lichem Parteigetriebe selbst ein Ende durch seine letzten DienStag erfolgte Uebersiedelung nach Dortrecht in Holland. Wie verlautet, soll er aber auch Dortrecht bereits wieder verlassen und sich nach Breda in Nordbrabant begeben haben.
Das Manifest der Rechten in der f r a n z ö s i s ch en Nationalversammlung hat nicht so viele Unterschriften gefunden, wie man glaubte. Die Unterzeichner haben eS bis heute noch nicht veröffentlicht Thiers hat nicht versäumt, eine Gegendemonstration zu veranlassen, indem er durch seinen Secretär eine Gelegenheit ergriff, sich entschieden für Aufrechthaltung der Repu blik zu erklären. Die finanziellen Schwierigkeiten befinden sich auf dem alten Punkte. Der Finanzminister Pouyer - Quertier hat noch immer seinen Plan, die Rohstoffe zu besteuern, nicht aufgegeben. Allgemeine Wehrpflicht und Schulzwang haben, keine Aussicht, von der Assamblee angenommen zu werden. Die Commission hat die betreffenden Paragraphe verworfen. Das sog. Sicherheitgesetz, zunächst gegen 'bie bonapartistische Presse gerichtet, scheint die Stimmung der Versammlung gegen sich zu haben; die anderen Parteien haben doch das „heute mir, morgen dir" gemerkt. Endlich ist in der Person Fournier'S, bisherigen Gesandten in Stockholm, ein Gesandter beim König Vietor Emanuel ernannt worden Davurch hat indeß die schmollende Stellung, die Frankreich zu Italien einnimmt, noch keineswegs ihr Ende gefunden.
Die Finanzeommission der italienischen Kammer ist mit den Berathungen der Sella'schen Ent würfe noch nicht fertig geworden. Seit einiger Zeit ist der auf Besuch in Rom weilende Prinz Friedrich Karl von Preußen der Mittelpunkt der Huldigungen am dortigen Hofe. Leute, welche die Stimmung des italienischen Volkes beobachten, wollen in neuerer Zeil eine im Wachsen begriffene Hinneigung desselben Deutschland bemerken, im Gegensätze zu den früheren französischen Sympathien der Italiener.
Die radieale Partei in Spanien führt gegen die bestkheiide Regierung und besonders gegen den ihr verhaßten Premier Sagasta Schlimmes im Schilde. Ihre auf den Sturz der Regierung berechneten Pläne sind ihr in bedrohlicher Weise bi» jetzt so weit gelungen, als sie eine Coalition mit den übrigen Oppositionsparteien zu Stande gebracht hat, welche zunächst bei den bevorstehenden Corteswahlen die RegierungS- candidaten bekämpfen wird.
Die seit länger mit Spannung erwartete Antwort Nordamerikas auf die Note des englischen Ministers Granville ist, wie Gladstone im Unterhanse mit feilte, endlich unterwegs. Die große Dankfeier in der Paulskathedrale zu London zur Wiedergenesung des englischen Kronprinzen hat, wie bestimmt, am 27. d. in großartiger Weise stattgefunden. Im Unterhause hat der Kriegsminister seine neue Armee-Organisation entwickelt; dieselbe führt außer den bereits mitgetheil- ten Grundzügen auch das Freiwilligen-Institut nach preußischem Muster ein. Gegen Ende dieser Woche Überraschte uns noch ein Telegramm aus London mit der Nachricht von einem auf die Königin letzten Donnerstag versuchten Attentat. Glücklicherweise ging die Pistole, mit welcher der junge Attentäter tnanöv- rirte, nicht los, denn — sie war nicht geladen.
Deutsches Keich.
Berlin, 1. März. Durch die vorn CultuS minifter ergangene und gestern pom „StaatSanz." veröffentlichte Verfügung ist für die höheren Schule» eine Bestimmung beseitigt, welche in der Thal im einzelnen Falle zu einer großen Gewissensbeschwerung führen konnte resp. bereits mehrseitig geführt hatte. Veranlassung zu der jetzigen Verfügung gab ein Specialfall, die bekannte Angelegenheit des BraunS berger Gymnasiums und der Bescheid des früheren Cultusminifters, wonach die Schüler dieses Gymnasiums gezwungen wurden, dem Religionsunterricht des vom Bischof von Ermland excommunicirten Dr Wollmann beizuwohnen, oder das gedachte Gymnasium zu verlassen. ES gnuibete sich diese Verfügung auf eine frühere und besonbers vom Herrn v. Mühlcr consequent angewenbete Auslegung der landrechtlichen Bestimmung über den Religionsunterricht auf den höheren Schulen. Indem das Landrecht solche Kinder vom Religionsunterricht diSpensirt, tie in einer andern als der in der öffentlichen Schule gelehrten Religion erzogen werden sollen, nahm man an, daß in jedem andern Falle eine solche Dispensation unzulässig sei. Der Braunsberger Fall bildete nun die GelegenheitS- ursache, diese gesetzliche Bestimmung näher zu prüfen, wobei sich den» ergab, daß die Mühler'sche Auslegung eine nicht gerechtfertigte fei, und da einmal diese Ueberzeugung Platz gegriffen hatte, blieb man nicht bei dem einzelnen Falle stehen, sondern erließ eine allgemeine, einen GewiffenSdruck für alle Con- fefsione» beseitigende Verfügung. ES liegt somit kein Sieg etwa des UltramontaniSmus in der Angelegenheit deS Bischofs von Ermland vor, vielmehr einfach eine Wiederherstellung des richtigen Sinnes einer lange Zeit fälschlich interpretinen Bestimmung des Landrechts. Eine Nachgiebigkeit gegen die Bestrebun
gen der römischen Hierarchie und ibreS Anhanges liegt um so weniger vor, als gerade von der Regierung Schriee vorbereitet werden, um jenen Bestrebungen und Anmaßungen energisch entgegen zu treten, wie sie sich namentlich in den Excommunicatione» katholischer Bischöfe, insonderheit des Bischofs von Ermland, in so eedatanter und in die bürgerliche Sphäre hinübergreifender Weise manifestirt haben. — Vor Kurzem brachte die Augsburger „Allg. Ztg." Vorschläge zur Errichtung eines hydrographischen Bü reaus für das Reich. Diese Vorschläge waren sehr sachgemäß, doch ist zu bemerken, daß sie bereits seit lange in der Einrichtung deS hydrographischen AintrS verwirklicht sind, das für die Reichömarine unter Leitung eines Stabsoffiziers der Marine besteht.
Die „Nordd. Allg. Ztg." hebt in Besprechung einer Verfügung des CilltusministerS betreffs des Religionsunterrichtes hervor, die Verfügung sei dstrch die Vorfälle am Braunsberger Gymnasium veranlaßt, beschränke sich aber nicht auf dieselben und auf die Beschwerden der katholischen Geistlichkeit, sondern stelle allgemeine Grundsätze auf, die auch den Eltern zu Gute kommen, welche ihre Kinder dem Unterrichte im Sinne der Unfehlbarkeit entziehen wollen. Die Regierung ließ sich bei der betr. Entschließung von der Absicht leiten, de» berechtigten Einfluß der Eltern auf die religiöse Erziehung ihrer Kinder inmitten der kirchlichen Wirren ebenso gewissenhaft zu wahren, wie sie ihr Recht stets gegen geistliche Anmaßungen vertrat. In dem ernsten Kampfe des Staates gegen die hierarchischen Bestrebungen, welche dem Recht wie dem Gewissen der deutschen Nation Gewalt anthuii, ist durch den Zwischenfall Nichts geändert worden und schon die nächste Zukunft dürfte dafür unzweideutige Beweise bringen. Die Staatsregierung wird nach wie vor mit unerschütterlicher Festigkeit den ultramontanen Uebetgriffen abzuwehren und namentlich gegen das Verfahren der katholischen Bischöfe kinzujchreiten haben, welche durch Handhabung des großen Kirchenbannes etwa in die vom Staate zu schützenden bürgerlichen Verhältnisse störend eingreifen.
Vergangenen Mittwoch ist vom Allgäuer Volksverein in Kempten ein telegraphischer Glückwunsch an Fürst Bismarck eingetroffen bezüglich seiner bekannten jüngsten Kammerreden, woraus der Fürst ebenfalls telegraphisch gedankt hat — In der gestrigen Sitzung der Stadtverordneten wurde ein Telegramm de« Danziger Oberbürgermeisters Winter mitgethcilt, worin derselbe erklärt, daß er eine auf ihn fallende Wahl zum Oberbürgermeister von Berlin ablehnen würde. Hierauf wurde die Wahl auf 4 Wochen vertagt. — Das Staatsministerium hat gestern Abend im auswärtigen Amt unter Vorsitz des Fürsten Bismarck eine Sitzung abgehalten.
Dresden, 1. März. Wie in Abgeordnetenkreisen verlautet, beabsichtigt die Regierung, die Kammer Ende März zu vertagen Man hofft, die Schul , Gemeinde- und Verwaltungs-Gesetze bi» zum genannten Zeitpunkte in der zweiten Kammer erledigen zu können, und würden sodann Seitens der ersten Kammer Commissionen eingesetzt werden, um die genannten Gesetzent- würse während der Vertagung vorzubcrathen.
Weimar, 1. März. Der Landtag hat gestern in- öffentlicher Sitzung den Vertrag, welcher bezüglich der Ausführung der Bahn Gera-Jena-Weimar zwischen den Staatsregierungen von Weimar, Altenburg und Rcuß j. L. und den Bankhäusern S. Bleichröder und Lancau zu Berlin abgeschloffen worben ist, mit allen gegen 2 Stimmen genehmigt
Karlsruhe, 1. März. Die Abgeordnetenkammer hat heute den Gesetzentwurf über die Erhebung der Stempelgebühren durch Stempelmarken in der zweiten Lesung einstimmig angenommen; ebenso den Gesetzentwurf über die Verlängerung der Wiesenthal-Bahn um die Strecke Schopsheim-Zell mit dem Wunsche der Beschränkung der Zinsengarantie auf 300,000 fl.
München, 1. März. D'e Abgeordnetenkammer hat heute gemäß der neuen Geschäftsordnung die Verwesung in die Abtheilungen und die Ausschußwahlen vorgenommen. Zu dritten und vierten Schriftführern sind (nach Uebereinkunft der Parteien) die fortschritt lichen Abgeordneten Kastner und Louis gewählt. Der Gesetzetstwurf über die Wiederaufnahme der Grund- renten Ueberweisung an die Ablösungskasse wurde an einen aus 14 Mitgliedern bestehenden Ausschuß verwiesen, dessen Wahl morgen ftattfinbet — Heute früh wurde der Redacleur der „Neuesten Nachrichten" auf offener Straße von einem Individuum lhätlich angegriffen; wie versichert wird, wegen des Vorgehens genannter Zeitung gegen die sog. Dachauer Bank. Der Thäter ist von Vorübergehenden ergriffen und der Polizei übergeben worden.
Otlerrtitb $ Unaarn.
Wie» 29. Febr. Die Direction der National bank hat heute beschloffen, bei dem auf morgen ein- berufenen Bankausschuffe eine Herabsetzung deS Zinsfußes in Eseomple und Lombard um je ein Procent zu beantragen.
Schweiz.
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trägen und @oncerbaten bezeichnet wjrb, dem Stände- rath nachgegeben und ist dessen Beschluß beigetreten, e» der Bundesgesetzgebung anheimzustellen, noch anbere al« in der Bundesverfassung bezeichnete Fälle in tic Competenz des Bundesgerichtes zu legen. — Der Ständerath hat heute den Beschlüssen des Nationalraths, das Bundesgesetz und den Bundesbeschluß aus Verlangen von 50,000 Bürgern ober fünf (Santonen zur Abstimmung vorzulegen, unverändert beigeftimmt. lieber den Artikel deS Referendums ist dagegen noch keine Uebereinftimmung erzielt worben. — BtmdeSrath Dubs hat heute der Bundesversammlung seine Em- lassuiig eingereicht, weil er nicht einverstanden fei mit der centralistischen Verfassungsrevision. — Der Statt, derath genehmigte heute bett Antrag des Bundesraths auf Ernennung eines Inspektor« der Gotthardtbahu- bauten bei 8000 FrcS. Jahresbefoldung mit 30 gegen 10 Stimmen.
Frankreich.
Paris, 29. Febr. Gestern haben der deutsche Botschafter, Graf Arnim, und der französische Finanz- Minister Pouyer Quertier, eine Zusatzconvention unter ze'chnet, welche den stipulirten Zahlungsmodus der vierten Halbmilliarde der KriegScontributivn dahin regelt, daß gegen 5 pCt. Diskonto die fälligen 410 Millionen am 6. März bezahlt werden — Das Gerücht von der bevorstehenden Ausnahme einer neuen Anleihe beeinflußte die heutige Börse in ungünstiger Weise. Doch ist es nicht wahrscheinlich, daß ein Gesetzentwurf über eine Anleihe so bald in der Nationatver- sammlung eingereicht wird. — Dian versichert, es bestehe eine merkliche Annäherung zwischen Thierö und dem rechten Ceutrum. — Die Commission für de» Lefranc'schen Antrag hat heute den ersten Artikel be- rathen. Wie versichert wird, ist die Stimmung gegenseitig versöhnlich. — Zwischen der Regierung und den katholischen Deputirten soll in Bezug auf die übermorgen ftattfinbenbe Berathung eine Verständigung hergestellt jein. — Das „Journal officiel" veröffent- licht die Ernennung Fourniers zum Gesandten Frankreichs bei der italienischen Regierung.
Steliat.
Rom, 29. Febr. Die Versammlung der Aktionäre der Nationalbank hat die Vermehrung des Capital« der Bank mit oder auch ohne Vermehrung der Cir- culation bewilligt. Ferner wurde zugestanden, daß die Couversion der National-Anlcihe auf Gefahr der Bank vorgenommen werden soll, doch unter Vorbehalt entsprechender Entschädigung Endlich nahm die Versammlung die Veränderungen der Statuten an und zog die Frage in Betracht, ob die alten Aktionäre
in Betreff des Beschlusses, durch welches )daS Bun- fetfon desgericht von vornherein als letztinstanzlicher Casft- ichjedi lionshof für die Verletzung von Gesetze», Staatsver- "
Washington, 27. Febr. Das Intermezzo, tu» ” mit welchem der Senator Sumner die Alabama-Ver- tttbeii Handlungen im Repräsentantenhaus durch einen ad gtoit 13. d. M. gestellten Antrag hervorrief, mit welchem er eine Untersuchung über den während des deutsch- französischen Krieges geschehenen Waffenverkauf nach 6fe , Frankreich forderte, hat großes Aufsehen erregt; in«4Hftä
ein Vorrecht auf die neuen Aktien haben sollen. sollen Spanien.
Madrid, 28. Febr. Der Entwurf einer Armee- ... , Reorganisation, welche achtzig Provinz-Bataillone bilden der 2 will, ist dem König zur Unterschrift vorgelegt. Die Genehmigung desselben würde für das Kriegsbudget eine Ersparung von 357,472 Fr. erzielen. — Kaifen und Kaiserin von Brasilien sind in Sevilla angenommen. — Die letzten Regengüsse haben große Verheerungen in der Provinz Cadiz angerichtet. — Die Behörden haben eine Fabrik falscher Banknoten entdeckt — Die radikale Partei hielt am Abend deS 23. d. M eine Versammlung ab, in welcher beschlossen wurde, zu den bevorstehenden EorteSwahien ein Bünd- niß mit den übrigen Parteien der Opposition, als» vorzugsweise mit Den Republikanern und Carlisten, einzugehen, zum Zwecke gegenseitiger Unterstützung der Candidatnren. Zu dieser Versammlung fanden sich 138 Mitglieder der aufgelösten Cortes so wie Bevollmächtigte aus Madrid und den Provinzen ein. Ruiz Zorrilla eröffnete die Sitzung mit einer Ankündigung der von dem leitenden Parteiausschusse gefaßten Beschlüsse. Der Ausschuß, erklärte Zorilla, bestehe darauf, in den Grenze» des Gesetzes zu handeln, und die radikale Partei würde, so lange es nur möglich sei, die Bahn der Verfassung nicht verlassen- AIS Redner traten auf Moret, Moncasi, Alcala, Zamora, Seoane, Labra, Escosura uno MartoS. Nach der Rede, mit welcher Zorilla die Verhandlung schloß, wurde über den Vorschlag des Ausschusses abgeftimmi und beschlossen, ein Rundschreiben zu erlassen, in -tm. welchem die Gründe für die CoalitionSidee vorgelegt bev werden sollen. Im Saale der Confereitzen bespricht dnd , man nur die Coalition. In den Gruppe» der Opposition sind die Meinungen über die Zweckmäßigkeit derselben getheilt, die Ministeriellen dagegen bezeichnen sie als die größte Gefahr, welche der bestehenden Ordnung der Dinge drohe.