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Marburg, Mittwoch, den 6. März.

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1872

Oterhessische Zeitung

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Entschädigung; daher er Vorschläge, die Streitfrage über die Deutung des Vertrags dem Genfer Schieds­gerichte zu überweisen. Die NewyorkerTimes" kann nur die Annahme des gegenwärtigen Compromisses hoffen, bezweifelt dieselbe jedoch.

DieMontagsrevue" in Wien meldet aus Kon­stantinopel: Auf die freundschaftliche Anfrage der Pforte an das russische Cabinet betreffs der Armirung der Flotte im schwarzen Meere antwortete Fürst Gortschakoff, daß diese Armirung von Schiffen nur bezwecke, die Manövrirfähigkeit der Schiffe zu erpro­ben und die Mannschaft auszubilden. Die russische Regierung beabsichtige nicht, daselbst größere Schiffe zu bauen oder die gegenwärtige Schiffözahl zu ver­mehren.

Der König und die Königin von Dänemark find am Morgen des 2. d. M., vom König und der Kö­nigin von Griechenland bis Korfu begleitet, von Athen über Brindisi nach Rom abgercist.

Die NewyorkerWorld" sagt, der Vertrag sei nach amerikanischer Auffassung vollständig zusammen­gebrochen; falls es Gladstone und Fish nicht gelänge, die Bruchstücke zusammenzufügen, bleibe eS zweifelhaft, ob ein für beide Völker befriedigender AuSgleichSplan gefunden werden könne. Die amerikanische Antwort wird durch das SchiffCity of Montreal" expedirt.

*Marburg, 5. März.

DaS preußische Staatsministerium trat vorgestern ju einer Sitzung zusammen. In der gestrigen Sitzung deS Herrenhauses theilte der Präsident die Namen der neueingetretenen Mitglieder mit. Es sind die Herren Graf Moltke, Graf Roon, die Bürger meister Lambeck (Thorn), Kohleis (Posen), Dr. Becker (Dortmund) und RooS (Crefeld), ferner Meyer (Kol- berg), Dietze (Elberfeld), Frhr. Gaffron-Sunow und Gras Franz zu Stolberg-Wernigerode. Bei einer «orgestern staatgefundenen Vorberathung liberaler Herrenhaus Mitglieder haben sich 40 für das Schul- mfstchtsgesetz ausgesprochen. Bei der Nachwahl zum NeichSlage für den Wahlkreis BreSlau-Ncumarkt wurde btr Herzog von Rakibor mit 8047 Stimmen gewählt. Sein Gegenkandidat Graf Saurma erhielt 3014 Stim­men. Der Landtag deS Großherzogthums Sachsen Weimar wurde letzten Sonntag geschloffen, nachdem er noch TagS zuvor eine Summe von 10,000 Thlrn. dchufs Errichtung eines Denkmals zur Erinnerung an die Thaten deS 94. Infanterieregiments bewilligt hatte. Zur Erinnerung an den Versailler Friedensschluß mirben vorgestern Abend auf einigen schwäbischen Bergen Freudenfeuer abgebrannt. In Stuttgart ver­anstaltete die deutsche Partei ein Banket, welches auch ton den städtischen Behörden besucht wurde. Fürst Bismarck wurde mit Dank für sein jüngste« energi­sches Eintreten telegraphisch begrüßt.

Gestern Morgen hatte ThierS eine Unterredung mit Pouyer-Quertier, über dessen Entlastung in den parlamentarischen Kreisen Gerüchte umgehen; eS heißt, Casimir Perier werde an Pouyer-Quertier'« Stelle dchs Finanzministerium übernehmen. Der neu er­nannte Gesandte Frankreichs beim italienischen Hos, Fournier, Ist auS Stockholm in Versailles angekom- men, und reist am 6. d. M. nach Rom ab. DaS Men Public" dementirt die Nachricht, daß General Ladmirault, der Gouverneur von Paris, seine Ent­lastung gegeben habe.

Der LondonerTimes" wird aus Philadelphia dom 2. d. telegraphirt, daß die amerikanische Antwort die Rücknahme der invirecten Forderungen verweigere, *bet in äußerst freundlichem Tone gehalten sei. Nach Berichten derDaily NewS" au« Newyork heißt es m vlficiellen Kreisen, die Antwort bchaupte den gcgen- »ärtigen Standpunkt und besage, daß der Präsident mehr die Beseitigung der indireclen Forderungen aus btm Bereiche der Discussion wünsche, als eine Geld.

Das Negimeutsallm».

(Fortietzung)

Die Journale erzählten uns von den Ufern des Hein», von Baden-Wiesbaden, als von einem euro­päischen Stelldichein, das für die Abschließung von Hen sehr günstig wäre; warum also nicht? Mein

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"mes Kind hatte gerade auch Zerstreuung nothwen- pig; sie war seit dem Frühjahr träumerisch. Ich muß Ihnen bemerken, daß unser Leben da unten ein sehr thitigk», sehr beschäftigtes, aber doch ein wenig ein- sinnjgcs ist Ich vertraute die Domäne meinem Rentmeister an, der ein sehr ehrlicher Mensch und mir selbst ausgebildet ist, und dann setzten wir W auf die Eisenbahn. Wir fuhren an Paris vor- , ari, ohne abzusteigen, da die Stadl leer von Menschen, boll von Staub und halb demolirt warj und fuhren birert auf Baden-Baden zu. Alles ging gut bis Corn "ftry. In unserem Waggon war nur ein Platz vor ^ir übrig, ich hatte unsere Tücher und Shawls auf "^selben gelegt und hoffte, daß sie dort bis zum Ende Reise liegen bleiben könnten. Im letzten Augen zwischen dem letzten Glockenzeichen und dem Cnönen der Dampfpfeife, stürzt eine fröhliche Gesell­schaft auf den Perron: zwölf oder fünfzehn Offiziere ® Uniform, sowohl von der Reiterei wie der Jnfan- gaben einem Offizier in Civil das Geleite. Diese ^nze Jugend machte einen fürchterlichen Lärm und Mch so laut, gerade wie wenn sie vom Tisch käme, ^kr Schlag unsere« Coupe'S wurde aufgerissen, ich eine allgemeine, eilige Umarmung, ich hörte einen Aorus von Adieu mein Lieber, Adieu mein Junge, «bien Alter, und ein junger Mann von fünfunb- : ^"zig dis dreißig Jahren, schön wie der Tag, fiel ^chstäblich von oben aus meine armen Tücher und shawls herunter.

Deutsches Reich.

Berlin, 4. März. Der heutigeStaatsanzeiger" bringt nachstehende Bekanntmacdung:Die mir in jüngster Zeit zugegangenen Adressen und Telegramme, in welchen mir die Zustimmung zu der von der Königlichen Regierung bezüglich deS Schul-Aufsichts- Gesetzes befolgten Politik ausgesprochen wird, habe ich bisher, so viel ich konnte, einzeln beantwortet. Die erfreuliche Zunahme derartiger Kundgebungen ist in­dessen so stark, daß ich bei meinem gegenwärtigen Ge­sundheitszustände und dem Drange meiner täglichen Dienstgeschäfte daraus verzichten muß, eine jede beson­ders zu erwidern, und nur auf diesem Wege meinen Dank für das mir kundgegebene Vertrauen und die Versicherung aussprechen kann, daß ich auch ferner Sr. Majestät dem Kaiser und dem gemeinsamen Vater laude mit Gottes Hülfe so zu dienen bemüht sein wervc, daß mir dieses Vertrauen meiner Mitbürger erhalten bleibt, von Bismarck."

Berlin, 4. März. Gewisse radikale Corre- spondenten wissen noch immer von einem angeblichen schrecken seine Cigarre fort, sobald er sich in unserer Gesellschaft sah. Er entschuldigte sich, wenn er die Beklemmung in dem Wagen vermehre, in welchem man lchvn vor seiner Ankunft gewiß nicht habe aufathmen können; aber er werde sich möglichst zusammenziehen, überglücklich, falls man ihm nur seinen ersten Sprung verzeihen könne. Endlich versprach er uns, in Toul einen anderen Platz zu suchen, und im schlimmsten Fall war Nancy das Ziel seiner Reise. Er stieg aber nicht in Toul aus und zwar aus dem Grunde, weil wir in ein regelrechtes Gespräch geralhen waren, und Sie können mir glauben, daß sich Niemand deS Zau­bers seines Geistes erwehren konnte. Ich habe mich noch ost gefragt, ob diese ungestüme Fröhlichkeit aus den Erzeugnissen der Mosel geschöpft war, indesfen brachte er nicht ein einziges Wort vor, worin die strengste Kritik Etwas hätte finden können. Seine Sprache ist originell und ooii einer ganz militärischen Farbe; wenn sie aber nach der Kaserne geschmeckt hätte, würde er weder meine Tochter noch mich ge­wonnen haben. Er ist wahrhaftig ein vollendeter, junger Mann, schön ohne Albernheit, geistreich ohne Bosheit, ein Spaßmacher ohne Uebertreibung und gewiß auch tapfer ohne Windbeutelei. Sie müssen ihn durch dies mündliche Porträt wiedererkennen "

Ich erkenne m dem Portrait mehr wie Einen, meine liebe Frau, und wir werden Denjenigen, der Ihnen am Herzen liegt, wohl schwerlich wiederfinden!"

Ich würde ihn unter Tausenden unterscheiden Im Prinzip theilte er seine Aufmerksamkeiten zwischen allen seinen Reisegefährten wir waren unserer vier unmerklich aber concentrirte er sie auf meine Tochter und mich, und Antoinette schien ihn mit sym pathischer Neugierde anzuhören. Sie würden schwö- ten, daß der liebe Gott sie für einander geschaffen hätte, und dieser Gedanke ist ihnen vielleicht zu der-

Conflict im Staatsministerium zu erzählen. Nachdem sie durch dieNordd. Allg. Ztg." selbst darüber be- lehrt worden sind, daß matt in unterrichteten Kreisen nichts von einer Differenz zwischen dem Ministerprä­sidenten und dem Grafen Eulenburg in Folge der polnischen Angelegenheit weiß, behauptet jetzt ein Schreiber derElberf. Ztg.", dieselbe sei durch die zweifelhafte Haltung des Ministers des Innern dem Schulaufstchtsgesetze gegenüber veranlaßt worden. Es ist fast überflüssig, noch einmal dergleichen Mahrchen zu widerlegen, zumal die Erfinder derselben mit einer uiibesieglichen Hartnäckigkeit an ihrer Phantasie fest­zuhalten pflegen. Dennoch soll eS noch einmal mit der größten Bestimmtheit gesagt werden: diese Gerüchte haben nicht den geringsten thaisächlichen Hintergrund. Graf Eulenburg hat bei Gelegenheit des Schulauf­sichtsgesetzes in vollkommenster Harmonie mit seinen College» gehandelt und befindet sich nach wie vor im besten Einverständnisse mit denselben. Die Vor­gänge in Betreff bei der hiesigen Bürgermeisterwahl erregen begreiflicherweise nicht geringes Aufsehen. Von einigen Seiten infinuirt man, dem Hm. v. Winter sei zu verstehen gegeben, daß er wegen seiner politischen Färbung Allerhöchsten Orts keine Bestätigung zu er­warten habe. Es ist selbstverständlich, daß dies un­richtig ist; Hr. v. Winter hat sich immer zur altlibe­ralen Partei gehalten und kann hierin gewiß kein Grund liegen, ihn an Allerhöchster Stelle unannehm­bar zu machen. Als Candioat de« hiesigen Bürger­meisteramtes war Hr. v. Winter allerdings nicht der der gemäßigten Elemeiite, sondern der Mann unserer Radikalen, die mit dieser Wahl den letzten Trumpf auSzuspielen gedachten. Wenn Hr. v. Winter keine persona grata ist, so hat dies nicht feine politische Gesinnung veranlaßt, sondern es sind daran einzelne frühere Vorgänge schuld. Dies wußten die Radikalen wohl und sie haben ihn nicht als GefinnnngSgenoffen auf den Schild gehoben, sondern tvetl sie durch diese Wahl in Allerhöchsten Kreisen Anstoß geben und so wieder eine Kluft zwischen diesen und der Berliner Bürgerschaft schaffen wollten. Am 2. März, als am elften Jahrestage der Friedensratification, hat Se. Mas. den einer Dotation für würdig erachteten Generalen und Staatsmännern die ihnen zu Theil gewordene Auszeichnung angekündigt. Den Eiscn- bahnverwaltungen ist die Befugniß eingeräumt worden, für die Folge alle bei ihnen von Eifenbahn-Reisenden aufgegebenen Depeschen auf ihren Telegraphenleitungen

selben Zeit wie mir gekommen. Er ist von hohe« Wuchs, sie ist groß; er ist hellbraun, sie ist blond; ja sie haben fast dieselbe Art Schönheit. Ich habe mir unterwegs wiederholt gesagt, daß, wenn die Liebe bisweilen in zwei Herzen wie ein Blitzstrahl einschlägt, e« sehr ungeschickt fein würde, diese Gelegenheil vor­übergehen zu laffen. Sie ahnen, daß auch ich bezau­bert war, denn eine Mutter ist sonst immer geizig mit ihrem Gut, und unsere erste Bewegung ist die, den Mann, der unserer Tochter gefällt, als Dieb zu behandeln.

Jener rückte mit klingendem Spiele in die Be­kanntschaft mit Antoinetten ein, er galoppirte ordent­lich in das eroberte Land. Meine Tochter ist nicht allein in den besten Grundsätzen erzogen, sie ist auch scheu von Natur. Glauben Sie, daß Sie sehr bald anfing, mit diesem jungen Mamte wie mit einem zehn­jährigen Freunde zu plaudern? Ich erkannte sie nicht wieder und ergötzte mich daran, sie wunderbar Leben bekommen zu sehen. DaS, was sie einander sagten, würden die Engel haben mitanhören können; aber man fühlte unter ihren Worten jenen Schwarm von Klei­nigkeiten wimmeln, die die Schalkheiten der entstehen­den Liebe find. Sie waren sehr überrascht, als sie sich vor dem Perron von Nancy fanden, ein Beweis, daß sie die Meilen nicht gezählt. Der Offizier nahm mit einigen Worten voll Herzlichkeit, Gutmüthigkeit und Bescheidenheit Abschied von uns. Ich erinnere mich derselben nicht mehr genau, aber der Sinn war der, daß eine Bahnreise ein Schwank des schnaubm- den Dampfes sei, der die Leute durch tausend Atome mit einander in Verbindung setze, als ob man sie nie wieder verlassen sollte, und bei der ersten Station guten Abend! Jeder geht seinerseits mit einem kleinen Andenken von dannen und man sieht sich nie wieder.

(Fortsetzung folgt.)

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