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1872

Marburg, Sonntag, den 25. Februar.

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Die Diskussion wird geschlossen und das Haus schreitet zur Abstimmung. Nach Ablehnung aller vermittelnden Amendements wird §. 1 nach dem Com­missionsantrag angenommen; mithin ist die Schlacht­steuer auch als Communalfteuer für unzulässig erklärt und eS sind damit die §§. 2—6 der Regierungsvor­lage abgelehnt. §. 2 wird ebenfalls in der Commis’ sionsfassung angenommen, mithin ist der RegierungS- Vorschlag auf gänzliche Aufhebung der Classensteuer in Stuft la verworfen, dagegen die Höhe der Clas­sensteuer um 33*/b Procent in den beiden ersten Stufen der ersten Hauptklasse herabgemindert. Auch §. 3 wird in der Commissionsfassung angenommen. Bei derselben erklärt der Finanzminister die Vorlage mit den getroffenen Aenderungen für unannehmbar. Die §§. 4 und 5 werden ebenfalls angenommen. Nächste Sitzung Sonnabend.

wärtigen Amtes, sofern dasselbe als ein eigenes „Mi- nisterum" fortbestehen soll, in Erwägung zu ziehen.

Nachdem zuvor im Verfassungsausschusse be6 öfter« reichisch en Abgeordnetenhauses über das sog. Noth- wahlgesetz berathen worden war, wurde im Hause selbst die Debatte über den Gegenstand eröffnet. Die Polen wehrten sich sehr gegen das Gesetz; nicht ohne Grund, denn bisher stand es in ihrem Belieben, durch Fern­bleiben aus dem Hause unliebsame Beschlüsse desselben zu verhindern. Gegen diese Willkühr kehrt das Noch- Wahlgesetz seine Spitze, indem eS die Regierung er« mächkigt, zur Ausfüllung dieser Lücken sofort Neu­wahlen anzuordnen. Die Opposition der Polen hals aber nichts. Die erforderliche Majorität kam zu Stande und das Gesetz wurde in allen Lesungen an­genommen. Als nächstes Moment der Regierungs­action wird jetzt die definitive Erledigung des galizischen Ausgleichs an die Reihe kommen, der in den heißen Berathungen des SubcomiteS des Ver- faffungsauSschusses und des letzteren selbst herangereift ist. Im ungarischen Reichstag ist letzten Mittwoch der Antrag auf Gründung einer selbständigen unga­rischen Bank abgelehnt worden.

Letzten Montag hat auch der Nationalrath der Eidgenossenschaft, wie der Ständerath bereits in der Woche zuvor, nach einer mehrtägigen Vakanz die Berathungtzi bezügl. der Bundesrevision wieder ausgenommen. Das Militärdepartement hat die Be­rechnung der durch die Jnternirung der Bourbaki'schen Armee verursachten Kosten abgeschlossen. Dieselbe liegt der französischen Commission zur Prüfung vor.

Die Parteien in Frankreich stehen schlagfertig. Mag man auch die Einzelheiten in den Berichten der Blätter über entdeckte und unentdeckte Verschwörungen, unmittelbar bevorstehende Staatsstreiche rc. für über-. trieben halten, so viel steht fest, daß die Sage so ernst ist wie jemals. Die« bestätigt am besten der vom Minister Lefranc letzten Mittwoch in der Natio­nalversammlung eingebrachte Gesetzentwurf, welcher die Regierung ermächtigen soll, gegen alle Angriffe auf die bestehende Ordnung sofort und energisch vvrzu- gehen, und welchen die Kammer unter großer Bewe­gung fast einstimmig für dringlich erklärte. Diese Ein­stimmigkeit könnte befremden, wenn nicht leicht zu er- raihen wäre, daß jede Partei in dem Antrag das Mittel erkennt, gefährliche Actionen ihrer Nebenbuh- lerinen niederzuhalten. Hr. Thiers aber, der sich nach dieser Schlußfolgerung der Majorität für den Antrag sicher wußte, ganz abgesehen davon, daß er sich in der letzten Zeit durch die Zahlenverhälinisse in den Unterschriften der beiden Manifeste der Rechtm

Sem 8flÄ>t«ie.

(SauS det?Abgeordneten. .36. Plenar-Sitzung * vom 22. Februar 1872.

(Schluß.)

Finanzminister Camphausen wiederholt in Er­widerung der Rede des Abg. Lasker, daß eS nicht die Ansicht der Regierung sei, die zur Klasse la ein« geschätzten Personen könnten die Steuer nicht tragen; die Regierung sei nur der Ansicht, daß diese Klasse die einzige sei, welche bei einer besseren Finanzlage des Staates den ersten Anspruch auf Befreiung habe.

Abg. Richter (Hagen). Die unterste Klasse der Steuerzahler sei durchaus nicht leistungsfähig, das gestehe selbst die Regierung zu; die Schwierigkrit liege nur in der falschen Erhebungsart,

RegierungScommissar Burkhardt. Die Vorlage sei das Resultat vielfacher Beschlüffe des Abgeord-

sehr wundern, wenn auS den beiden nicht ein Paar würde!"

Nach diesen Worten leerte er seinen Krug, stand auf, wünschte allen eine gute Nacht und wanderte raschen Schrittes der Staufenburg zu.

Auch die übrigen Gäste verließen einer nach dem andern das Schenkzimmer — nur ein einziger blieb nach wie vor regungslos in der dunklen Ecke fitzen, wo er während des ganzen Abends gesessen hatte. Es war ein alter Bauer zwischen fünfzig und sechzig Jahren mit tiefgefurchtem bleichem Gesicht und grauem Haupt- und Barthaar, das wirr um seine Stirn hing.

Der mitleidige Wirth hielt ihn für einen müden Wandersmann, der noch einen mehrstündigen Weg zu machen habe, und ließ ihn ungestört sitzen; als aber eine Stunde nach der andern verstrich, ohne daß der alte Bauer sich zum Gehen anschickte, trat er zu ihm und fragte ihn, ob er krank sei und etwa die Nacht hier zuzubringen wünsche.

Der Greis fuhr bei der Frage de« WirtheS wie auS einem Traum erwachend empor, starrte ihn einige Secunden mit irren Blicken an, murmelte einige un­verständliche Worte zwischen dm Zähnm, bezahlte feine Zeche und schritt hastig von dannen.

„DaS ist ein unheimlicher Mensch!" sprach der Wirth vor sich hin, indem er die HauSthür verriegelte. „Gutes führt der nicht int Schilde!"

2.

Die Boten des ersehntm Frühlings waren bereits ins Land gezogen und hatten die Natur zu neuem Leben wach gerufen, als eine junge Edeldame und ein junger Ritter, gefolgt von einem Falkner und einem

vom nach inber nzer groß, lauft i das h in chtige n.

) bei [359 1872. jülfe,

nctenhaufeS.

Die GeneraldiScussion wird geschloffen und nach ciner Reihe von persönlichen Bemerkungen wird t:: Sitzung vertagt. Nächste Sitzung Freitag.

TTZ-int tSalick außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischen Zeitung mit Kreirblatt durch die Expedition (Koch'sche »udbbtuderei) bezogen 22; Egr., durck die Postämter 27 ®gr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für da« Ausland exck. Stempel 2t Sgr.— Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annonren-Büreaus nehmen Inserate an.

Sitzung vom 23. Februar.

Der Präsident v. Forckenbeck eröffnet die Sitzung um 111/4 Uhr Börm. Tagesordnung: Fort­setzung der Berathung über den Entwurf wegen Be­freiungen von der Klassensteuer und Aufhebung der Mahl- und Schlachtsteuer.

Referent Abg. v. Brauchitsch weist nach Schluß der GeneraldiScussion alle gegen die Commission in der zweitägigen Generaldebatte gerichteten Angriffe zurück.

Finanzminister Camphausen berichtigt Amße nmgen des Resermten.

Abg. Graf Wintzingerode empfiehlt die Ab­lehnung der Vorlage und al« Nothbehelf die Com «issionsvorschläge.

Abg Philippe ist Gegner der Mahl- und Schlachtsteuer und bittet, Alles zu verwerfen.

Abg. Dr. Löwe hebt die Nachthcilehervor, welche den ärmeren Klassen au« der Mahl- und Schlachtsteuer erwachsen. Seit dem Kriege seien in Folge schlechter Nahrung der großen Massen alle Hospitäler mit Fällen von febris recurrens gefüllt; der Mangel an Fleischgenuß in den ärmeren Kreisen sei sehr bedenk lich und sollte von der Regierung mehr gewürdigt «erden.

Der Minister deS Innern, Graf Eulenburg, trfiärt sich gegen die in den Amendements gestellten Fristen, weil man innerhalb derselben kein Auskunfts- ttittd finden werde.

Der Rächer.

Novelle, mitgetheilt von ***en.

(Fortsetzung.)

„Am. vorigen Montag Abend hab' ich etwas Eütsames gesehen," hob einer der Bauern mit ge- hennnißvoller Miene an, nachdem mancherlei andere Angelegenheiten besprochen worden waren. „Als ich an jenem Abend vorn Kloster Walkenried heimkehrte und den Gipfel des Berges erreichte, von dem man das Thal der Zorge weithin überschauen kann, ge- «ahrte ich dicht am Ufer des Flusses ein Irrlicht, das bald geradeaus lief, bald stehm blieb und bald allerhand seltsame Seiten- und Kreisbewegungen machte, so daß mir'S ganz angst ward —"

„Heiliger Nikolaus! welch ein Hasenfuß seid Ihr, Martin!" rief der Knecht überlaut lachend. „Ich bin da« Irrlicht gewesen?"

„Ihr'i" fragte der Bauer erstaunt.

„„Nun ja — oder eigentlich die Laterne, welche ich trug," versetzte jener.

„Was hattet Ihr denn bei Nacht und Nebel Junten am Fluß zu suchen?"

„Das will ich Euch sagen. Als mein Herr am Montag Abend von einem Ritt zu einem seiner Freunde heimkehrte, schickte er mich und drei andere Unechte inS Thal hinab, um einen Verwundeten, wel­chkn er unterwegs am Fluß getroffen zu haben schien, nach der Burg zu tragen. Wir durchsuchten das ganze Thal big jQm Eichengrunde, fanden aber nur eine *it Blut befleckte Mütze neben dem vorspringenden Felsen mit den beiden hohen Tannen. Was für eine "ewandtniß eS mit dem Verwundeten hat, vermag ich

zu sagen; ich weiß nur, daß der Vorfall meinen

Politische Wochen-Urberficht.

Das preußische Abgeordnetenhaus hat diese Woche die Berathungen über das Gesetz betr. die Einrichtung und Befugnisse der Oberrechnungskammer fortgesetzt und dasselbe bei namentlicher Abstimmung am letzten Mittwoch im Wesentlichen nach der Regierungsvorlage angenommen. Am gleichen Tage stand der Entwurf betr. die Befreiung von der Klassensteuer und die Aufhebung der Schlacht- und Mahlsteuer auf der Tageordnung. Die Berathungen wurden jgestern be­endigt und die auS ihnen hervorgegangenen Beschlüsse des HauseS erklären, entgegen den beiden wichtigsten Punkten des Regierungsantrages, daß die Schlacht- und Mahlsteuer gänzlich fortfalle, also auch als Ge. meindesteuer; ferner, daß der Steuersatz für die beiden untersten Abtheilungen der Niederstbtsteuerten um 33Vb Procent ermäßigt werde (die Regierung hatte gänzliche Steuerfreiheit für die aller unterste Abthei- lung, dagegen Belassung des Steuersätze« für alle übrigen Abtheilungen beantragt). Die vom Herrenhaus zur Vorberathung de« Schulaufsichtsgesetzes eingesetzte Commission hat sich schlüfsig gemacht über die Fassung des Gesetzes, welche sie der aus dem Abgeordnetenhaus herüberkommendeu entgegensetzen will; übrigens wird das Haus schwerlich vor Anfang deS nächsten Monats wieder zusammeistreten. — Die baierische Armee hat durch einen königl. Erlaß eine vom 1. April d. I. ab inS Leben tretende Formation und Eintheilung er­halten, welche sich in voller Uebereinftimmung mit der Gruppirung rc. der übrigen Kontingente des Reich« Heere« befindet. — Die Finanzcommission deS würtem- bergischen Abgeordnetenhauses beantragt einstimmig, die Regierung zu ersuchen, die Aufhebung des Aus-

Herrn in große Aufregung versetzt hat: seit jenem Abend geht er wie tiessinnig umher und spricht fast kein Wort."

„Am Ende hat Euer Herr in seiner blinden Wuth wieder einmal Jemanden unglücklich gemacht!" mur­melte einer der Bauern halblaut.

„Ihr denkt immer gleich das Aergste!" erwiderte der Knecht.

„Ich wollte, daß ich ihn loben könnte," versetzte jener. „Viel Gutes habe ich aber auch noch nicht von ihm gehört."

„Für uns kommen nicht eher bessere Zeiten, als bis einer seiner beiden Söhne unser Herr wird", sagte ein andrer Bauer. „Obgleich der Herr Heinrich Recht und Gerechtigkeit liebt und bei weitem nicht so wild und leidenschaftlich ist wie fein Vater, so würden wir uns doch alle glücklich preisen können, wenn der milde und menschenfreundlich Herr Stephan, das Ebenbild seiner verstorbenen Mutier, dereinst unser Gebieter würde — von dem hätten wir nicht« als Gutes zu erwarten."

„Ja, der ist auch mein Liebling", ries der Knecht. „So lang' ich auf dem Schlöffe bin, ist noch kein böses Wort aus feinem Mund gekommen."

„Ich hab' ihn ja seit mehreren Wochen nicht ge­sehen", sagte ein dritter Bauer; „er ist doch nicht etwa auch in den Krieg gezogen wie der Herr Heinrich?"

„O, der Herr Stephan weiß sich angenehmer zu beschäftigen!" erwiderte der Knecht lachend. „Er ist auf der Dasenburg drüben neben dem Bodethak und spielt und singt mit der schönen Hildegarde, der Toch­ter des Ritter« Benno, ober reitet mit ihr und ihrem Bruder hinaus auf die Falkenbaize. Es sollte mich

iber: [398

uar, 1 im ihai» Saft’ e, auf e s. 0- meist’ lauft [429

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