einiiehmkr und mehrere andere Häuser konnten Madame Humblot eine vollständige Sammlung des Osfi- zierkorps bieten.
Die beiden Mütter waren bei dm geist- und be- kannischaflsreichste» Frauen der Garnison zu Besuch, weckten deren Neugierde und interessirten sie für den Erfolg dieser Menschenjagd. Die Letzteren erzählten die Geschichte ihren Ehemännern; die einem schöne» Unbekannten als Mitgift dargebotenen sechzigtausend Franken Rente machte in vierundzwanzig Stundm in der Stadt die Runde; in allen Pensionen und C.ffä's wurde davon gesprochen: wenn Paul Astier-von sei nen Kameraden nicht wiedererkannt wurde, so war er der Mann, sich selbst zu enthüllen.
Also, bachtt der junge Teufel, ist es nothweMg, daß Herr Paul Astier verschwinde. Es war im Kleinen die Schlußfolgerung der Diebe, die der größeren Sicherheit wegen die Zeugen ihres Vergehens ermorden. Man kann jedoch einen lustigen Lieutenant nicht wie eine einfache 'Muskatnuß escamotiren. Blanchette hielt mit sich Rath und überlegte fünf oder sechs unsinnige Kombinationen, bis sic bei einer strhm blieb, die ihr gut schien.
Sie hatte sich nicht ohne Mühe eine Zeichnung des Lieutenants verschafft. Es war eine höchst lächerliche Karrikatur von Herrn Moinot, dem Kommandanten des zweiten Bataillons. Paul halte einen Sperling (Sperling heißt französisch: Moineau) gezeichnet, der eine Kirsche bcpickt, und das Ganze stellic, aus einiger Entsernung gesehen, ganz bewunverswür- dig den Bataillons-Chef und seine Nase dar. Der arme Kommandant, ein trefflicher, alter Soldat, halte seine Nase durch seinm eigenen Fehler stammend roth gefärbt. Abgesehen von dieser lächerlichen Eigenlhüm- lichkeit war er sehr geachtet und lebte aus dem besten Fuße mit der ganzen Welt. Er schätzte Astier, der
ihm dafür Dank wußte, hoch, und letzterer hätte ihn um Alles in der Welt nicht absichtlich gekränkt; aber man ist jung, man will lachen, man überläßt sich den Bersührungen der menschlichen Bosheit, und wenn man einen guten Witz zu wissen glaubt , hat man nicht die Klugheit, ihn für sich zu behalten. — Diese Zeichnung, auf welche mit Aquarellfarben einiges Licht gesetzt war, wurde eine« Abends, al« man durchreisende Offiziere bewirthete, in da« Lieutenantscastno milgebracht. Nachdem Jedermann darüber gelacht, sprach man von anderen Dingen, ging demnächst in das Cafs, und das getreue Bild des Kommandanten blieb ein wenig zerknittert und befleckt auf einer Tischdecke liegen. Ein Kamerad Astiers, der Lieutenant Foucauld, faltete das Blatt zusammen und brachte es, ohne etwas Arges dabei zu denken, Fräulein Vautrin mit. Acht Tage nachher sagte das junge Mädchen stolz zu ihrem Feinde: „Ich habe ohne Ihren Willen eine Zeichnung von Ihnen", sie sagte jedoch nicht welche. Die Wahl deS Gegenstandes derselben hatte damals in ihren Augen nicht die mindeste Wichtigkeit.
Heule war dies anders. Sie kehrte in ihr Zimmer zurück, öffnete einen Carton, nahm die Carricatur heraus, unterzeichnete sie nflt großen Buchstaben: „Paul Astier fec.", steckte sie in ein Couvert, schrieb die Adresse Moinot's auf dasselbe und rief den Bedienten. „Mein alter Schuhmacher", sagte sie, „wirf diesen Brief in den Kasten und lasse Niemanden die Adresse sehen."
Dieser zweite Vcrrath belastete ihr Gewissen wenig. Sie glaubte sich durch die Nothwendigkeit entschuldigt, und wußte, daß ein Streit zwischen einem Lieutenant und einem Bataillonschef unmöglich sei. „Nach meiner Rechnung," dachte sie, „wird Meister Astier mit einigen Tage» Arrest davonkommen, acht wenigstens, vierzehn höchstens, und hiervon stirbt man nicht. In acht Tagen werden die Witwe Hmnblot
Jliarßurg, Dienstag, den 12. März.
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1872.
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Einrichtung und die Befugnisse der OberMhnungs- kammer. Die Commission empfahl Abänderungen bei §. 2 und §. 18. Die Abstimmung über §. 2 wurde bis zur Beschlußfassung über § 18 ausgesetzt. Nachlängerer Debatte wurde der Commissionsanlrag zu §. 18 angenommen und damit der Zusatz, den das Abgeordnetenhaus zu diesem §. angenommen hatte, verworfen. Hierauf wurde §. 2. nach der Fassung des Abgeordnetenhauses, angenommen. Die übrigen Paragraphen wurden gleichfalls ohne Aenderung angenommen, worauf das ganze Gesetz die Genehmigung des Hauses erhielt. Die nächste Sitzung wird Mittwoch 14. d. Vorm. 11 Uhr stattfinden mit der Tagesordnung: Interpellation de« Grafen Münster wegen des Kaiserhauses zu Goslar, Rest der gestrigen Tagesordnung, Gesetz über das Deichwesen für Schleswig-Holstein, Gesetzentwurf wegen der Univer sitätsstudien, Gesetz über die Todeserklärung.
Karlsruhe, 9. März. In der heutigen Sitzung der Abgeordnetenkammer inteipellirte der Abg. Eckhard die Regierung wegen ihrer Stellung zur Altkatholikenfrage, insbesondere 1) ob sie etwaige allkatholische Priester im Genuß ihrer Pfründen und in ihren Amtsverrichtungen zu schützen gedenke, 2) ob die Regierung etwaigen altkatholischen Gemeinden Rechtsschutz gewähren wolle z. B. durch Ueberlassung von Kirchen, 3) ob sie am obligatorischen Religionsunterricht auch dann festhalte. wenn die Eltern solchen von infallibiliftischen Geistlichen für ihre Kinder verschmähen. Staatsminister Dr. Jolly erwiderte: Die Regierung habe durch Erlaß vom September 1870 erklärt, daß sie den Beschlüssen deS vatikanischen Con- cils keinerlei staatsrechtliche Geltung zuerkenne, sie seien für die Slaatsregicrung nicht exiftirend. In Folge dessen antwortete er ad I und II einfach mit „Za," ad III mit „Nein." Gegen den Standpunkt des Interpellanten sprachen Hofmanns Junghans und Förderer, für denselben Hebtinz und Jntlekofer. Mit großer Majorität genehmigte die Kammer den von den Abgg. Schmidt und Gen. gestellten Antrag, die 'Regierung wolle eine genaue Untersuchung aller im Lande bestehenden älteren Lehr und Erziehllngs- Jnslitule klösterlicher Alt, sowie der in den verschiedensten Formen neu entstandenen klösterlichen Anstalten und Einrichtungen veranlassen und das Re sultat dem nächsten Landtage vorlegen.
München, 9. März. Der Jnstizminister Dr. Fällst le ist zum BundeSralhsbevollmächligten Baierns
D»S RegimentSalhum.
(Fortsetzung.)
Blanche war an der Ächtung ihrer Mutter, die zwar eine energielose, aber eine geradfinnige, rechtschaf- fwe Frau war, unendlich viel gelegen. Auch hatte sie etwas Furcht vor ihrem Vater, der in Sachen des Gewissens und der Ehre keinen Spaß kannte, und w»S sie über Alles fürchtete, war das Urtheil der Welt. Die Unterdrückung der Photographie würde nicht allein häßlich erscheinen; das kleine Verbrechen würde lächerlich werden, da eS nichts verhindert. Wenn die Klatsche sucht der Nancy'er in all dem nur den Streich einer
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Deutsches Keich.
Berlin, 10. März. Das Herrenhaus beschäftigte sich gestern mit der Bcrathung des Gesetze«, betr. die
und der Oberrechnungsrath Höß zum Stellvertreter deö Bundesbevollmächtigten, FinanzministcrS v. Pfretzschner, für die Dauer der Verhinderung des Letzteren ernannt worden. — Gutem Vernehmen nach verlieh der König von dem ihm zur Verfügung gestellten Theile des Dotationsfonds je 100,000 Thlr. an den Kriegs- Minister Prankh und die kommandirenden Generale v. d. Tann und v. Hartmann. — Die Abgeordnetenkammer hat vorgestern beschlossen, verschiedene Eingaben über Eiscnbahnbauprojecte der Slaatsregicrung mit dem Wunsch zu übergeben, die Beschleunigung der Fortführung der Kronacher Bahn, sowie einer solchen von der Landesgrenze über Naila nach Hof unbeschadet der Staatsinteresscn nölhigenfalls auch durch Conces- sionirung von Privatgesellschaften zu ermöglichen. Der Abg. Herz in terpellirte wegen des Zusammentreffens der Reichstags- und LandtagSsejfivn; die Beantwortung erfolgt, nächstens. — Die Reichsrathskammer ist den Beschlüssen der Abgeordneten über die Abänderung des Capitalrentensteuergesetzes und die Abänderung des Artikel 2 des Schuldotationsgesetze« beigetreten.
Oesterreich - Ungar«.
Wien, 9. März. Im Abgeordnetenhause des ReichSralhcs beantwortete heute der Justizminister eine Jnterpellatione betr. die Delegirnng von Geschworengerichten in Böhmen, indem er ausführlich nachwies, daß die Delegirung in den Gesetzen begründet sei und von unabhängigen Gerichten nach Maßgabe des'Gesetzes ausgeführt »werde. Die Regierung müsse eS demnach zurückweisen, die von dem Interpellanten geforderten Weisungen 'an die Staatsanwaltschaften im Allgemeinen ergehen zu lassen. — Das Abgeordnetenhaus nahm das Budget und Finanzgesetz pro 1872, welches Einnahmen und Ausgaben auf ^53^2 Million beziffert, in dritter Lesung an.— Die Unionsbank zeigt an, daß am 16. d. M. in Wien und den meisten europäischen Handelsplätzen die Subscription auf 100,000 Stück Actien der Austro - türkischen Credit- anstalt stattfinden wird. Der Subscriptionspreis ist per Actie auf 120 Gulden in Silber festgesetzt. — Der Compromiß zwischen der Regierung und der Linken im ungarischen Reichstag über die Novelle zum Wahlgesetz ist nicht zu Stande gekommen, da die Linke aus ihrem Standpunkte beharrte. Der Pesther „Lloyd" erklärt heute, daß der Gedanke einer Auflösung des Reichstages in’« Auge gefaßt werden müsse. — Deal ist nicht unbedenklich erkrankt. Die
»Marburg, 11. März.
Die Berliner Provinzial - Wechslerbank hat die rennommirte Firma Louis Warschau in Liegnitz behufs der Umwandlung in eine Filiale angekauft. — Lei der am 8. d. stattgehabten Nachwahl zum Ab geordnetenhause wurde Obertribunalrath Clausnitz mit 140 gegen 134 Stimmen, die auf den Ritter- zutsbesitzer Grobe auf Roitzsch fielen, gewählt. — Die sächsische zweite Kammer beschloß in ihrer vor gestrigen Sitzung die Aushebung des Schulpatronats und die Wahl der Volksschullehrer durch die Schulvorstände mit 50 gegen 18 Stimmen und lehnte die Zulassung der Geistlichen als Mitglieder der Schulvorstände nach eigenem Recht mit 34 gegen 28 Stimmen ab. ,
Aus Paris, 10. März, wird gemeldet: Eine osficiclle Mittheilung widerlegt die Gerüchte, die über die Kolonie Cochinchina verbreitet sind, eS herrsche in der Kolonie vollständige Ruhe; die Truppen, welche dahin abgehen, seien nur zum Ersätze derjenigen bestimmt, bereit Dienstzeit abgelaufen; eine Vermeh tung der Streitkräfte in Cochinchina finde nicht statt.
Im englischen Uuterhause antwortete vorgestern auf Egerton's Frage, ob die Regierung Nachrichten über die angeblichen Niederyietzelungen eingeborener Christen in Japan zugegangen seien, der Unterstaats jicretär Lord Enfield, daß 60 dis 70 Christen aus den Dörfern in der Nähe von Naitgasali nach verschiedenen LandeStheilen gebracht, aber keinen Grausamkeiten unterworsen worden seien. Die japanische Regierung in $ebbo versprach, zu untersuchen, ob und in wie fern den in Umlauf gesetzten Behauptungen Thatjächliches zu Grunde liege.
Der König yon Italien hat dem Prinzen Friedrich Carl für seine Reise nach ©teilten eine Fregatte zur Verfügung gestellt.
Die türkische Regierung hat mit der austro- ottomanischett Bank eine Anleihe im Betrage von 7!/2 Millionen Francs abgeschlossen; die Unterzeich nung des betr. Vertrages fand am 8. d. Abends statt.
Das „Journal dc St. PeterSbourg" veröffentlicht in einer Corresponbenz aus Peking die Stipu- Uticnen eines zu Ende des Jahres 1871 zwischen China und Japan abgeschlossenen Freundschastsver- trageS.
Oberhessische Zeitung.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Qberhesfischen Zeitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'sch« Buchdruckerei) bezogen 221 Egr., durch die Postämter 27 Ggr. fl Pfg (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 22 Gar.— Jnsertionsgebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
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8°< Hasses sähe, so ginge eS noch an, da» wäre nur m halb schlimm; aber wenn man sich erlaubte, einen an
4 »ereu Grund dafür zu suchen, zum Beispiel das Ge-
fentheil von Haß! Lieber die grausamsten Martern
■ irbulben, als die Schmach , in frühem Alter einen |ef SDlann ausgezeichnet zu haben, der anderswo liebt! || Es schien fast unmöglich, den Lieutenant den Nach
sorschungen von Frau Humblot zu entziehen. Die liebe che« Dame hatte gute Augen, ihre Tochter hatte gewiß noch ntet •tfiete, und falls die Liebe blind ist, wie man jagt, erO ? Ue es doch nur, wenn sie ihre Rechnung darin r5ß3 Met, sich selbst zu täuschen. Nancy ist zwar groß, V , “b« ein Mensch verliert sich dort nicht im Haufen ,3 °- »>« in Paris, namentlich ein Offizier nicht. Die Ver
‘ ammlungsorte derselben sind bekannt, die Anzahl der
' Promenaden ist beschränkt, und alle Personen von K',^ Stande sind sicher, sich ein oder zwei Mal wöchent
lich zu begegnen. DaS Theater war glüchicher Weise bfichlosfen, aber in einer so lebendigen und vergnü- ßungssüchtigen Stadt sieht man sich auch anderswo ü» im Theater. Der Marschall empfing bisweilen, __« ,et General und der Oberst hatten jeder ihrm Tag
m bet Woche. Die Präfectur, der General Steuer