1872
Marburg, Dienstag, den 5. März.
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AuS London 3. März wird gemeldet: Dem
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Das Rktzimkntsalbu».
(Forti etzung.)
„Observer" zufolge gibt die Antwort Fish'S keinen positiven Meinungsausdruck über die Zulässigkeit der indirecten Ansprüche. Sie betont die Rathsamkeit der Unterbreitung in Genf und überläßt England die Verantwortlichkeit, zuerst den Vertrag zurückzuziehen. In dem Falle erwartet er, daß Amerika keinen sofortigen Schritt thun, aber die Rechte amerikanischer Fischer in ben kanadischen Gewässern bewahren werde — Die Antecedmtien O'connor'S bestätigen keine Beziehungen zur fenischen Organisation.
Neueren Bestimmungen zufolge wird sich Prinz Friedrich Karl im Laufe der nächsten Woche von Rom nach Neapel begeben.
Dem amtlichen Finanzberichte zufolge hat sich die Staatsschuld der Vereinigten Staaten im Febr. um 121/4 Mill, vermindert. Im Staatsschatz befanden sich am 1. März IIOV2 Mill. Dollar- an Münze und 141/2 Mill. Dollars Papiergeld. — Verschiedene Zeitungen melden, es verlaute gerüchtweise, daß in Betreff der Alabamaangelegenheit die Antwort der Uuionöregierung auf die englische Note die Andeutung enthalte, Amerika werde nicht erstaunen, im Falle daS Schiedsgericht die indirecten Schadenansprüche der Union als ungerecht und unzulässig erklären sollte. — Die Antwort an England ist am Sonnabend mit dem Dampfer abgegangen. Die Washingtoner Correspon- denten der Haupt-Journale bezeichnen übereinstimmend den Ton als vorzüglich friedlich.
welcher auf der Basis der meistbegünstiglen Nationen zwischen den betreffenden Ländern abgeschloffen wer-
„Jch weiß nicht/" antwortete Madame Humblot, ,6b dieser Herr die Ehre hat, unter dem Commando btt Obersten Vautrin zu stehen."
„Al, Infanterist gewiß! — I" Nancy steht nur unser Regiment —"
„Aber vielleicht ist er Kavallerist. Wir haben ihn
"Marburg, 4. März.
Heute hält das Herrenhaus nach längerer Zeit wieder Sitzung. — Finanzminister Camphausen war schon am Sonnabend von seiner Erkältung wieder hergestellt, so daß er an diesem Tage im Abgeordnetenhause erscheinen konnte. — DaS Reichsland Elsaß- Lothringen wird sich an der Wiener Weltausstellung betheiligen und werden zu diesem Zwecke in Straßburg und an anderen Orten Localcomires, in der ersteren Stadt außerdem noch eine Landescommission in Bälde zusammentreten. — Von Tübingen und Eßlingen sind DankeSbezeugungen an den Reichskanzler für seine Vertretung deS Schulaufsichtsgesetzes im Abgeordnetenhause abgegangen.
Letzten Sonnabend sand in W ien die konstitnirenbe- Generalversammlung der österreichisch-türkischen Credit- anstalt statt. Mehrere Häuser ersten Ranges in Konstantinopel und Wien wurden in den Verwaltung-» rath gewählt. — Ein Erlaß des CultuSministers verordnet, daß sämmtliche Acte der Altkatholiken und die Handlungen ihrer Priester keine staatliche Gültigkeit haben sollen.
Wie von Versailles aus versichert wird, ist es durchaus unwahr, daß Thiers an die belgische Regierung wegen des Aufenthaltes des Grafen Chambord Bemerkungen gerichtet habe. — General Ladmirault, der Gouverneur von Paris, hat feine Entlassung cin- gerricht. Ma» sagt, wenn der General auf seiner Entlassung bestände, so würde er durch Clinchant ersetzt werden. — Berichte aus dem Süden sagen, daß die Ruhe dort zunimmt. — Eine officielle Note dementirt die Gerüchte betreffs der Emiffiv» einer sofortigen Anleihe und erklärt, daß vor Juli keine Anleihe auf genommen wird. — Das Frankfurter Bankhaus Gebr. Meyer wurde von dem Escompte-Jndex der französischen Bank gestrichen. — Zwischen dem schweizerischen Gesandten Dr. Kern und dem dänischen Gesandten
ge angenommen. 8- 19 wird mit einigen, aus Debatte hervorgegangenen Modificationen, §. 20 in Fassung der Commission angenommen; weiterden in der letzteren genehmigt die 88- 21 — 27,
Ächt in Uniform gesehen."
„Sie setzen mich in Erstaunen. Sein Grad?"
„Hauptmann, denke ich, oder wenigstens Lieutenant.
Er hat sich darüber nicht auSgelaffen."
Das ist ja ein Original! Wie heißt er denn,
reizende Kind da ist vielleicht noch etwas zu jung, um die Erzählung einer so . . . komplizirten Heirath zu hören."
Das Kind erhob sich entrüstet und sagte stolz: „Ich habe daS fünfzehnte Jahr überschritten, Madame, und meine Mutter achtet mich hoch genug, um in meiner Gegenwart die wichtigsten Fragen zu verhandeln. Wünschest Du, daß ich Dich allein lasse, Mama?"
Frau Vautrin wurde so roth, wie die dicken Wolken, die die untergehende Sonne entflammt. „Blanche, Blanchette", stotterte sie, „mein Schatz, entferne Dich nicht, aber beschäftige Dich. Dein Piano ... da liegen die Noten . . . sei hübsch arng!"
„Bin ich das denn nicht immer?"
„Gewiß."
• Der verzogene Backfisch setzte sich an das Piano und griff entschloffen ein Uebungsstück auf. Sie schlug die Tasten Anfangs mit einer solchen Wuth, daß man sein eigene« Wort nicht mehr im Salon hören konnte; aber nach und nach mäßigte fle sich so sehr, daß ihre Musik nur eine verschwiegene Begleitung der Conver sation war. Wenn Fräulein Blanche auch nicht jedes einzelne Wort der Erzählung von Madame Humblot hörte, so verstand sie doch wenigstens die Hauptpunkte und profitirte davon ebenso viel, wenn nicht mehr, wie ihre gute Frau Mu ter.
„Madame," sagte die Wittwe Humblot, „ich fürchte nicht mehr, Ihnen ein Aergerniß zu geben, wenn ich Ihnen gestehe, daß ich Antoinettens Sklavin bin. Drei und ein halbes Siedet aller Mütter »erben mit dem Ablauf der Zeit so wie wir; Niemanb kann etwas bagegen machen, eS ist wie eine Schwachheits- Epidemie. Wir sinb auch geliebt worben, aber nicht in der Art. Wenn ich nicht artig war, bekam ich die Ruthe, Sie vielleicht auch, und wir werden, die Eine wie die Andere, sterben, ohne sie unseren Töchtern gegeben zu haben, die doch gewiß nicht bester sind, wie wir es waren. Unsere Eltern brachten UNS nach ihrem Gütdünken und nicht nach unserer Phantasie unter. Einige weinten, die Kräftigsten schrieen über Despotismus unb sprachen davon, sich in einem
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sie habe auch keine ganz speciellen Beziehungen zu einer bet Damen der Garnison; wenn aber ein so schwer »irgenbeS Jntereste im Spiele wäre, würbe sie sich eine Pflicht barauS machen, an alle Thüren zu klopfen. Uebrigens, wenn der junge Mann zum Regiment ge- Mte, so kenne ihn der Oberst wie alle seine Offiziere ( 1872 »en Grund au«. „Ein Adlerblick unb ein Vaterherz, Äabame!"
Diese ehrliche Vorrede interessirte die Frau des Obersten und schien fle zu freuen.
Frau Vautrin antwortete, daß sic die Ehre, die _____- *an ihr erweise, sehr wohl zu schätzen wiste, und ch ulit »ersprach, gewissenhaft Auskunft zu geben. Unglück- U - i iicher Weise kenne sie die Herren nur durch den AuS- m B« Ivtsch unerläßlicher Höflichkeiten; sie sei eine Frau zu vei bet Häuslichkeit, die Erziehung ihres Heinen Teufels [44 «nb das Sticken füllten ihr den ganzen Tag au«;
„Das sollen Sie uns ja gerade erfahren Helsen." Bei dieser Aeußerung machte Frau Vautrin sehr große Augen und da« junge Mädchen lachte laut auf: Die Fremde begriff, daß ihr gesunder Menschenver- famb in Gefahr war, angezweifelt zu werden, unb fr erklärte beßhalb lebhaft: „Ich werbe Ihnen in frnifl Worten erklären, wa« Sie so sehr oerwunbert, 26 W Madame, und Sie werden einsehen, baß, wenn meine Rage etwas ExcentrischeS hat, ber Zufall oder bie Vvr- —-> schung bat an mehr schuld sind wie ich . . . Doch dies
Deutsches «eich.
Berlin, 3. März. Die „N.A.Ztg." bemerkt zu dem neuesten Briese beS Cardinal-StaatSsecretärS Antonelli au ben Straßburger Bischof: Das Schreiben äiiberenichtS an ber Sachlage. Beibe Theile seien barüber einig, daß ber Vertrag gelöst fei. In Rom scheine eine neue Uebereinlunft gewünscht zu werben. Wünsche seien jedoch keine Rechtsquellen. Die Regierung werde bie bctreffenben Verhältnisse im Wege der Gesetzgebung ordnen. Die Gesetzgebung werde eine wohlwollende sein und den Wünschen der Kirche möglichst entsprechen.
In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 23. v. M., in welcher der Gesetzentwurf betr. Befreiung von
Kloster zu begraben; aber schließlich gab man doch nach und befans sich nicht schlecht dabei: die Väter und Mütter kannten bie Menschen bester wie bie Jugenb von zwanzig Jahren. Ich zum Beispiel glaubte vor Verzweiflung zu sterben, weil man mich einem bitten Biebermann, der halb Bauer war,'opferte; ich wollte nur ben Vorsteher von Niqnet's Schreibstube, seine Figur von papier mache hatte mich fanatisirt. Gesegnet seien bie braven Ellern, bie mich trotz meiner Thränen verheiratheten, benit ber arme Humblot hat mich vollkommen glücklich gemacht, und ber hübsche Vorsteher rudert für den Rest seiner Tage iii Souloh. Antoinette ist ein gutes Mädchen, bie mich liebt und sehr hoch von mir denkt. Ich habe mich beflissen, ihr Vertrauen zu gewinnen, und kann mir schmeicheln, e« ganz zu besitzen, sie hat nur meine Gedanken unb sieht nur durch meine Augen. Wenn irgend eine Voreiligkeit de- Herzens sie ein schlechte« Subject hätte wählen »lasten, so würbe ich ihr nür ein Wort zu sagen gehabt haben; aber vorausgesetzt, baß dieser junge Offizier ein guter Mensch ist, unb er hat ganz daS Aussehen eines solchen, mit welchem Recht soll ich ihn meiner Tochter verweigern ? Die Partien, bie man uns in Tiara 11« vorgeschlagen hat, waren, obwohl sehr acceptabel, boch nicht nach ihrem Geschmack. Sie hat alle burch Einreben, auf die man nicht re= pliciren konnte, ausgeschlagen. Kann ich sie zwingen und ihren Neigungen Gewalt anthun? Ich sagte mir immer: sie ist jung, wir haben noch Zeit vor uns. Vergangenen Monat fiel mir in Erwägung der That- sache, daß wir schon alle Herren der Umgegend hatten Revue passiven lassen, ein, es wäre wohl nicht übel, ein wenig zu reifen.
(Fortsetzung folgt.)
DuS Dukftß fit die Genesung M Prinzen u» Wales.
Bon M. S.
Vom großen Glockenthurme des Parlaments schlug: heute (27. Febr.) die sechste Stunde, als ich mit dem Nlzuge von Dover in London einfuhr.
> ObtthcsMc Zcittiig.
«HAeint täglich außer den Werktagen nach Eon«, und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischeu Stitmig mit ÄreWblatt durch die Expedition («och'sch. Buchdruck« eybe,°gen 11; Lar., durch bie Postämter 17 ®gr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr unb mcl- Stempelsteuer), fflr ba« Ausland excl. Stempel 11 ®«r.- JnsertionSgebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.
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itu« der Abgeordneten. 40. Plenar-Sitzung vom 2. März 1872.
Präsident v. Forckenbeck eröffnet die Sitzung w 111/4 Uhr Bonn.
Der Tiinifter des Innern legt einen Gesetzentwurf ächt jiOT( betreffend ben Uebetgang bet Pfandleihanstalten 5 Szi |j Kassel, Fulda unb Hanau an bett Communalver- anb in Hessen, unb ferner einen Entwurf, betreffend je Todeserklärung ber Vermißten im letzten Kriege. ■ )r Entwurf schließt sich ziemlich genau bem Gesetze
it wer- em Jahre 1868 an. Beide Entwürfe sollen durch r ZU« zchlußberdthung erledigt werden.
Tagesordnung: Bericht der XV. Commission über ’ r^g en Entwurf, betr. die Penfionirung der unmittelbaren r ° Staatsbeamten.
Abg. (Sweit referirt Namens ber Commission ibtr deren Beschlüsse.
Zur Generalbiscussion ergreift Niemanb das Wort. . Der Finanz-Minister präcistrt die Stellung Fabrik Regierung zu ben CommisstonS-Vorschlägen, bereu ’’er* ttchrere gewichtige Bebenken bei ihr erregen.
peu bt $n ber SpecialbiScussion werben bie §§. 1, 2 mb 3 nach ben Commissionsvorschlägen angenommen; mnktli, ««gleichen ohne Discussion 8- 4. Nach einiger De- [5 eite werden auch bie 88 5 »ub 6 genehmigt; be»- H fiichen ohne DiScusstvn die 88- 7, 8 9 nach ber Marge, 8- 1° mit ber von ber Commission ge- ”,nrr teffenen Abänberung, 8 H wirb mit einem Zusatz , «S Abg. Spankeren genehmigt Die 88- 12 unb 13
", Berben wieber ohne Weiteres nach ber Vorlage ge-
lchmigt. 8 14 wirb nach ben Anträgen ber Com-
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32 bagegen unverändert nach V?r Ne- -Graf Mvltke-Haitfelb würben in Paris am 1. d. M.
-ßierungSvorlage. Nachdem noch 8- 33 mit einer Verhandlungen eröffnet über einen Handelsvertrag, Hafts Imbctung angenommen worben ist, die im Hause be= ",'* L" ien odt tlvssen wurde unb letzteres sich bei ber Abstimmung der 8 34 als beschlußunfähig erweist, wirb bie kitzung aus nächsten Dienstag vertagt.