1872.
Marburg, Sonnabend, den 9. März.
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chne alle Amendements.
Hr. v. Senfft-Pilsach spricht gegen das , Gesetz, indem er hervorhebt, daß in demselben eine Gefahr für das Christenthum liege. Dasselbe könne keine Hülfe gegen die geschilderten Uebelstände schaffen Er werde gegen das Gesetz, höchstens für die Com-
mifsionsvorschläge stimmen.
Hr. v. Bernuth deducirt noch einmal vom juristischen Standpunkte aus, wie auch aus den früheren Verhandlungen über die Verfassung, daß dem Staat unbedingt das Recht der Aufsicht über die Schule zustehe. Neber die Bedürfnißfrage könne man nicht luehr im Zweifel sein; auch politische Gründe sprä
4 und 5 werden genehmigt. Ueber §. 6 (nochmalige Zusammenlegung bereits zusammengelegter Grundstücke) findet eine längere Auseinandersetzung statt; es sind mehrere Amendements und Untcramen- dements gestellt.
(Fortsetzung in der nächsten Nummer.)
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mehr über die Vorlagen der Regierung urtheilen, so sei nicht einzusehen, wozu noch ein Herrenhaus und ein Abgeordnetenhaus bestände.
Ministerpräsident Fürst Bismarck: Ich habe gestern nicht die Theorie vom beschränkten Unterthemen verstände wieder inS Leben rufen sondern nur den bekannten englischen Grundsatz beleuchten wollen:
man not maners or maners not man, ob man sein Unheil im Ganzen nach dem führenden Mitgliede der Regierung oder nach jeder einzelnen Maßregel ab- wägen soll. Ich räume nun ein, daß Mancher von Ihnen viel klüger sein mag als ich, nur in der Lage, in welcher die Regierung ist, übersehe ich die Sache viel besser als die Herren, welche nicht im Centrum der Regierung sitzen. Wer einer anderen Partei angehört, will ganz andere Dinge als die Regierung. Wenn ich aber annehme, daß im Großen und Ganzen die Partei des Vorredners früher dasselbe wollte, was die Regierung anstrebt, so bedingt ein solches Vcr- hältniß nothwendig ein gewisses Vertrauen gegen die Staatsmänner, welche augenblicklich die Führung der Regierung haben, und welche auf demselben logischen Boden sich bewegen, von denselben Prämissen ausge- hen und nach demselben Ziele streben. Wenn in der Partei sich nun Männer finden, die von unten weiter sehen, als die Regierung von oben, so handeln sie gegen ihre Pflicht, wenn sie sich nicht beeilen, ihren Platz in der Regierung einzunehmen. Ruhig zu Hause sitzen, die Zeitungen lesen, und wenn eine Regierungs- Vorlage kommt, mit einer bitteren Kritik der Regierung einen Knüppel zwischen die Räder zu schieben, das ist kein richtiges, patriotische» Handeln.
Nachdem noch Meviffen (Köln) und HinschiuS für, Meyer (Celle) gegen die Vorlage gesprochen, wird der Schluß der Generaldiscussion angenommen, woraus der Berichterstatter Kleist - Retzow die Com- missionSfassung in sehr ausführlicher Rede vertheidigt. (Nächste Sitzung Freitag).
DaS Regimentsalbum.
(Fortsetzung.)
Fast alle Offiziere ihres VaterS behandelten sie As junge Dame und erwiesen ihr dieselben Aufmerk- samkeiien, wie wenn sie VenuS selbst gewesen wäre. Sie nahm die Schwätzer sehr schlecht auf und antwortete unter zehnmalen neunmal durch Ungehörig, teilen; wehe aber Dem, der ihre Person nicht ernst nahm! Sie begriff es nicht, wie man sie als Kind behandeln könne; sie wollte etwas vorstellen und ihrer kleinen Person Achtung verschaffen. Ihr junger, verdrießlicher Geist besaß despotische Feinheiten, die von Caligula abgesehen schienen. Zn dem elterlichen Salon war ihr Hauptvergnügen, nach Schmeicheleien zu angeln Die armen Lieutenants, die sie nach Wunsch bedien- ten, bezeichnete sie als flache Hofjchranzen; Diejenigen, welche ihr den Tribut verweigerten, waren als Re bellen notirt.
Der verwünschteste Rebell hieß Paul Astier. Er war ein schöner, braver, ehrenhafter Mensch, der Alles sich selbst verdankte, der siebente Sohn eines armen Försters in den Ardennen. Ein höchst aufgewecktes und fleißiges Kind, besuchte er die Schule eines be nachbarten Dorfes und zeichnete sich bald so aus, daß eine Exlernen-Freistelle in einem Colleg der nach Ml Stadt bekam. Mit seinen Büchern in der einen, stinm Schuhen in der anderen Hand und einem Stück schwarzen Brodes in der Tasche lief er jeden Morgen jwn und eine halbe Stunde und ebensoviele des Abends. Mit achtzehn Jahren trat er ein, zog in die Krim “nb machte den ganzen Feldzug mit, ohne nur einmal
Schnupfen zu bekommen. Beim Sturm auf den Malakoff flog unter ihm eine Mine in die Luft, er
v>« Landtage.
H-rre nhauS. Sitzung vom 6. März.
Präsident Graf Eberh. zu Stolberg-Wer- «igerode eröffnet die Sitzung Vorm. HV4 Uhr.
Am Ministertische: Dr. Falk, Graf Jtzenplitz.
Tagesordnung: Fortsetzung der Berathung des SchulaufsichtSgesetzeS.
Dr. v. G 0 ßler. Mir ist in allen Theilen des Landes, die ich näher kenne, die Ueberzeugung entgegengetreten, daß das Gesetz dringend nothwendig ist. Redner erörtert die einschlagenden Bestimmungen des
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Hr. v Kröger bedauert die Verdächtigungen, welche seitens der osficiösen wie der radicalen Presse diejenigen erfahren hätten, die im Abgeordnetenhause ’llSjeflen dies Gesetz stimmten und Diejenigen, die im Herrenhause gegen das Gesetz stimmen würden. Er «gehöre zu den wahren Verehrern des Fürsten Bis-
h« marck. Seine Ueberzeugung verbiete ihm, für das Brt Gesetz zu stimmen. Der Hr. Ministerpräsident habe imin 11» gestern als eine Ueberhebung bezeichnet, die Vor- fohil läge zu bekämpfen, da die Regierung dies bester verstehen müsse. Mit dieser Reactivirung der Theorie vom „beschränkten Unterthanenverstände" kann sich Redner nicht einverstanden erklären. Dürfe man nicht
Hans der Abgeordneten. 43. Plenar-Sitzung vom 7. März 1872.
Präsident v. Forckenbeck eröffnet die Sitzung Vorm. IIV4 Uhr. — Am Ministertische: Minister v. Selchow, Regierungscommissäre.
Tagesordnung: Fortsetzung der Berathung des Entwurfs, betr. die Ausdehnung der Gerneinheits- lheilungsordnung vom 7. Juni 1821 auf die Zusammenlegung von Grundstücken, welche einer gemeinschaftlichen Benutzung nicht unterliegen. — Die Generaldiscussion ist in der letzten Sitzung geschlossen worden.
Abg. Arndts spricht als Referent für die Vorlage.
In der Specialdiscusston wird der §. 1 in einer vom Hause modificirten Fassung angenommen. §. 2 wird ohne Weiteres, §. 3 wird mit der Ausdehnung angenommen, daß auch Seen, Teiche und andere Privatgewässer nur mit Einwilligung aller Betheiligten in die Zusammenlegung gezogen werden können. Die kam wieder gesund auf die Füße zu stehen und lachte. Als er 1856 zurückkam, hatte er drei ehrenvolle Erwähnungen und die Epavletten. Im Jahre 1859, wie der Krieg in Italien losging, war sein Regiment nicht für den Feldzug bestimmt, es gelang ihm jedoch, mit einem kränklichen Unterlieutenant zu tauschen, und so kam er unter den Befehl des Obersten Vautrin. Er fand in der Compagnie einen gleichalterigen Spielgefährten aus seiner Heimath wieder, den er von frühester Kindheit an gekannt und stet» gedutzt hatte. Dieser, ein gemeiner Soldat, Namens Bodin, gesellte sich sofort als Diener zu ihm und sorgte für ihn- mit wahrer Freundschaft: er konnte weder lesen noch schreiben, aber er würde sich für seinen Vorgesetzten, der ihn als Kameraden behandelte, haben todtschlagen lasten. Der Feldzug von 1859 wurde plötzlich abgeschnitten, wie Jeder weiß, doch fand Astier die Zeit, einen Grad zu gewinnen, und Bodin, der ein Viertel von einer Fahne erobert hatte, die Medaille. Als der Frieden unterzeichnet war, wurde das Regiment nach Nancy geschickt und hier machte Paul Astier die Bekanntschaft der Frau und Tochter seines Obersten.
Gleich von Anfang an mißfiel ihm Blanchette, und undiplomatisch wie er war, unterließ er es, ihr gegenüber Aufwand von Galanterie zu machen. Die Kleine nahm ihm feine Kälte um so übler, als sie seinen Anblick angenehmer wie den der Anderm fand. Sie that ihrer Aufmerksamkeit Gewalt an und reizte ihn, so sehr sie es konnte, aber ungeschickt; die Koketterie ist eine Kunst, die man nicht ohne Studium erwerben kann. Je mehr sie ihn zu stechen suchte, desto mehr gewöhnte er sich daran, sie wie eine Bremse, eine Mücke oder jede ander« lästige Fliege
Landrechtes und deducirt aus denselben, daß die Schulen $ Veranstaltungen des Staates find, und daß alle öffentlichen Unterrichtsanstalten unter ausschließlicher Aufsicht ke« Staates stehen. Ta« den Superintendenten, mit Rücksicht auf ihren Stand übertragene Amt ist ihnen gut vom Staate übertragen. Votiren Sie das Gesetz
"Marburg, 8. März.
Eine kaiserliche CabinetSordre vom 5. d. befiehlt die Gründung einer deutschen Marine-Akademie für Seeoffiziere in Kiel. Der Admiralitäts-Chef wird mit der Organisation der Akademie beauftragt. — Vorgestern Mittag traf der Kronprinz Friedrich Wilhelm von Pasewalk aus in Stettin ein. Derselbe wurde bei seiner Ankunft am Bahnhofsgebäude von den Civil- und Militärbehördeit empfangen. Von den versammelten Menschenmassen enthusiastisch begrüßt, fuhr der Prinz durch die reichbeflaggten Straßen yach dem Königsplatz, woselbst Parade und Vorstellung statt- fand. Sein Absteigequartier nahm derselbe im königl. Schlosse. Um 3 Uhr war Diner bei dem comman- direnden General Hann v. Weihern. Abends erschien der Kronprinz im Theater und wurde von dem gefüllten Hause enthusiastisch begrüßt. Gegen 9 Uhr durchfuhr er die illuminirten Straßen der Stadt und wohnte dann noch einem im Militärcasino veranstalteten Balle an. Die Abreise erfolgte gestern Mittag 12 Uhr mittelst Extrazuges. — Von Aachen ging vorgestern an Fürst Bismarck die telegraphische Benachrichtigung ab, daß viele Bürger der Stadt eine Petitton an das Herrenhaus abgesendet hätten. Zugleich dankte das betr. Telegramm dem Fürsten für seine Vertheidigung des Gesetzes im Abgeordneten- hauje. — Der König von Würtemberg ist gestern Mittag mit Extrazug von Stuttgart nach Berlin abgereist. Die Weiterreise von dort nach Petersburg erfolgt am Sonntag. — Die baierische Reichsrathskammer stimmte den Beschlüssen der Abgeordnetenkammer über das Pferdebedarfgesetz, über daS Neumarkter Distriktsdarlehen und dem Antrag auf Umbau des Ständehause» zu. Der Bericht des StaatsschuldentilgungScommissärS wurde genehmigt und demselben die Anerkennung deS Hauses ausgesprochen. In der Abgeordnetenkammer wurde, der Justizetat nach den Anträgen des Ausschusses genehmigt.
Das dänische Königspaar ist gestern in Neapel eingetroffen. Die Könige Christian und Victor Emanuel wechselten Besuche ab. — Die Petitions - Commission der Kammer beschloß, die Petition Betreffs der AuS- oehnung des Gesetzes über die religiösen Körperschaften auf die Provinz Rom ad acta zu legen, in = ===== = = -
zu betrachten. Der junge Mann hatte zu viel Blut in den Adem, um eine Stunde lang die Gamstränge eines kleinen häßlichen Mädchens zu halten. Wenn Blanche ihn mit lauter Stimme vor fünfzig Persvnm rief, ohne daß sie ihm irgend etwas zu sagen hatte, antwortete er auf ihre ungereimten Fragen nicht immer geduldig. Je alberner sie sich dann in seiner Gegenwart vorkam, desto eher machte sie einen neuen Versuch, wie ein Spieler, der, ohne sich zu verhehlen, baß er seinen letzten Heller verlieren wird, gegen sein Pech ankämpst. Die Geschichte, übel angefangen, wurde natürlich immer schlimmer und die Plänkeleien wurden hitziger.
Eines Tages sagte Blanche zum Lieutenant: „Mon- fteut Astier, die anderen Herren behaupten, daß Sie sehr hübsch zeichnen; schicken Sie mir doch einige Bildchen!"
Astier begab sich geradeSwegS zu einem Papierhändler und brachte ihr von diesem mehrere Dutzend iUuminirter Späße mit. „Das ist ein schlechter Witz," sagte sie.
„Mein Fräulein, ich habe diejenigen auSgewählt, die man in den Klöstern kleinen sehr artigen Mädchen gibt. Wenn Sie sich ihrer nicht würdig fühlen, werde ich sie dem Kaufmann zurückstellen."
Als sie ein Factum für den Angriff ihres Feinde« zu haben glaubte, machte sie dasselbe zum Gegenstand einer öffentlichen Interpellation:
»Herr Astier, leben Ihre Eltern noch?" „Gott sei Dank, ja, mein Fräulein." „Unt> wo« macht Ihr Herr Vater?* »Er bewacht die Buchen des FiScus." „So, so. Und Frau Astier, Ihre Mutter?"
ftfdjeint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischen Leitung mit KretSblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 88; Cat., durch die Postämter 87 Ggr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 88 Ogt.— JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annonren-Büreaus nehmen Inserate an.