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Wr. LS. Marburg, Freitag, den 23. Februar. 1872.

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3 Obcrhesjijche Zeitimg.

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Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhefstschen Zeitung mit KrriSblatt durch die Expedition Kuchdruckerei) bezogen llj Gar., durch die Postämter 17 Sgr. 0 Psg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 11 - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.

(Koch'sche ®6«. -

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t qeat "stufe Id. --- 2 Sgr. 6 Pf., und zwar für die len ° )auShaltu»g, wie für die Einzelsteuernden. §.4. Die

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ohne, ife- un

» Bezug auf die Klassensteuer den Bezirksregierungen ukvmmenden Befugnisse und Obliegenheiten werben fir die Stadt Berlin der Dirrclion für die Berwal-

Biw StMltage.

flU» der Abgeordneten. 34. Plenar-Sitzung vom 21. Februar 1872.

Präsident v. Forckenbeck eröffnet di» Sitzung n 111/4 Uhr Vorm. Am Ministertische die Herren raf zu Eulenburg, Camphausen, Regie­

alter.

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Juni «ngScommisfarien. 3 -

gejuc Das Haus genehmigt den Entwurf, betr. die Ein- xuvatei ichtung und die Befugnisse der OberrechnungSkammer -----ei Namensaufruf mit 310 gegen 43 Stimmen. 8» aui Dagegen die Fortschrittspartei.)

wasch tzs folgt die Berathung des Entwurfs, betr. die Befreiung von der Klassensteuer und die Aufhebung Jet Schlacht, und Mahlsteuer. Der Gesetzentwurf fegen Aufhebung der Mahl und Schlachtsteuer lau- ' st nach den Beschlüssen der Commission: §. 1. Zn . flen mahl- und schlachtsteuerpsüchtigen Städten wirb ln dt dem 1. Jan. 1873 die Classenstruer an Stelle - , « Mahl- und Schlachtsteuer eingesührt. Die Fort-

_.27.; chebung der Mahl- und Schlachtsteuer ist auch als r J Gemeindesteuer unzulässig. §. 2. Allen nach den ___«stehenden Vorschriften in der Unterstufe la 1b 2 eil v« nb 3 in der ersten Hauptklasse der Klassensteuer kamt« S 9 de» Ges. vom 1. Mai 1851) zu besteuernden uenn i krsonen-(bis zu einem Steuersätze von 3 Thalern hülfe ihrlich) wird vom 1. Juli 1872 ab bis zur nderweiten gesetzlichen Regelung ein Abschlag von ise wii 3i/j Prozent (in vier Monatsraten jährlich) ge- ifentha »ährt. (Das zweite Alinea bezieht sich auf die machen «» Inhabern des eisernen Kreuzes gewährte Ver i dies! ünstigung.) §. 3. Vom 1. Jan. 1873 ab erfolgt [28 i Abänderung des Gesetzes vom 1. Mai 1851 die — ■. ■- Veranlagung auch in den beiden Unterstufen der ersten hweini 5tufe der Classenstruer (§. 9a I. c.) nach Haushal- ungen, so daß die Steuer monatlich beträgt: a) in U er Unterstufe la. — 1 Sgr. 3 Pf., b) in der Un-

ruar

ung der directen Steuern in Berlin übertragen. §. 5.

tt.

Referent Abg. v. Brauchitsch legt in Kürze den

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)er Finanzminister ist ermächtigt, die directen Staat« - teucrn, soweit dieselben in monatlichen Raten zu ent- ichten sind, nach seinem Ermessen in dem auf den Konat der Fälligkeit folgenden nächsten oder zweiten Bloimt zugleich mit den für letzten fälligen Raten y~“" rinziehrn zu lassen.

* — (Die Commission beantragt abweichend von der

■----- Regierungsvorlage gänzliche Beseitigung der Schlacht-

iLiLj teuer auch als Communalsteuer und statt der S7’“. iufhebung der Kiasfensteuer in Stufe I a Nachlaß _____. 'on 331/3 Prozent in den beiden Stufen der ------ rsten Hauptklasse derselben.) —

Standpunkt dar, den die Commission zum Entwurf eingenommen hat. Der Vorschlag der Regierung in Betreff der Fortdauer der Mahlsteuer in besonders hilfsbedürftigen Städten sei im Hause wie in der Com­mission mit Bedauern ausgenommen worden. Das Vorgehen der Regierung in der Steuerreform entspreche in der vorgeschlagenen Richtung, nämlich die unterste Stufe der I. Steuerklasse gänzlich zu befielen, bei den übrigen eS aber beim Alten zu belassen, nicht der An sicht der Commission. Wolle man die Maßregel als Steuererlaß auffassen, so müsse die ganze I. Klaffe daran participiren.

Zur Generaldiscussion haben sich 15 Redner für, 9 gegen die Commissionsvorichläge. gemeldet.

Abg. v. Kardorfs ist ein Gegner deS directen Steuersystems. Die Klassensteuer sei jedenfalls die härteste und drückendste, sie fei eine Kopfsteuer, wie sic civilistrte Staaten nicht haben dürften. Ein Cul lurvolk, wie wir, könne eine Steuer nicht beibehalten, welche von den Behörden allein eingeschätzt wird. Darum begrüßt Redner die Regierungsvorlage mit Freuden, weil sie einen Stein aus der Klassensteuer herausbricht.

Abg. Rickert. Das Großartige und Blendende einer Befreiung von 5 Millionen Menschen von der Steuer halte eine gründliche Prüfung nicht aus. Die Commission begrüßte die Vorlage, weil damit die schlechteste Steuer im Staate, die Mahl- und Schlacht­steuer, beseitigt werben sollte. Nur sei die Regierung auf halbem Wege stehen geblieben, da sie die Schlacht­steuer als Communalsteuer fortbestehen lassen toiü. Die Aufrechterhaltung der Schlachtsteuer für die Corn mune sei geradezu unmöglich; die Zollbarriere, die verschiedene Besteuerung zwischen Stabt und Land bliebe, die Defraudationen würden sich vermehren, der Schaden, den der Staat durch das Schlachtsteuer­system bisher erlitten, würde wachsen. Mit Aushebung her Schlachtsteuer würde der Landwirth viel Fleisch zum Consum nach der Stabt führen. Die ganze Natur der Gcbäubesteuer eigne sich schlecht zu Staalszwecken, aber sehr gut zu Communalzwecken. Bleibe dieielbe Staalssteuer, so würbe die Entwickelung der Corn muncn untergraben. Der Steuererlaß bedeute nichts Anderes, als daß man 5 Millionen Einwohner, welche feit 60 Jahren Steuern gezahlt haben, für unfähig hierzu erklärt. Wolle man dies nicht, so müsse man gerechter verfahren und die Erleichterung zu einer all gemeinen machen.

Finanzminister Camphausen bekämpft die Com missionSvorfchläge: Die Regierung glaube, die Lage des Landes gestatte bie Steuernachläsfe, die gesunde Entwick­lung des Landes feit der Einbringung der Vorlage habe die Regierung hierin noch bestärkt. Bezüglich der Schlachtsteuer bemerkt der Finanzminister, daß die völlige Aufhebung auch als Communalsteuer nicht durch

führbar sei; Berlin beispielsweise könne dieselbe nicht entbehren. Der Vorschlag, daß den Städten die Gebäubesteuer zugewiesen werde, sei unannehm­bar; der Staat könne auf dieselbe nicht verzich­ten. Bezüglich der Klasscnsteuer empfiehlt der Fi­nanzminister die Annahme der Regierungs - Vor­lage; dieselbe fei nicht der letzte Schritt, obwohl er nicht mit Sicherheit weitere Reformvorschläge für die nächste Zeil in Aussicht stellen könne. Die Vorschläge der Commission durchbrechen vollständig das System der Klassensteuer und seien kein Weg zur weiteren Reform.

Nachdem noch der Regierungscommiffar die Vor­lage vertheidigt, wird die Generaldebatte geschlossen. Nächste Sitzung Donnerstag.

*Marburg, 22. Februar.

DaS Befinden S. M. des Kaiser ist nach authentischen Mittheilungen der Art, daß deffen voll­ständige Reconvalescenz in den nächsten Tagen zu er­warten steht. — Der „Kreuzztg." zufolge bestätigt sich die Nachricht, daß die Grafen Moltke und Roon in baS Herrenhaus berufen werden sollen. — Dortmund und Görlitz, welche zu jenen Städten gehören, bie, obgleich dazu berechtigt, im Herrenhause ohne Reprä feiitanten sind, haben vom Minister des Innern die telegraphische Aufforderung erhalten, binnen 14 Tagen Präsentationswahlen vorzunehmen und sie der Regie­rung behufs Berufung der Gewählten mitzutheilen. — Der Abg. Kosch, welcher bis jetzt in einem Gasthofe in Berlin schwer erkrankt gelegen hat, ist zur besseren Pflege nach der Amtswohnung seines Freundes, deS Präsidenten Forckenbeck verbracht worden. Der Abg. Lent, vor einiger Zeit vorn Schlage gerührt, liegt im Gasthof Schlösser ebenfalls schwer darnieder. — Dir „Nordd. Allgem. Zig." sagt über die Concorbatsfrage im Elsaß: Die Hauptsache ist, daß das Concordat nicht mehr gilt, hierin sind alle Theile einig. Dies tst Alles, was wir wünschen können. Wir verlangen und fordern nichts. — Der Aufsichtsrah der Breslauer Discontobank beschloß dem „Breslauer Handelsblatt" zufolge, das Gesellschafts-Capital um 10 Mill. Thlr., vorbehaltlich der Genehmigung der Generalversammlung- zu erhöhen. — In der vorgestrigen Abendsitzung der würlembergischen Abgeorditetenkammer rief die Be­schwerde der strikenden Schriftsetzer über die Abcom- manbitung militärischer Setzer eine zweistündige De­batte hervor. Der Präsident theilt mit, daß die Zurückcvmmanbirung bevorstehend sei, worauf Hopf einen hierauf gerichteten Antrag zurücknimmt. Tas Hans beschloß llebergang zur Tagesordnung. Auf bie Interpellation Varnbüler's, bie Würtemberger in der französischen Fremdenlegion betreffend, antwortete der Minister des Auswärtigen, Frhr. v. Wächter, mit der Zusage der Gewährung von Reisegeldern.

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Eine Geschichte m Her Dankbarkeit.

Historische Skizze »on I. E

(Schluß.)

Von Weitem schon hörte er da» Klirren von Waffen std die rauhe Stimme des Panduren: „Quart — -erz — Quart — und Sie fahren ihm unter der Hinge durch. — Sehen Sie, so — so ist es recht — ut gestoßen — halten Sie stch so und die Compagnie ft Ihnen."

Trenck trat näher; eine andere Stimme, die ihm «rannt schien, sprach einige Worte. Rasch öffnete er; or ihm stand, etwas verblüfft, der Lieutenant von Veyrauch, ein Rappier in der Hand. Der Panduren hef blickte den Eintretenden finster an.

„WaS führt Sie zu so ungewohnter Stunde her?" ragte er, ohne seinen Gruß zu erwiedern oder ihm hnen Stuhl anzubieten.

Der Preuße warf dem Lieutenant einen verächt- ichm Blick zu und stellte sich so, daß er demselben beständig den Rücken zukehrte.

„Eine Ehrensache", begann er in leichtem Tone. »Ich habe diesen Nachmittag zwei Schufte zu expe zllzs fc’Tfn' uiich gestern Nachts meuchlerisch überfielen Und vermöge ihrer angeborenen Schnelligkeit der ver- uj-zn Renten Strafe für einmal, — theilweise wenigstens", 48—50 fetzte er mit einem Seitenblicke auf den Lieutenant L ä „entgingen."

** K „Was habe ich damit zu schaffen?" unterbrach --- M der Pandur«.

„Sie sollen mir hundert Dukaten vorschießen, da­mit ich nölhigenfalls meine Haut in Sicherheit bringen kann."

Der österreichische Trenck lachte höhnisch. „Sie scheinen Ihrer Sache sehr sicher zu fein."

Der Preuße runzelte die Stirne. „Wollen Sie mir den Dienst erweisen?" fragte et trocken. „Ich hielt es für meine Pflicht, mich zuerst an mtinen nächsten Blutsverwandten zu wenden.

„Verbunden!" schrie dieser laut auflachend. „Sehr liebenswürdig von dem Herrn Vetter! Thut mir aber leid; haben Sie Händel ohne mich angefangen, so führen Sie sie auch ohne mich au«."

Ohne ein Wort zu erwidern ging der Preuße nach der Thür. „Die Lcichenkosten werde ich für Sie bezahlen!" rief ihm sein Vetter nach; schmetternd warf er die Thüre in’« Schloß. Der Pandurc begann feine Section von Neuem. „Merken Sie sich diese Finte," wiederholte er, laut genug, um von dem Preußen noch verstanden zu werden; „eins, zwei, drei, er ist kaput und Sie haben die Comptignie!"

Zwei Stunden später wurden zwei schwerverwun bete Offiziere in die Stabt zurückgetragen. Der Lieutenant Buffy hatte ben rechten Arm verloren; v. Weyrauch war burch ben Leib gestochen. Ihr siegreicher Gegner suchte umsonst bei ben Jesuiten unb den Kapuzinern um eine Freistatt nach; er flüchtete fich enblich in bas Kloster auf dem kalten Berge.

Trotz der schweren Wunden blieben seine Gegner am Leben; sie ließen ihn vor seinem Vetter warnen. Beide waren von diesem durch Versprechungen zu der Herausforderung bewogen worden. Der Pandure küinmerte sich nichts um seinen Verwandten. Er hielt seine Sache für gewonnen und glaubte den unliebsa­men Helfer leicht entbehren zu können. Bereits erging er sich in Drohungen gegen seine Feinde; diese hatten bei der Abwesenheit des thätigsten Anwaltes des Obersten freie« Spiel. Durch große Summen besta­chen sie das Revisorium zum zweiten Male; das blinde Ungestüm Trenck’s lieferte ihnen manche neue Waffe; sein Geiz entfremdete ihm Manchen, der sonst für ihn gewirkt hätte. Seinen Vetter sogar suchten feine Feinde zu bestechen, als sie ihn mit ihrem Opfer zer­fallen sahen. Der General Löwenwald ließ ihm 4000 Gulden anbieten, sowie feine Gunst und Protektion, wenn er ihm alle Geheimnisse deS bisherigen Ganges des Revisionsprozesses verrathen wolle. Der Preuße wies das Ansinnen freilich mit Unwillen zurück. Nachdem ihm der Baron Lepresti Pardon ausgewirkt hatte, reiste er ab, ohne seinen Vetter noch einmal gesehen zu haben.

Am 20. August 1747 wurde dieser zu ewiger Gefangenschaft auf dem Spielberge verurtheilt; er starb daselbst am 4. Oktober 1749,' iu feinem 34. Lebensjahre.