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Marburg, Sonnabend, den 17. Februar.

1872

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dürften. Die Regierung beanstande die zu den ersten sieben Paragraphen gemachten Aenderungs-Vorschläge nicht, widersetze sich dagegen der Fassung deS §. 8, in Verbindung mit dem §. 21, welcher das Abgeordneten Haus mit der Oberrechnungskammer in direkten Ver­kehr setzen soll, sowie auch im Interesse der Lan­desvertretung selbst gegen die Aenderung des §. 9 Unannehmbar endlich seien die Aendcrungen der §§. 16, 17 und 18. Die Regierungsvorlage entspreche ausdrückiich dem Beschlüsse deS Landtages, daß an Stelle der Titel des Haushaltsetats die Titel des SpecialetatS zu treten hätten. Rach diesen Gesichts­punkten hätte fortan die Etatsfeststeüung zu erfolgen; es würde das allerdings schwierig sein, allein er habe den redlichen Willen, das Richtige zu treffen.

Schluß der GeneralbiScussion. Nächste Sitzung Freitag.

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materiellen Prärogativeder Krone durch die Commissions­beschlüsse nicht verletzt würden, und gesteht zu, daß justificircnde Cabinelsordres nicht mehr stallstnden

unentgeltlichen Volksschulunterricht, aber gegen den Antrag Frankenburger und mit dem Modificationsan- trag Marquardsen's einverstanden, soweit der Antrag die Regierung zur Prüfung über die Ausführbarkeit der Herstellung des uncntgentlichen Volksschulunter- richtS veranlassen soll. Bei der Abstimmung wurde der Antrag Frankenburger abgelehnt, womit auch der Modificativnsantrag fiel.

Kronprinz Rudolf von Oesterreich, gegenwär­tig in Ösen, ist an den Rötheln leicht erkrankt, jedoch ist sein Befinden bei mäßig auftretenden Symptomen befriedigend.

Der eidgenössische Ständerath hat gestern die Berathung der Bundesrevision wieder ausgenommen. Derselbe strich bei Feststellung des Geschäftskreises der beiden Räthc die vom Nationalrath beschlossene Be­stimmung, welche die Wahl des Generalstabschefs, so­wie die Anerkennung auswärtiger Staaten und Re­gierungen diesen Körperschaften überwies. Die ge­nannten Machtbefugnisse verbleiben also dem Bundesrath.

Graf Chambord ist in Antwerpen angekommen und wird vorerst daselbst wohnen.

Die bisherigen Zeitungsnachrichten über das Ein­treffen der amerikanischen Antwort auf die englische Depesche sind verfrüht. Aus zuverlässiger Quelle ver­lautet, daß die Antwort nicht vor dem 24. Febr. zu erwarten sei. — Die amtliche Zeitung theilt mit, daß die Königin dem zurückgetretenen Sprecher des Unter­hauses für ihn und seine Leibeserben die Würde eines Viscounts des Vereinigten Königreichs ertheilt habe, mit dem Titel Viscount Ossington of Ossington, in der Grafschaft Nottingham. Dienstag Abend nahm der neue Peer bereits seinen Sitz im Oberhause ein.

Laut Meldung aus Madrid ist das brasilianische Kaiserpaar in Burgos angekommen.

Aus Konstantinopel.14. Febr. wird gemeldet: Der Großvezier hat ein Decret erlassen, in welchem es heißt: In Anbetracht, daß das ökumenische Pa­triarchat zwischen der bulgarischen und griechischen Bevöl­kerung Spaltungen herbeizuführen sucht, welche die Regierung zu verhindern bemüht gewesen ist, wird in Ausführung des kaiserlichen Fermans ein bulgarisches Exarchat eingesetzt. Die Verantwortlichkeit für diese Maßregel falle auf das Patriarchat, welche- dieselbe veranlaßt habe, zurück.

Schir Ali, der Mörder des Vicekönigs von In­dien, ist zum Tode durch Hängen verurtheilt.

3» Straßburg.

Erzählung von Emilie Heinrichs.

(Schluß.)

Der October neigte sich bereits zu Ende; Onkel Sanneman» ließ sich nicht mehr zurückhalten.

Es war am letzten Abend vor der Abreise, Stauffen ließ den Kopf hängen und sprach von Südfrankreich und den Franclircurs, die sich rin Vergnügen daraus machten, lebensmüde Deutsche in'S Jenseits zu befördern. .

Da entschloß sich Bertha zu einem enffcheidenden Schritt, weil die deuffchen Lectionen zu keinem Resul­tate kommen wollten.

Ferdinand saß vergnügt in einem weichen Seffel, von Bequemlichkeiten aller Art umgeben. Johanna las ihm die neuesten Zeitungen vor und lächelte schon mit ihm über die Phrasen der Lustballonhelden.

Die Lectionen schienen also bereits wunderbare Erfolge aufzuweisen.

Leise war Bertha eingetreten und horchte aufmerk sam zu. Ein Lächeln glitt über ihr schalkhaftes Gesicht.

Johanna war mit ihrer Lectüre zu Ende.

„Du liesest da» Deutsche sehr gut, liebe Johanna!" uahm Bertha rasch das Wort.

„ES ist ja auch ihr« Muttersprache," bemerkte Ferdinand lächelnd.

„Ganz richtig," -fuhr Jene ruhig fort, „doch kann «ur ein Zauber ihre Ketten lösen, Dir ist es gelun gen, Vetter!"

„Bertha!" rief Johanna erglühend.

»Ach, spielt nicht länger die Heiligen, Kinder!"

Bem Landtage.

HauS der Abgeordneten. 31. Plenar-Sitzung vom 15. Februar 1872.

Präsident v. Forckenbeck eröffnet die Sitzung um lli/4 Uhr Vorm.

Am Ministertische Graf zu Eulenburg, Camphausen.

Erster Gegenstand der Tagesordnung: Interpella­tion Löwe, betr. den Grenzverkehr an der russischen Grenze. Die Interpellation, welche in Veranlassung eines im Orlelsburger Kreisblatt enthaltenen, die Ausweisung polnisch-russischer Unterthanen betteffenden landräthlichcn Erlasses die Wiederherstellung der durch Aufhebung der Cartelconvention mit Rußland fortge- faüenen Auslieferung befürchtet, wird vom Minister Grafen Eulenburg durch die Erklärung erledigt, daß jene Verfügung auf allgemeinen, von ihm erlassenen Anordnungen beruhe und nur gegen die Masse von Gesindel, das sich an der Grenze herumtreibe, gerichtet sei, nicht aber gegen militärpflichtige russisch polnische Unterthanen; diese würden als brauchbare Arbeiter überall gerne verwendet.

Zweiter Gegenstand der Tagesordnung: Bericht der Finanz und der HandclScommission über den Ent wurf, betr. einige Abänderungen des Gesetzes vom 30. Mai 1820 und 19. Juli 1861 wegen Entrich­tung der Gewerbesteuer für daS Müllergewerbe. Der Gesetzentwurf besteht nach den Beschlüssen der Com­mission aus 4 Paragraphen; § 1 wird zu Gunsten der Regierungsvorlage abgelehnt, die 2—4 da-

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Deutsches Reich.

•• Berlin, 15. Februar. Vor einigen Tagen brachte die „Kreuzzeitung" ohne Angabe der Quelle eine Berichtigung der Aeußerung des Grafen Bismarck,

Was sollte er thun?

„Einwilligen, Freundchen! Segen geben," rief Onkel Sannemann, der mit Bertha und Stauffen leise gefolgt war, „Straßburg ist erobert, — bin hier ebenfalls in eine Falle gegangen."

Günther dachte an den Reichthum der Hamburger Firma, er war doch mehr Kaufmann als Franzose.

„In Gottes Namen denn," sprach er lächelnd, „hätte nimmer geglaubt, daß aus dieser blusigen Saat des Hasses die Liebe emporsprießen könne."

„Ich Hube die Wette verloren, Bruderherz!" rief Stauffeu fröhlich, „komme zu Dir nach Hamburg, um Hochzeit zu machen."

Wenn die Friedenssonne scheint," nickte Onkel Sannemann.

„Da werde ich doch sogleich eine Petition an König Wilhelm richten," meinte Bertha, „und ihn unter Darlegung unserer Gründe um ein rasches Bombardement von Paris bitten."

„Grausames Kind!" lächelte Johanna melancholisch.

„Verdopple die Lectionen, Vetter!" nickte Bertha pathetisch, „da« Franzosenthum rührt sich wieder."

Onkel Sannemann reiste mit seiner Bertha heim, doch nicht, ohne vorher einen Abstecher nach Heil­bronn gemacht zu haben, um Stauffen's Eltern durch die reizende Schwiegertochter von ihrem Preußenhab zu heilen, welches ihr um so leichter gelang, als der Sohn ihnen schon von seiner LebenSrettung geschrieben und ein begeistertes Bild von Bertha entworfen hatte.

Das Brautpaar in Straßburg aber erhielt auS Hamburg ein Telegramm, des Inhalts:

Ersteint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfische« Zeitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Roch'sche Buchdruckerei) bezogen 22; egt., durch die Postämter 27 ®gt. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für daS Ausland excl. Stempel 22 ®gr. — Jnfertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

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'Marburg, 16. Februar.

Das Staatsministerium trat gestern Mittag 2 Uhr im Sitzungszimmer des Abgeordnetenhauses unter Vorsitz des Ministerpräsidenten Fürsten Bismarck zu einer Sitzung zusammen, deren Berathungen, dem Ver­nehmen nach, den augenblicklich schwebenden confessio- nellen Fragen galten. — Die „Nordd. Allgem. Ztg." setzt der Behauptung der Bonner ultramvntanen „Deutschen RcichSzeitung", daß die Kaiserin gegenüber aus dem Hofball am 8. Februar vorgestellten Abge­ordneten sich mißbilligend über daS Schulaufsichtsgesetz ausgesprochen habe ein entschiedenes Dementi entgegen. Vorstellungen von Deputirten hätten außer der Cour nach dem Ordensfeste überhaupt nicht stattgefunden. Die Kaiserin habe nicht die Gewohnheit, mit Fremden von politischen Dingen zu teben. — Der soeben er­schienene Bericht der Finanz-Commission der würtem- bergischen Abgeordnetenkammer enthält außer den bereits bekannten Anträgen hinsichtlich der Gesandschuftsposten den in Einstimmmigkeit beschlossenen Antrag, die Re gierung zu ersuchen, daß sie baldmöglichst Reductionen im Personal deS auswärtigen Ministeriums vornehmen und die Frage der Vereinigung desselben mit einem anderen Ressort in Erwägung ziehen möge. — Der baierische Kriegsminister hat im Abgeordnetenhause eine Vorlage eingebracht, betr. Gewährung eines Nach- tragcredits von 10,400,000 fl. aus dem Antheile an der Pariser Kontribution. Zu dem Anträge Franken- bnrger's, betr. Gründung eines Schulfonds von 10 Millionen aus den ContributionSgeldern behufs Her­stellung des unentgeltlichen Volksschulunterrichts, stellte Marquarvsen den ModificationSanttag, die SlaatS- regierung um eine diesbezügliche Vorlage zu ersuchen. Cullusminister Lutz erklärte sich im Princip für den

lachte die kleine Hamburgerin, „redet noch heute Abend mit dem Vater, oder so wahr ich Bertha heiße und glücklich werden will, ich nehme ihm die Binde von den Augen."

„Was fällt Dir ein, Mädchen?" rief Ferdinand, der nicht wußte, ob er lachen oder zürnen sollte.

„Ein grundgescheidter Gedanke, Vetter! — Ihr liebt Euch, das muß ein Blinder sehen, nun also, Ihr liebt, wir lieben und so weiter, Andere wollen auch heirathen, Euch aber den Vorrang lasten; man muß doch endlich vernünftig werden und in der deutschen Lection das Bindewort gefunden haben."

„Kind! Du machst mich toll mit Deinem Durch­einander," rief Ferdinand erstaunt.

„Begreift der Mensch aber schwer," seufzte Bertha.

Johanna umschlang sie und fragte leise: „Du und Lieutenant Stauffen?"

„Lieutenant Stauffen und ich, was ist dabei zu staunen, Kind Gottes? Wir haben das rechte Binde­wort gefunden, macht Ihr nun auch ein rasches Ende mit den Lectionen; er darf nicht eher mit meinem Vater reden, bis Straßburg von Hamburg bekehrt worden, das ist meine Bedingung —"

„Bertha! prächtige Cousine!" rief Ferdinand.

„Ruhig, Reconvalescent!" gebet das junge Mäd­chen mit kornischem Ernst, „ich schicke sogleich den Papa Günther her."

Sie eilte rasch hinweg.

Als der Kaufmann nach zehn Minuten in'S Zim­mer trat, fand er seine Tochter in Ferdinands Armen, der ihm bittend die Hand entgegenstreckte.

gegen werden angenommen.

Dritter Gegenstand der Tagesordnung: mündlicher |Un» Bericht der Justizcommission über den Gesetzentwurf zcsuch bett. daS zur Eheschließung erforderliche Lebensalter, rate»! Das Haus beschließt nach längerer Debatte Zurück- ----Weisung deS Entwurfs an die Commission.

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Vierter und letzter ©egenftanb der Tagesordnung: Gesetzentwurf, bett. Befugnisse der Oberrechnungs- kammer.

Finanzminister Camphausen hebt hervor, daß dar Haus mit Annahme der Regierungsvorlage einen wesentlichen Schritt in der versassungSmäßigen Fort­entwicklung des Staates thue. Bis zu einem gewissen . Grade war bisher der Vorwurf berechtigt, daß der Volks- 1 Vertretung zu viel verheimlicht worden sei und daß die gegebenen Mittheilungen bisweilen größerer Ausführ- llchkeit bedurft hätten, ein Mißstand, der eben in dein Mangel an einem Gesetze bezüglich der Oberrechnungs­kammer begründet gewesen sei. Der Minister erklärt seine Uebcreinftimmung mit dem Referenten, daß die