kauntlich die Menschen leichter anwerben, als zur Opposition, in welcher sie ihr vermeintliches, selbstständiges Urtheil zu bekunden wähne». Es ist zu wünschen, daß die durchaus unmotivirte plötzliche Oppositionslust der conservativen Partei noch rechtzeitig einer besonnenen Ueberlegung Platz macht und so der Vorlage im Herrenhause ein freundlicherer Empfang bereitet wird, als man anfangs zu hoffen wagte. Die Erläuterungen, welcher die „Norkb Allg. Ztg." und die „Spen. Zeitung" dem Ge setze haben angedeihen lassen, werde» auch dazu beigetragen haben, das Unheil zu klären. Was man über Beschlüsse der Regierung mittheilt, um die Vorlage dcfiniliv sicher zu stellen, beruht theilS auf Wünschen, theils auf Conjecturen; nur daran muß nach de» bestimmten Erklärungen des Fürsten Bismarck und des CultusministerS festgehalken werden, daß sie das Gesetz für absolut nothwendig erachtet, um den Staat gegen staatsfeindliche und antinationale Wühlereien erfolgreich vertheidigen zu köniien und jedes ihr zu Gebote stehende Mittel benutzen wird, dasselbe durchzubringen. — Dem Bundesrathe ist ein aus sieben Paragraphen bestehender Gesetzentwurf über die amtliche Geschäftssprache in Elsaß - Lothringen zuge gangen. Erlasse, Verfügungen, Entscheidungen aller Art, sowie Verhandlungen, welche schriftlich ausgenommen werden, muffen deutsch abgefaßt sein. Französischen Privaturkunden, welche zur Einregistrirung präsentirt werden, muß eine deutsche Uebersetzung beiliegen. Die Verhandlungen vor den BezirkSräthen und kaiserlichen Rächen finden deutsch statt, zur Verhandlung mit denen, die der deutschen Sprache unkundig sind, wird ein Dollmctscher zugezogen. Das Gesetz tritt mit dem 1. Juli d. I. in Kraft. In denjenigen Lan- destheilen, wo die französische Bevölkerung überwiegt, darf noch über diesen Zeitpunkt hinaus den öffcnt lichen Bekanntmachungen eine französische Uebersetzung beigegebcn und dürfen Eingaben in französcher Sprache eingereicht werden. — Einige Zeitungen erzählen, Hr. v. Bennigsm sei an Stelle des Grafen Stolberg zum Oberpräsidentcn von Hannover ausersehen. Es ist bereits mitgetheilt, daß Graf Stolberg erst zum 1. Oe- tober d. I. zurücktreten wird und befindet sich die Regierung noch gar nicht in der Lage, ihm einen Nachfolger zu stellen. — Zum Präfecten von Metz ist, wie eS heißt, der frühere Regierungspräsident von Wiesbaden, Graf Eulenburg, bestimmt. — Hr. v. Flottwell wird wahrscheinlich die Leitung der Lippeschen Staatsgeschäfte übernehmen.
Letzten Donnerstag hat im Gebäude des Bundeskanzleramtes die deutsche Commission für die Beschickung der im Jahre 1873 zu Wien abzuhaltenden Weltausstellung ihre Sitzungen eröffnet. Als Com- miffarien Preußens waren zugegen: Wirkl. Geh. Ober-Reg. Ralh und Ministetialdirector im Handels- Ministerium Moser, Bergrath Medding, Reg.-Affeffor Niebcrding, Geh. Ober-Reg.-Rath und Präsident des Landes-Oeconomie-Collegiums v. Nathusius, Geh. Reg.- Rath und Generalsekretär des Landes - Occonomie- Collegiums v. Salviati, Eonsistorialrath Graf v. Unruh und Geh. Comm.-Rath Ravens; Bayerns: Mi- nisterialrath Barr und Hofrath und Universitäts-Prof. Wagner; Sachsens: Dr. Wieffner; Württemberg»: Dr. Stcinbeis; Badens: Ministerialrath Turban; Hessens: Geh. Rath Schleiermacher; Mecklenburgs: der mecklenburgisch-schwerinische Ministerialrath Dippe; Sachsens, Weimars und Reuß'S älterer Linie: Fabrik besitzer Kreilcr in Apolda; Braunschweigs: Prof. Var- rentrapp; Sachsen-Meiningens: Reg.-Rath Dr. Hain;
meiner Aufmerksamkeit. Diesen günstigen Augenblick benutzten seine Freunde, um für ihn ein Concert im großen Rcdoutensaale zu veranstalten, in welchem die neuesten Compositionen Beethovens zur Aufführung kommen sollten. Alles, was geigen, blasen und singen konnte, wurde zur Mitwirkung eingeladen, und es fehlte von den bedeutenderen Künstlern Wiens auch nicht einer. Ich und mein Orchester hatten uns na türlich auch angeschloffen, und ich sah Beethoven zum erstm Male dirigiren. Obgleich mir schon viel davon erzählt war, so überraschte es mich doch in hohem Grade. Beethoven hatte sich angewöhnt, dem Orchester die Ausdruckszeichen durch allerlei sonderbare Körperbewegungen anzudeuten. So oft ein sforzando vorkam, riß er beide Arme, die er vorher auf der Brust kreuzte, mit Vehemenz auseinander. Bei dem piano bückte er sich nieder, und um so tiefer, je schwächer er es wollte. Trat dann ein crescendo ein, so richtete er sich nach und nach wieder aus und sprang beim Eintritte des forte hoch in die Höhe Auch schrie er manchmal, um das forte noch zu verstärken, mit hinein, ohne eS zu wissen.
Seyfried, dem ich mein Erstaunen über diese sonderbare Art zu dirigiren auSsprach, erzählte von einem tragt komischen Vorfall, der sich bei Beethoven's letztem Concert im Theater an der Wien ereignet hatte.
Beethoven spielte ein neues Pianofortcconcert von sich, vergaß aber schon beim ersten tutti, daß er Solospieler war, sprang auf und fing an, in seiner Weise zu dirigiren. Bei dem ersten sforzando schleuderte er
R.uß's jüngerer Linie: Kaufmann und Vicepräsident der Handelskammer in Gera Mayer; Hamburgs: Bildhaucr Vicvis.
Konstanz, 16. Febr. Schon früher wurde von badischen Blättern berichtet, daß Angehörige der hiesigen Garnison die nahe Schwcizergrenze zu häufigen Desertionen benützten und daß deshalb die Absicht vorliege, das Regiment von hier zu verlegen. Alle Nachrichten dieser Art wurden daun dementirt; neuerdings aber melden St Galler Blätter: „Letzten Donnerstag traf ein Deserteur aus Konstanz mit Pickelhaube und voller militärischer Ausrüstung in St. Gallen ein. Er hatte mit zwei Andern, denen die strenge preußische Militärdisciplin ebenfalls nicht gefiel, das Weite gesucht."
Oesterreich - Ungarn.
Wien, 15. Febr. In der Abendsitzung des Verfassungs-Ausschusses vom 15. d M. erklärte der Pole Grocholski, seine Partei könne nicht für das Noch Wahlgesetz stimmen, nachdem sich dasselbe gegen die Polen zuspitze. Thatsächlich bedarf eS in diesem Falle der Zustimmung der Polen nicht, um dem Gesetzent wurf zur Majorität zu helfen, da die Verfassungs Partei an den Südländern Zuwachs erhält, die mit ihr stimmen werden. Allein charaktcrisirt wird dadurch die polnische Politik, die in demselben Augenblicke, wo ihr die Verfassung Mittel bieten will, die Autonomie Galiziens in nie dagewesenem Grade zu entwickeln, es nicht verschmäht, sich so unverhohlen als verfassungsfeindlich zu erklären. — In der Schwur- gerichtsverhandlung gegen das Journal „Zastava" wegen eines Artikels über die angebliche Theilnahme der ungcrrischen Regierung an der Verschwörung gegen den Fürsten Michael von Serbien wurde der Verfasser Popovics zu achtzehnmonatlicher Gcfängnißstrase und 500 st. Geldstrafe verurtheilt.
Frankreich.
Paris, 16. Febr. Die National Versammlung nahm vorgestern in zweiter Beralhung das Project an, welches der Familie des am 18. März mit dem General Lecomte in Montmartre ermordeten Generals Clement Thomas eine Pension von 4000 Fr. bewil ligt. Die weitere Discussion war ohne Interesse. — Heute fanden in der Kirche Saint Augustin die Be- gräbnißfeierlichkeiten statt für den verstorbenen Abgeordneten Conti, ehemals Cabinetschef Napoleons III. Eine zahlreiche Volksmenge war anwesend. Rouher, welcher nach der Ccremonie die Kirche zu Fuß verließ, wurde von einem Haufen von etwa 500 Personen gefolgt, die „eS lebe Rouher" riefen. Ein anderer Zwischenfall ereignete sich nicht. — Die Alabamafrage hat hier ein Stelldichein mehrerer nordamerikanischer Advocaten und Diplomaten veranlaßt; so sind Davis, Agent der Verein. Staaten beim Genfer Schiedsgericht, sowie Cushing, Ewart und White, Advocaten der Union, angekommen, ferner ein gewisser Orvillc Grant, übrigens kein Verwandter des Präsidenten; auch Hr. Bancroft, der Unionsgesandte in Berlin, verweilt hier; ein Theil der Herren traf auf der Durchreise hier ein. — Das Kriegsgericht hat Blanqui zur Deportation nach einem befestigten Platze verurtheilt. — In Eorsica fanden einige Unruhen statt, wobei es einen Tobten und einen Verwundeten gab. Die Ruhe ist wiederhergestellt.
Grsßbritanme«.
London, 15. Febr. Aytoun interpelliere vor gestern im Unterhause wegen Uebernahme der holländischen Besitzungen an der Westküste Africa's. Fowler erklärte sich mit der Uebertragung einverstanden. Der
die Arme so weit auseinander, daß er beide Leuchter vom Klavierpult zu Boden warf. Das Publikum lachte und Beethoven war so außer sich über diese Störung, daß er das Orchester aufhören und von Neuem beginnen ließ. Seyfried, in der Besorgniß, daß sich bei derselben Stelle dasselbe Unglück wiederholen werde, hieß zwei Chorknabe» sich neben Beet Hoven stellen und die Leuchter in die Hand nehmen. Ter Eine trat arglos näher und sah mit in die Klavier stimme. Als daher das verhängnißvolle sforzando hereinbrach, erhielt er von Beethoven mit der ausfahrenden Rechten eine so derbe Maulschelle, daß der arme Junge vor Schrecken den Leuchter zu Boden fallen ließ. Der andere Knabe, vorsichtiger, war mit ängstlichen Blicken allen Bewegungen Beethoven's gefolgt, und eö glückte ihm daher, durch schnelles Nu- derbücken der Maulschelle auszuweichen. Hatte daS Publikum vorher schon gelacht, so brach eS jetzl in einen beinahe bacchanalischen Jubel aus. Beethoven gerieth dermaßen in Wuth, daß er gleich bei den ersten Accorden des Solo ein halbes Dutzend Saiten zerschlug. Alle Bemühungen der echten Musikfreunde, die Ruhe und Aufmerksamkeit wieder herzustellen, blieben für den Augenblick fruchtlos. Tas erste Allegro des Concerts ging daher ganz für die Zuhörer verloren. Seit biejem Unfälle wollte Beethoven kein Concert wieder geben.
(Schluß folgt.)
— Das officielle Verzeichniß der Professoren an der neuen Hochschule zu Straßburg, auf deren Zusammenwirken
Unter-Staatssecretär im Colonial-Amie erklärte, es handle sich um keine eigentliche Abtretung, sondern die Holländer wünschte» einfach die Niederlassung z„ räumen, und es sei ihnen angelegentlich darum zu thun, den benachbarten Engländern ihre Forts im Interesse der Civilisation zu übertragen. Die Angaben für die zurückgelassenen Vorräthe rc. würden von der Colonie an der Goldküste getragen werden. Es werde durchaus nicht beabsichtigt, irgend Jemandem die britische Schutzherrschaft aufzudrängen, allein man erwarte, daß die Uebertragung nicht nur die Verwaltung der englischen Niederlassungen einfacher und billiger machen werde, sondern daß dieselbe neben bet Entwicklung des Handels auch Frieden und Civilisation unter den Eingeborenen fördern werde. Die „Vorlage zur Verhinderung ansteckender Krankheiten und zum befferen Schutze der Frauen" wurde daraus vom Minister des Innern mit dem Bekenntnisse ein- gebracht, dieselbe enthalte nur ein geringes Maß bet Bestimmungen und Beschränkungen, deren günstige Wirkung durch den Bericht der UntersuchungS Commission festgestellt sei. Es folgte eine kurze Erörterung, welche die schroff einander gegenüberstehendeu Ansichten' bezüglich dieses Gegenstandes scharf zum AuS- drucke brachte. — Die Livingstone-Expedition ist bereits nach Zanzibar unterwegs. Die Regierung ha! 'hr zwei Empfehlungsschreiben mitgegeben, eines an den Sultan von Zanzibar, das andere an Dr. Kirk, bett dortigen englischen Vertreter.
Spanien.
Wkadrid, 6 Febr. lieber die Verbreitung bei Sozialismus von der Farbe der Internationale unter den spanischen Arbeitern, wird der „Köln. Ztg." von hier geschrieben: „Die socialdemokratischen Arbeitervereine, die mehr oder minder ihr Feldgeschrei und Stichwort von der Jnternasionale erhalten, haben in den letzten beiden Jahren, wie ich aus besonders guter Quelle erfahre, in Spanien sehr bedeutende Ausdehnung genommen, und mag es zu hoch gegriffen fein, wenn man ihnen mehr als hunderttausend Mitglied« zuschreibt, so ist eS doch nicht zu bezweifeln, daß ihnen mehr als die Hälfte dieser Zahl von Arbeitern angehört. Die Gründung solcher Gesellschaften begann schon im Jahre 1865 in Barcelona, dem spanischen Manchester, in dessen zahlreichen Fabriken 8- bi« 9000 Franzosen arbeiten, die für die communistischen Lehren empfänglicher sind, als die Spanier, welche einerseits nicht viel zum Leben bedürfen, andererseits meist der Bildung ermangeln, welche nothwendig ist, um sich für weitaussehende politische und sociale Fragen zu interessire». Begünstigt durch die Revolution, welche 1868 Alles ins Schwanken brachte und eine f.ste Handhabung der Gesetze erschwerte, breitete sich die Bewegung von dort zunächst nach Bilbao, bann nach Valencia, Sevilla unb Mabrib au«, wo es eben falls eine Fabrikarbeiter- Bevölkerung gibt, unb gegenwärtig exiftiten in Spanien einige neunzig Vereine, bie mehr ober minber ben Weisungen folgen, welche ihnen von Barcelona, bem Centrum ber Bewegung, zukommen, wo die Baumwollenweber sich bereits mit Strikeö versucht haben. Sogar auf Majorka und selbst auf den Cararischen Inseln hat das Glauben»- bekennlniß dieser gefährlichen Heiligen Anhänger gefunden und den Zusammentritt von Arbeitervereinen veranlaßt, die auf die Worte von Marx und Ge- nossm schwören. Diese» Evangelium wird ihnen durch das in Madrid erscheinende Blatt „La Solidaridao' vermittelt, welches als der Moniteur der Londoner Obern zu betrachten ist, so wie durch daS, wie ich
bereits im ersten Semester (Sommersemester 1872) zu rechnen ist, weist folgende Docenten auf: 1) Theologische Facultäl- Bruch für Dogmatik; Reuß für alttestamentliche und Cuniss für neutestamentliche Exegese; Schmidt für Kirchengeschichte; Baum für praktische Theologie (diese Herren waren schon unter französischer Landeshoheit in Straßburg thätig)- 2) Juristische Faeultät. Die zwei Romanisten sind Köppen unb Bremer; die zwei Germanisten Laband und Brunner, von welchen der Erstere noch Staatsrecht und der Letztere noch Encyklopädie vertritt. Hinschius für Kirchenrecht und preußisches Landrecht mit Civilproceß als Nebenfach; Schulz« für Civilproceß; Binding für Strafrecht, Strafproceß uni Staatsrecht; Löning (Prof, extraord.) für Verwaltungsrecht; 3) Medicinische Faeultät. Waldeyer für Anatomie; Hoppe- Seyler für physiologische Chemie; v. Recklinghausen füi pathologische Anatomie; Schmiedeberg für Arzneimittel- Lehre; Leyden für innere Pathologie; Lücke für Chirurgie; Gnfserow für Gynäkologie und Gedunshülfe; v. Krast-Ebinz (Prof, extraord.) für Psychiatrie: Laqueur Pros, extraord.) für Ophthalmologie. 4) Philosophische und naturwissenschaftliche Facultät. Weizsäcker für mittelalterliche Geschichte; Baumgarten für neuere und universelle Geschichte; Spring« für Kunst- und Kulturgeschichte; Heiz für klassische Philologie ; Köhler für griechische Alterthumswiffenschast; Stüde- mund für klassische Philologie, Wibmans (Prof, extraord.) für römische Alterthumswissenschaft; Weber (Pros, extraord) für Philosophie; Laas für deutsche Literaturgeschichte uni Geschichte der Philosophie; Liebmann (Prof, extraord.) Philosophie; Kundt für Physik; Bayer für Chemie; de Bary für Botanik; Schimper für Geologie unb Paläontologie- Erst zum Herbste sollen besetzt werden die staatswiffenschast- lichen Fächer, die Stühle für Völkerrecht und französische» Civilrecht, für orientalische, romanische und altdeutsche Philologie, Archöologie, Astronomie, Aerophisik und mathematische Physik. Desgleichen wird erst im Herbst seine Vorlesungen beginnen der Dogmatiker H. Schulz aus Basel-
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