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JRarßurg, Freitag, den 8. März.

i OberkesMe Zeit«»«

1872

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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberbesfischen Zeitung mit Krritblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 884 Egr>, durch die Postämter 87 Sgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 88 Sgr. JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annonren-Büreaus nehmen Inserate an.

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Falk, Graf Roon.

Neu eingetreten sind die Herren Gobbin und Breslau. Tagesordnung: Berathung des Schul- aufsichtsgesetzeS.

Berichterstatter Hr. v. Kleist-Retzow theilt mit, daß in letzter Zeit noch Petitionen gegen das Gesetz mit 18,000 Unterschriften, für dasselbe mit 17,000 Unterschriften eingegangen sind.

Graf Brühl wiederholt die bereits in der Com­mission gestellte, dort aber abgelehnte Resolution, das HauS wolle beschließen, daß der vorliegende Entwurf als Verfassungsänderung zu betrachten sei und demgemäß nach Art. 107 der Verfassungsurkunde zu verfahren. Der Antrag wird ausreichend unterstützt. Zur Generaldiscussion haben sich 16 Mitglieder für, 10 gegen den Entwurf und für die Commissionsvorlage

Herrenhaus.

Sitzung vom 6. März.

Präsident Graf Eberh. zu Stolberg-Wer- «igerode eröffnet die Sitzung Vorm. ll1/* Uhr.

Die Tribünen sind überfüllt, selbst auf der Jour- nalisten-Tribütte haben Damen Platz genommen. Am Ministertische die Herren Minister Gras Jtzenplitz,

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staniische Kaiserthum ein Dorn im Auge, ein Stachel

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unwhn Herzen ist. (Sehr war!) Sehen Sie die Ver­bindung der Centrumspartei mit allen antinationale»

gemeldet.

Hr. v. Wedell. Ich ergreife das Wort, mich gegen die Vorlage zu erklären, denn ich sehe kein Be bürfniß dazu und sehe noch weniger, wie damit der Artilel 23 der Verfassung auSgesührt wird. Redner empfiehlt die Commissionsvorschläge und hofft, daß die Regierung mit der conservativen Partei gehen

i^l werbe, ehe es zu spät fei.

[;ah, Graf Münster. Die Vorlegung des Gesetzes Acke hübe ich Anfang« bedauert. Jetzt aber, nachdem die M Debatten im Abgeordnetenhause stattgefunden und die U1 Regierung sich ausgesprochen hat, sehe ich, daß eine Gefahr zu bekämpfen ist. Diese Gefahr liegt darin, daß eine antinationale Partei besteht, der das prote-

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Elementen an. Sie fürchten, die Regierung werde mit dem Gesetze Mißbrauch treiben. Wie dürfen Sie annehmen, daß, so lange ein König von Preußen existirt, er Männer um sich berufen werde, welche den Staat entchristlichen wollen. Wir wollen eine christ­liche, aber wir wollen auch eine nationale Erziehung. Darum stimmen Sie für die Regierungsvorlage. (Fürst Bismarck tritt ein.)

Graf Galen. Der Vorwurf, die kath. Geistlich­keit verfolge antinationale Bestrebungen, ist ungerecht fertigt, durch ihre Haltung, durch Thatsachen des Pa­triotismus im letzten Kriege hinreichend widerlegt. Was die Vorlage vermeiden will, wird erst recht her­beigeführt; die Gefahr, die man zu beschwören glaubt, wird ernster.

Hr. v. Manteuffel. Man darf doch nicht gegen die Vorlage von Hause aus eingenommen fein, weit sie vom Ministerium kommt. Kommt das Gesetz zu Stande, so tritt es in die Reihe aller anderen Gesetze und verschwindet mit Erlaß des allgemeinen Schulgesetzes. Das Gesetz bringt fast wörtlich die Bestimmung des Landrechts und dagegen ist nichts zu sagen. Das Gesetz ist ja kein Schulorganisationsgesetz, fondern ein Schulaufsichtsgesetz. Ich stimme für dasselbe.

CultuSminifter Dr. Falk bekämpft die Ansichten der Gegner. Es sei der dringende Wunsch der Regierung, daß daS Gesetz in der Fassung des Abgeordnetenhauses angenommen werde; die Regierung wünsche, daß die vorliegende Frage jetzt zum princtpiellen Austrage ge­lange. Der Minister weist die Verfassungsmäßigkeit, sowie daS Bedürfniß der Vorlage nach, und theilt mehrere Fälle von entschieden staatsfeindlichem Auftreten katholifcher Pfarrer mit, gegen welche einzuschreiten die Regierung in die Lage gesetzt werden müsse. Auf einzelne Provinzen lasse sich die Abhülfe nicht beschränken. Die Vorlage sei nur eine Ausführung des Artikels 23 der Ver- faffungsurkunde und verletze keineswegs die Rechte der Kirche; was man von eonfessionsloser Schule sage, sei eine unerwiesene Behauptung.

Hr. v. Waldaw (Steinhowel) eifert gegen die Gesetzmacherei. Er stimme gegen das Gesetz, weil er das Bedürfniß dazu vermisse; nicht die Motive, nicht die heutige Rede des Cultusminister gäben Beweist des Bedürfnisses. Bei allem Vertrauen, daß die Re gierung jetzt das verlangte Recht nicht mißbrauchen werde, dürft man doch nicht vergessen, daß Menschen und Ministerien sterblich sind.

Hr. H ass e l b a ch hofft aufEinignng nnd bekämpft den Commissionsbericht Punkt für Punkt.

Fürst Bismarck, an die Rede des polnischen Abg. Grafen WierzbinSki anknüpfend, welcher den polnischen Adel venheidigte, erklärt, er wolle den Kampf über die Stellung des polnischen Elements im preußischen Staate nicht neuerdings berühren. Die Acten hierüber lägen vor. Der Proceß sei in der Schwebe und werde auf dem Wege der Gesetzgebung und der Aufk lärung geschlich­

tet werden. Um letztere- zu erreichen, sei es $Be= bürfniß, die Erlernung der deutschen Sprache in den nichtdeutschen Landestheilen auf gesichertere Grund­lagen zu stellen, als nach der bisherigen Gesetzgebung j>er Fall sei. Auf das Zustandekommen des gesamm- ten Schulgesetzes könne nicht gewartet werden, deß- halb sei vorläufig ein kurzes Gesetz, gewissermaßen ein Nothgesetz, nothwendig. Was die Petitionen gegen die Vorlage betreffe, so sei hierauf wenig Gewicht zu legen. In neulich mit Beschlag belegten Papieren fei ein Brief eines hervorragenden Mitglie­des der Centrumspartei an einen Kanonikus in Posen gefunden worden, worin die Zusendung von Petitionen an den Reichstag abbestellt und aufgefor­dert werde, nunmehr Petitionen an die deutschen Für­sten in regelmäßigen Zwischenräumen zu senden. Auch ein vielgenannter Bischof bestelle in einem Schreiben die Petitionen an den Reichstag ab. Minder ver­ständlich als der polnische Widerstand sei der leiben« schaftliche Widerstand eines TheileS der evange­lischen Mitglieder der conservativen Partei. Man müsse es der Regierung überlassen, die Rothwen- bigteit des Gesetzes zu beurteilen. Die Regie­rung wolle nicht mit den Conservativen brechen, aber sie lasse sich auch nicht von einer Partei drängen. Fürst Bismarck wendet sich hierauf gegen den Com- mijsionsbericht, welcher die Nachtheile des Gesetzes übertreibe und die Mitglieder der Commission zu Mit­helfern jener anderseitig gegen die Regierung erhobenen Beschuldigungen mache. Preußen habe früher in einem beneideten confessionellen Frieden gelebt, dieser Friede sei minder sicher geworden, als Preußen mit seiner evangelischen Dynastie eine größere Entwicke­lung nahm. Der konfessionelle Frieden sei ange- feinbet worden nach dem österreichischen Kriege und vollends nachdem auch Frankreich unterlegen fei. Fürst Bismarck verliest den Bericht eines Gesandten, welcher auf die Thätigkeit des einflußreichen TheileS des katholischen CleruS zu Gunsten Frankreichs hin- weist. Der Fürst betont nochmals, daß das beste Mittel gegen die polnischen Agitationen der Unterricht in der deutschen Sprache sei, welchen die Geistlichen verhindern. Dagegen sei das Gesetz gerichtet. Schließ­lich wendet sich der Fürst nochmals an die Conserva­tiven und ermahnt fie zum Verträum in die Regie­rung. Die Regierung hoffe, das Gesetz werde mit möglichst großer Majorität angenommen werden.

Nächste Sitzung Donnerstag.

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Das Regimentsalbu«.

(Forlietzung.)

Nach dieser Rede, die nicht ohne einige Thränen Pt Ende ging, trommelte Fräulein Blanche Vautrin rauschende Akkorde.

Die Frau Oberst hatte einen sehr trägen Geist und ein sehr zartfühlendes Herz. Die Anstrengung, He es ihr gekostet, Frau Humblot's Erzählung zu folgen, und die Sympathie, die diese Erzählung in ihr erweckt hatte, bewegten die sehr anständige Fleisch maste derart, daß dieselbe dicke Schweißtropfen vergoß. Sie sammelte sich einen Augenblick, wischte Gesicht und Hände ab und rief:Wenn er nun verheirathet wäre?"

Dann würde meine Tochter für mich gerettet fein. Die Unmöglichkeit arrangirt Alles."

Und wenn er einer jener Söhne aus guter Fa­milie wäre, die... welche.. . deren Ansprüche enorm sind? Wir haben deren einige hier."

Ich kann nicht mehr geben, als was ich habe, das ist gewiß; aber findet man öfter eine solche Mit­gift wie die unserige? Was den Namen angeht, so ist unserer auch sehr anständig. Es hat in der Familie humblot niemals Verräther, Räuber, Verschwörer, Leuteschinder u. s. w. gegeben. Kennen Sie unter dem höchsten Adel zehn Häuser, die von sich dastelbe sagen können? Und was schadet benn der Name des Mäd­chens, da er doch vpr dem Namen des Mannes un> sichtbar wird?"

Nun, Sie sollen Recht haben, aber eS bleibt uns noch übrig, den Mann zu finden. Da Sie sicher sind, chn beim ersten Anblick wiederzuerkennen ..."

-Ja, hundertmal ja!"

So wird das Suchen weder lang noch schwierig werden. Die Garnison von Nancy 'besteht ou8 un- ferem Regiment, zwei Schwadronen Cavallerie und

einigen Offizieren von der Artillerie, dem Genie und dem Generalstab. Wie ich Ihnen schon gesagt zu haben glaube, kenne ich die Offiziere meine« Manne« wenig, aber meine Tochter hat sie alle in einem Photo- graphien-Album gesammelt. Wir wollen unsere Nach­forschungen bei diesem beginnen. Wenn Ihr Schwie­gersohn nicht im Älbum steht, sehen wir weiter zu. ES ist ärgerlich, daß der Herr an dem Tage, wo Sie ihm begegnet sind, keinen regelmäßigen Urlaub gehabt zu haben scheint, er wäre sonst nicht in Civil gefahren; wäre der Urlaub ein regelmäßiger gewesen, so würden wir, wenn wir das Datum der Reise mit dem Ur­laubsjournal verglichen, sofort die Hand auf ihn legen können; nun, ich denke, wir werden ihn auch so mit der Zeit herausfinden."

Hoffentlich. Ich glaubte, und meine Tochter auch, Nancy wäre eine kleine Stadt. Drei Tage aber sind wir schon hier; wir haben die Straßen durch­streift, die Promenaden, die Umgegend, wir haben die Musikparaden in der Pepinisre angehört und die jungen Offiziere gemustert, die wir sahen, aber Alles vergebens. Diesen Morgen hat mich eine Eingebung des Himmels zu Ihnen gewiesen. Dank für Ihren liebenswürdigen Empfang und Ihre gütigen Zusagen. Gott möge geben, daß Ihrem lieben Kinde dieselbe Ehre erwiesen wird, die Sie meinem erweisen."

Die beiden Damen reichten sich gerührt die Hand. Frau Vautrin rief dann ihrer Tochter zu:

Blanchette! . . . mein theures Baby!. . . mein liebes Mäuschen! . . . He! Blanchette!"

Je lauter die Mutter rief, desto toller hämmerte die liebe, kleine Blanche auf die Tasten. Man hätte meinen können, ihr Piano habe ein Verbrechen be­gangen und sie bringe eS dafür auf der Stelle um. Als sie endlich geruhte zu hören, fuhr Frau Vautrin fort:

Verzeih' mir, daß ich Dich störe, mein geliebte« Kind fei so freundlich, uns daS Regiments-Album zu holen."

Mein Album?"

Ja, Dein RegimentS-Album."

Ich fliege."

Sie ging schleppenden Schritte« von bannen, blieb vor einem Spiegel stehen und schlenderte dann weiter. Ihr Zimmer lag am Ende einer ziemlich langen Reihe. Kaum eingetretreten, stieß sie den Riegel zu, nahm ein Album von rothem Leder mit Plättchen von Elfen­bein, schlug es in der Mitte auseinander und suchte die Lieutenants vom zweiten Bataillon. Einer, zwei, drei, vier, fünf. Unter dem fünften Portrait stand in schöner, eigenhändiger Schrift der Name des Feld­webels Paul Astier.DaS ist er," sagte sie mit bitterbösem Gesicht,nur er kann es fein!" Dann schob sie die Photographie aus ihrem Rahmen, riß sie in kleine Stücke und steckte diese in die Tasche. Es fiel ihr darauf ein, daß die leere Stelle einen Commentar veranlassen könnte. Sie löste daher das ganze Blatt, in welchem sich der Rahmen befand, vorsichtig mit Hülse eines MefferS aus dem Einband heraus, so daß man dessen Fehlen nicht leicht be­merken konnte, und verbarg die Bruchstücke. Als dies geschehen, leuchtete eine satanische Freude in ihrem kleinen, unregelmäßigen Gesicht auf, und sie murmelte zwischen den Zähnen:<So, jetzt bin ich an einem Unverschämten gerächt!"

Darauf lief sie mit dem Album in der Hand zu den beiden Müttern.

Frau Vautrin küßte sie auf die Stirn und sagte: Du kannst bei uns bleiben, mein artiges Kind, wir haben uns keine Geheimnisse mehr mitzutheilen."

Daß Frau Humblot Herzklopfen hatte, als sie daS Album sah, kann man sich denken. Nur aus Höf-