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Ul-. 67. Marburg, Mittwoch, den 20. März 1872

Dbcrhestischt Zeitung.

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*M arb,urg, 19. März.

Der Ausschuß des deutschen Bundesrathes für Zoll- und Struerwesen trat gestern zu einer Sitzung zusammen. — Das Herrenhaus hält heute seine 19 Plenarsitzung. — Die vorgestern in Bonn statigehabte, «en fast 100 Delegirtcn vieler Städte besuchte Alt- katholiken-Conferenz beschloß u. A., im Monat Sep lewber einen großen Kongreß in Köln abzuhalten und eine Petition gegen die Jesuiten an den Reichstag zu richten.

Das „I o u r n a l o f f i c t e l" erklärt die Nachricht, daß die Untersuchung« - Commission über die Kapitulation von Metz ihre Arbeit vollendet habe, für verfrüht. Die Commission habe noch keine Meinung ausgespro­chen und werden noch die Aussagen von verschiedenen Personen entgegennehmen. — Fournier ist gestern auf seinen Gesandtschastckposten in Rom abgereist.

Die meisten Londoner Blätter beschäftigen sich mt der Besprechung der Antwort der Regierung der Bereinigten Staaten aus die englische Note in der Alabamafrage. „Times" befürwortet, die mglische Regierung möge darauf bestehen, daß die von dm Bereinigten Staaten erhobenen Ansprüche auf Ersatz deck indirekten Schoens ausdrücklich zurückgenommen »erden. In glricHm Sinne sprechen sich auch die »Daily NewS" aus.

Das Leichenbegängniß Mazzinr's hat vorgestern in Genua unter zahlreicher Betheiligung der Bevölke- mng stattgesunden. — Prinz Friedrich Karl von Preußen ist vorgestern in Palermo eingetroffcn und wurde vom General Medici empfangen; die dort an­sässigen Deutschen, sowie zahlreiche Bürger der Stadt waren zur Begrüßung des Prinzen erschienen.

Aus Kalkutta, 17. März wird gemeldet: Am Dienskag ist der Mörder des Vicekönigs Lord Mayo hingerichtet morden.

Deutsches Reich.

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und scheint einen schnellen und glatten Verlauf nehmen zu wollen, so daß man hoffen darf, daß dieselbe noch iunerhalb dieser Woche zu Ende geführt wird. Die Rede, mit welcher der Abg. Friedenthal die DiScufston mileitete, war durchaus geeignet, dieser den richtigen Standpunkt zu geben. Er betonte aufs Nachdrück-

& •• Berlin, 18. Marz. Die Berathung der Kreisordnung hat unter günstigen Auspicien begonnen

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Die psluifche Gräfin *).

Moderne Novellette von F. v. Hohenhausen.

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und glasbedachten Höfen, als die Miltagsglocke läu- tüe und die Gäste zur table d’hote einlud. Langsam füllten sich die stattlichen Räume, deren vergoldete Deckengemälde und Sammetmöbel mehr an ein Für- ßenschloß als^an einen Gasthof erinnerten. Nur.die iuntgemischte Gesellschaft bewies, daß man sich in einem solchen befand. z

Eine moderne table d’hote ist ein Stückchen sociale Republik; cS herrscht mehr Freiheit und Gleich heit dabei als in einer politischen; wer sein Couvert bezahlen kann, hat Zutritt Von Brüderlichkeit findet sich indessen keine Spur vor, ebenso wenig wie in allen Republiken Jedermann sieht seinen Nachbar mit mißtrauischen und mißgünstigen Blicken an; man könnte ja in Gefahr kommen, von einem armen Ge­lehrten oder von einem reichen Schuhmacher angeredet zu werden! E« herrscht jetzt gewöhnlich ein ängstliches Schweigen und eine drückende Langeweile an bei table d’hote, während es früher für ein Hauptvergnügen der Reisenden galt, sich dabei kennen zu lernen und

gut zu unterhalten.

Zu den Äammgästen des großen Hotels gehörten tinigt Cavallerie-Offiziere, die in ihren prächtigen llniformen gewissermaßen den Glanzpunkt der Tafel bildeten. Alle Blicke richteten sich dahin, wenn sie diel später al« die andern Gäste mit beneidenSwerthcr Ungezwungenheit und Lustigkeit ihre Plätze einnahmen

Man wußte, daß sie durch gute Trinkgelder und dielen Champagner die besondere Aufmerksamkeit deS Ästnhes wie der Kellner erregt halten. ES hieß sogar, baß der Oberkellner sich stets bemühte, für angenehme Nachbarschaft zu sorgen, und sobald im Hotel reiche

*) Aus der Sonntagsbeilage zur Post.

In einem großen Hotel „Unter den Linden" strahlten die Gasflammen schon in den Corridoren

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lichste, daß man eS hier mit einem Compromiß aller Parteien zu thun habe und daß die erste Bedingung eines gedeihlichen Ergebnisses sei, daß von keiner Seite durch weitergehende Forderungen an demselben gerüttelt werde. Dies gab auch Graf Euleliburg dem Hause zu bedenken. In offener und loyaler Weise erklärte er, daß die Regierung natürlich in erster Reihe ihren eigenen Entwurf vertheidigen werde, daß sie indessen den Vorschlägen der Commission nicht entgegentreten wolle, insofern durch dieselben nur nicht das Zustandekommen deS Gesetzes überhaupt in Frage gestellt werde. Dies hinge aber nicht nur von dem Abgeordneten- sondern auch vom Herrenhause ab und die Regierung müsse deßhalb beide im Auge haben. Die neue KreiSordnung trage ein gewisses Element des Expcrimcntirens an sich; man möge deßhalb nicht mit einseitigen principiellen Anschauungen sich an die­selbe machen und sie nach diesen umzumodeln suchen. — E« ist schon wiederholt auf den Unfug der Ultra- montanen aufmerksam gemacht worden, ausländische Geistliche zur Bearbeitung der Landesthcile mit pol­nischer Bevölkerung heranzuziehen, welche dann unter dem Vorwande religiöser Propaganda für ihre anti­nationalen Tendenzen Propaganda machen. Die Re- giemng wird, wie man hört, gegen diesA Unwesen methodisch einschreiten und alle solche Reiseprediger, ob sie nun zu den Jesuiten oder einem anderen geift lichen Orden gehören, unnachsichtlich auSweisen, falls sie nicht Preußen, oder Angehörige eines anderen deutschen Staates sind. — Aus der Sitzung dc« BundesratheS vom 13. März ist noch nachzutragen, daß Hr. Landralh v. Pommer-Esche, welcher in der­selben das Protokoll führte, von Preußen zum Pro­tokollführer für die ganze Session vorgeschlagen worden. Der Bundesrath sollte in der nächsten Sitzung da­rüber abstimmen. Auf Antrag Baierns indessen wurde Herr v. Pommer-Esche sofort in diesem seinem Amte für die Dauer der Session bestätigt. — Noch ehe der Entwurf deS Reichspreßgesetzes bekannt geworden, erhebt sich gegen daffelbe eine heftige Polemik. Libe­rale Zeitungen schreiben, daß am Zustandekommen deS Gesetzes wenig liege, welches im Auftrage des Ministeriums des Innern von einem Polizeibeamten ausgearbeitet fei. Diese Annahme beruht jedoch auf einem Jrrthmn. Der Entwurf ist im Auftrage des Reichskanzleramtes von einem Vortragenden Rathe

ooer schöne Damen logirten, die Plätze für sie in ihre Nähe legte.

So war auch jetzt als Gegenüber noch ein leerer Raum vorhanden, der verheißungsvoll schien. Einer der Herrm flüsterte mit dem Oberkellner und sah dann augenscheinlich sehr gespannt nach der EingangS- thür, die für die Gäste besonders bestimmt war, welche die besten Zimmer inne hatten.

Er war ungefähr dreißig Jahre a» und hatte ein hübsches interesfanles Gesicht; seine Stirn war von sparsamen Locken beschattet und zeigte jene Blässe, die man auf den Bildern von Lord Byron bewundert hat.

Ein Byron in Husarenuniform macht aber in unserer Zeit mehr Wirkung als einer im Klügelkleide der Poesie; Herr von Ff. konnte deshalb sicher fein, überall Aufsehen zu erregen, obwohl er fein Dichter war. Man sand ihn schön und hielt ihn für klug — zwei Eigenschaften, die man selten beisammen sieht, weil schöne Menschen meistens so viel Eitelkeit be­sitzen, daß sie dumm davon werden.

Ob dies bei Herrn von Ff. nicht auch ein wenig der F..ll war, wollen wir hier nicht weiter erörtern; er besaß wenigstens die Geschicklichkeit, sich den An- schein von Klugheit zu geben. Einer der Kunstgriffe, die er zu diesem Zweck anwendete, bestand darin, daß er vermied, in Gemeiinplätzen zu reden, und daß er danach strebte, vertraulichen Umgang mit geistreichen Leuten zu erlangen, namentlich aber sich die Gunst kluger Frauen zu erwerben.

Um seiner Persönlichkeit, in die er selbst verlstbt war, wie der antike Narziß, einen blendenden Unter­grund zu geben, verschwendete er große Summen. Er wußte oft nicht, woher er sie nehmen sollte, und mancher seiner Kameraden beneidete ihn um das künstliche Creditsystem, über das er zu gebieten schien. Besonders viel Geld gab er für Wagen und Pferde aus, denn er wußte sehr gut, welchen tiefen Eindruck er auf das Straßenpublikum, weibliches wie männ-

des Ministeriums des Innern ausgearbeitet und liegen demselben jedenfalls die aus dem Reichskanzleramte gekommenen Inspiration zu Grunde.

München, 18. März. Tie Reichsrathskammer hat heute die niederbaierischen Eisenbahngesuche von der Tagesordnung abgesetzt bis nach erfolgtem Beschluß der Abgeordnetenkammer. Die auf die Bayreuth Forchheimer und Nürnberg-Hersbrucker Linien bezüg­lichen Gesuche wurden der Staatsregierung zur Be­rücksichtigung empfohlen. Dem Beschluß der Abge­ordneten über die Fixirung des Minimal-Einkommens der Notare auf tausend Gulden wurde zugestimmt. — Heute sand hier die conftituirenbe Versammlung bcr „Baierischen Wechslerbank statt. In ben AufsichtS- wth würben gewählt: Graf Fugger zu Kirchheim, Reichsrath von Hohenegg als Präsibent; Kaufmann Rosipal als Vicepräsident; ferner I. L. Kohn, M. Oberhumer, C. F. Giulini, v. Maffei, Salomon Stern, Julius Scheuer, sämmtliche in München; bie österreichisch - deutsche Ccntralbank für Jnbustrie unb Hanbel in Berlin; bie Stuttgarter Bank und Victor v. Erlanger in Wien.

Oesterreich - Ungar«.

Pefih, 17. März. Minister-Präsident Graf Lonyay wurde gestern int Unterstufe bei seinem Er­scheinen von der Rechten mit stürmischen Eljens be grüßt. Die Veranlassung hierzu waren die vorgestri­gen heftigen Schmähungen gegen ihn Seitens der Opposition. Cfernatony Jranyi reichte einen Gesetz­entwurf ein, betr. die Bestrafung von Wahlmißbräu­chen. Der Centralausschuß überreichte einen zustim­menden Bericht, betr. bas Jncompatibilitätsgesetz.

Frankreich.

Paris, 15. März Der Kriegsrath, welcher mit ben Prüfungen ber Kapitulationen betraut ist, hat, wie bereits mitgetheilt, -herauf angetragen, daß der Marschall Bazaine vor ein Kriegsgericht gestellt werde. Er faßte seinen Beschluß mit zwei Stimmen Majo­rität. Da derselbe nur vor ein aus Marschällen zu­sammengesetztes Gericht kommen kann, so befindet man sich in Verlegenheit. Die Zahl der Marschälle, welche bei den Ereignissen, wegen derer Bazaine zur Rechen­schaft gezogen werben soll, nicht betheiligt waren, ist nämlich nicht ausreichend, um aus ihnen ein Kriegs­gericht bilden zu können. Es scheint, daß man deß halb von der Kammer verlangen wird, daß sie be- liches, hervorbrachte, wenn er in seiner hübschen Equi­page vorüberfuhr. Sie war zweirädrig, wie der Triumphwagen der Römer, die graum Apfelschimmel hatten rothes Geschirr mit Silber beschlagen, die Räder waren gleichfalls roth und gingen lautlos, leicht und rasch wie Windmühlenflägel über das Stra­ßenpflaster.

Ein kleiner Mohr in scharlachrother Livree — man behauptete, er werde von feinem Herrn eigen­händig alle Tage frisch geschwärzt — vollendete die Phantasie-Equipage, in der sich die dunkelbraune Hu­saren Uniform mit den gelben Schnüren, welche ihr Erfinder trug, ganz vorlreflich ausnahm. Wenn er so mit selbstbewußter Grazie unter den Linden ober nn Thiergarten vorüberfuhr, trafen ihn viele Blicke ber Neugier unb Bewunderung.

Er benutzte solche Momente zuweilen, um einige seiner kleinen Kunstgriffe in Scene zu setzen, bie ihm geselligen und kaufmännischen Credit verschaffen sollten. So verlor er bort seine Einladungskarten zu Hof- festen, Briefchen von vornehmen Damenhandschriften unb mitunter auch Postscheine über erhaltene große Geldsummen'

Daß er ein lebhaftes Interesse für Erbinnen em­pfand, leugnete er durchaus nicht; er trug sogar eine Liste derselben bei sich, natürlich durfte keine weniger als 50,000 Thaler besitzen. Es war seine größte Sorge, daß er sich zu billig losschlagen könnte; er hatte darüber schon manche gute Gelegenheit aus den Augen verloren und begann deßhalb mit erneutem Eifer die Jagd nach dem Glück einer reichen Hcirath.

Mehr oder weniger theilten seine Kameraden diese Bestrebungen, die ja eigentlich von der ganzen Män­nerwelt als nothwendig anerkannt sind. Es gibt fc«i- lich auch noch einige edle Ausnahmen, und zu diesen gehörte Graf Tancred de Grais, der seinen Tischplatz neben Herrn v. Ff. hatte und in jeder Hinsicht einen Gegensatz zu ihm bildete. (Fortsetzung folgt.)