagenen Tarife in vielen Kreisen bedeutend er­höht Diese Erhöhungen erschienen jedoch der Central- Commission noch zu gering, sie nahm deßhalb noch weitere Erhöhungen in den Tarifen der Kreise Stabe« M ar sch, Marienburg, Aurich, Emden Laar, vor. Am wesentlichsten sind die Erhöhungen in den Kreisen Aurich, Emden und Laar. Die Ackertarife wurden in Aurich erhöht in den vier ersten Klassen von 195, 165, 108, 72 auf 210, 180, 120, 81 Sgr.; in Emden in den drei obersten Klassen von 210, 180, 120 auf 225, 180, 120 Sgr.; in Laar in ber 2. unb 3. Klasse von 180, 120 auf 195, 135 Sgr. Die Wiesentarise würben in beit vier obersten Klassen bei Aurich von 240, 180 , 90 , 60 auf 270, 210, 180, 90 Sgr.; bei Emben von 210, 180, 120, 78 auf 270, 210, 150, 90 unb bei Laar von 210, 180, 120 auf 270, 210, 150 Sgr. erhöht Diese Erhö­hungen sind deßhalb von besonderem Belang, weil in diesen K> eisen die hohen Acker- und Wiesenklassen einen großen Umfang haben und baS beste und werthvbllste Lanv als Viehweibe benutzt wirb.

In Holstein würben ebenfalls die Ackertarife ber Ostkreife Oldenburg unb Sonderburg in den drei obersten Klaffen von 165, 125, 108 auf 180, 150, 120 erhöht.

Bei den Gärten, Wiesen, Wafferstücken, Oedland und Forsten fanden von Seiten der Ceutralcommission teilte wesentlichen Aenderungen der von den General- ccmmiffaren vorgeschlagenen Sätze statt.

Da die Summe, welche bie brei Provinzen auf­zubringen haben, eine feftnormirte ist, so hat jede Er­höhung in bett Provinzen Hannover unb SchleSwig- Holstein eine Ermäßigung deS auf Heffen fallenden Aiitheils zur Folge.

Betrachtet man das Gefammt-Ergebniß, so kann wohl angenommen werben, daß die jetzigen Tarife im

ausgestellt. Auf ben Plätzen der fürstlichen Damen lag ein prächtiger Blumenstrauß, auf allen ein Pro­gramm. Schon bieses war künstlerisch geschmackvoll arrangirt, die erste Seite schmückte eine lithographirte Zeichnung des Grafen Harrach, auf der Rückseite stand in einem Geeichte Gustav's zu Putlitz eine schwung­volle und sinnige Deutung des Wapp,»feste-, welches vor dem Kaiser aufgesührt werben sollte.

Wird ber Kaiser kommen? Diese Frage ging flüsternb durch bie Reihen der Zuschauer, sie war auf allen Zügen zu lesen E- war vorher daS Gerücht verbreitet, bie Aerzte hätten dem hohen Herrn vom Erscheinen im Tattersall seiner Gesundheit wegen ab« abgeratheu, unb dann sagte man sich auch, daß daS Leben des Etbprinzen von Ralibor, der bei der letz­ten Probe gestürzt war, noch immer in Gefahr sei, so daß der Kaiser, abgesehen von seiner Gesundheit, wohl Bedenken tragen mödrte, dem Feste beizuwohnen. Um Mittag hatte das Bulletin zwar günstiger ge­lautet und Dr. Langenbeck die Versicherung ausgesprochen, daß die Lebensgefahr vorüber sei, aber eS war ein Schatten, der in die Feftstimmung gefallen war, bi« vom Orchester herab da« „Heil Dir im Siegerkranz" durch bie Halle rauschte und e6 wie ein Freubenruf durch die Anwesenden ging: Der Kaiser ist da! Bei bem Eintritt be« hohen Herrn an der Seite der Kai- serm hatte sich das ganze Publikum wie Ein Mann erhoben und hörte stehend die Hymne bi« zum Schluffe an, die in eine schmetternde Fanfare über­ging und den Beginn de« Festes verkündete, welches die Verse de« Putzlitz'ichen Gedichtes ein leiten:

Ein Hervldsruf zum Kaisertag!

„ Laßt hoch die Banner wehen,

Da« Fest mit stolzem Herzensschlag Mit Segenswunsch begehen.

(Fortsetzung folgt)