W s
ffr. 70.
Marburg, Sonnabend, den 23. März.
1872.
Oberhessische Zeitimg.
ung thei-
unb ifrn
mit:
imijt >sse« Bor--.
utcn nteä
372. >ses:
sens oivie ilcht. rtirrt 663 M.
vnbe Be- 652
ahr.
das kann icreb [682
Ültr ki
Ihr:
Kes rs
I
ft . [683
O'„.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischrn Zeitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen !!{ Ear., durch die Postämter 27 ®gt.,6 Psg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für da- Ausland excl- Stempel 22 Gar. - Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoneen-Büreaus nehmen Inserate an.
»Marburg, 22. März.
Heute feiern wir den Geburtstag Sr. Majestät «njeres allverehrten und geliebten Kaisers und Königs. Möge uns die Gnade noch oft wiederkchren an diesem bedeutsamen Tage dem Allmächtigen für des Kaisers und des neuen Reiches Erhaltung und Kraft zu danken. - Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die kaiserliche Verordnung, durch welche der Reichtag auf den 8. April nnberufen wird. — Die Zeitungsnachricht, Luxemburg habe die Ucbcrgabe der Eisenbahnen an die Elsässer Bc: triebskommission zugeständen, ist verfrüht. Die Unterhandlungen versprechen aber ein günstiges Resultat. — DaS Herrenhaus wird vor seiner Vertagung voraus sichtlich morgen seine letzte Sitzung halten.—Im April soll zu Fulda abermals eine — eS wäre die vierte — Versammlung kath. Bischöfe stattfinden. Gegenstand der Berathung wird die Haltung des Klerus gegenüber dem Schulaufsichtsgesetz sein. — Der Prätat Zimmer mann ist, laut Meldung aus Darmstadt, um seine Pensionirung eingekommen. — Die städtischen Behörden zu Ulm haben dem preußischen General v. Prittwitz [Erbauer der Festung Ulm und Gouverneur derselben »ährend des Krieges) daS Ehrenbürgerrecht ectheilt. Die lleberreichung erfolgt an dem Geburtstage des Kaisers. — Die baierische Abgeordnetenkammer hat gestern die Budgetvoranschläge bezüglich der Zellgefälle, des Münz- md Stempelamts und der Steuerkatastcr-Anstalt nach den Außschußanträgen angenommen. Der Antrag Schlossers auf Ausdehnung der Ostbahn wurde mit 78 gegen 45 Stimmen angenommen. Die ganze Rechte »ar für den Antrag. Durch königl. Entschließung Mm 20. d. M. ist der Landtag bis zum 15. April verlängert worden.
DaS österreichische Herrenhaus genehmigte gestern das Budget, sowie bad Finanzgesetz pro 1872, desgleichen den CvmmissionVbericht über die Theue rungSbeilräge und die Bewilligung eines Credits von einer halben Million für den niederen ClerüS.
Aus Pest, 21. März, wird gemeldet: Die zur Herbeiführung eines Compromisses abgesendeten Co- Ate's der Deakpartei und der Opposition tauschten « .einer Konferenz ihre gegenseitigen Vorschläge auS, »rlche heut« in den ClubS vorgclegt wurden. Das deakistifche Comite erstattete dem im Abgcordnelen- hause anwesenden Ministerpräsidenten sofort Bericht von dem Resultat« der Berathung. Morgen früh wird die entscheidende Conferenz des Ausgleich scomite's Mfinben.
Im Mai d. I. werden mit Zustimmung der
spanischen Regierung drei unterseeische Telegraphenkabel gelegt werden. Das eine zwischen Corunna und Falmouth wird Spanien direct mit England verbinden,, das andere wird die Verbindung zwischen Singa- pore und Manila mit drei Zweigdrähten auf den Philippinen, und das dritte die Verbindung zwischen Mindanao (Philippinen) und den Molucken Herstellen.
Aus K o p e n h a g e n,' 20. März, wird geschrieben: In Folge des seit gestern eingetretenen starken Schneefalls ist der Verkehr auf den seeländischen Eisenbahnen, ausgenommen auf der Strecke Kopenhagen-RoeSkilde, ststirt.
Der Kongreß von Washington, hat einen Sonderausschuß ernannt zllr Untersuchung der Waffenverkäufe an Frankreich und der angeblichen Bestechung von Zollbeamten in Newyork und Ange stelltcn des Marine Ministerium. — Die gesetzgebenden Körper mehrerer Unionsstaaten ernannten Com- Missionen behufs Untersuchung der Verwaltung ihrer StaalS- und Municipalbcamlen. — Der Gouverneur des Staates Newyork hat das Eriebahn-Gesctz unterzeichnet.
Deutsches Reich.
•• Berlin, 21. März. Die KreiSordnung rückt im Abgeordnetenhause in erwünschtem Gange fort und es ist namentlich von Werth, daß der entscheidende Paragraph der Vorlage, betr. die Ausdehnung des Wahlrechtes, in einer Fassung angenommen worden ist, welcher die Regierung zuzustimmen im Stande war. Es ist deshalb die bereits bei Beginn der Berathung gehegte Hoffnung, daß in dieser Session das Reformwerk zu Ende gebracht werden wird, nunmehr eine durchaus befestigte. — Im Strafgesetzbuch sind die Ausdrücke „höh.re Polizeibehörde", und „Landespolizeibehörde" noch keiner Definition unterworfen worden. Da diese aber doch nothwendig erscheint, hat der Reichskanzler beim Bunbesraih beantragt, derselbe wolle sich damit einverstanden erklären, daß diejenige Behörde die Landespolizeibehörde vorstelle, in deren Bezirk der Ort liegt, in welchen der Bestrafte nach Abbüßung seiner Strafe entlassen wird. — Bei Berathung der Vorlage, betr. die Herbeiführung einer Reform der gesammten Steuer-Einrichtungen des preußischen Staates, wurden im Landes Oekonomie-Col- legium folgende Anträge angenommen: es stehe die bestehende Besteuerung des Einkommens aus Grundbesitz, thcilS durch die Klassen- und klassificirte Einkommensteuer, theils durch die Grund- und Gebäude
steuer, im Widerspruche mit dem Princip einer gleichmäßigen Besteuerung aller Staatsbürger und daher die Beseitigung solcher Doppelbestimmungen zu erstreben fei; ferner, es sei dringend geboten, eine Herabsetzung der Gebühren und Stempel bei Acten freiwilliger Gerichtsbarkeit, welche den Grundbesitz betreffen, sowie bei Eintragungen und Löschungen in den Hypothekenbüchern eiuzuführen. -
Berlin, 21. März. In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten wurde der Oberbürgermeister von Breslau Herr Hobrecht zum Oberbürgermeister von Berlin mit fünf und fünfzig von hundert und drei Stimmen gewählt. 46 Stimmen erhielt Stadtrath Zelle.
Karlsruhe, 21. März. Der Landtag wurde heute im Auftrag des Großherzogs durch den Staatsminister Jolly geschlossen. In der Schlußrede wirft der Groß- herzog einen Rückblick auf die Arbeiten des Landtages, wobei^auch der scharfe Meinungsgegensatz erwähnt wird, der naturgemäß bei den bekannten Gesetzen über das Verhältuiß zwischen Kirche und Staat hcrvorgetreten sei. Der Großherzog gibt sich indeß gern der Hoffnung hin, daß der von allen Seiten mit froher Genugthuung begrüßte Frieden auf kirchlichem Gebiete werde erhalten bleiben. Die Regierung werde bestrebt fein, unter fester Aufrechterhaltung der Gesetze und der unveräußerlichen Rechte des Staates, durch billige Schonung jeder inneren religiösen lieber« zeugung, so viel an ihr liegt, zu jenem schönen Ziele beizutragen. Die Rede schließt: Der innigste Wunsch, womit der Großherzog Sie bei der Rückkehr in die Heimath begleitet, ist der, es möge das fröhliche Gedeihen des Landes als eines kräftigen Gliedes de« glorreichen wiedererstandenen deutschen Reiches dauern und stetig wachsen.
Stuttgart, 21. März. In der gestrigen Abendsitzung der Abgeordnetenkammer erklärte der Finanzminister auf eine diesbezügliche Anfrage Oesterlen'«: Der Reichskanzler habe vorgeschlagen, die Kriegscon- tribution zwischen den Staaten des ehemaligen norddeutschen Bundes, Bayern, Württemberg und Baden nach dem Maßstabe der Kriegsleistungen zu vertheilen. Württembergs Vorschlag einer Combination der Be- völkerungszahl und der Kriegsleistung fei nicht unterstützt worden, dagegen habe der Vorschlag, eine Unterscheidung zwischen mobiler und immobiler Mannschaft zu treffen, Zustimmung gefunden. Eine militärische Commission sei mit der Angelegenheit beschäftigt und eine rcichSgesetzlich« Regelung zu erwarten.
des
-43
-55
-34
22"
-51
Die polnische Gräfin.
Moderne Novellette von F. v. Hohenhausen- (Fortsetzung.)
„Nun ja, das Geld ist einmal nicht mehr zu enteren, wenn man in der Welt lebt; könnte ich in wie Wüste ziehen mit der Frau meiner Wahl, so dürfte sie arm fein!" sagte Herr von Ff., und zog feie wirklich noch sehr gut gefüllte Börse, um sein imitiert zu bezahlen. Er ließ dabei ein ansehnliches Trinkgeld in die Hand des Oberkellner gleiten, indem fr flüsterte:
„Morgen wieder denselben Platz bei Tische; wo j »vhnt denn die polnische Gräfin, etwa vorn heraus?"
„Ja wohl, vom heraus, parterre, dicht am Speise- i hl, diese Tapetenthür führt in das Vorzimmer, der 1 Ute Herr kann ja feine Treppe hinanffteigen," sagte - ber Kell er diensteifrig.
i : „Also das Theater verschmähen Sie heute, Graf Tankred? Kommen Sie denn Wegen nach ber Eisbahn? Unsere Regimentsmusik wird dort spielen.
*ir haben eine Damenquadrille verabredet, die Gräfin Hitzbrill wird mit ihren Töchtern kommen, auch Frau *on Wankelmann mit ihrer Nichte. Ich will auch die
Mlnische Gräfin bereden, dort zu erscheineii, ich finde, u. Ml sie mit ihrem gallonirten Bedienten überall hin __. tzhen kann, auch ohne Mann.
J.- „Ich danke, ich kann nicht kommen, ich habe meiner 43 ’MUfinc versprochen, sie in Sachse's Salon zu führen, hi Schwind'S Bild, die schöne Melusine, zu sehen," ’9te Graf Tankred, und schnallte seinen Säbel um, M er an die Tapetenthür gelehnt chatte. Es war V», als hörte er ein Geräusch an derselben, fast wie _.j6j Ws Rauschen eines seidenen Kleides.
„Nehmt Euch in Acht, Kameraden", mir scheint, hn könnte unsre Unterhaltungen hier belauschen."
Damit empfahl er sich, und die andern Herren verließen ebenfalls den Speisesaal.
Herr von Ff. hatte vorhin beim Suchen unter dem Tisch das feine Spitzentaschentuch der polnischen Gräfin entdeckt und heimlich zu sich gesteckt. Jetzt ließ er sich den gallonirten Bedienten rufen , um ihn bei ihr zu melden, als Urberbringer eines kostbaren Fundes. Er wollte bei dieser Gelegenheit die Eisbahn in Vorschlag bringen und seine Dienste für den Besuch des Theaters anbieten.
Der alte Herr saß allein am Fenster und unter hielt sich mit Betrachtung des wechselvollen Bildes der Vorübergehenden, was unter den Linden in Berlin 'ein Hattplvergnügen ber Hotelbewohner ist, benn grabe zur Stunde, bie der Theaterzeit vorausgeht, ist die Promenade ganz besonders lebhaft dort.
Herr von Ff. wurde sehr freunblich empfangen und in eine polnische Conversatiou verwick.lt, bie er dazu benutzte, um die Einwilligung zu allen seinen Vorschlägen zu erschmeicheln.
„Du wirst morgen nach ber Eisbahn fahren, liebes Herz", sagte brr alte Herr, als bie junge Dame nach einer Weile erschien unb viel freundlicher alS vorhin an der table d’höte Herrn von Ff. begrüßte.
„O nein, ich gehe morgen zu Sachse unv sehe mir die Melusine an, Du weißt ja, ich habe ein ganz besonderes Interesse daran —"
„Das wußte ich nicht, feit wann benn?"
„Dann hast Du eS vergessen, eS ist ja Schwind's berühmtestes Bild. Uebrigens würde es auch UN- pastend fein für mich, wenn ich ohne Damenbegleitung auf bie Eisbahn ginge, ich werde damit warten, bis bie neue Gesellschafterin ankommt."
Herr von Ff. konnte bas nur billigen, unb über
legte im Stillen, ob er nicht auch lieber zu Sachse gehen unb bie Eispartie aufzuschieben versuchen sollte.
Die junge Gräfin war zudem sehr licbeuswüibig gegen ihn, dankte verbindlich für das überbrachte Taschentuch und ließ sich von ihm möglichst viele Einzelheiten aus der Berliner Gesellschaft erzählen, wobei sie ganz unmerklich daS Gespräch auf den Tankred brachte. Herr von Ff. plauderte unbefangen und achtete nicht darauf, aber am Abend im Theater fiel es ihm wieder ein, als er in einer dunkeln Seitenloge den Besprochmm, der nicht kommen wollte, versteckt sitzen sah.
„Ich muß vorsichtig zu Werke gehen, der kalte Tankred scheint sich für sie zu erwärmen, und sie hat es nach Frauenart schon gemerkt — einen so gefährlichen Nebenbuhler werde ich bei Seite schaffen müssen", dachte er mit Recht.
(Fortsetzung folgt.)
Japs».
(Fortsetzung.)
Durch dieses Lehenssystem zersplitterte sich bas ursprünglich einheitliche Reich in eine Menge großer und kleiner Herrschaften, deren Inhaber mit nahezu souverainen Rechten herrschten. Mit dem Mikado kamen sie in gar keine Berührung; an den Schugun kettete sie im Grunde nur bie allerdings streng geforderte Pflicht, periodisch in seiner Residenz Aeodo Aufenthalt zu nehmen, ihre Kinder dort erziehen zu lasten und ihn mit Geschenken zu ehren, bie zeitweise ihrer halben Einnahme gleich kamen. Dieser gemeinsame Aufenthalt führte zu einem Verbände ber Fürsten unter sich; sie beriethen regelmäßig über religiöse Angelegenheiten wie über allgemeine Landesfragen. Seit 1854 trat nun diese Vereinigung der DaimioS ben