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Marburg, Donnerstag, den 7. März.
1872
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(Fortsetzung.)
«Marburg, 6. März.
In der heutigen Sitzung des preußischen Herren. Hauses wird, die Debatte über das SLulaussichtSgesetz eröffnet. — In der gestrigen Sitzung der hessischen Abgeordnetenkammer interpellirte der Abg. Dernburg die Re-
uns in Baden-Baden zu treffen: man vergnügte sich Prächtig und machte schöne Partien. Die jungen Leute M)en sich nicht zweimal bitten, dabei zu sein: meine Tochter ist nicht nur sehr hübsch, man wußte auch, daß sie sechzigtausend Franken Rente au« schönen Ländereien besaß, und die Thaler sind dort unten wie hier der wahre Köder. Sie können mir glauben, daß rö an Freiern nicht mangelte; guter Gott, e« blieben fogar noch einige für mich übrig! Kurz man erwies
hältnchmäßige Aeußerungen deS Schmerzes, für große Wirkungen muß man große Ursachen suchen. Ich frage sie, ich bitte sie, ich weine auch, ich thue Alles, waS Sie auch an meiner Stelle gethan haben würden, denn Mutterherzen sind alle in dieselbe Form gegossen, und schließlich offenbart mir das liebe Kind denn auch sein Geheimniß. Ich für meine Person, ich dachte nicht mehr an jenen jungen Menschen, Antoinette hatte während eines Monats nur von ihm geträumt. Die Liebe war ganz sacht, ohne Geräusch, in diese unschuldige, für ihre Ausnahme außerordentlich vorbereitete Seele eingezogen. Man braucht mir jetzt nicht mehr auseinanderzusetzen, wie aus einem kleinen Kern ein großer Baum werden kann. Das Kind erklärte mir, daß sie sterblich liebe, daß sie ihrem Jveal begegnet sei, daß sie nie einen anderen Mann heirathen würde, und daß ich ihr, wenn ich die Barbarei beginge, ihr den Unbekannten zu versagen, den Todesstreich versetzte. Ach, es bedurfte nicht einmal so viel, um mich zu überreden. Solche Wesen halten uns am Fädchen und führen unö, wohin eS ihnen gut scheint. Ich habe auch Alles überlegt und beginne zu glauben, daß meine kleine Antoinette am besten gewählt hat Nur in den Augen von Dummköpfen ist die Epauletle eine Stickerei, für vernünftige Ellern ist sie eine Garantie. Sie zeigt einen gewissen Grad von solider Erziehung an, von Höflich» feit, von Muths von Uneigennützigkeit, sowie einen hohen Grad von Redlichkeit, beim man weiß, daß ein Offizier von halbem Ehrgefühl in der Armee nicht geduldet werden würde. Das Schreckliche ist nur, daß sie unsere Töchter von Stadt zu Stadt mit sich schleppen; aber wohl erwogen, können sie sie doch Nicht mit in den Krieg nehmen und müssen fie dann Itit den Kindern der Mutter wieder lasten. Wer weiß
gierung, ob sie gegen Schulbeamte und Schulvorstände, welche dem Reichsgesetze gegen den Kanzelmißbrauch öffentlich de» Gehorsam aufsagten, einschreiten werde. Minister Bechtold erklärte, die Regierung mißbillige diese« Vorgehen und werde geeignete Maßregeln ergreifen. — In der badischen Abgeordnetenkammer brachte der Handelsminister v. Dusch vorgestern Gesetzentwürfe ein über die Erbauung von Eisenbahnen von Schwacken- reuthe nach Hattingen und Winterthur, beziehungsweise von Andelfingen nach Singen und von Bulach über Jestetten nach Schaffhausen. — In der gestrigen Sitzung der baierischen Abgeordnetenkammer wurden die neueingetretenen Mitglieder Würth und Buchele beeidigt. Nach vierstündiger Generaldebatte über den Justizetat wurde die Berathung auf den folgenden Tag vertagt. Der Finanzausschuß.wurde durch zwei Mitglieder vermehrt.
Der Nationalrath hat gestern die revidirte Bundesverfassung der Schweiz mit 78 gegen 36 Stirn men unter Namensaufruf angenommen. Der Stände- rath genehmigte sie mit 23 gegen 18 «Stimmen. Mit dem gestern erfolgten Beitrit deS Ständeraths zu dem Beschlüsse des Nationalraths, betr. die Rechtseinheit, ist die Bundesrevision endlich erledigt. Beide Räche wurden mit längeren, die Wichtigkeit deS Revisionswerkes betonenden Schlußreden von ihren Präsidenten entlassen.
Au« Versailles 5. März, wird gemeldet: Die Entlassung Pouyer-Quertier'S aus dem Ministerium wurde gestern entschieden. Pouyer-Quertier wird dieselbe heute in der Nationalversammlung geben, indem er über sein Verhalten Erklärungen abgibt.
Prinz Friedrich Karl von Preußen ist vorgestern von Rom nach Neapel abgereift. Derselbe wird sich von da zunächst nach «Sicilien begeben. — Von der „Voce della verita" wird die Nachricht des Pariser „Monde", daß Thiers sowohl als Oesterreich dem Papste neuerdings Gastfreundschaft angeboten hätten, für unrichtig erklärt.
Von der rumänischen Kammer wurde das rec- tificirteBudget, pro 1872, welches sich um 1,222,671 Fr. erhöht hat, angenommen und bann in bie Berathung bes Post- unb Telegraphenvertrages eingetreten. — Der Senat erteilte bem Gesetzentwürfe wegen Baue- einer Eisenbahn von Jassy biS an die russische Grenze seine Zustimmung.
Wie aus Cal cutt a gemeldet wird, bestätigt es sich, daß neuerdings die Häuptlinge fast sämmtlicher feindlichen «Stämme sich unterworfen haben und somit
IBem Landtage.
aus der Abgeordneten. 42. Plenar-Sitzung vom 5. März 1872,
Präsident v. Forckenbeck eröffnet die Sitzung chm. IVa Uhr. — Am Ministertische die Herren iuifter Graf Jtzenplitz, v. Selchow und RegierungS
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„Ich war der Meinung, daß er sehr Recht hätte, del eU ich die Geschichte mit kaltem Blute überlegte; denn schließlich denkt man doch, wenn man nur ein tinb hat, sie bei sich zu verheirathen, und der bravste, beste Offizier wäre mir nachher wie Antoinettens Säuber vorgekommen. Nachdem ich Alles in Anschlag Mracht, würde ich eS gern gesehen haben, wenn sie biese Begegnung vergessen hätte, und ich bemerkte mit Vergnügen, daß sie nicht mehr davon sprach. Wir hatten mit mehreren bekannten Familien verabredet.
Uns jede nur denkbare Aufmerksamkeit, aber das gnä bige Fräulein nahm sie wie eine Schuld an und wußte Niemanden Dank dafür. Ich klopfte von Zeit iu Zeit auf den Busch, ich sagte ihr: Was denkst Du von Diesem? Wie findest Du Jenen? Sie antwortete mir unveränderlich: Weder gut, noch schlecht. Sein Stocken, niemals der mindeste Anschein von Verlegenheit, ein wahrer Küraß von Gleichgültigkeit! Bitten ganzen Monat lang blieb es so, als sie eines .«bends, nachdem sie zufällig eine Filigrannadel im •*’ Berthe von höchstens dreißig Sou's zertreten, zu ok> teeinen anfing und gar nicht wieder aufhören wollte, uu Gegentheil einen immer stärkeren Thränenstrom ^rgvß. Eine Mutter täuscht sich nicht über unver
die englische Expedition im Wesentlichen al« beendet anzusehen ist.
Der Präsident der nordamerikanischenUnion gab der japanischen Gesandschast eine officielle Audienz. — Der «Secretär deS Schatzes hat für ben Monat März den Ankauf von 2 Millionen Dollars BonbS angeorbnet. Golbverkauf findet in diesem Monate nicht statt.
Deutsches «eich.
A Berlin, 5. März. Soviel ich aus gut unterrichteter Quelle über die am 2. b. M., bem Tage der Ratification ber Friedenspräliminarien, vom Kaiser vollzogenen unb ben betreffenben Donatoren bekannt gemachten Dotationen betrifft, so sinb bamit zunächst Die Grafen v. Roon unb v. Moltke als diejenigen bedacht, welchen um Organisation und Führung deS deutschen Heeres daS größeste Verdienst gebührt. Sodann kommen als Führer selbständiger Armeen Prinz Friedrich Karl, die Generale v. Manteuffel, v. Werder und v. Göden, nachdem der Kronprinz von Sachsen jede Dotation abgelehnt. Hiernächst sind die im Hauptquartier mit hervorragenden Missionen betraut gewesenen Militärs bedacht, die Generale v. PodbielSki, v. Stosch und v. Kameke. Für bett inzwischen ber» : ftorbenen General v. Hinberstn sinb besten in beschränkter Lage zurückgelassene Erben berücksichtigt. Es folgen bie Chefs ber einzelnen ©eneralftäbe, bie Generale v. Stichle, v. Blumenthal unb Sperling, Dann die commanbirenben Generale von ArmeecorpS, Herzog August von Würtemberg, die Generale v. Fran» jeki, v. AlvenSleben, v. Kirchbach, v. Tümpling, v. Zastrow, v. Manstein, v. VoigtS-Rheetz unb v. Bose, während den Führern süddeutscher Eorps, den Generalen v. Obernitz, v. Beyer, v. Hartmann und v. d. Tann die den resp. süddeutschen Souveränen übermittelten Dotationssummen von diesen zugestellt worden sind. Hiernächst sind noch diejenigen Staatsmänner und Kriegsminister botirt, z. B. Staatsminister Delbrück, Kriegsminister v. Fabrice u. s. w„ bie sich besonders hervorragende Verdienste in ben Jahren 1870 unb 1871 erworben haben. — Den neuesten Ermittelungen zufolge ist eS Thatfache, daß der Erzbischof von Posen, Graf LedochowSki, vom Papste zum Prima« von Polen ernannt ist und daß derselbe diese Ernennung angenommen hat. ES steht dies im grellen Widerspruch mit den Loyalitätsäußerungen , und Der ostensibel von der Hand gewiesenen Förderung nationaler Bestrebungen, durch die Graf
überhaupt, ob er nicht seinen Abschied nehmm wirb, wenn er Familie hat? «Sei bem wie ihm wolle, ich habe mich entfchloffen, ber junge Mann wirb mein Schwiegersohn, wäre er auch von noch so bescheibener Herkunft unb äußerst arm. Wir sinb für ihn unb für un« reich, unb ich habe nie gewünscht, baß meine Tochter Marquise würde; die Frau eines Offiziers zu fein, ist schon ein ganz hübscher Adel. Wissen müssen wir nur noch, ob ber junge Unbekannte kein Mädchen- jäger, kein Spieler ober kein Absinthtrinker ist. Wmn das Unglück wollte, baß er eines bieser drei Laster hätte! . . . Oder vielmehr eines ber beiben letzten, beim es ist Sache der Frau, ihres Gemahls Herz treu zu machen. Wenn er spielte, sage ich, ober wenn er bie unglückliche Gewohnheit hätte, zu trinken, würbe ich auf die Gefahr hin, Antoinette zur Verzweiflung zu bringen, Alles abbrechen: lieber sie mit einem Schlage tibten, al« fie von langsamem Feuer verzehrt zu sehm. <
(Fortsetzung folgt.)
DaS Daakfesi fit die Genesung »rS Prinzen hx Wales.
Bon M S.
(Schluß.)
An ihrer östlichen Grenzmarke, an bem mit Sammt, Golv und Laubgewinden recht hübsch verzierten Temple- Bar harrte der Lordmayor mit seinen SherifS und Aldermen seit elf Uhr des königlichen Zuge». Sie waren allesammt zu Pferde in vollem, mittelalterlichem Ornate und führten zumeist mit Geschick und Sicherheit bie Zügel. An diesem Punkte allein kam ber Zug zu kurzem Stillstand. Nicht etwa, daß die Thore, wie eS in alter Zeit Brauch, geschloffen gewesen unb erst auf Geheiß des Lordmayors ber Souveränin ge-
tat Bau eines zweiten Geleiseö auf ber Strecke Han-
Srfcbeint täglich außer ben Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberbesfischen Leitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'sch, Buchdruckerei) bexogen 21; Lar., durch die Postämter 17 Lgr. 6 Psg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für da« Ausland excl. Stempel 1t Lgr.— JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.
neuer - Bremen; 4) betr. bie Ermächtigung, bie für Legung eines zweiten Geleises auf ber Ostbahn von Schneidemühl über Lromberg nach Dirschau bewilligten
lommissäre.
Der Abg. B e ck (Wirsitz-Bromberg) legt krankheils- Mt'hatber sein Mandat nieder.
und Der HandelSminister bringt ein zweites Eisen- tahngesetz. ein, welches 4 Punkte umsaßt, 1) betr. tai Uebcrgang der Taunusbahn von der hessischen kudwigSbahn an Preußen für 5,010,000 Gulden;
Ir" 2) betr. den Bau einer Harz - Bahn von Karlshein 'S* durch das Jnnerstethal aufwärts bis GoSlar; 3) betr.
Mer auf Legung eines zweiten Geleises von Schneide- rnühl und Lonitz nach Dirschau verwenden zu dürfen. Die Vorlage geht an die vereinigten Commissionen für Finanzen, Zölle und Handel.
Es folgt Nr. 1 der Tagesordnung: Forschung der Berathung deS Pensivn»gesetzes.
Das Haus wiederholt bie Abstimmung über ben $. 34 nach den Commisionsvorschlägen: berselbe wird mit 162 gegen 135 Stimmen abgelehnt unb ber Paragraph ber Regierungsvorlage (§. 35) wirb angenommen. — Die letzten §§. 35 bis 39 werben ohne Weiteres genehmigt, ebenso gelangen bei noch maliger Abstimmung bie Anträge Spankeren zu ben s Paragraphen 11 unb 19 zur Annahme (dieselben V* lagen in der letzten Sitzung noch nicht gedruckt vor, Deshalb die nochmalige Abstimmung) und die §§. 11 jmb 19 selbst mit diesen Amendements. Das Haus Aenehmigt sodann das ganze Gesetz.
Es folgt Nr. 2 der Tagesordnung: Berathung des Gefetzenlwurfes, bett, die Ausdehnung der Ge- rneinheitStheilungs-Ordnung vom 7. Juni 1821 auf Um Zusammenlegung von Grundstücken, welche einer gemeinschaftlichen Benutzung nicht unterliegen. Nächste Jejt Atzung Donnerstag, oird igel 512 stS- »Del
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