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Marburg, Sonntag, den 10. März.

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OterheUche Zeitung.

Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn, und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischeu Zeitung mit KretSblatt durch die Expedition lKoch'fche Buch drucke» ei) bezogen 881 Lar., durch die Postämter 87 Lgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland erd- Stempel 88 Lar — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

Politische Wichen-Nebrrficht.

Da- preußische Herrenhaus nahm gestern (8/ daS SchulaussichtSgesetz ganz in derselben Fassung, wie eS aus dem Abgeordnetenhaus herübergekommen ist, mit 125 gegen 76, also mit einer — unerwar­teten — Majorität von 49 Stimmen an. DaS Ab­geordnetenhaus erledigte diese Woche das Beamten- Pensionsgesetz, daS Gesetz betr. die Gemeinheitsthei- lungSordnung, das Gesetz betr. die Ablösung der den geistlichen Schulinstituten zustehenden Realgerechtsame und daS Gesetz wegen Todeserklärungen Vermißter im letzten Feldzüge.

Auch das österreichische Herrenhaus hat das Nothwahlgesetz und zwar mit großer Mehrheit ange­nommen.

Am 5. d. schlossen die beiden Räthe der schwei­zerischen Bundesversammlung ihre Berathungen in Betreff der Bundesrevision. BundeSrath Dr. Dubs hat seine Entlassung als solcher genommen, da er gegen den centralistrenden Charakter der Revision ist.

Die Agitationen der Monarchisten und Republi­kaner in Frankreich sind ziemlich zurückgetreten vor denen der Bonapartisten. Man glaubt, daß die Wüh lereicn der Letzteren trotz der Gegenanstrengungen der Regierung Erfolg haben werden. Einstweilen hat die kaiserl. Partei in der bekannten Angelegenheit des ehe­maligen Präfecten Janvier de la Motte einen Sieg zu verzeichnen, mit welchem sie schwerlich den Neid der ehrlichen Leute, gleichviel-welcher politischen Partei, erregen wird. Pouyer-Quertier, der Finanzministcr und eifrige Complice des Hrn. Thier» in seinem schütz zöllnerischen System, mußte der von im vertheidigten Ehrlichkeit seines Clienten Janvier sein Portefeuille opfern. Hr. de Goulard ist zu seinem provisorischen Nachfolger ernannt. Beim italienischen Hofe ist Frank­reich endlich wieder vertreten durch Hrn. Fournier.

Die belgische Kammer hatte lebhafte Debatten; eS handelte sich um die Frage der Vertretung Belgiens in Rom: beim König oder beim Papst, oder bei bei­den. Die Kammer entschied in letzterem Sinne.

Die Engländer hatten bei dem großen Dank­fest für die Genesung ihres Kronprinzen Gelegenheit, und haben dieselbe auch reichlich und in der unge­zwungensten Weise benutzt, um ihrer Landesmutter und der ganzen königlichen Familie ihre aufrichtige Ergebenheit zu bekunden. Unverständlich wäre in Be­tracht dieser unbestrittenen Thatsache die einige Tage darauf erfolgte Bedrohung der Königin, wenn es sich nicht herauSgestellt hätte, daß die den Angriff ansführcnde Hand einem verrückten jungen Menschen angehört. Gegen Ende nächster Woche wird wohl die unterwegs befindliche Antwort der Union auf die Note Granville'S in Betreff der Alabamafrage in London eintreffen. Die bedeutendste parlamentarische

Arbeit der britischen Abgeordneten ist' der Reform­entwurf des Kriegsministers Cardwell Größeres Auf­sehen als alles bisher Erwähnte zusammen, hat daS plötzliche Ende des riesenhaften Tischborne-Processes gemacht. Der Prätendent ist entlarvt als der aben- teurerische Schwindler, als welchen der Attorney- General , der Rechtsbeistand der verklagten Partei, ihn geschildert hatte, und der Richter ordnete sofort seine "Verhaftung wegen vorsätzlichen Meineides an So wird der Mensch den wohl seine nächste Zukunft statt auf dem glänzenden Schlosse, hinter Kerkermauern verleben.

Die gesetzgebenden Körper Italiens find seit dem 27. v. M. wieder versammelt. Der Kriegsminister hat einen Credit von 12 Millionen verlangt und er­halten. Ein Blick auf die Beziehungen Italiens zu Frankreich, vielleicht auch zu Spanien, mag die Roth wendigkeit dieser Forderung erklären.

DaS Tagesereigniß in Spanien ist die Coalition der dem Ministerium Sagasta feindlichen Parteien zum Zwecke der Bekämpfung der Regierung bei den bevorstehenden Corteswahlen. Erfahrene Politiker aller Fraktionen erkennen in dieser Verständigung der Parteien, die man bisher in Spanien für unmöglich hielt, eine ernsthafte Gefahr für die Regierung und selbst die Krone des Königs Amadeo.

Der König von Schweden befindet sich so leidend, daß er zwar die Regierungsgeschäfte fortführt, aber sonst sich sehr schonen muß.

Die Pforte hat den Bulgaren die Wahl eines Exarchen aufgegeben, obschon der ökumenische Patriarch dagegen proiestirte. Anstatt Hilarion's, dessen Wahl für ungültig erklärt worden, ist nun der Bischof von Widdin, Antim, gewählt und von der Pforte bestätigt worden.

Deutsches «eich.

•• Berlin, 8. März. Bereits der gestrige Ver lauf der Verhandlungen im Herrcnhause hat gezeigt, daß die Stimmung für das Gesetz eine vollständig günstige war; noch mehr zu dieser Annahme berech­tigte die Stellung der Gegner, welche wohl nur ehren­halber in ihrer vom Anfang an bewiesenen Opposition verharrten, ohne irgend welche Aussicht auf Erfolg zu haben. Hr. v. Kleist-Retzow hat als Referent in einem Resumö nicht verfehlt, rinzugestehen, daß er die Niederlage seiner Anträge vorhertche. So wird dieses lange, die Gemüther in Aufregung versetzende Ereigniß auch im Herrenhause eine friedliche Lösung finden. — Der Gesundheitszustand des Minister- Grafen Eulenburg hat sich wesentlich gebeffert, da die Befürchtung, daß sich eine Gesichtsrose bilden werde, sich nicht erfüllt hat; es ist Hoffnung vor­handen, daß der Minister deS Innern nächste Woche

den Berathungen im Abgeordnetenhause über die Kreis­ordnung beiwohnen können wird, waS um so mehr zu wünschen ist, als die persönliche Theilnahme deS Ministers an den CominissionS-Berathungen viel dazu beigetragen hat, das Werk zu fördern. — Nachdem man für den Geh. Ober Reg.-Rath v. Wolff au« dem Ministerium des Innern die Stelle eine» Re- gierungs Präsidenten in Trier in Aussicht genommen, schien man später geneigt, dem Genannten die Stelle in WiöSbaden offen zu behalten. Es scheint aber, daß eine Entscheidung in Betreff der künftigen Stel­lung de« Geh. Raths v. Wolff noch nicht getroffen ist, wenn es auch feststeht, daß derselbe sein Amt im Ministerium mit einem anderen vertauschen wird. — Die Nachrichten über die Vertheilung der Dotationen sind noch nicht als ganz genau zu bezeichnen, da die Liste der Dotirten auS dem Cabinet Sr. Majestät noch nicht in weitere Kreise gekommen ist. Wie man hört, soll General v. Steinmetz nicht zu den Dotirten gehören, ebenso nicht, mit Ausnahme des Generals v. Blumenthal, die Generalstabschefs der großen Armee; in gleicher Weise sollen nicht sämmtliche CorpS- Commandeure an der Nationalbelohnung betheiligt sein, so namentlich nicht General v. Tümpling, dessen Corps nicht Gelegenheit gehabt.hat, in den Kampf entscheidend einzugreifen. Der Coaimandenr der 5. Di- viston, Generallieutenant v. Stülpnagel, wird dagegen alS mit 100,000 Thlr. dotirt genannt; ferner heißt es, der würtembergische Kriegsminister v. Suckow und General v. Obernitz seien ebenfalls mit 100,000 Thlr. bedacht worden.

Der König von Württemberg ist heute Morgen um 71/2 Uhr hier angekommen und vom Kronprinzen und Prinzen Karl und dem Prinzen von Württem­berg am Bahnhöfe empfangen worden. Der König, welcher im königl. Schlosse abstieg", wo der württcm- bergische Gesandte und die in Berlin anwesenden württembergischen Offiziere ihre Aufwartung machten, stattete um 12 Uhr dem Kaiser, dem Kronprinzen und den übrigen Prinzen Besuche ab. Heute findet ihm zu Ehren beim Kaiser ein Galadiner und eine Festvorstellung im Theater statt — Fürst Bismarck hat das ihm angetragene Protektorat über die land- wirthschaftliche und Gewerbe-Ausstellung in Posm übernommen. — Von der Posener Bürgerschaft wird, wie die „Ostd. Zlg." meldet, eine Petition vorbereitet, welche die Staatsregierung ersucht, kirchliche Proces- ronen auf das Domviertel zu beschränken. — Aus Danzig ist gestern an den Fürst Bismarck folgendes Telegramm eingelaufen: „Die sämmtlichen bei der Generalversammlung in Danzig anwesenden Mitglieder des Hauptvereins westpreußischer Landwirthe haben so­eben eine Ztrstimmungsadresse an Ew. Durchlaucht wegen der in der 29 Sitzung deS Abgeordnetenhauses

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DüS Regimentsalbu».

(Fortsetzung.)

Die Worte dieser Dialoge bedeuten wenig ohne ton Ton, mit dem sie gesprochen werden.

Man hätte die Gegner sehen, die grelle schleppende Stimme von Fräulein Vautrin, den männlichen Klang wid den kurzen Ton deS Lieutenants hören müssen. Der Sieg verblieb selten Blanchetten, und wie es nicht» Grausameres als die Schwäche gibt, verftieg sie sich zu den äußersten Unbilden.

Astier, haben Sie Feldzüge mitgemacht?" „Alle, die es zu meiner Zeit überhaupt gegeben hat, mein Fräulein?" 00

„Unter welchem Himmel haben Sie Krieg geführt ?" »In der Krim, in Afrika, in Italien." „Aber sind Sie auch wohl auf Ihrem Marsch Feinden begegnet?"

„Einigen."

_ »Das haben sie denn gemacht, diese bösen Menschen?"

„Mein Avancement."

»Und haben Sie nie verwundet?"

„Noch gelödtet, nein. Verzeihen Sie ihnen, mein Fräulein, ste wußten nicht, was sie thaten, ober viel- inrhr, waS sie unterließen."

„Wie benimmt man sich denn im Krieg, um Schläge iu vermeiden?"

„Das ist sehr einfach, man hat Glück." „Oder Vorsicht." .

_ „Ich bin Ihnen sehr dankbar für dies Lob, mein Fräulein, Ihr Herr Vater hat sie mir immer abge­sprochen."

„ES scheint mir, daß man sich schon au« einfacher Koketterie verwunden lassen müsse. Ein unversehrter Offizier macht mir immer den Eindruck eines unvol­lendeten Wesens."

„Bei der erften Gelegenheit, mein Fräulein, werde ich Anlaß nehmen, Ihnen einen meiner Arme zu schicken."

„Arme? Was soll ich damit thun? Ich habe selbst welche."

„So wenig I"

Die geringste Anspielung auf ihre Magerkeit brachte sie außer sich. In Bezug auf dieses Kapitel und das vom Teint war sie von der scheuesten Em pfindlichkeit. Auch hatte sie ihren Haß auf Paul Astier'S Ordonnanz, den treuen Bodin geworfen, der für Blanche die Bezeichnung „das Brett" (franzö fisch: „Planche") erfunden und populär gemacht hatte.

II.

Der Haß hat Ahnungen, die an daS Wunderbare Streifen. So wie Frau Humblot anfing, ihr Aben­teuer zu erzählen, hatte Blanche Vautrin an den Lieutenant Astier gedacht. Sie wußte nicht, daß er im vorhergehenden Monat eine Pause von vier und zwanzig Stunden gemacht hatte, sie hatte niemals gehört, daß er mit den Officieren von Commercy besonders befreundet war. Wie kam e«, daß sie so

schnell in einem ganz rosigen Porträt einen Mann erkannte, den sie seit zwei Jahren ganz schwarz sah? Ihr Geist hatte so schnell gedacht, ihre Hand so hurtig gehandelt, daß ihr schlechter Streich so zu sagen ganz von selber von Statten gegangen und daß sie selbst davon überrascht war.

Die Trunkenheit deS ersten Augenblicks machte der Ueberlegung Platz, als die beiden Mütter fort waren. Sie fragte sich, was kommen würde, wenn diese beiden Damen draußen plötzlich auf Astier stie­ßen. Erkennung, Rührung, Staunen, Frau Humblot ohnmächtig in den Armen des Lieutenant, Erklärung, Verständigung, zweites Auftreten von Fräulein Antoi­nette und bann . . . Blanche fühlte nicht die mindeste Sympathie für diese große Antoinette.

Vorausgesetzt also die Begegnung fände statt, machte sich Blanche vom Lauf der Dinge folgende Vorstellung: Des Lieutenants Ruf ist gut, seine Vor­gesetzten bezeichnen ihn als einen Officier von Zukunft. Bescheidene Herkunft und Armuth scheinen von den Humblot'S vorausgesetzt zu sein. Was ihn angeht, so kann kein Zweifel darüber herrschen, daß er den Fund mit Enthusiasmus begrüßt. Sein Herz ist frei von jeder Neigung; er ist im Allgemeine^nicht gegen die Ehe eingenommen, er bedauert, in seiner jetzigen Stel­lung seine Eltern nicht unterstützen zu können, er ist ein Familienmensch. Sein wohlbekannter Stolz und seine bewährte Uneigennützigkeit würben ihn ohne Zweifel bewegen, ein reiche«, aber häßliches ober kompromittirteö oder ohne ehrlichim Namen geborenes