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Mr. MM. Marburg, Donnerstag, den 22. Februar.
Oberhessische Zeitung.
1872
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhrsfischen Zeitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'!che Buchdruckerri) bezogen 22; Lar., durch die Postämter 27 Lgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für da- Ausland excl- Stempel 22 Lgr. — Jnsenionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
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* Marburg, 21. Febmar.
Die Besserung im Befinden S. M. des Kaisers und Königs ist so weit vorgeschritten, daß sich der. selbe den StaalSgeschLsten wieder widmet, — Der Regierungspräsident zu Wiesbaden Graf zu Eulenburg ist zum BezirksprLsidenten in Lothringen ernannt «erden. — Im Herrenhause haben vorgestern die Lommissionsberalhungen über daS Schulaufsichtsgesetz begonnen. Cultusminister Dr. Falk und der Geh. Aach v. Kranach, als dessen Commissär, wohnten dieser ersten Sitzung bei, in welcher die Generaldis cussion beendet wurde. Gestern begann die Special herathung. — Vorgestern constituirte sich in Berlin mit 5 Millionen Gründungskapit-l die Deutsche Buch- hindlerbank mit dem Zweck: Centralisation des Berliner und Leipziger Cvmmissionrgeschäftes, Befriedigung der Creditbedürfnisse des deutschen Buchhandels und Anbahnung der nöthigen Reformen. Unter den Gründern befinden sich angesehene BolkSwirthe, Schriftsteller, Bankfirmen, Buchhandelfirmen, wie Gust. Hempel in Berlin und London, Rümpler in Hannover, Wigand und Hempel in Berlin, Friedrich harlknoch in Leipzig, W. Möser in Berlin u. A., al» Ban guter der Gesellschaft ist die Berliner Bank erwählt worden — In BreSlau ist vorgestern eine neue Wechslerbank unter Betheiligung nanihafter dortiger Bankfirmen gegründet worden. — Bei der Wahl eines Reichstagsabgeordneten für den zweiten oldenburgifchen Wahl bezirk (Varel) wurde OberappellationSrath Becker mit 4075 Stimmen gewählt. Der Gegencandidat Dr. Max Hirsch (Berlin) erhielt 2894 Stimmen. — Bischof Ketteier von Mainz wird demnächst sein Mandat als Reichstags-Abgeordneter für Tauberbischofsheim in Baden niederlegen. Der Hr. Bischof veröffentlicht die Motive seines Entschlusses zur Nieberlegung des Man batte ausführlich in einer Broschüre, die in diesen Tagen die Presse verlassen wird. — Der Prof, der Theologie und namhafte Orientalist Oehler in Tübingen ist vorgestern Abend gestorben.
Im österreichischen AbgeordnetenhvuS legte die Regierung gestern eine Kreditforderung im Betrage bpn 5 Millionen zu den Theuerungsbeiträgen für die Staatsbeamten pro 1872 vor. Eine Ministerial Commission wird die defiuintive Regelung der Gehalts- Verhältnisse ausarbeiteu. Hierauf folgte die zweite Lesung des NothwahlgesetzentwurfeS. Grocholski erklärte Namen« der Polen, daß fie gegen den Gesetz entwurf stimmen würden, weil sie denselben al« einen
Sme Geschichte »en der Dankbarkeit.
Historische Skizze von I. E.
(Fortsetzung.)
Der Preuße erhob sich. „Ich hoffe, in zwei Wochen dem Herrn Vetter zu seiner wiedererlangten Freiheit, zu wiederhergrstelller Ehre und Reputation gratukircn zu können!" sagte er feierlich; dann verbeugte er sich und ging. Ter Pandure sah ihm grimmig nach.
„Eingebildeter Affe, der! Muß mir gerade in den Weg laufen!" murmelte er und ballte die Faust. „Er glaubt wohl gar, ich sei ihm Dank schuldig? Als ob ich nicht ohne ihn mit den Hundsfotten fertig gewor- ben wäre! Freilich, wenn ich die Spitzbuben noch bereichern gewollt hätte, da wäre ich längst in Ehre und Gnade. Da hat mir der Preuße einen herrlichen Dienst erwiesen! — Ich ihm Dank schuldig! — Unerträglich. — Dieser Großhan«! Stellt sich mir gleich, weil er sich auS ein paar schlecht verwahrten Festungen salvirte und von seinem Könige der Feindschaft gewürdigt wurde! — Unerträglicher Kerl! — Ich ihm Dank schuldig?"
ES wurde angepocht; zwei junge Männer in Uniform traten in daS Zimmer.
„Ah, Herr Lieutenant!" rief er dem Einen zu, «schön, daß Sie Wort halten. Ist dies der Herr d. Weyrauch, der unüberwindlicheEsFechter, von dem Sie mir neulich sprachen?"
Der Herr v. Weyrauch verbeugte sich. „Unüberwindlich vielleicht, so lange ihm kein Trenck gegen- über steht."
„Freilich,* entgegnete der Pandure wohlgefällig, «meinen Hieben sind Sie wohl nicht gewachsen. Aber ^as preußische Windbeutel anbelangt — Meine Her- rni, ich werde Ihnen heute einen Stoß zeigen, mit
Eingriff in die Landtagsrechte ansähen. Mende be kämpfte diese Erklärung. Nachdem der Minister deS Innern erklärt hat, daß es in der Absicht der Re. gierung liege, eine Wahlresormvorlage einzubringen, sobald dies mit Aussicht auf Erfolg im Reichsralh geschehen könne, wurde der Nothwahlgesetzcntwurf bei namentlicher Abstimmung mit 104 gegen 49 Stimmen, also Zweidrittelmajorität, in zweiter und dritter Lesung angenommen. — Die Meldung der „N. Fr. Pr." von angeblichen Reclamationen auswärtiger Mächte anläßlich des galizischen Ausgleichselaborats wird von kompetenter Seite für unbegründet erklärt.
In der vorgestrigen Sitzung de« englischen Unterhauses wurde das von Croß gegen die Regierung beantragte Tadelsvotum wegen Ernennung Colliers zum Mitglied des Geheimenrathes mit 268 gegen 241 Stimmen verworfen. Enfield erklärte auf eine Bemerkung Grave«, die französische Regierung werde keine Differenzialzölle auf die in englischen oder französischen Schiffen eingeführten Gespinnste, indische und australische Wolle erheben, überhaupt keine Zölle außer ven durch den Handelsvertrag von 1860 vorgeschriebenen , auferlegen. — Das Kriegsbudget normtet die effective Stärke des Heeres um 1398 Mann niedriger als im Vorjahre. — Die „Times" schreibt: Im Falle Amerika seine Ansichten nicht ändere, werde England weder von dem Vertrage zurücktreten, noch denselben widerrufen, sondern einfach die eingenommene Stellung behaupten, bereit, die übernommenen Verpflichtungen zu erfüllen und etwaige neue Vorschläge Ame- rika's freundlich aufzunehmen.
Das Amtsblatt zu Rom veröffentlicht ein Dekret der Regierung, wodurch die italienische Gesandtschaft in Karlsruhe aufgelöst wird. — Die „Opinione" er fährt, die Kammer werde auf den 28. Februar ein- berufen. — Prinz Friedrich Karl von Preußen stattete vorgestern dem Kronprinzen Humbert und der Prinzessin Margaretha einen Besuch ab. Neueren Bestimmungen zufolge wird sich der Prinz einige Zeit in Rom aufhalten, bevor derselbe die Weiterreise nach Aegypten antritt.
In Portugal haben die letzten Regengüsse schreckliche und zahlreiche üeberschwemmungen angerichtet. Die Ländereien der Vallava find unter Wasser, die Dämme gebrochen. Die Regierung beeilte sich, den Ueberschwemmten mit Lebensmitteln zu Hülfe zu kommen.
AuS Konstantinopel wird gemeldet: „Vidov-
dem ich meinen Gegner jederzeit unfehlbar in'S Jenseits spedirt habe."
Am Abend des gleichen Tages verließ der preußische Trenck das Gefängniß seines Vetters, dem er soeben über die Verwendung der erhaltenen Gelder Rechenschaft abgelegt hatte. Als er über den Hof ging, sah er, daß ihm zwei Männer in grauen lieber rocken folgten; unter dem Thore drängten sie sich au ihm vorbei. Der Eine trat ihm auf den Fuß, der Andere sprach von hergelaufenen preußischen Verräthern und Memmen. Hastig fuhr Trenck nach dem Degen; doch bezwang er sich und ging weiter. In der nächsten Straße wandte er sich um.
„Heran, wer etwas will!" rief er dm Beiden zu; schon hatte aber einer derselben den Degen gezogen und stach nach ihm. „Feige Meuchler!" schrie Trenck wüthend und stürzte mit gezückter Waffe auf seine Verfolger los; diese ergriffen die Flucht. An der Ecke strauchelte der Eine, Trenck riß ihn am Rockkragen auf und schlug mit der flachen Klinge auf ihn los. Der Andere joar verschwunden. Eine Minute später kam eiligen Schritts, durch den Lärm aufmerksam gemacht, eine Patrouille heran.
„Faßt diesen heimtückischen Schurken!" ries Trenck und hielt den sich Windenden fest. Der Unteroffizier trat hinzu und wollte nach diesem greifen. Al« aber Trenck ihn losließ, richtete er sich auf und öffnete seinen Ueberrock.
„Ah, vom Kolowrattschm Regiment!" murmelte der Unteroffizier und trat zurück.
„Faßt diesen Sttaßenräuber", befahl der Offizier und zeigte auf Trenck. „Ich werde Klage gegen ihn erheben; mein Name ist v. Weyrauch."
Trenck protestitte umsonst. Er wurde mitgeschleppt. ES gelang ihm erst am folgenden Morgen, gegen Kau-
dan" meldet, daß die Proclamirung des Prinzen Jzzedin zum Thronfolger unmittelbar bevorstehe. — Die Regelung des Tabakregiewesens wurde noch nicht angenommen. — Die Ernennung eines bulgarischen Exarchm wurde vertagt.
Eine Depesche aus Washington, 19. Febr., meldet: Das Repräsentantenhaus hat die Bill, die Abschaffung des Zolls auf Kaffee und Thee bett., angenommen. — Die Bremer Dampfer „Main" und „Newyork" find letzten Sonntag, Nachmittags 3 Uhr, in Newyork eingetroffen.
Deutsches Strich.
•• Berlin, 20. Febr. Je mehr der Frühling heranrückt, desto bestimmter treten die Gerüchte über die beabsichtigten Badecuren Sr. Majestät des Kaisers während des Sommers auf. Es kann versichert werden, daß bis jetzt hierüber kein definitiver Beschluß gefaßt ist. Dies erlaubt weder die politische Lage, da nicht vorauSzusehen ist, wenn die Anwesenheit des Monarchen in Berlin entbchrt werden tarnt, noch auch sind die Aerzte bereits jetzt im Stande, ein Gutachten über die für die Gesundheit Sr. Majestät nöthigen Maßregeln abzugeben; doch ist mit einiger Sicherheit anzunehmen, daß eine Wiederholung der Emser Cur alljeitig ins Auge gefaßt wird. — Die von vielen Blättern gemeldete, in Aussicht stehende Berufung mehrerer verdienter Generale und Feldherren ins Herrenhaus ist bis jetzt nirgends widerlegt worden. Falls die Regierung wirklich zu einem solchen Schritte entschlossen ist, würde man irren, demselben einzig und allein Parteirücksichten zuzuschreiben und ihn als eine Gelegenheitsmaßregel anzusehen. Die Krone hat von ihrem Berufungsrecht seit langer Zeit einen so eng gemessenen Gebrauch gemacht, daß fie nur auf den Gedanken, welcher der Schöpfung des Herrenhauses ursprünglich zu Grunde lag, zurückkommt, wenn sie denjenigen Persönlichkeiten, die im höchsten Maße ihr Vertrauen verdienen, da sie sich um das Vaterland durch Rath und Thal verdient gemacht haben, in demselben eine Stellung gibt. — Zu dem Gesetzentwurf, die Reichsbeamten betreffend, sind Seiten« der competenten Ausschüsse deS BundeSratheS mehrfache Abänderungen vorgeschlagen. Der Reichskanzler ist diesen Anträgen beigetreten, hat aber auch seinerseits noch neue Zusätze in Vorschlag gebracht. Hervorzuheben ist besonders der Zusatz de« Bundes- ratheS, wonach mit einem Reichsamte nicht nur ein
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tion frei zu kommen. Kaum war er in seiner Wohnung, als ihm ein Lieutenant Bnssy gemeldet wurde.
„Ich komme im Auftrage meines Freundes Weyrauch", begann dieser nach flüchtigem Gruße. „Sie haben denselben trotz seiner Uniform in einer Weise mißhandelt, die nur durch den Tod des Einen oder Andern gesühnt werden kann.
Trenck lächelte grimmig. „Stehe zu Diensten, mein Herr LieutenantI" erwiderte er; „habe ich vielleicht das Vergnügen, in Ihnen den Spießgesellen de« Hundsfottes zu erblicken?
„Mein Herr!" rief der Offizier und trat einen Schritt zurück.
„Bitte, Bitte!" fiel ihm Trenck mit höhnischem Lachen in'S Wort. „Ich werde heute Nachmittag Ihnen und Ihrem würdigen Freunde Rede stehen. Es soll mich freuen, die Armee Ihrer kaiserlichen Majestät von zwei so miferabeln Kerls zu säubern. Oder ziehen Sie die Peitsche vor?" fuhr er fort, al« der Offizier nach dem Degen griff.
„Sie werden mir büßen!" entgegnete dieser mit vor Wuth erstickter Stimme und stieß den Degrtt in die Scheide zurück
„Vergeffen Sie nicht," rief Trenck dem Davongehenden nach, „Ihre Sachen hienieden zu bestellen, und bringen Sie außer dem Feldscheer gleich Ihren Beichtvater auf den Platz."
Hierauf öffnete er seinen Waffenschrank und la« sich einen Degen auS. Sorgfältig prüfte er Spitze und Schneide; bann steckte er ihn zufrieden in daS Gehenke. Nach Tische suchte er seinen Vetter auf.
----------- (Schluß folgt.)
Wälder xn» Bäume iw eiten Deutschland.
(Schluß.)
Die heiligen Bäume der alten Deutschen waren ohne Zweifel nur Ueberrefte der heiligen Wälder.