r. 73
jllaröurg, Mittwoch, den 27. März.
zuhalten.
Die Londoner
Zeamtengehälter nur nach je 40 Tage» auszuzahlen ind, wird amilich bekannt gemacht, daß die Beamten durch diesen Zähluugsmodus keinen Schaden erleiden werden, indem die Differenz ausgeglichen werden soll, obalb die Staatseinkünfte es gestatten.
Nach Berichten aus Tunis ist der Prinz Friedrich Karl von Preußen daselbst eingetroffen; der Prinz wird nach kurzem Aufenthalt die Reise nach Aegypten ortsetzen.
AuS Madrid, 24. März wird gemeldet: Laut «inistericllen Berechnungen werden 150 Unionisten anb 170 Progressisten und reine Sagassisten gewählt werden.
Wie der russische „Reichsanzeiger" meldet, fand zur Feier des GeburtSiageS deS deutschen Kaisers im WinterpalaiS in Petersburg kaiserliche Tafel statt, welcher der deutsche Botschafter nebst den Mitgliedern der deutschen Botschaft beiwohnten.
Mit Bezug auf ein Circularschreiben deS türkischen Großveziers, nach welchem die monatlichen
Deutsches Reich.
△ Berlin, 25. März. Dem Bundesrath ist etzt der Gesetzentwurf wegen Einrichtung und Be- ugniß des Reichs-Rechnungshofes zur Prüsung und Genehmigung zngegangen. Der §. 1 lautet: Der Rech nungshof deS deutschen Reiches ist eine dem Kaiser unmittelbar untergeordnete, der Reichsverwaltung gegenüber selbständige Behörde, welche die Contrvle deS gesammtrn Reichshaushalts durch Prüfung und Feststellung der Rechnungen über Einnahmen und Ausgaben von RcichSgeldcrn, über Zugang und Abgang von Reichseigcnthum und über die Verwaltung der Reichsschnlden zu führen Hal. Aus den Übrigen Be- stimmungen deS Gesetzes heben wir noch folgendes heran«: Als Präsident deS Rechnungshofes fungirt der Chef der preußischen Ober-RechnungSkammer, die Dirccloren und Räche werden vom Bundesrathe gewählt und vom Kaiser ernannt, die sonstigen Beamten vom Präsidenten auS den Beamten sämmtlicher Bundesstaaten ernannt. Der Rechnungshof hat jähr lich einen Bericht an den Kaiser zu erstatten und bei dieser Gelegenheit ihm etwa nothwendig erscheinende gutachtliche Borschläge darüber zu Machen, wie die Reichszwecke durch Gesetze und Verordnungen in zweckentsprechender Weise zu erreichen und zu fördern seien. — Nachdem der Minister de« Innern dem Herrenhause in dessen Sitzung vom 23. daS Resultat der Abstimmung deS Abgeordnetenhauses über den KreiSordimngs - Entwurf mitgelheilt und den Wunsch auSgedrückl hat, daß der gedachte Entwurf im Hcrrenhause eine baldige Erledigung finden möge, Hal die betreffende Commission, wie ich höre, ihren Referenten ernannt und ist sosort in die Berathung deS Entwurfs eingetreten — Der bisherige Militärattache der deutschen Gesandtschaft in Londou, Oberstlieute nant im großen Generalstabe Rocrdanz, ist zum Che der vereinigten Artillerie und Ingenieurschule ernannt worden. Als Militärattache ist der Major Schrötter, Militärgouverneur deS Prinzen Heinrich, zweiten Sohnes des Kronprinzen, designirt.
Die polnische Gräfin.
Moderne Novellettr von F. v. Hohenhausen.
(Schluß.)
„Ich bin allerdings eine polnische Gräfin!, Ich heiße Melanie von Mielcinska; mein Vater war bei einer der vielen Verschwörungen betheiligt; seine Güter, schon vorher völlig verschuldigt, kamen unter den Hammer. Meine Mutter, eine deutsche Baroneffe, opferte ihr kleine» Vermögen, um die Existenz der Familie zu fristen. Nach dem Tode meines Vater« ging sie mit mir nach Polen zurück und hoffte aus unseren ehemaligen Gütern wenigstens eine freie Wohnung zu erlangen. Der jetzige Besitzer, ein alter kränklicher Mann, der aber ein vortrefflicher Landwirth war, hatte den Ertrag deS Bodens verdoppelt, auch Kohlenlager von bedeutendem Umfange entdeckt und derwerthet. Er hatte in den zehn Jahren unseres l^ils reichlich anderthalb Millionen erworben mit den huttdertfnnfziztausand Thalern, die er für die ent- «erlheten Güter bezahlt hatte. Als er meine Mutter int Elend vor sich sah, erwcichte sich sein Herz, er gab ihr nicht nur freie Wohnung, sondern auch eine ehrenvolle Beschäfligimg. Sie mußte die Oberaufsicht seines reichen Besitzthums Übernehmen und ich wurde bald sein Liebling. Von den weitläufigen Verwandten feines früheren Lebenskreises mit habsüchtigen Plänen und Erbschleichereien verfolgt, erklärte er einte TagrS, daß er sich in seinem Gewiffen gedrängt fühle, die Güter ihren einstigen Besitzern zurückzuzeben, und mich zu seiner Universalerbin ernennen wolle. Meine gute Mutter war tief gerührt und bot ihm an, mich zu adoptiren, damit fein Name sortbestehen könne zum Andenken an seine Edelthat, aber er war zu bescheiden dazu, er verlangte nicht« als unsere Pflege und Be
gleitung aus einer Reise in südliche Gegenden, wo er seine Gesundheit wiederzufinden hoffte. Wir waren überglücklich, meine Mutter genoß endlich den Lohn für ihr opferwilliges Leben. Das Einzige, was uns inmitten unseres neuen Glückes belästigte, waren die habsüchtigen Freier, die mich, damals kaum achtzehnjährig, in wirklich beleidigender Weise verfolgten. Kein Glücksritter dünkte sich zu schlecht, um mit mir und meinem Gelee seine Lage aufzubeffern. Meine Mutter war mein bester Schutz, ihrem Scharfblick entging eS nie, wenn einmal eine recht geschickte Falle für die reiche Erbin ausgestellt war. Aber sie wurde kränk lich, daS Reisen verschlimmerte ihren Zustand, sie wünschte dringend, auf unserer Villa am Ccmersee bleiben zu können, während unser alter guter Wohl lhäter eine berühmte Heilmethode in Berlin versuchen wollte. Ohne mich konnte und wollte er nicht reisen, da kam meine Mutter auf den Einfall, ich sollte mich für seine Fran auSgeben, um ganz sicher vor den Heirathsanträ,>en zu sein, die meine Aussicht auf ein so große« Vermögen immer wieder herbeiführte. Eine ältere Dame sollte als Gesellschafterin hier engagirt werden.
„Dieser Plan war mir außerordentlich lockend, ich konnte nun endlich einmal unbehelligt von dieser wider- wäriigcn Männer-Industrie bleiben und eine größere Freiheit genießen Ohne irgend welche Gefahr zu ahnen, gab ich mich dem Scherz hin, der ohnehin nur wenige Wochen dauern sollte, da wir nach Verlauf derselben wieder zu meiner Mutter zurückkehren wollten^ Sie, Herr Graf, waren Zeuge, wie ungeschickt ich mich mit dem Trauring. benahm, den mir meine Mutier geborgt hatte — ich habe ihr tagebuchartig alle meine Erlebnisse geschildert und sie ist jetzt eben
falls voll Reue über unsere scherzhafte Luge. — Sie wird heute ober morgen ylerherkommen und mich wieder inner ihren Schutz nehmen, ihre Gesundheit erlaubt ihr glücklicherweise das Reisen, und nun, Herr Graf, werden Sie mir hoffentlich das Versprechen geben können, daß Sie sich nicht wieder der Gefahr eines Duells aussctzen wollen, um mich zu vercheidigen.*
Damit schloß die polnische Gräfin ihre Rede. AlS Tankred sie ansah, ohne zu antworten, wurde sie verlegen und spielte mit den Rosen auf dem Eise. ES entstand eine jener Pausen, wo man einen Engel durch'S Zimmer fliegen zu hören glaubt; in diesem Falle war es jedenfalls der Engel der Liebe!
Tankred ergriff die kleine Hand sammt der Rose und zog sie an seine Lippen, dann sagte er:
„Wenn Ihre Mutter kommt, Gräfin Melanie, darf ich sie dann um ihren Segen bitten? Den weiten Trauring möchte ich tragen, und für diese feinen Finger lassen wir eine passendere Feffel schmieden."
„Also habe ich doch erreicht, waS ich so sehnkichst wünschte, einen Mann, der nicht mein Geld, sondern mein Herz verlangt!" rief das junge Mädchen und zog den geliebten Verlobten in den Salon, wo der alte, kranke Mann freundlich schmunzelnd in seinem Lehnstuhl faß und einen.Bries laS: es war ein Hei- rathsantrag des Herrn von Ff., den er noch rasch entworfen hatte in der Hoffnung, dem kühlen, langsam berechnenden Grafen Tankred zuvorzukommen nnd angenommen zu werden, da er sein Byron'scheS Antlitz für unwiderstehlich hielt. —
Am andern Tage erhielt er die Verlobungsanzeige deS glücklichen Paare« als Antwort.
•• Berlin, 21. März. Wie man hört, hat Se. Majestät der Kaiser seinen Geburtstag in voller Gesundheit und Frische zugebracht; den Empfang aller Gratulanten nahm der König in voller Uniform entgegen und war gegen Alle besonders liebenswürdig, und namentlich erfuhren dies die Minister, welchen der König seinen fpeciellen Dank auSsprach für die egeiisreiche Thätigkeit des letzten Jahres. — Nach der „C. St." soll der Finanzminister Camphausen geäußert haben, daß die Zeilungsstempelsteuer zum 1. Juni 1873 in Wegfall kommen würde. Es ist officiös bereits über diese Angabe Zweifel erhoben worden, da der Finanzminister jedenfalls ohne lieber« einftinunung mit dem Gesammtministerium eine solche Erklärung nicht abgegeben haben würde. Wie man aber aus verbürgter Quelle hört, hat sich daö Staats- Ministerium in letzter Zeit mit dieser Frage gar nicht beschäftigt, ebenso wenig hat der Finanzminister eine solche Erklärung abgegeben. -- Nach Mittheilung einiger Blätter sollen aus den Zinsen der 4 Millioneu- Dvtation noch fernere Dotationen vom Kaiser ertheilt worden fein. Wenngleich darüber nichts Bestimmtes vorliegt, aus welchen Fonds diese Dotationen gezahlt worden sind, so wird doch von zuständiger Seile gesagt, daß an dem Factum, daß fernere Dotationen stattgesunden Haden, nicht zu zweifeln fei. So wird namentlich angegeben, daß ein coimnanbirenber General, ber bisher zu ben nicht Dotirten gehörte, rechtskräftig mit einer solchen Belohnung bedacht worben fei. — Der von ber „Prov.-Corr." erhobene Vorwurf, baß bie passive Haltung bes Herrenhause« in Betreff ber KreiSordNungsvorlage sich dadurch zeige, daß die Commission des Herrenhauses noch nicht in Lhätigkeit sei, wird in ber „Kreuz-Ztg." dadurch zu roiberlegen versucht, baß sie sagt, die Commission habe vor Sonnabend noch gar keine Gelegenheit gehabt, ihre Thäiigkeit zu beginnen, da der Beschluß des Ab« gcorbiietenhauses noch nicht feststand. Dem gegenüber ist doch darauf hinzuweisen, daß daS Herrenhaus in ähnlichen Fällen, wenn es sich um Erledigung eines wichtigen Gesetzes handelte, gar nicht den Realabschluß erwartet habe, sondern daß die Bcrathungen der Commission des Herrenhauses mit den Beralhun- gen im Abgeordnetenhause gleichen Schritt gehalten haben, wie dieses namentlich bei der Budgctberarhung geschieht. UebrigenS ist die letzte Abstimmung vom ; Sonnabend von großer Bedeutung, die Majorität für , Die Vorlage stellt nicht in Abrede, daß die Erledi- , gung der Vorlage der Kreisordnung auf dem Boden des Compromisses aller Parteien erfolgt ist. Es läßt
„Daily New«" wärmen das alte Gerücht wieder aus, daß Fürst BiSmarck die Einde- ntfung eines internationalen CongreffeS behufs Besprechung der gegenwärtig bestehenden Postverhältnisse und ber Herstellung eines Postvereins beabsichtige.
Dberhessische Reifung.
ZfAnnt täali* außer den Werktäg'en nach Sonn, und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischen Seituug mit KretSblatt durch die Expedition («ach'sche druder ei) bezogen M; «ar., durch die Postämter 27 Sgr. « Pfg. (excl. Bestellgebühr und mcl. Ätempelfteuer), für daS Ausland excl. Stempel M ®Br.-
»uchdruaerei) --zogen , y\ , i f (ten“ yci(e ; 6gt. Sämmtliche Annoneen-BüreauS nehmen Inserate an.
aW+offltttftOtt auf bas mit dem 1. April be- ix)tlllrUUUl|lrU ginnenbe neue Quartal ber Ober hessischen Zeitung" unb des mit der jtlben gratis abgegebenen Kreisblatte- für die Krise Marburg, Frankenberg-Vöhl und Kirchhain ersuchen wir baldigst bei den betreffenden Postämtern machen zu wollen, ba ohne vorherige Bestellung von der Post bie Fortsetzung nicht geliefert wirb.
Aus dem Lande nehmen die Landpostboten Gestellungen an.
Dir Expedition der Oberhessischen Zeitung.
»Marburg, 26. März.
Auch I. M. die Königin-Wittwe Elisabeth Hai «us Anlaß deS Ablebens des Wirkt. Geh. RatheS «. Sydow an daS Gentralcomite des preußischen Per- eins zur Pflege im Felde verwundeter unv erkrankter Krieger ein theilnahmvolleS Schreiben gerichtet, das den Verlust de« verdieiistvoUen Verstorbenen beklagt. — Ein Schreiben des Oberpräsibenten von Möller an bie Straßburger Handelskammer theilt derselben mit, bie Regierung treffe bereits Vorbereitungen, um die dortige Tabaksmanufactur in die Privatindustrie übergehen zu taffen.
Aus Paris, 25. März wird gemeldet: Der am Freitag verschobene diplomatische Empfang beim Mi nister d. 91., Grafen Rcmusat, wird heute slattfiiiden. Die Gesandten der Mächte werden, wie die „Agence HavaS" meldet, die stricte Ausführung der bestehenden Haudelsverträge fordern. — Die Königin von Eng land traf vorgestern in Cherbourg ein und kam in ber darauf folgenden Nacht durch Paris, ohne an-