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Der belgische Senat genehmigte am 22. b. mit gegen 6 Stimmen die Beibehaltung des belgischen sandten am päpstlichen Hofe. Die Repräsentanten-

^Marburg, 25. März. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht den vom König ctionirten preuß. Staatshaushaltsetat pro 1872. — lerallieutenant v. Blumenthal ist zum commandirenden teral des vierten Armeecorps ernannt worden. — e aus allen Landeslheilen von Delegirten der

eine neue Judenhetze zu befürchten stehe, weshalb die Behörden umfassende Vorsichtsmaßregeln getroffen hätten.

Am 22. d. fand im deutschen Gcneralconsulate zu Belgrad die festliche Feier des Geburtstages des deutschen Kaisers statt. Der Fürst und die Regierung ließen durch besondere Abgesandte ihre Glückwünsche darbringen; vor dem Consulalsgebäude spielte wäh­rend des Empfanges derselben eine serbische Musik­kapelle.

Der Senat zu Washington nahm am 21. d. da- Amendement zum Zolltarif an, durch welches die Steuer auf Thee und Kaffee aufgehoben wird.

Auch bei Gelegenheit Meines diesjährigen Geburts- e- sind mir sowohl von Gemeinden, Korporationen, inrn, Festversammlungen und einzelnen Personen allen Theilen deS Deutschen Vaterlandes, als auch deutschen Patrioten außerhalb deS Reiches, zum

eil aus weilen Fernen, wiederum sehr zahlreiche ie telegraphische Glückwünsche, selbst in poetischer dargebracht worden. Nicht ohne tiefe Bewegung, ch auch mit freudigem Stolze habe Ich diese Beweise

Schweiz.

Bern, 23. März. Dem Vernehmen nach, wird die Volksabstimmung über die revidirte Bundesver- faffung bis zum 26. Mai hinausgeschoben werden. — In Genf hat der Deputirte Dr. Duchosal im Großen Rache den Antrag gestellt,'Herrn BundeSrath Dr. Dubs wegen seiner Haltung in der BundcsrevisionS- Angelegenheit das Ehrenbürgerrecht der Stadt Genf zu ertheilen. Trotz dieses Antrages scheint sich in Genf eine dem Revisionswerk günstigere Stimmung bilden zu wollen. So haben die Actiönäre des dort sehr einflußreichen „Journal de Gensve" beschlossen, daß dieses Blatt für seine Annahme wirken soll.

Frankreich.

Paris, 24. März. Ein Artikel des offiziösen „Bien Public" sagt in Betreff des Gerüchtes über die fremden Allianzen: Genaueren Nachforschungen zufolge ist alles was darüber umgeht ganz unzuverlässig und alle Mächte bewahren eine große Zurückhaltung; sie vermeiden sorgfältig jede neue Verwickelung und wün­schen sehnlichst den allgemeinen Frieden, welchen die Allianzen voraußsetzen; es besteht kein anderes Pro- ject, welches neue Verwickelungen hervorbringen könnte. Niemand bedroht Frankreichs und Deutschland denkt nicht daran, in unsere Angelegenheiten 'einzugreifen. Die einzige wahre Thatsache ist die Gleichmäßigkeit der Interessen von Preußen und Italien. Die an­gebliche Rückforderung von Savoyen und Nizza wird von Italien entschieden in Abrede gestellt. Es besteht zwar ein Familien - Vertrag zwischen Spanien und Italien, aber es ist nichts darin gegen Frankreich enthalten. Als Hr. Thiers verlangte, daß die Ver­handlung über die katholischen Petittonen vertagt werde, habe er nicht aus Furcht vor italienischen Re­pressalien gehandelt, denn Italien hätte solche nicht gewagt. Hr. Thiers habe nur eine unnütze Verhand­lung vermeiden wollen; eine Lösung der römischen Frage sei von feiner Seite her möglich. Die Bestre­bungen Frankreichs wollten nur die Beziehungen zwi­schen dem h. Stuhl und Italien erträglich machen. Frankreich fei nicht ohnmächtig aber vorsichtig. Diese Vorsicht sei eine Pflicht für Alle, selbst für die Stärksten, in einer so neu gestalteten Lage der Welt. — In der letzten Zeit hat man öfters behauptet, daß Louis Ratisbonne, einer der Mitarbeiter der „DebatS," zur katholischen Religion übergetreten sei. Dies ist eine Verwechslung mit seinem Bruder, der als Abbs theilS in Rom, theils in Paris lebt. Der Ratisbonne von den „Debais" ist noch immer Jude. Beide sind Söhne eines Straßburger Banquiers, der s. Z. seinen deutschen Namen Regensburg ins Französische über­setzte Eine der Schwestern der beiden Ratisbonne ist übrigens auch zum KatholicismuS übergetreten und befindet sich in ober bei Lyon in einem Kloster. —

Deutsches Reich.

Berlin, 24. März. Nachbem der Fürst-llfeichs- kanzler am Donnerstag Abend hierher zurückgekehrt war, um vorgestern an der Geburtstagsfeier des Kai­sers theiizunehmen, hat derselbe sich wieder einen acht­tägigen Urlaub erbeten, den er in Varzi» verbringen wird. Seine Abreise dahin wird wahrscheinlich heute stattfinden. Der Aufenthalt im Sachsenwalde, wo Tag für Tag bei meist gutem Wetter Ausflüge zu Pferde ober zu Wagen gemacht wurden, an benen sich bisweilen Techniker betheiligten, mit welchen ber Fürst verschiebene neue Anlagen besprach, scheint bem letzte­ren vortrefflich bekommen zu haben. — Der erste Geistliche, welcher in Anwendung des neuen Schul- aussichtSgesetzes feiner Stellung als Schulinspector enthoben wurde, ist der Pfarramtsverweser Vicar Krußka zu Filehne im Regierungsbezirk Bromberg.

München, 24. März. Die Abgeordnetenkammer Hal gestern den Etat des Ministeriums d. I. erledigt bis einschließlich des Etats der Bezirksämter. Der Etat deS Ministeriums selbst wurde nach dem Aus­schuß. Antrag mit einem Abstrich von 6550 fl. für das allgemeine ReichSarckiv nach den RegierungSpostu- laten genehmigt. Der Ausschußantrag auf Einziehung von 8 Rathsstellen, 7 Rechnungscommissäcstellen, der Medicinalrathstelle bei den Kreisregierungen, ferner 3 AmtmannS- und 20 Assessorstellen bei den Bezirks­ämtern, wurde angenommen.

Oesterreich - Ungar«.

Wie», 24. März. Beide Häuser deS Reichs raths nahmen gestern den Gesetzentwurf betreffs Er­höhung des FriedensstandeS der Cavallerie in dritter Lesung an. Die Regierung theilte mit, daß das Noth- wahlgesetz die kaiserliche Sanktion erhalten habe. Der ReichSrath vertagte sich bi« zum 7. Mai. — Das GeburtstagSfest des Kaiser« Wilhelm vereinigte in Triest eine große Anzahl Angehöriger de« deutschen Reiches zu einem Festmahle, bei welchem der deutsche General consul Lutterrvth den Vorsitz führte.

er Anhänglichkeit und nationaler Sympathie ent- [6oflfcegengenonunen. Mögen Alle, welche mir durch ihre

"dara! ln ben Reichskanzler.

■förcft immer hat sich bis zum 9. April vertagt.

Laut ber „Nord. Presse" ist in Odessa auS der

Kl ««Wutschen Partei in Würtemberg beschickte Versamm- [70t tng in Stuttgart beschloß vorgestern, indem sie von

_____ bringen.

Z b, Berlin, den 23. März 1872.

iefen haben, Meines herzlichsten Dankes versichert sein. ‘»JUf Ich beauftrage Sie, dies zur öffentlichen Kenntniß

' «er neuen Formulirung deS Programms Umgang .eifl ihm, die Anträge über neue*der Partei zu stellende Aufgaben der Berathung der einzelnen Vereine zu 77.°' «erstellen. Der Versammlung schloß sich ein Fest- tr 31 5U Ehren deS Geburtstages deS deutschen Kai " ___ W an.

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Srscheint tätlich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischen Zeitung mit Kreißblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 88; ®gr., durch die Postämter 87 Ogr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 88 »gr. — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.

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----- & "abhanden gekommen. Da man den Diebstahl mernd Htber bm Juden in die SchuheAgeschoben, so sei der >be BMbel in so erregter Stimmung, daß zur Osterzeit [6591

i in1 Wellungen an.

Dir Expedition der Oberhesfischen Zeitung.

ba8 mit betn 1 April be- ginnende neue Quartal der ; „Oberhesfischen Zeitung" und des mit der ^selben grnttS ausgegebenen Kreisblattes für die :: «reife Marburg, Frankenberg - Vöhl und Kirchhain n »suchen wir baldigst bei den betreffenden Postämtern !! machen zu wollen, da ohne vorherige Bestellung von ;' ber Post die Fortsetzung nicht geliefert wird. • । WM- Aus dem Lande nehmen die Landpostboten

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fort und kam nicht wieder. Der Stammgast von

- Die polnische Gräfin.

Ruhr Moderne Novellette von F. v. Hohenhausen.

' (Fortsetzung.)

Mai« Tankred hörte mit einem Gemisch von Erstaunen über- b Entse en zu — wärs möglich, sollte sie nicht 9 „ total eine polnische Gräfin, nur eine gemeine Aden ___fs ittrin (ein? Sollte dies sanfte Frauenantlitz, diese hoh- idchenhafte Zurückhaltung nur eine Maske fein? Er ng bi itte auffchreien mögen, fo peinigte ihn dieser Gedanke.

t sah sie finster an — sie schien immer bleicher zu f ckei "ben, ihre Blicke nahmen einen traurigen bittenden t0 be usdruck an. Dazu klangen die Melodien der Tra- 1 0 ‘■»ta von der Dühne herab wie eine Begleitung seiner

ipftnb ungen. War sie nicht auch ein so verlorenes rTO eschöpf, wie diese Cameliendame, die trotz ihrer Er- iedrigung sich noch zu einer großen Liebe zu erheben -jjptgte'? Fühlte er unter diesen flehenden Tönen doch sowi to Herz zerschmelzen, als wenn die junge Frau, die ode« ' seit einiger Zeit ganz gegen seinen Willen und im gegen stillen anbetete, sie zu ihm hinüber fange! Er wollte [70 >rt und blieb wie gebannt auf feinem Platze. Er - strschte mit den Zähnen, wmn er sah, wie die an- ittn Herren in der Loge eine Unterhandlung anknüpsten, «b sagte sich doch, daß ihm daS ja völlig gleichgültig in müsse. Dann fühlte er wieder ein brennendes erlangen, die sonderbare Neuigkeit über die Berhält- fie der polnischen Gräfin Jemanden mitzutheilen, um TT* »möglich eine Widerlegung zu erfahren; ber Herr, & De elcher fo Seltsames erzählt hatte, ging im Zwischen­

her table d’höte verschwand gleichfalls und Tankred dachte mit Grauen und Mitleid daran, wie derselbe gewiß nichts Eiligeres zu thun habm würde, als den Ruf der jungen Frau zu zerstören, indem er im Hotel erzählte, daß sie nicht getraut fei mit ihrem Begleiter.

Vergebens grübelte Tankred nach einem Mittel, ihr feinen Schutz angedeiheu zu lasten — wenn er sie auch verdammen und verachten mußte, es war ihm doch ein allzu schmerzlicher Gedanke, sie den grau­samen Mißhandlungen ber bösen Zungen einer Tisch gesellschaft schutzlos preiszugeben. Er dachte daran, sich »och am selbcn Abend nach dem Schluß der Oper bei ihr melden zu lassen, und ihr den Rath zu geben, sobald als möglich abzureisen, doch fühlte er auch ein inneres Widerstreben, mit ihr zu reden, und endlich kam er zu dem Entschluß, lieber durch Herrn v. Fs. die Sache einleiten zu lasten.

Er ging deshalb nach dem Hotel unter den Linden, als die Vorstellung zu Ende war; im Gedränge des HinauSzehens war er noch Zeuge, mit welcher Sorg falt sie das Einsteigen des alten Mannes leitete und wie vornehm zurückhaltend sie die begleitenden Herren entließ.

„Wie ist eS möglich, so gut Komödie spielen zu können," dachte er, „Weib, dein Name ist Verstellung."

Als er in den Speksesaal trat, saßen schon »er schiedene Gruppen dort, die ä la carte ihr Abend­essen einnehmen und plauderten An ihrem gewöhn­lichen Platze erblickte er Ff. und Lilienberg im leb­haften Gespräch mit den beiden Herren auS dem

Theater. Er konnte sich denken, was ber Gegenstanb desselben war. Rasch setzte er sich zu ihnen unb ver­suchte mit großer Höflichkeit zu erlangen, daß man ihm bie Zusage geben möchte, in ben nächsten zwei Tagen nicht über die Sache öffentlich zu sprechen.

Dieser wohlgemeinte Versuch mißlang jeboch gänz­lich; erst wurde gelacht über seine warme Fürsprache für eine „solche Person," unb schließlich nahm ber polnische Gutsbesitzer es übel, daß seine Aussage irgend einer Kritik unterworfen werden sollte. Wie es im lebhaften Reden so leicht geschieht, erhitzten sich die Sprecher, es kam zu einem lauten Wortwechsel, dessen friedliche Beendiguiig mit jeder Minute zwei­felhafter wurde. Schon horchten bie ferner sitzenden Eäste auf; die Aussicht ans einen Streit zwischen Offizieren und Civiliften spannte ihre Neugier auf'S Höchste. Ff. unb Lilienberg suchten den leidenschaft­lich erregten Tankred zu beschwichtigen; es war un­zweifelhaft, daß sein nächstes Wort eine Herausforde­rung zum Duell sein würde — da knarrte die Tape- tenthür und in ihrem Rahmen stand wie ein Bild, noch im seegrünen Kleide mit aufgelöstem Blondhaar die verleumdete junge Dame!

„Halten Sie ein, Graf Tankredl Brechen Sie keine Lanze für mich, jener Herr hat vollkommen Recht, ich bin nicht die Fran des armen Kranken — ich bin feine Tochter! Ich hörte mit tiefer Angst den Wort­wechsel an, der sich über mich entspann, ich bin nicht garij ohne Verschulden daran und halte es für eine Pflicht der Dankbarkeit, die ich wegen Ihrer ritter