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JKarfiurg, Freitag, den 16. Februar.

1872

Oderhessische Zeitung.

«^scheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischen Zeitung mit Arei-blatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) besagen 22; Lar., durch die Postämter 27 Lgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 22 L-r. — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.

'Marburg, 15. Februar.

Die Erkältung Sr. Majestät des Kaisers und König« ist noch nicht so weit gehoben, daß ein Ver­losten deS Zimmers möglich ist. — Die vereinigten Ausschüsse deS Bundesralhes für Zoll und Steuer- wcsen und für Handel und Verkehr traten gestern zu einer Sitzung zusammen. Letzterer hat über das Con- sulatwesen deS deutschen Reiches Bericht erstattet und stellt den Antrag, die betheiligten Regierungen zu er» suchen, Anordnung zu treffen, daß die Landesconsulate, soweit solche an den Plätzen, wo bereits Reichscon sulc in Funktion sind, noch bestehen, fortfaßen. — Eine von deutschen Bürgern Posens zahlreich besuchte Vollversammlung beschloß eine Adresse an den Fürsten Bismarck, welche ihm für seine Haltung den Dank der Deutschen in Posen ausspricht, und hofft, daß be sonders auf dem Gebiete des deutschen Schulwesens bald dem polnischen Parteitreiben energisch Einholt gethan werde. — Die königl. sächsische Regierung erklärte sich gegen die sofortige Berathung eines aus der Mitte der liberalen Partei des Landtages einge­brachten Antrags auf Untersuchung der Frage, ob und inwieweit eine Verringerung des Personals der Staats beamten zulässig und durchführbar sei; derselbe wurde auf die Tagesordnung vom 15. d. gesetzt.

Im österreichischen Abgeordnetenhause brachten vorgestern Dr. Mayer Hoffer und Genossen eine Interpol lation ein darüber, ob die französische Regierung wegen des angeblichen Aufschlags zum Flaggenzoll bereit« Er­öffnungen gemacht habe, und wie die Regierung zum Schutze der österreichischen Industrie sich in diesem Falle zu verhalten gedenke.

Das eidgen. statistische Bureau hat der Verwaltung der Straßburger Bibliothek Namens des schweizerischen BundesraihS mitgecheilt, daß derselbe, die Bemühungen der (Santone zu Gunsten der Wiederherstellung der Straßburger Bibliothek unterstützend, ihr je ein Exemplar der BundeSpublicationen zuweise. — Der große Rath deS CantvnS Neuenburg faßte mit 47 gegen 34 Stimmen den Beschluß, die geistlichen Orden vom Unterricht aus den Volksschulen auszu schließen.

'Der französische Handelsminister de Goulard begibt sich nächsten Montag nach London, um die Verhandlungen über den Handelsvertrag persönlich zu leiten. — Die Regierung studirt ernstlich das Pro-

Zn Straßburg.

t Erzählung von Emilie Heinrichs.

^Fortsetzung.)

Die muchwillige Bertha war außer sich vor Ver gnügen über diesen Gedanken, bis der Vater ihr halb unwillig die laute Lust mit dem Hinweis auf den Kranken und den — tobten untersagte.

Das dämpfte augenblicklich das fröhliche Lachen des Hamburger Kindes, das den Ernst des Lebens noch so wenig empfunden.

Vierzehn Tage blieb Onkel Sannemann mit seiner Bertha in Straßburg. Die Großeltern waren aus telegraphischem Wege längst beruhigt und wenn auch der Onkel die allergrößte Sehnsucht nach der Heim, reise gezeigt, da ihm das Leben und Treiben in der jetzigen Weise hier gar nicht gefiel, so wußte doch Bertha dieselbe immer noch einen Tag hinauszuschie- den, zumal Johanna, wie sie sich jetzt consequent zum Erstaunen des Vaters nennen ließ, ihre treue Alliirte und Freundin geworden war, und sie gar nicht wieder iortlassen wollte, ja, dem erschreckten Onkel sogar den unerhörten Vorschlag machte, allein zu reisen und Bertha noch einige Zeit in Straßburg zu lasten.

Endlich erhielt er die Erlaubniß zur Heimkehr; Ferdinand konnte schon wieder einige Stunden des Tages außer dem Bette zubringen und nach Herzens­lust mit seiner blonden Germania deutsche Geschichte Lectionen haltm, bei denen er die aufmerksamste Schü­lerin fand, während Bertha mit Lieutenant Stauffen das Münster und die übrigen Merkwürdigkeiten der alten Reichsstadt bewunderte, bei welcher Gelegenheit rr ihr einst zögernd und verwirrt ihre eigene Photo­graphie zeigte.

»Wie kommen Sie zu dem Bilde?" fragte sie er- röthend.

„Ferdinand überließ es mir zum Geschenke", ant­wortete Stauffen verlegen.

ject, die Kriegsentschädigung mittelst Eisenbahn Obli­gationen zu bezahlen. — Der Carneval ging unbe­merkt vorüber. Keine Masken waren auf den Straßen. Viele Arbeiter beschlosten, in den Werkstätten zu bleiben und den Verdienst für die Befreiung des Territoriums zu verwenden.

In der vorgestrigen Sitzung des Oberhauses stellte Lord Redesdale die Anfrage, ob nicht, entprechend dem in der Civilgesetzgebung geltenden Grundsätze, auch in völkerechtlicher Beziehung von England der Grund­satz ausgestellt werden könne, daß die Vereinigten Staaten keinen Anspruch auf Schadenersatz für die von den Südstaaten verübten Handlungen erheben könnten, weil die Südstaaten jetzt wieder Geschäfts- theilhaber des Nordens seien, und alle England zur Last gelegten Handlungen ursprünglich durch den Süden vollzogen worden seien. Lord Granville weigerte sich, die Frage zu beantworten, weil eS durch­aus nicht wünschenswerth sei, daß die Regierung sich über Argumente ausspreche, welche vielleicht später für sie von Wichtigkeit werden und zur Anwendung kom men konnten. — „Morning Post" sagt, die Note des Washingtoner Cabinets (welche der amerikanische Gesandte Schenk in London als Antwort auf die Note Granvilles gestern erhalten haben soll) beharre in festen, aber freundlichen Ausdrücken bei den von Amerika gestellten Forderungen. — Die Königin hält am 29. d. M. einen Empfang deS diplomatischen Corps und der Minister ab.

Die die Ermordung deS Generalgouverneurs von Ostindien betreffende Untersuchung hat bishet kein specielleS Motiv für die That ergeben. Die intensive Aufregung, welche das Ereigniß in Bombay verur­sacht, hat eine gewisse' Stockung der Geschäfte daselbst zur Folge gehabt.

Deutsches Reich.

*• Berti» 14. Febr. Die Polemik der „Kreuz- Zeitung" gegen den Fürsten Bismarck veranlaßt die heutige „Prov. Corresp.", in einem längeren Artikel den Nachweis zu führen, daß diese Angriffe auf durchaus unhaltbaren Grundlagen beruhen und daß in den Aeußerungen deS Ministerpräsidenten nichts zu finden sei, wodurch sich eine derartige Kritik rechtfer tige. Das halbofficielle Blatt citirt Aeußerungen des Fürsten Bismarck und des Grafen Eulenburg auS

„Das Ungeheuer!" rief sie mit komischem Zorn, „mein Bild zu verschenken."

„Zürnen Sie ihm deshalb, mein Fräulein?" fragte der Lieutenant zögernd, „es war gewiß in guten Händen."

„Nun, das bezweifle ich nicht, Herr Lieutenant! Ich kann'S dem ungalanten Vetter aber trotz alledem nicht vergeben."

„Freilich, das Porträt der Braut", meinte Stauffen stockend.

„Ach was, wir waren niemals verlobt", lachte Bertha errölhend, „passen auch nicht für einander; ich hab' den Vetter Ferdinand lieb wie einen Bruder, das ist Alle«. Aber selbst das Bild der Schwester ver­schenkt man nicht so leichtsinnig."

„Freilich, Sie haben Recht, mein Fräulein! er sah aber wohl, daß er mich sehr glücklich mit dem Gesche, k machte, und ich würde den Besitz desselben auch mit meinem Leben vertheidigen, ausgenommen, wenn Se es zurückforderten, mein Fräulein!"

Bertha wurde dunkelroth.

„Behalten Sie es immerhin, wenn es Ihnen Freude macht, Herr Lieutenant!" stammelte sie verwirrt, „aber nur unter einer Bedingung", setzte sie muthiger hinzu.

„Verlangen Sie Alles von mir!"

„O, das könnte Ihnen übel bekommen", lachte Bertha schelmisch, doch Scherz bei Seite, wir reifen bald heim."

Stauffen seufzte schmerzlich.

„Es betrübt Sie, Herr Lieutenant?" fuhr Bertha unschuldig fort.

„So können Sie fragen, Fräulein Bertha? Das ist grausam von Ihnen."

Das junge Mädchen wußte nicht, was eS darauf antworten sollte.

„Sie wollten mir die Bedingung nennen, unter welcher ich Ihr Bild mein nennen dürfte", begann Stauffen nach einer Weile leise anf'S Neue.

früheren Jahren, die durchaus daffelbe besagen, wie diejenigen, welche jetzt auf einmal das Mißfallen der „Krenz-Ztg." erregt haben, und aus denen klar het- vorgeht, daß es sich nicht um abftracte, conftitutionetle Theorien, sondern um die wirklichen Grundsätze der preußischen Verfassung handele und daß Fürst Bis­marck nur jene Praxis aufrecht erhalten will, die in der inneren wie äußeren Politik zu- so bedeutenden Erfolgen geführt hat. Die citirten Erklärungen der beiden Minister sind vor 5 Jahren abgegeben, also zu einer Zeit, wo auch noch Graf Lippe dem Ministe­rium angehörte. Die „Prov. Corresp." meint schließ­lich, da der Angriff der Kreuz-Ztg. durch nichts mo« tivirt sei, so könne man nur annehmen, daß ein Theil der konservativen Partei den Augenblick für geeignet halte, der Politik deS Fürsten Bismarck offen entgegen­zutreten. Uebrigens versucht die „Kreuz-Ztg" bereits einzulenken und entschuldigt sich. Einzelne Sätze ihres Artikels würde sie nicht so geschrieben haben, wenn ihr die Erwiderungen des Ministerpräsidentett auf die Rede des Abgeordneten Mallinckrodt bereits bekannt gewesen seien. Diese Ausflucht macht der Re­daction der „Kreuz-Ztg." wenig Ehre; 36 Stunden hatten doch wohl genügt, nm von diesen Erwiderungen Kenntniß zu nehmen. Auch sollte man denken, daß ein Organ, wie die „Kreuz.-Ztg.", nur mit der größ­ten Vorsicht vorgehen würde, wenn eS sich um eine so wichtige Angelegenheit handelt. Die Differenz zwischen der Regierung und einem Theile der Conser- valiveu ist bedauerlich genug; es wäre ihre Pflicht, schon im Interesse der konservativen Partei selbst, nach Kräften für die Beseitigung und nicht für die Ver­schärfung derselben zu wirken. Die Opposition gegen daS Schulaufsichtsgesetz fühlt sich offenbar ziemlich schwach und halt die Regierung rred* rmmeirtm der Hoffnung fest, daß es ihr gelingen werde, eine Ver­ständigung herbeizusühreu und dadurch größeren Con- flikten auS dem Wege zu gehen. — Die nächste Ple­narsitzung des Herrenhauses wird wahrscheinlich erst in der ersten Woche des März stattfinden. Es ver­steht sich von selbst, daß von den Freunden und Geg­nern der Regierungsvorlage alle Kräfte ausgeboten werden. Die Regierung hat in Anbetracht der Wich­tigkeit dieser nächsten Sitzung angeordnet, daß bis da­hin die noch rückständigen Präsentationswahlen ein­zelner Städte vorgenommen werden sollen.

„Ja so, wa« war's doch"- rief Bertha, sich schnell fassend und einen schelmischen Seitenblick auf ihn werfend, „richtig, Sie müssen mir das Ihrige dafür liefern, Herr Lieutenant! als Erinnerung an Straß­burg."

Stauffen erröthete vor Freuden, er hätte sie am liebsten in diesem Augenblick in die Anne geschloffen und herzhaft geküßt, so unternehmend und kühn fühlte er sich auf einmal ihr gegenüber; doch ging das ja nicht auf offener Straße, weshalb er sich begnügen mußte, ihr zärtlich muthig in's schelmische Auge zu schauen und leife, stockend zu erzählen, wie glücklich ihn ihre Bedingung mache; nie et sie schon im Bilde geliebt und nun, da er sie selber in ihrem ganzen Zauber kennen gelernt, sein Lebelang nicht von ihr lassen könne; wie er auch fest entschlossen fei, falls sie seine Liebe nicht erwidere, sich nach Südfrankreich commandiren zu lassen und dort zu sterben.

Mit einem glückverheißenden Lächeln hatte Bertha zugehört. Als et endlich schwieg, versetzte sie leise: „Die sind ja ein fürchterlicher Mensch, der einem ge­radezu die Pistole auf die Brust setzt und die Börse oder das Leben fordert. Was soll ich Ihnen gegen­über wohl beginnen; Ihren Tod auf mein Gewissen nehmen? Das ist unmöglich, folglich bleibt mir nichts übrig, als —"

Sie stockte und blickte ihn wieder schelmisch lächelnd an.

„Als mich lieben und die Meine werden," jubelte ©tauften überlaut.

„So schreien Sie doch nicht so laut," mahnte Bertha, „die Menschen halten uns für närrisch."

»Das bin ich auch in diesem Augenblick vor lauter @lütf und Freude," befeuerte ©tauften; „darf ich mit Ihrem, nein mit Deinem Vater reden, himmlische Bertha?"

„Sie sind seht kühn, Herr Lieutenant! Nun, die Kühnheit steht einem Eroberer Straßburg'S schon an.