Einzelbild herunterladen
 

r. LS.

JRarhurg, Mittwoch, den 28. Februar.

1872

i

ritaa »Uhr s 18 I, für in eiff:

et: er.

»st-

Oterhessische Zeitung

8m Lan»ta,e.

vom 26. Februar 1872.

ohlei

ir.

>t's

148

in.

tat.

3,, r

5,.:-

rt-

86

ge«

von efen bc- irk-

ern den miß

en. »de isch den 14.

«Marburg, 27. Februar.

DaS Staatsministerium ist letzten Sonntag um 2 ühr Nachmittags im Auswärtigen Amt unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Fürsten Bismarck zu einer Sitzung zusammengetreten. Der Reichskanzler Fürst Bismarck hat letzten Sonnabend folgendes Te­legramm erhalten:Dem Gründer deutscher Einig­keit, dem Führer auf der Bahn nationaler Bestrebung, dem Vorkämpfer für Freiheit und Recht, den wärmsten Dank. Herzlichste Glückwünsche von einem Vorposten der derzeitigen deutschen Südmark. Oberaudorf, Baiern. Der erste innthaler Katholikenverein." Tags darauf erfolgte telegraphisch nachstehende Antwort:Ich danke herzlich für die im gestrigen Telegramm ausgespro­chenen Glückwünsche und für die Bekundung lands­mannschaftlicher Uebereinstimmung in Gesinnung und Bestrebung." DieNordd. Allg. Ztg." verwahrt sich gegen den Vorwurf der Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten, speciell Oesterreich -Ungarns, welchen ihre neulichen Erörte­rungen über den galizischen Ausgleich gefunden. Die stattgehabte Auseinandersetzung zwischen Oesterreich- Ungarn und Deutschland involvire nicht eine Ent­fremdung. Die Theilnahme an den Geschicken deS Nachbarn und Freundes erzeuge, wie in der österrei­chischen Preste Besprechungen deutscher, so in der dies­seitigen Presse Erörterungen dortiger Vorgänge. Die Erörterungen über die Rückwirkung österreich-unga­rischer Verhältnisse auf Deutschland, insbesondere der galizischen Autonomie aus die polnischen Unterthanen Preußens beträfv» recht eigentlich eine innere deutsche Angelegenheit. Die baierische Abgeordnetenkammer hat den Rechnungsnachweis der Staatsschuldentilgungs- Anstalt genehmigt; desgleichen in nachträglicher na­mentlicher Abstimmung mit Einstimmigkeit alle über­haupt vorgelegten Rechnungsnachweise pro 1869. Das Gesetz über die Ergänzung des Pferdebedarfs für das Heer im MobilisirungSfall wurde i,i der Fassung des Ausschusses mit 89 gegen 35 Stimmen, also der nöthigen Zwcidrittel-Majorität, angenommen.

Der König von Belgien empfing am letzten Freitag Abend den Grafen Beust, österreichischen Bot schafter in London, auf dessen Reise ebendahin. Au« Antwerpen, 26. Febr, wird gemeldet: Die von Graf Chambord empfangene Sitter Deputation über­brachte demselben eine gestickte Weiße Fahne. Die Demonstranten sind sämmtlich mit Knütteln bewaffnet. Es haben ernste Unordnungen stattgefunden. Gra Chambord hat gestern mehreren Personen, die ihn be­suchten, versichert, er wolle nächstens Antwerpen ver- . lassen.

starke Bauernhaufen und zogen, wohlbewaffnet und mit Sturmwerkzeugen versehen, von Burg zu Burg, um deren Herren zu zwingen,in die Brüderschaft der Bauern zu treten", oder falls sie sich dessen wei­gerten, ihre Wohnsitze zu zerstören.

Die Bewohner der Dasenburg sahen allabendlich, wie die Flammen brennender Burgen in der Nähe und Ferne den Himmel rölheien, und von allen Sei ten kamen Botschaften, welche berichteten, wie schrecklich die Bauern in den erstürmten Schlössern und Klöstern gehaust.

Der Ritter Benno hatte zwar nichts verabsäumt, um seine Burg mit Nachdruck vertheidigen zu können, und er sowie die ©einigen sahen dem Heranzug der Bauern mit Ruhe und Entschlossenheit entgegen, da sie allezeit Recht und Gerechtigkeit geübt hatten aber bei der großen Zahl der anrückenden Bauern durften sie nicht hoffen, die Dasenburg mit Erfolg längere Zeit behaupten zu können, falls gütliche Ver­handlungen fehlschlugen und die Bauern eine Belage­rung begannen. Obgleich die letzteren in der Umge­gend keine solche Grausamkeiten verübt hatten wie bei Weinsberg, wo die gefangenen Edlen und Knechte von einer blutdürstigen Schaar auss Schändlichste ermor­det worden waren, so konnten sich doch der Ritter Benno, sein Sohn Albrecht und Stephan eines bangen Gefühl« nicht erwehren bei dem Gedanken, was aus Hildegarde werden sollte, wenn sie im Kampfe fielen ober, von der Uebermacht überwältigt, nicht mehr im Stande waren, die Wehrlose zu beschützen. Von der Zügellosigkeit und der Wildheit der Bauern ließ sich das Aergste befürchten.

Der entscheidende Tag kam endlich herbei. Eines

Der österreichische Botschafter Graf Beust ist am Sonnabend in London eingetroffen. Der Prinz von Wales und seine Gemahlin werden sich nächstens nach den obcritalienischeu Seen begeben und dort zwei Monate verweilen. Der newyvrker Kor­respondent derDaily News" telegraphirt, daß die Antwort der amerikanischen Regierung, obwohl die inbirecten Forderungen nicht zurückziehend, doch beru- sigender Natur sei. Die Regierung glaube, eine rich- ige Auslegung und Auffassung der Klageschrift würde die Schwierigkeiten beseittgen.

Der König von Italien hat. dem Prinzen Friedrich Karl von Preußen das Großkreuz vom Militär-Orden Savoyens verliehen. DerLiberia" zufolge wurde der Deputirte und Journalist Borghi von der englischen und amerikanischen Regierung er­sucht, die Alabamafrage zu studiren und sein Gutach­ten darüber abzugeben. In Livorno hat man in der Nacht vom 24. zum 25. d. M. fünf starke Erd­stöße wahrgenommen. Nach demEconomista" batte die französische Regierung erklärt, vollständige Parität der französischen und italienischen Handels­flagge ohne Einführung von Differentialzöllen beibe­halten zu wollen.

Der Erzbischof von Baltimore und Primas der katholischen Kirche in den Vereinigten Staaten, Dr. Martin John Spalding, dessen eifriges Auftreten für die päpstliche Unfehlbarkeit beim jüngsten Concil noch in frischem Andenken steht, ist am 8. Febr. in Baltimore gestorben.

Der Radier.

Novelle, mitgetheilt von ***en.

l Fortsetzung.) " 4.

Seit dem Tage, wo die zu Anfang dieser Erzäh­lung geschilderte Begebenheit vorfiel, war ein volles Jahr verfloffen. Die Empörung der Bauern in Süd deutschland hatte mehr und mehr um sich gegriffen unb sich immer weiter gegen Norden ausgedehnt. Zwischen dem Thüringerwald und dem Harz war Mühlhausen, wo Thomas Münzer und Heinrich Pfeiffer für die Sache der Bauern wirkten, der Mit­telpunkt, von welchem sich die Auftegung nach allen Seiten hin in die Grafschaften Hohnstein, Stollberg, Mansfeld und Beichlingen) in's Schwarzburglsche, in« Eichöseld und in die Landgrafschaft Hessen ver­kettete. r, . .

Die täglich wachsende Gefahr, welche tote Herren und Edlen bedrohte, bestimmte Stephan, seine Ver »ählung, die im März vollzogen werden sollte, bis aus ruhigere Zeiten zu verschieben; auf ihres Vaters festem Schlosse konnte Hildegarde ben besten Schutz finden. Nachdem er sich davon überzeugt, daß der Bogt auf der Stauffenburg alles aufgeboten hatte, um diese in möglichst wehrhaften Stand zu setzen, und eine hinreichende Anzahl von Reisigen und Knechten zur Vertheidigung derselben besaß, begab er sich nach dem Wohnsitz deS Ritters Benno, um in der Stunde der höchsten Gefahr seiner Verlobten zur Sette zu sein und sie mit seinem Schwert beschützen zu können

In der letzten Woche des April brach der Sturm, welcher so lange aus der Ferne gedroht, endlich los. 8m südlichen Fuß deS Harzes bildeten sich mehrere

Präsident v. Forckenbeck eröffnet die Sitzung M 111/4 Uhr Vorm.

Der Wiinifter des Innern legt einen Gesetzentwurf waen Verpflichtung zum Halten der Gesetzsammlung md der Amtsblätter vor.

Hierauf nimmt das HauS der Tagesordnung gemäß M Gesetz, bett. Steuererlaß und Abschaffung der Schlacht- und Mahlsteuer, in der beschlossenen Fassung fflit erheblicher Majorität an. Dafür stimmen die konservativen, ein ziemlicher Theil des CentrumS und die Liberalen, dagegen die Freiconfervativen.

Der Finanz-Minister verliest eine Cabinettordre, »elcher zufolge die Vorlage zurückgezogen wird,

Abg LaSker erklärt, die Regierung fei nicht be nchtigt, die Vorlage nach erfolgtem definitivem Be­schluß des Hauses zurückzuziehen.

Der Finanzminister erwidert, fein Verfahren entspreche dem ausdrücklichen Beschlüsse der Staats- naierung; int Uebrigen halte er für unzweifelhaft, daß nachdem die Staatsregierung die Vorlage im Landtage zurückgezogen habe, eine llebergabe desselben an das Herrenhaus unstatthaft sei; wolle das Haus hierüber einen Beschluß (offen, so habe er nichts entgegen.

Der Antrag, die Vorlage dem Herrenhaufe zu- gehen zu lassen, wird mit 164 gegen 142 Stimmen abzelehnt und die Zurückziehung der Vorlage fettens der Regierung als rechtmäßig anerkannt.

Hieraus legt der Finanzminister den zweiten Nachtragscredit vor und erklärt: die Regierung habe den weiter gehenden Beschlüssen der Budgetcommisston hin- sichilich der Befoldungs Erhöhungen zugestimmt, bean­stande auch nicht die Abstriche des Hauses zu einigen Positionen im Etat. Weitere Gehaltserhöhungen be­anspruchten 500,000 Thlr., welche aus der durch Zurückziehung der Vorlage bezüglich deS Steuererlasses disponibel werdenden Million entnommen werden sollen. Die Regierung beantrage ferner Zuschüsse von je 100 000 Thlr. für: Errichtung von Forstdiensthausern, den FotstwegebausondS, den Bau eines lcmdwirthschaft- lichen MuseumS (erste Rate), Pferdeankauf und Ver­stärkung der Sammlungen im Berliner Kunstmuseum.

Die Vorlage geht an die Budgetcommisston. DaS HauS hört fodann ben mündlichen Bericht beS Abg Springer über ben Entwurf wegen Umwandlung der 3 in Schleswig-Holstein bestehenden Jmmobiliar-Vcr- jicherunqSanstalten in provinzialständische Institute, und genehmigt ben Entwurf. (Nächste Sitzung Mittwoch).

tu. ir 3. Thlr. 5gr.. i zu

N. lin, 63. Närz [449 igen iunt M eben itroa )wit der

MHfr 416 rer. icheii iter läfii cial- ngen chtci !. hi von 450

Deutsches Reich.

Berlin, 26. Februar. Was mau von ben augenblicklich weniger günstigen Chancen be« Schul aufsichtSgesctzeS im Herrenhause wissen will, beruht durchaus auf Jrrthum; im Gegentheil bestätigt sich die Hoffnung immer mehr unb mehr, daß das Her­renhaus dem Gesetze seine Zustimmung ertheilen wird. Alle Nachrichten über einen PairSschub sind mit der größten Vorsicht aufzunehmen. Viele der als Can- bibaten für das Herrenhaus Genannten möchten viel­leicht nicht einmal ihr Votum in bem Sinne abgeben, ben bie Presse bei ihnen vorauSsetzt unb weswegen sie ihnen einzig ihren neuen Posten anweisen will. Von ben Seitens ber Städte präsentirten Mitgliedern haben vom Könige die Bestätigung erhalten: Bürgermeister Becker von Dortmund, Kohleis von Posen und Stadtrath Lambeck von Thom. Es ist sehr wahr­scheinlich, daß die Beurlaubung des Geh. Rathes MatthiS sich in einen definitiven Rücktritt des Ge­nannten verwandeln wird, dem durch hohes Alter und

Morgens in aller Frühe kehrte einer der Knechte, den der Ritter Benno nach Nordhausen gesandt hatte, mit der Meldung zurück, daß eine starke Bauernschaar gegen die Stauffenburg gezogen sei und diese bestürme; eine andere noch stärkere Schaar wälze sich vom Süden daher, um die Dasenburg anzugreifen.

Wenige Stunden später war die Vorhut der Bauern in der Ferne sichtbar, und einige Zeit darauf kam ber ganze Haufen in ungeorbneten Mafien da­hergezogen : wilde, trotzige Gestalten mit Spießen, Schwertern, Aexten und Hakmbüchsen bewaffnet, jubelnd und singend, als ging es zu Spiel und Tanz.

Die Burg ward eingeschlofien, und der Haupt­mann der Schaar ließ den Ritter Benno durch zwei Abgesandte auffordern, in die Brüderschaft der Bauern zu treten, alle feine Geschütze, Waffen und MunitionS- vorräthe abzuliefern und dem versammelten Haufm etliche Fuder Wein und alle entbehrlichen Lebensmittel zu senden; genüge er diesen Forderungen nicht, so werde man sofort zum Sturm schreiten, und fein Schloß dem Erdboden gleich machen.

Der Ritter Benno erklärte sich bereit, dem Haufen Wein unb Lebensrnittel in hinreichender Menge zu- zufenden, wies aber die andern Forderungen mit der größten Entschiedenheit zurück und bebeuttte den beiden Bauern, daß er sie in den Thurm werfen taffen werbe, fall» sie mit einem ähnlichen frechen Verlangen wieder vor ihn träten. 1

Die jbeiben Abgesandten verließen die Burg mit übermütigen höhnischen Mienen, und die Bewegung, welche bald daraus unter den Bauern bemerkbar wurde, sagte den Schloßbewohnern, daß die Schaar Vorbe­reitungen zum Sturm treffe. ~

hart-

M'fiau« der Abgeordneten. 38. Plenar-Sitzung iniitel * vom 26. Februar 1872.