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Als ich bald nach 6 Uhr auf dem Bahnhöfe von Charing Cross ankam, merkte ich sofort, daß Besonderes vorgehe. Die Zollbeamten untersuchten keinen einzigen Koffer; ein Telegraphenjunge, der am Ein- gangsthore des Bahnhofsgebäudes an mir vorüber- schoß, rief freudig: „We are ready“ — wir sind fertig, ohne daß ich den Sinn dieser Worte sofort er faßt hätte; der Hansoui, dem ich meinen Leib und meinen Koffer übergab, vertraute mir herablassend an, that we shall hawe glorious weahter — daß wir prachtvolles Wester haben werden —, und bgi Borhof des Bahnhvsgebäudes fand ich in ein offenes Theater verwandelt, dessen bunt auSgeschmückte Sitzreihen in die Straße hinausjchauten, die mit zallosen Flaggen und Fahnen bedeckt war. Der Morgen war grau, es wehte ein frischer Wind von Osten, Menschen und Fuhrwerke gab es nur wenige zu schauen.
Drei Stunden später bot Charing Cross mitsamm: dem Strand und den einmündenden Straßen schon ein viel lebensvolleres Bild. Da die Polizei den Befehl erlaffen hatte, daß nach halb zehn Uhr Morgens kein Wagen mehr vom Trafalgar-Square bis zur St. Paulskirche fahren dürfe, dessen Insassen sich nicht mit einer Einlaßkarte für dir Kathedrale ausweisen könnten, und da alle Zeitungen seit mehreren Tagen ein Gedränge sonder Gleichen in Aussicht gestellt hatten, wälzten sich von 9 Uhr an Hundeit- tausende zu Wagen und zu Fuße den Straßen zu, durch die der Zug sich bewegen sollte. Un 10 Uhr war es schwer, eine halbe Stunde später.war es an vielen Kreuzungspunkten gar nicht mehr möglich, durchzudringen. Bon Minute zu Minute stieg die Menschen- fluth; vor lauter Leibern, Köpfen und Flaggen sah
man die Häuser, das Pflaster und den Himmel kaum mehr.
Der Anblik war gewaltig und wirklich schön Ich habe London in so fröhlicher und farbenreicher Toilette nie früher gesehen, obwohl ich in diesem Babel der Straßenschaustücke schon diese erlebte: die Friedens- scier nach dem Krimkriege, den Einzug Napoleon's, Koffuth's und Garibaldi's, den Einzug des Prinzen von Wales mit seiner dänischen Braut, das Begräbniß Welliiigton's, die Wiedergeburt der Cromwell'schen Republik durch Odger und Dille, gar nickt zu reden von kleineren Straßenspectakeln der verschiedensten Art und Bedeutung. Kein einziges derselben hatte der Menschen so viele angezogen, war so lustig an- zuschauen, erschien in so farbenreichem Gewände, verlief so heiter und war so großartig, wie das Dank- fest von heute, bei dem der kirchliche Charakter kaum in die Erscheinung trat und das sich zu einem wirk lichen, wundersam großartigen Volksfeste gestaltete.
Wodurch iS diese Gestalt annahm? WaS all die Hundertrausende bewog, sich der Königin in den Weg zu drängen? Weßhalb Jedermann längs des sieben Meilen langen Weges sein Beste- that, um daS HauS, in dem er wohnt und die Straße, in der er lebt, festlich aufzuputzen? Woher die allgemeine Theilnahme, Fröhlichkeit, Loyalität und festliche Laune? Die Erklärung ist nickt schwer zu geben. Der königliche Zug für sich allein war es nicht, der die Menge anzog, denn es war bekannt, daß er aus wenigen Hofwagen und weiter nichts bestehen werde. Der Wunsch, eine monarchische rlundgebung in Scene zu sitzen, war es auch nicht, beim einer solchen bedurfre es am allerwenigsten. Und daß all die vielen Tausende,
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trage Thatsachen, wie sie Seitens des Herrn Vorredner« angeführt worden sind, al« möglich hinge stellt, ich habe aber von vornherein erklärt, daß Seitens des Finanzministers Verfügungen ergangen sind, die wenn sie richtig beobachtet werden (Aha! in der Versammlung), derartige willkürliche Herausschraubungen der Steuer unmöglich macken. Meine Herren, sie drücken ihre Verwunderung ans, aber glanbeit Sic mir, daß — was der Herr Vorredner nicht berührt hat und was das Wesentlichste ist — wenn dem Herrn Finanzminister derartige Thatsachen zur Kennt niß gekommen fino, sie in einer Weise gerügt wurden die — was ich vorhin angedeutet — die Möglichkeit einer Wiederkehr derartiger Erscheinungen ausgeschlossen hat." Diejenigen, welche ohne Einverständniß ter Ortssteuercommission in der Klassensteuer erhöht worden sind, werden aus Vorstehendem entnehmen können, wohin sie sich zu wenden haben, um Abhülfe ihrer etwaigen Beschwerden zu finden.
Karlsruhe, 2. März. In der Abgeordnetenkammer wurden heute von verschiedenen Abgeordneten eingebracht: 1) ein Antrag auf Untersuchung der int Lande bestehenden älteren weiblichen Lehr- und Erziehungsinstitute mit klösterlichen Einrichtungen sowie aller in den verschiedensten Formen entstandenen klosteraltigen Anstalten und Einrichtungen. 2) ein Zusatzantrag zum Elementarunterrichtsgesetz, nach welchem den Mitgliedern eines religiösen Ordens oder einer sogen, religiösen Bruderschaft jede öffentliche Lehrwirksamkeit im Großherzogthum untersagt ist. 3) eine Interpellation, die Stellung der Regierung zum Altkatholicismus und zu den neugebildeten altkatholischen Gemeinden, sowie den obligatorischen Religionsunterricht in den Schulen betreffend.
Oesterreich - Ungarn.
Wien, 2. März. In weiterer Berathnng des Elaborates des Subcomitss bezüglich der Galizien zu gewährenden Zugeständnisse genehmigte gestern der Verfassungsausschuß des Abgeordnetenhauses die Bildung eines eigenen Senates des obersten Gerichts und Cassationshofes in Wien für das Königreich Galizien. Das Verhältnife dieses Senates zu den übrigen Senaten soll durch ein Reichsgesetz festgesetzt werden. Der Antrag des Abg. v. Grocholski, als Amtssprache sür diesen Senat die polnische zu bestim- - men, wurde abgelehnt. Hieraus folgte die Berathnng über die vom Subcomilo beantragten finanziellen Bestimmungen. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, daß Galizien zwei Pauschalbeträge zur Verfügung zu i stellen seien, und zwar einer für die Kosten des । Unterrichtswesens und abgesondert von demselben ein Pauschalbetrag für die Kosten der politischen Verwal-
die der königlichen Familie zujauchzten, nicht von da Polizei bezahlt waren, wie ein hirnverbrannter Ra publikaner vielleicht seinem Nachbar weis machen will, bedarf wohl keines mathematischen Nachweise«. Dü Leute freuten sich des Tages auS weit einfachere- Beweggründen. Sie freuten sich vor Allem der Freude eines allgemeinen Feiertages, den Wind und Sonne wunderbar begünstigten. Sie freuten sich, die könig liche Mutter an der Seite ihres wiedergenesenen Sohnck zu sehen. Sie fühlten das instinctive Bedürfniß, da Königin und der Welt und sich selber zu beweise», daß sie nicht die geringste Sehnsucht nach einem Um: stutze der bestehenden Regierung im Herzen trage» Sie hatten das Verlangen, ihre rauchgeschwärzte Stadt zur Abwechslung einmal in heitere Farben z- kleiden und sich selber einen frohen Tag zu gönne». Stach all dem sehnten sie sich, und da die Zeiten gM sind, Arbeit in Hülle und Fülle vorhanden ist, Za bermann bis zum ärmsten Handlanger hinab sich seit geraumer Zeit erspneßliclen Verdienstes erfreut und kein Grund zu irgend welcher Verbitterung Vorhände» ist, so half die allgemein vergnügte Stimmung mit, eia allgemein fröhliches Volksfest aus nichts heraus zu zaubern. Von Staatswegen wurde dazu gar nichts von den Gemeindebehörden sehr wenig beigetrage'. Jeder schuf auf eigene Faust, was ihm und Ander» Freude machen sollte, und dadurch wurde ein, wen» auch nicht künstlerischer und harmonischer, doch überaus bunter, lebensvoller und herzerfrischender sammteindruck erzielt.
(Fortsetzung folgt.)
tung. — Die von der Regierung beim Reichsrathe eingebrachte Forderung eine- CreditS von einer halben Million bezweckt, den hilfsbedürftigen katholischen CuratcleruS so lange zu unterstützen, bis die von der Regierung in umfassender Weise bereits vorbereitete legislatorische Regelung der Einkommensverhältnifse desselben stattgefunden hat.
Schweiz.
BttU, 2 März. Der Rationalrath bcschlo mit 78 gegen 63 Stimmen in das Demissionsgesuc des BundesrathSmitglied« Dubs nicht einzuwilligen, denselben vielmehr zu ersuchen, daß er einstweilen in seiner Stellung verbleiben möge. Daraufhin hat Dubs in einem Schreiben an die Bundesversammlung erklärt, daß er auf seinem Entlassungsgesuche beharre, jedoch mit der Erledigung desselben in der Julisesston einverstanden sei. — Der Nationalrath und ter Stände- rath beschlossen in Uibereinstimmung, die revidirte Bundesverfassung dem Volke in globo zur Abstimmung vorzulegen. Bezüglich des RefereiidumSartikels zwischen den beiden Räthen ist endlich eine Uebereinstimmung erzielt. — Auch der Nationalralh genehmigte die Er nennung eines Jnspectors für die Bauten der Gott
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der Klafsensteuer rc. bcrathen wurde, stellte der Abg. v. Los den Antrag: „Das Haus der Abgeordneten wolle beschließen, die Königs. Staats Reg. aufzufordern, in der nächsten Session einen Gesetzenwurf vorzulegen, durch welchen die Feststellung der Klassenstenerbeträge, analog dem Verfahren bei der Einkommensteuer-Ein- schätzung, gewählten Commissionen übertragen wird " In der hierüber geführten längeren DiScussion befürworteten die Abgg. Bromm (Kirchhain-Frankenberg) und Berger (Witten), letzterer unter Beibringung statistischen Materials zum Beweise für die Willkühr ber Einschätzung durch Regiernngsbeamte, den Antrag Los. Der Regierungs Commissar Geh. Finanzrath Siber erwiderte daraus: „Ich habe in meinem Vor-
hardbahn.
Basel, 2. März. Der bereits seit Jahren in Basel bestehende, aus den Häusern Bischoff zu St. Albaun, von Speyer u. Co., Passavant u. Co., I. Riggenbach u. Ehinger u. Co. zusammengesetzte Bank verein, hat sich belmss Erweiterung seines Wirkungskreises unter Zuziehung ausländischer Kräfte, nämlich des Frankfurter Bankvereins, ferner deS Wiener und des Berliner Bankvereins auf Grund der von der Regierung genehmigten Statuten in eine Actieugesell- schaft umgewandelt. Von dem auf 50 Millionen Franken sestgestellten Capital werden zunächst 30 Millionen, eingekeilt in 60,000 Aktien ä 50 FiS. emilirt. Außer den genannten sind bei der Gründung in erster Linie beteiligt verschiedene Schweizer Firmen, der Pfälzer Bankverein, die Antwerpener Centralbank rc.
Frankreich.
Versailles, 2. März Die National Versammlung bekräftigte sich letzten Donnerstag mit der Ta baksfrage. Der betr. Entwurf verlangt, daß die Preise des Tabaks nochmals erhöht werden. Nach einiger Diskussion wirb das ganze Gesetz angenommen. In Zukunft wirb also bas Pfund gewöhnlichen Tabaks statt 5 Fr. 6V2 Fr. kosten. — Die achte Abtheilung beschäftigte sich heute mit ber Wahl Rouher's. Sie beschloß, ihre Entscheibung zu vertagen, bis sie nähere Erkundigungen eingezogen haben wirb, va die Verwaltungsbehörde auf der Insel Corstka zu Gunsten Rouher's einen Eifer an den Tag legte, der in nichts dem nachsteht, dessen sich die Präsecten und ihre Untergebenen unter dem Kaiserreich für die Regierung«- Kandidaten befleißigten. Wie es scheint, sind alle Unter beamten aus Corsika Bonapartifttn, da feiner nach dem 4. September ersetzt wurde. Auch soll viel Geld vertheilt worden sein.
Rouen, 2. Februar. Ein großartiger Betrugs- rroceß hat am 26. v. M. vor dem hiesigen Schwurgerichte begonnen. Die Angeklagten sind der frühere Präsect des Kaiserreichs im Eure-Departement, Jan vier de la Motte, und seine Mitschuldigen: der Ar chitekt Bourgignon, ber Ober Chaussee-Aufseher Bon- langer Httb Beaumontel, der Ex-Maire von Beaumont- le Roher. Die Anklage lautet auf kolossale Unter
schlagungen von Siaatsgeldern. Die Untersuche führ dieser Sache hatte fast ein Jahr gewährt und d dem Proceß wird wahrscheinlich zehn Tage vattern. tz jeko sind nämlich ungefähr 160 Belastungs und En des lastungszeugen citirt. Unter bett letzteren befinven |\ hochgestellte Personen, wie Pouyer Quertier (iJ mzs Finanz-Minister, aber eifriger Bonapartist, als Janvi' R£ in bie Verwaltung trat), ber Admiral La Roncisre! u.7 Noury (früher bekanntlich auch Imperialist) und bau gebe ber frühere Minister des Innern, Pinard. Der 2« ~ drang des Publikums zum Sitzungssaal war sehrstast da man scanbatöse Enthüllungen erwartete. Die & ab. gänge zum Sitzungssaal selbst wurden streng über rege wacht, neil man imperialistische Demonstrationen h wen fürchtete. Der äußerst lange Anklageact theilte u s beite folgende Einzelheiten mit. 1856 wurde Jauvier ut »ich ber Präfectur der Lozsre nach der von der Eure vn dahi setzt. Er gehörte schon seit mehreren Jahren der waltung an und hatte sich den Ruf eines gewiffm losen, pflichtvergessenen, vergnügungssüchtigen Manna - erworben. Obgleich er sich die Nutznießung des $tt «ne mögens seiner Frau vollständig angeeignet, war n doch schon vor feiner Versetzung ins Eure Depant- ment voll Schulden und nahm, um sich Geld zu vn- schaffen, zu den compromitlirendsten Hülfsmitteln feint Zuflucht. Im Eure-Departement verschlimmerte sch seine Lage; seine Schulden nahmen zu. Seine Fr, ließ sich 1861 von ihm scheiden. Die Liquidation thi dar, daß Jauvier für 420,039 Fr. 25 C. Schuld-, hatte, welche die beiden Familien (bie feiner Frau n* feine eigene) bezahlten. Jauvier besserte sich aber M rauf nicht, fonbern trieb es nun noch toller nnb gin so weit, feine Maitressen auf der Präsectur zu inst» liren. Sieben Jahre später hatte er wieder fit 700,000 Fr. Schulden, die aber auch von der Familie bezahlt wurden. 1868 würbe er zur Verfügung gestellt, aber nicht sowohl wegen seines lieberlich-, Lebenswandels, sondern aus politischen Gründen Schon 1865 war der Verdacht gegen ihn laut, un: der Maire von Evreux hatte sich an den ©cneralrati gewandt, damit der Präsect Janvier über verschiede« Summen Rechenschaft ablege. . Eine Rechnung wut« vorgelegt und vom Generalrathe gebilligt, so daß dies- Angelegenheit keine weitere Folge hatte. Im Juli 1870 beschloß der Gemeinderath von Evreux, bie Sache wieder aufzunehmen und am 22. Septemba 1870 wurde eine förmliche Klage auf Fälschung und Unterschlagung von Geldern eingereicht. Diese Klag, war ber Anfang zum Proceffe, und der Anklageakt beweist, daß das Feld für die Nachforschungen de Justiz ein so ungeheures war, daß sie eS nicht voll tänbig erforschen konnte. Es handelte sich um ein >h< Buchführung von zehn Jahren, die auf die Verweil - verl bung von 40 Millionen Bezug hatte. Die Instruction mußte sich baher auf die Constatiruug einer gewissen Anzahl von Thatsachen beschränken. So m- vollstäitdig dieselben aber sind, so thun sie das verbrecherische Verfahren tat, welche« Janvier in feiner Verwaltung gewöhnlich auwanbte. Er erzwang vo- einen Beamten oder den Präfeclur-Lieferanten final- lirte Rechnungen oder falsche Bescheinigungen, stellte Schein-Mandate ans, deren Betrag er eiusteckte, uni dergleichen mehr. Die ersten Betrügereien sind zehn Jahre alt und batiren von 1858, wo er fick eit» Rechnung von 15,000 Fr. ausstellen liefe, während nur 4000 Fr geschuldet waren. Es würde zu weil