Wr. £6* Marburg, Sonnabend, den 24. Februar. 1872-
- Obtthtssische Zeitung.
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Purlameutarifche Nachrichten.
Se. Maj. der König hat durch Erlasse vom
nb aus >28, Jan. bie Grafen v. Moltke unb Roon aus be- Ploetz, | sonderem Allerhöchstem Vertrauen zu Mitgliebern des
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mit demselben stattfindet, ihrem Abschluß nahe.
Der am Mittwoch in der französischen tionalverfammlung eingcbrachte Gesetzentwurf ist sonder« gegen die Umtriebe der Bonapartisten Radicalen gerichtet. — Verdaguer, Herpin und
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Stellvertreter Graf zur Lippe; Schriftführer Hr. v. Rochow, Stellvertreter Hr. v. Kemnitz; dann die Herren Wilckens, Engels, Graf v. Galen, Graf v. Schlieffen, Graf v. Füistenberg - Stammheim, v. Kröcher, Graf v. Brühl, Baron Senfft v. Pilsach, v. Kleist-Retzow, Fürst A. Radziwill, Dr. Tellkampf. Mit zwei ober brei Ausnahmen gehören die Mitglieder der Commission der äußersten Rechten an.
Die Commission hat letzten Dienstag ihre Bera-
thungen geschloffen und das Gesetz in fclgmder änberter Gestalt angenommen:
Wir Wilhelm rc. verordnen mit Zustimmung beiden Häuser des Landtages für den Umfang
Herrenhauses auf Lebenszeit berufen. — Die Berliner Blätter enthalten nichts Nähere« über die gestern telegraphisch mitgetheilte Verhaftung eines ehemaligen Posener Pharmaceuten wegen eines von demselben auf den Reichskanzler beabsichtigten Attentats.
Laut Bericht des eidgenössischen Militär-Departements an den Bundesrath ist die Liquidation der Kostenrechnungen, betr. die Jnterniruug der Bourba- ki'schen Armee, sowie ihre Prüfung durch die französischen Commissionen, welche in bestem Einvernehmen
Drr Nacher.
Novelle, mitgethellt von ***en.
Monarchie wa« folgt:
§. 1. Die Aufsicht über alle öffentlichen Privatunterrichts- und Erziehungsanstalten steht Staate zu. Demgemäß handeln die mit dieser Aufsicht betrautm Behörden und Beamten im Auftrage
d eint »aus» eitunj intrit äßlich »sorgt [399
mit dunklem Haupt- und Barthaar und wetrerge- bräuntem Antlitz. Er trug ein enganschließendes tuchene« Wammö, lederne Beinkleider, schwere Reiterstiesel und eine einfache Blechhaube.
DaS von der rauschenden Zorge durchströmte Thal, in welchem sich der Weg dahinschlängelte, ward immer enger und enger, die Berge zu beiden Seiten des steinigen PfadeS stiegen immer höher und steiler empor, und die Wälder, welche die Abhänge bedeckten, wurden immer dichter und dichter. Weit und breit war nichts zu hören, al« das Brausen des durch rasch geschmolzenen Schnee angeschwollenen Flusses und das Rauschen des Winde« in den Wipfeln der Tannen und Buchen rings auf den Höhen. ' .
Als der Reiter in raschem Trab um eine vor springende Felsenecke bog, stürzte plötzlich ein Mann auf ihn los und fiel seinem Pferde laut schreiend in die Zügel.
In der Meinung, er habe es mit einem Räuber zu thun, riß der Reiter sein Schwert aus der Scheide und versetzte bem ungestümen Schreier einen solchen Schlag auf ben Kopf, daß derselbe schwer getroffen nieberstürztc.
„Gott vergebe Euch diese frevelhafte That, Herr Ritter!" stieß der Verwundete mit matter Stimme hervor. „Ich kann'« nicht! Meine arme Mutter!"
Ohne diese Worte, welche er nur halb gehört, weiter zu beachten, setzte der Ritter Hugo von Stau fenburg — das war der Name des Reiter« — feinen Weg fort. DaS gellende Geschrei, welches er hinter sich vernahm, hielt er für die Stimmen seiner Verfolger, und da ein Kampf mit mehreren erbitterten Gegnern bei Nacht in einem engen Thale sehr gefährlich für ihn »erben konnte, so spornte er fein
en höchß b Er- pfiehll er.
auch Niemanb Voraussagen, was „reines Einkommen" ist. Rebner warnt vor ber Abschaffung ber Mahl- unb Schlachtsteuer auch als Communalsteuer.
Frhr. v. L o e vertheidigt die Commissionsvorschläge, «eil sie auf einem sicherern Standpunkt stehen, als bie Regierungs - Vorlage. Das Gefühl der Massen sei durchaus nicht für Beibehaltung dieser indireclen Steuern. Bezüglich des Steuererlasses bedürfe bie Stufe 2 unb 3 ebenso der Berücksichtigung, wie die _____Stufe la; auch in dieser Beziehung seien die Vorschläge i früh der Commissionen gerechtfertigt.
- Der Regierung«commisar gibt die näheren Gründe an, warum die von der Commission vorgc- - schlaget» gänzliche Aufhebung der Mahl- und Schlacht- fori« steuer auch als Communalsteuer von der Regierung es bei nicht angenommen werden kann. Ohne Ersatz stehe l-:t:Hbie Insolvenz der beseitigten Städte in gewisser [296 Aussicht.
Adg. LaSker zeigt, wie schwierig die Frage wegen bet Steuerreform sei und sucht nachzuweisen, daß dieselben Gründe, welche für die Aufhebung ber Mahl- Md Schlachtsteuer als Staatssteuer sprechen, auch für bie Aufhebung der Schlachlsteur als Communalsteuer gelten. [Fortsetzung in der nächsten Nummer.)
Lau« der Abgeordneten. 36. Plenar-Sitzung vom 22. Februar 1872.
i Präsident v. Forckenbeck eröffnet die Sitzung Boi, im H Vi Uhr Vorn,.
luv« Forschung der Berathung deS Gesetze« wegen Be- 'S smung von der Klassensteuer rc.
L Abg. Reichensperger (Koblenz) ist gegen die «egierungSvorlage unb gegen bie Commission«vorschläge s«nd zwar gerade wegen Aufhebung der Mahl- unb »»»t Echlachtsteuer. Diese inbirccten Steuern seien nicht —— ilos von den Ortseingesessenen getragen worden, son dnn zum großen Theil von Außerhalbwohnenden, von Teuristen. Was diese nun künftighin nicht mehr leisten würden, das müßte» bie Eingesessenen auf ihre Schultern nehmen. Die ohnehin schon fortwährend steigenden Gemeindesteuern würden also noch vermehrt werden Auch bie allgemeine Einkommensteuer, bie alle anberen Steuern aussaugen soll, sei ein Ideal; Einkommensteuer mit Selbsteinschätzung öffne der Immoralität, bem Denunciamenwesen Thür unb Thor; e« könne
»k»eint täalich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberheffischeu Ieitung mit «retsblatt durch die Expedition («och'sche ^»utdruckerei) bezogen 22} »ar., durch die Postämter 27 «ar. 6 Pf,, (erd. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für daS Ausland erd- Stempel 22 Eigr. - JnfertionSgebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.
grange, welche wegen Theilnahme an ber Ermorbung ber Generale Lecomte unb Thomas zum Tobe ver- urlheilt waren, sinb gestern Vormittag hingerichtet wor- ven. Die über Albenoff unb Meyer ausgesprochene Todesstrafe wurde in lebenslängliche Zwangsarbeit umgewandelt. — Der Kriegsminister ist erkrankt. Man betrachtet seinen Rücktritt als wahrscheinlich. — Das Einverstänbiiiß der Rechten mit dem rechten Centrum ist im Fortschreiten begriffen. Die Chefs ber orlea- nisten Partei sinb alle beigetreten. — General Fleury (Bonapartist) soll verhaftet worben sein. — DaS offi- cielle Journal bringt ein Decret, woburch bie Journale „Le Gaulois" unb „l'Armse" suSpendirt werben.
Die Antwerpener „Opinion" meldet: In Antwerpen circulirt eine Petition an bie Kammer, welche bie Ausweisung beS Grafen Charnbord und in zweiter Linie die Abschaffung des Fremdengesetzes fordert.
„Fanfulla" versichert, der deutsche Gesandte beim päpstlichen Stuhl, Graf Tauffkirchen, werde demnächst einen unbestimmten Urlaub antreten. Dem» selben Blatte zufolge wird im Consistorium am 23. Febr. außer der Ernennung der russischen Bischöfe auch ein in Petersburg residirender katholischer PrimaS ernannt werden. Weiter meldet „Fanfulla": Mehrere Bischöfe bestehen auf Fortsetzung des Coneils in der Stadt Trient; der Papst soll in Rom verbleiben und sich durch einen Legaten a latere ersetzen lassen. Die Cardinäle Monaco, Capalti und Caterni sind mit den bezüglichen Unterhandlungen betraut, aber Oesterreich scheine bis jetzt nicht geneigt, einzuwilligen.
Letzten Dienstag Abend starb in M a b r i b Marquis de MarifloreS, ehemaliger Gesandter und StaatSrathS- Prästdent. — Die Ernennung de« neuen confervativen
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Pferd, um seine nahe gelegene Burg so bald als möglich zu erreichen.
Bald herrschte wieder tiefe Stille rings um ihn her — nur einmal meinte er noch einen Wehrnf in der Ferne verhallen zn hören. Unwillkürlich hielt er sein Pferd an — al« er aber weit und breit nicht« vernahm, al« das Rauschen deS Wassers unb bas Sausen des Windes, ritt er langsam weiter. Je näher er aber seiner Burg kam, desto seltsamer ward's ihm zu Sinn: ber Gebanke, daß er vielleicht einen Un schuldigen, einen Hülseflehenoen erschlagen habe, fiel ihm mit Centnerschwere aufs Herz. Seine fröhliche, übermüthige Stimmung — die Folge eines Zechgelages auf der Burg eines ihm befreundeten Ritters — war gänzlich verschwunden, unb alle seine Bemühungen, seine übereilte That zu rechtfertigen, waren vergeben». In Kriegen unb Fehben hatte fern Schwert schon Manchen zu Boden gestreckt — aber noch niemals hatte er Reue darüber empfunden; daß sein sonst uicht sehr zartes Gewiffen ihm jetzt die hef- tigften Vorwürfe machte, sah er als einen Beweis dafür an, daß er eine schwere Blutschuld auf sich geladen habe.
Auf feiner Burg angelangt, schoß ihm plötzlich ber Gedanke durch den Kopf, daß derjenige, welchen er zu Boden geschlagen, vielleicht nur stark verwundet sein und noch gerettet werden könne, und so befahl er vier Knechten, mit einer Tragbahre und einer 8a« terne ins Thal hinabzusteigen und daffelbe bis zu ber vorspringenden Felsenecke, wo das Zusammentreffen stattgefunden, genau zu durchsuchen und falls sie auf ; einen Verwundeten stießen, diesen nach der Burg zu ; bringen.
i Die Knechte machten fich auf den Weg, und bet
Die vom Herrenhause eingesetzte Commission zur och 2 Borberathung de« Schulaufsichtsgesetzes bestand aus nahuii folgenden Mitgliebern: Vorfitzenber Hr. v.
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Es war in den ersten 'Monaten de« Jahre« 1524. Srunb Die Gährung, welche in mehreren Theil en Süddeutsch- t><P land« unter den Bauern herrschte, und die tumultua- bhabt! w, [367
rischen Auftritte, welche fich an einzelnen Orten ereigneten, waren die Vorboten jene« gewaltigen Sturmes, der ein Jahr später durch Süd- unb Miltelbeutschlanb tobte: bes großen Bauernkriege«, ber namenloses Elend über Tausende und aber Tausende von Herren unb Dauern brachte, und in dem beide Theile mit solcher Erbitterung gegen einander kämpften, und die jeroeili« M Sieger an den Besiegten mitunter eine so ausge- , . suchte Rache übten, daß man die Blätter der Ge- st h» schichte, welche diesen kurzen, aber blutigen Krieg 1 e* schildern, nicht ohne tiefe« Grauen zu lesen vermag.
Als die wilden Leidenschaften einmal entfesselt «xtren, mußte der Unschuldige mit dem Schuldigen, ber Gerechte mit bem Ungerechten, ber Menschenfreunb- kchk mit bem Harten unb Grausamen leiben, obgleich un« Geschichte unb Sage auch manche Beispiele dcS Edelmuthe«, der Hochherzigkeit und Selbstverleugnung erzählen, bie ber höchsten Anerkennung werth sinb.
Die im Folgend»» geschilderten ©eenen sind aus Einzelnen halbverlorenen Sagenklängen entstanden; bitten dieselben auch ein nur unvollkommenes Bild jener stürmischen Zeit, so wird doch vielleicht der eine «der der andere Zug einen Begriff von der Stimmung i" geben vermögen, welche dazumal herrschte. —
Ein dunkler Märzabend lag über den südlichen Höhen de« Harze«, al« ein Reiter auf dem von der Stadl Nordhausen in das Gebirge führenden Wege ^sch dahinfprengte. Soviel sich beim Schein der Sterne erkennen ließ, war es ein robuster Fünfziger,
des Staates.
§. 2. In der Regel haben die Superintendenten, Erzpriester und Decane das Amt eine« Kreisschulin- spectors zu verwalten. In besonderen Fällen können jedoch die vorgesetzten Behörden einen anderen Geistlichen derselben Kirchengemeinschaft, und so fern es nöthig ist, auch einen Nichtgeistlichen damit beauftragen. Die Local - Schulinspection der Volksschule wirb von bem Ortsgeistlichen im Auftrage bes Staates wahrgenommen. Der den Kreis- unb ben Local-Schulin- Ipectoren erteilte Auftrag kann, sofern sie bie ihnen obliegenden Pflichten nicht erfüllen, durch Beschluß der Bezirksregierung zurückgezogen unb an andere Geistliche derselben Kirchengemeinschaft, sofern es nölhig ist, auch an Nichtgeistliche übertragen werden.
§. 3. Unberührt durch dieses Gesetz bleibt die den Schulvorständen unter ber Aufsicht des Staate« zu stehende Leitung der Volksschulen und die Berechti gung des Patrons, beziehungsweise der GerichtSobrig- feit, des Ortsgeistlichen, so wie der Gemeinde unb ihrer Organe zu benfeibene In gleicher Weise bleibt bie Leitung deS religiösen Unterrichts in ber Volksschule burch bie Organe ber betreffenben Religionsgesellschaften unberührt.
§. 4. Der Minister der geistlichen, UnlerrichtS- und Medicinal Angelegenheiten wird mit der Ausführung diese« Gesetzes beauftragt.
"Marburg, 23. Februar.