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Marburg, Sonntag, den 24. März.

1872

Oberhessische Zeitung

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Am andern Morgen schien die Sonne hell in die

Ebenen Haare der schönen Melusine, vor der sich c1ein dichtes Gedränge von Bewunderern einge

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Sie nur jene Dame an, die dort seitwärts

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weil die Löwen des Platz wählten.

Ihm gegenüber Sammet und rother blickte er alsbald die sich versunken, ganz,

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fortzugehen.

Das alte Fräulein sah ihr erstaunt nach, Tankred's n bebte rin wenig; mit 'weiblichem Scharfsimt

Jndesien sammelt sich auch die Deak-Partei, und es sieht zu hoffen, daß sie obsiegen werde. Sie hat einen Neuner - Ausschuß zur Unterstützung der Regierung ernannt.

Der schweizerische Bundesrath hat von Schritten gegen die in Genf wohnenden Communar- den abgesehen, da die gegen dieselben vorgebrachten Anschuldigungen grundlos sind.

Die französische National Versammlung be­schäftigte sich diese Woche mit dem Budget für 1872. Für den öffentlichen Unterricht wurden aus Spar­samkeits-Rücksichten mehrere Abstriche gemacht; dagegen für das Budget des Kriegsministeriums die hohe Summe von 440 Millionen bewilligt. Fournier, der französische Gesandte bei König Victor Emanuel, ist endlich nach Rom abgereist.

Nach Erledigung verschiedener Special-Creditan- träge hat sich die belgische Repräsentantenkammer mit der Revision des Handelsgesetzbuches beschäftigt.

Vorgestern ging die Rückantwort der englischen Regierung auf die Note der Union nach Washington ab. Der Inhalt der letzteren läßt auf eine fiiedliche Verständigung hoffen. Der Handelsvertrag mit Frankreich (der sog Cobden'sche Vertrag von 1860) ist von Seite des letzteren Landes am 15. d. M. ge kündigt worden. Im Unterhause hat der rcpubli kanische Baronet Dilke gestern eine stürmische Scene hervorgerufen, als er seinen Antrag auf Vorlegung von Ausweisen über die k. Civilliste und deren Ver Wendung stellte. Viele Mitglieder von beiden Seiten des Hauses verließen den Saal, und schließlich wurde Dilke's Antrag mit 276 gegen 2 Stimmen verworfen, eine gründliche parlamentarische Niederlage! Die englische Flotte scheint neuerdings vom Unglücke ver­folgt zu werden: während aus Malta die Nachricht kommt, daß der PanzerdampferLord Clyde" auf den Strand gelaufen und nur mit Mühe und Schäden flott zu machen war, wird aus Gibraltar der Tod von zwei Lieutenants und neun Seeleuten des Kriegs schiffeSAriadne" gemeldet, welche trotz eines doppel­ten Rettungsversuches ertranken.

lusregung fort. Aus der Mitte der Vertreter bei der OmdeS-Ccnferenz der Linken in Pesth wird sich eine Ito mehreren Personen bestehende Deputation aus igene Kosten zu Kossulh nach Turin begeben, um den- klben zu bewegen, in daS Vaterland zurückzukehren.

.den hatte; Sachse's Salon bietet oft solche fünft Ische Leckerbissen dem verwöhnten berliner Geschmack ! Das grüne Licht, das wie ein Nimbus dies älbe überstrahlt und den geheimnißvollen Zauber Sagenwelt unterm Wasserspiegel ahnen läßt, ver- ert sich in der reizenden Gestalt der Melusine.

ie ist daS lebendig gewordene Märchen von der e und ihr bleiches Antlitz voll Mondcsglanz erzählt dem Leid, das allem Erdenglück beigemischt ist. Wer für die ideale Schöpfung des verklärten nstlers kein Verständniß hat, der ist doch jedenfalls effelt von der Meisterschaft der Ausführung und der Deutlichkeit, der Sprache, die er in Farben -drückt.

Eine liebenswürdige Kunst-Enthusiastin, das alte iulein von Rantz, ging stolz am Arme ihres schö

Die luxemburgische Regierung hat letzten Samstag eine Commission nach Berlin entsendet, um endlich mit der Reichsregierung in Unterhandlung zu treten wegen der Verwaltung der Bahnen im Groß- herzogthum.

Das italienische Parlament hat nach sechs Sitzungen die Generaldebatte über das Project des Finanzministers Sella geschlossen. Der Minister Lanza hat erklärt, daß er vom Schicksal der Vorlage auch das des jetzigen Kabinetes abhängig mache.

In Spanien ist der Streit der Parteien aus'S heftigste entbrannt. Die Corteswahlen werden die Wahlstatt für den entscheidenden Kampf öffnen. Der Vorgänger König Amadeo'S in der Regierung, Espar- tero, hat die an ihn ergangene Einladung, eine Can- didatur für den Congreß anzunehmen, ablehnend und mit einer Klage über die in der liberalen Partei ein­gerissene Spaltung beantwortet.

Am russischen Hofe ist der König von Wür- temberg zu Gaste. Großsüist Michael hat sich von Petersburg wieder auf seinen Statthalterposten nach Tiflis begeben. Nach russischen Gesetzen ist der Austritt aus der russiichen Kirche mit Criminalstrafen bedroht. Jetzt beschäftigt sich der Ministerrath mit der Frage, ob nicht eine Milderung zulässig oder ob nicht vielleicht völlige Gewissensfreiheit zu gewähren sei. Zum Schutz der Festung Kronstadt sollen Torpedo's angeschafft werden und sind dazu 254,000 Rubel bewilligt worden. Die Schulen der deut­schen Colonisten in Rußland sollen ihre Selbststän­digkeit verlieren und unter die russischen Schulbehör­den gestellt werden. An Stelle der katholischen Prie­ster. Seminarien gedenkt die Negierung an den Univer­sitäten Petersburg, Warschau und Kiew sörmliche katholisch-theologische Facultäten zu errichten.

Die rumänische Kammer hat den Eisenbahn­vertrag unverändert mit 63 gegen 14 Stimmen an­genommen und die Abänderung des Armeegesetzes von 1868 so wie auch den Postvertrag mit Rußland ge­nehmigt. Der Senat hat auch seinerseits der Anleihe von 10 Millionen zugestimmt, mit welcher die in

Die tzslmschk Gräfin.

Moderne Novellette von F. v. Hohenhausen.

(Fortsetzung.)

ahnte sie den Beginn eines kleinen Romans zwischen diesen beiden sich fliehenden Menschen.

Schabe, daß sie eine polnische Gräfin ist, eine deutsche Prinzessin wäre für Sie nicht zu gut," sagte sie fast zärtlich zu dem erröthenden Vetter.

Jeden Mittag nahm Dvnkred sich vor, in einem andern Hotel zu speisen, aber immer wieder ließ er sich von einer ihm selbst unerklärlichen Gewalt auf den Platz treiben, wo ihm die polnische Gräfin ge­genüber saß, und eh' er sich dessen versah, war auch eine Unterhaltung mit ihr im Gange. Erst mußte zwar von beiden Seiten eine Anwandlung von Sprö­digkeit ober Blödigkeit überwunden werden, aber ge­rade dadurch rückte man sich näher als ohne Zurück­haltung.

DaS Gespräch mit den beiden andern Herren trug dagegen sichtlich den Stempel der Gleichgültig feit. Herr v. Ff. hätte viel darum gegeben, wenn er mit einem ebenso holden, scheuen Blick und zaghafter Einsilbigkeit wie Tankred empfangen worden wäre. Die gleichbleibende, kühle Freundlichkeit brachte ihn zur Verzweiflung. Nichtsdestoweniger blieb er dabei, sich das Ansehen eines begünstigten Verehrers zu geben; im Theater erschien er stets in den Zwischen- Acten in ihrer Loge und auf der Promenade ritt er laut redend und lachend neben ihrem Wagen. Wenn Tankred ihnen begegnete, grüßte er ehrerbietig, aber kalt und wiederholte seufzend:

Schade, caß sic eine polnische Gräfin ist, sie sieht so deutsch ans, aber diese frivole Courmacherei wird sie noch ganz verderben. Wie kann ihr Mann nur so ruhig dabei bleiben, wäre ich so alt, würde ich uns wahrlich nicht in bet Nähe meiner grau dulben."

Er nahm sich bann wttber fist vor, nicht auch noch zu ihrem Verberben beizutragen unb wenn sie bei Tisch roieber als holdes Gegenüber dasaß, ließ er sich ganz wie immer von ihrem Zauber be­herrschen.

Eines Abends ging er ins Opernhaus, weil sie so lieblich gefragt hatte, ob er kommen würde, um die Lucca in der Traviala zu sehen, eine Relle, die sie bisher noch nie gegeben hatte. Er saß in der Loge dicht am Theater, welche man dieLöwengrube" nannte,

Sonnenstrahl. DaS weiße Gesichtchen hob sich auf dem dunklen Hintergrund ab wie eine fein geschnit­tene Gemme in einem jammtenen Schmuckkästchen.

Als d>e schmeichelnde Musik begann, belebten sich ihre Züge, die Augensterne flogen blitzend zu Tankred hinüber und der !üße kleine Mund, obwohl stumm, schien ihn zu rufen. Ungeduldig erwartete er den Schluß des Actes, um zu ihr in die Loge gehen zu können, da hörte er plötzlich, daß ein Herr hinter ihm, der einen starken Patscholi Geruch um sich ver­breitete, feinen Nachbar fragte:

Wer ist die Dame im hellgrünen Kleide?"

Das ist eine polnische Gräfin, die Gemahlin des alten Herrn, der neben ihr sitzt," lautete die 'Antwort

Unmöglich, den Mann kenne ich seit langen Jahren, der ist kein Graf und hat auch keine grau"

Doch, doch, daS Paar legirt in demselben Hotel mit mir unter den Linden," sagte der Angeredete, in welchem Tankred eineir Stammgast von der table dhöte erkannte

*Ich sage Ihnen, der alte Mann dort in der Loge ist ein reicher Bergwerksbesitzer auS meiner Nach­barschaft im Königieich Polen, aber er ist gewiß nicht mit der hübschen Blondine getraut, das hätte ich ja in unserem Kirchspiel schon durch'S Aufgebot erfahren müssen. Das ist sicherlich eine schlaue Pariserin oder gar eine Berlinerin. die sich den reichen Gimpel ein­gefangen hat, und nun für einen Grasen ausgiebt, er ist von ganz niederer Herkunft," so plauderte der Herr weiter und wehte sich mit seinem Patscholi duftenden Taschentuche Kühlung zu.

(Fortsetzung folgt.)

in dem Dunkel, von rokhem Atlastapcte hervcrgebracht, er- polnische Gräfin, träumerisch in wie Melusine in der Felseiigrotte. Ein grünlich schillerndes Seidenkleid umfloß sie, wie jene das Wasser deS Zauberquells, und eine hellgol- tene Locke fiel über ihre Schulter, wie ein verirrter

h tzAnt Vetters, des Grafen Tankred, durch die bewun- ' trnbe Menge und sprach ihr Entzücken über das

L. mit lauter Begeisterung aus. Plötzlich wurde sie und stieß ihn leise an, indem sie flüsterte:Se-

Aber schon hatte die Dame ihn gesehen, sie stand auf und schien seine Anrede zu erwarten; als ___- t sich abwendete, folgte ihm ein trauriger Blick und '.90,«' lit stolzer Haltung drängte sie sich durch die Menge,

st Bismarck weilt gegenwärtig auf feinem Wald- HeiftÄite in Lauenburg. Der Kaiser bedarf zur völligen . Siederherstellung noch der Schonung; eS hat deßhalb ;9rc ßsiein, an seinem Geburtstage, der sonst übliche Be

»rscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischen Zeitung mit Krei-blatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruck er ei) bezogen 82; Gar., durch die Postämter 27 ®gr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 22 ®gr. Jnsertionsgebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreauo nehmen Inserate an.

kssel ruht, das ist ja ein förmliches Urbild rng^önen Melusine! Ganz dieselbe mattglänzende »v l. lchtsfarbe und daS hellgoldene Haar! Sahen Sie (irt< "«als ein reizenderes Wesen, lieber Vetter?" ifiaftfDaS ist die polnische Gräfin, die ich an unserer . AMittagstafel kennen lernte und Ihnen schon davon legeb-fzählte, lassen feie uns lieber in den anderen Salon m, sonst muß ich sie grüßen, was ich lieber ver-

Jn der Zeit von acht Tagen vom vorigen jeieimabenb bis heute hat das preußische Abge- 3- vtdnetenhauS die neue Kreisordnung berathen und rfalle bie Berathung zu Ende geführt. Sowohl die Par- M eien unter sich, als die Gesammtheit deS Hauses bern eil6 und die Regierung andererseits zeigten von - nnherein ein erfreuliches Entgegenkommen, um dieses ichtige Gesetz zu Stande zu bringen. Für das Ober- nungSkammergesetz ist jetzt die Uebereinstimmung Iber Häuser gewonnen, indem das Abgeordnetenhaus « aus dem Herrenhaus zurückgekommene Fassung genommen hat; ebenso für die Grundbuch- und mndbelastungsgesetze, indem das Herrenhaus der ssung des Abgeordnetenhauses zugestimmt hat. Die inbetufung deS deutschen Reichstages auf den 8. April durch faijerl. Verordnung vom 17. d. M. erfolgt.

{60 örtembergische Abgeordnetenkammer hat den Antrag 1872 iniger Abgeordneter, die Regierung solle im Bundes llinfi K,$ auf Gewährung von Diäten für die Reichstags

^geordneten wirken, abgelehnt. Ter baierische arnei iandiag ist noch mit der Budgetberathung beschäftigt

( Durch kaiserl. Patent vom 13. d. M. ist der ihmischen Landtag aufgelöst und auf den 24. lpril wieder einberufen worden. Diese Maßregel eilte verfügt werden, sobald die österreichische Re- " t) ierung sich der Majorität des böhmischen Großgrund, csitzks versichert hatte. Also ist der Schluß berech- H ligi, daß diese Mehrheit der Verfassungspartei gewon int ist. Die Verhandlungrn mit den Polen sind Vy och immer nicht beendigt In Ungarn dauert die

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