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Marburg, Donnerstag, den 15. Februar.
1872
Obcrhejsische Zeitung.
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(SrfAtint töälich außer den Werktagen nach Sonn, und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischeu Zeitung mit Krei-blatt durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen 88; Lar., durch die Postämter 87 ®gt. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und inet. Stempelsteuer), für das Ausland excl. Stempel 88 Lgr. — Jnserkionsaebüdr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sümmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
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Sam Landtage.
ßau8 der Abgeordneten. 30. Plenar-Sitzung vom 13. Februar 1872.
Präsident v. Forckenbeck eröffnet die Sitzung um 111 » Uhr Vorm.
Am Ministertische CultuSminister Dr. Falk, Re- gierungscommisiarien. Tagesordnung: Zweite Lesung des Schulaussichtsgesetzes. General -DiScussion. ES sind 8 Redner für, 9 gegen das Gesetz eingeschrieben.
Abg. Holtz hält die jetzigen Kämpfe für eine Schlacht zwischen der conservativen und der liberalen Seile des Hauses. Die Aufsicht über die Schule gebühre verfassungsmäßig der Kirche. (Fürst Bismarck und Gras Eulenburg treten ein.) Dieses Recht werde der Kirche durch einen gesetzgeberischen Gewaltakt genommen. Die Schule sei nicht das Grenzgebiet zwischen Kirche und Staat, sondern das Rechtsgebict beider. Wir ziehen uns auf das Recht zurück, schließt Redner, und protestiren gegen Ihren Beschluß im Namen des Staates und vor der Kirche und vor dem
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Lande.
Abg. Dr. Löwe. Ich kenne die Legitimation des Vorredners zu seinem Proteste nicht. Ich bestreite, daß hier eine VcrsassungSverletzung vorliegt. Den heurigen Streit haben wir nur der schlechten Praxis der früheren Ministerien, ihren tendenziösen Abweichungen von den früheren preußischen Traditionen zu verdanken. Der Vorwurf des Fürsten Bismarck, daß der deutsche Priester nicht für die deutsche Rationalität einstcht, ist der schwerste, der gemacht werden konnte; aber er ist gerecht. Unter Friedrich dem Großen würde keine Kirche solche Ansprüche erhoben haben, wie heut, und die frühere schlechte Praxis der Rcgie-
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rung Hal nicht nur die katholische, sondern auch die -protestantische Geistlichkeit zu Uebergriffen geführt.
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Culwominister Dr. Falk. Der Abg. Holtz hat hcrvorgehoben, ich hätte gesagt, es würden wahrscheinlich die evangelischen Geistlichen nach wie vor in dem Amle eines Schulinspectors verbleiben. Dem gegenüber habe ich zu erklären, daß ich nur gesagt habe, es würde in Anbetracht der Verhällnisfe wohl möglich sein, daß die evangelischen Geistlichen noch lange in ihren Stellen verbleiben und ich wiederhole, daß der Eonfiict, welcher dieses Gesetz nothwendig gemacht hat, nicht von der evangelischen Geistlichkeit hervorgerufen worden ist. Ich hoffe, daß dieser Zustand verbleiben
wird; sollte ich mich aber darin täuschen, sollte auf dem Boden der evangelischen Kirche ein gleicher Con- flict entstehen, so würde die Spitze dieses Gesetzes sich ebenso gegen die evangelischen wie gegen die katholischen Geistlichen kehren.
Abg. v. Rauchhaupt bedauert, daß das von ihm in der ersten Berathung gestellte Amendement nicht zur Annahme gelangt sei.
Fürst Bismarck. Wer für daS Amendement Rauchhaupt stimmt, kann auch recht gut für die Vorlage stimmen. Möge man doch unter Empfindeleien und Eifersüchteleien zwischen den Fraktionen nicht den Staat leiden lassen.
Abg. Lasker spricht in längerer Rede gegen das Amendement Rauchhaupt.
Fürst Bismarck. Einige Sätze in der Rede des Herrn Vorredners lassen die Deutung zu, als ob die Regierung beabsichtige, auch jetzt noch auf einen Compromiß mit den Conservativen hinzuwirken; das liegt uns fern. (Bravo! links.) Wir hätten uns früher mit dem Mindesten begnügt, jetzt werden wir auf diesem Boden beharren. Auch mir war es un denkbar, daß die conservative'Partei die Regierung in einer Frage im Stich lassen würde, wo dieselbe entschlossen ist, jedes constituttonelle Mittel zu deren Durchführung in Anwendung zu . bringen. (Lebhafter Beifall, große Bewegung.)
Die Generaldiscussion wird geschlossen. Rach persönlichen Bemerkungen des Abg. v. Mallinckrodt, des Fürsten Bismarck, der Abgg. v. Brandt, v. Brauchilsch und Holtz beginnt die SpecialdiScussion.
§. 1 wird in der bei der ersten Lesung beschlossenen Faffung angenommen. Zu §. 2 haben sich 16 Redner gemeldet, eS sprechen jedoch nur der Abg. Reichcnsperger und Fürst Bismarck. Dann werden auch die §§. 2, 3 und 4 angenommen, sowie Ueber- schrift und Einleitung. DaS ganze Gesetz wird alsdann bei Namensaufruf mit 207 gegen 55 Stimmen angenommen.
Der Gesetzentwurf betr, die dingliche Belastung von Grundstücken, sowie die Grundbuchsordnung gehen an eine besondere Commission von,vierzehn Mitgliedern Der Gesetzentwurf betreffs der den Mcdizinalbeamten zu gewährenden Vergütungen wird in der vom Herrenhause beschlossenen Faffung angenommen. Nächste Sitzung Donnerstag.
-Marburg, 14. Februar.
Wie die „V. Ztg." meldet, schweben gegenwärtig Verhandlungen über Herstellung einer „Reichs-Kassm- Anwcisung" zwischen den deutschen Regierungen. Die bezügliche Vorlage soll angeblich noch in der Frühjahrs-Session an den Reichstag gelangen und zwar gleichzeitig mit dem definitiven Münzgesetz. — Die „Kreuzzeitung" gibt heute eine sehr kurze Replik auf die gestern erwähnten gegen sie gerichteten Angriffe Seitens der „Nordd. AUg. Ztg." Sie bedauert, daß ihr gewisse Erklärungen in der Erwiderung des Fürsten BiSmarck auf die Rede des Abg. Mallinckrodt zur Zeit, als der bewußte Artikel gegen den Fürsten erschien, noch nicht vorgelegen hätten; wäre dies der Fall gewesen, so würden einige Sätze in ihrem fraglichen Artikel „anders" geschrieben sein. Im Uebrigen weist die „Krzztg." den ihr von der „Nordd. Allgem. Ztg." gemachten Vorwurf der gemeinsamen Action mit den Polen und Katholiken zurück. — In der vorgestrigen Abendsitzung des würtemb. Abgeordnetenhauses inter- pellirte der Abg. v. Varnbüler den Minister des Auswärtigen, ob es wahr.sei, daß anläßlich der Ausweisung der Deutschen aus Frankreich eine Anzahl Wür- temberger unter die französische Fremdenlegion gekommen seien und ob das Ministerium dieselben loszulösen gesonnen sei.
Die „Agence Havas" meldet: Es bestätigt sich, daß das linke Centrum der französischen Nationalversammlung sich eifrig mit Verfassungsentwürfen beschäftigt, insbesondere in Betreff der theilweisen Erneuerung der Nationalversammlung, der Gründung einer zweiten Kammer, sowie der Ernennung Thiers' zum Präsidenten auf Lebenszeit, jedoch werden diese Anträge nicht vor April eingebracht werden. — Man erklärt in officiellen Kreisen, die Regierung werde nie aufhören, nach Mitteln zu forschen, durch welche die Befreiung des französischen Territoriums von der deutschen Occupation beschleunigt werden könne, aber man könne die formellen Unterhandlungen mit Aussicht auf Nutzen nicht vor der erfolgten Zahlung der vierten halben Milliarde eröffnen. — Laut Telegramm von gestern soll heute Abend der deutsch-französische Postvertrag unterzeichnet werden. Der Vertrag liegt zur Zeit dem Präsidenten der Republik vor. Das gegenseitige Porto ist auf 40 Cent., für Elsaß-Lothringen jedoch nur auf 30 Cent, festgesetzt. Der Transit ist
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An Straßburg.
Erzählung von Einilie Heinrichs.
«.Fortsetzung.)
Stauffen trat in's Zimmer, er warf einen Blick auf den Franzosen; dieser war tobt, wie es schien.
„Tiefes Straßburg ist doch sehr gefährlich", meinte Onkel Sannemann, der am ganzen Körper zitterte und die halb ohnmächtige Bertha hielt.
„Schaffen wir den Menschen hinaus, Herr Günther!" sprach Stauffen, der seine ganze soldatische Kaltblütigkeit wiedergewonnen; „ich fürchte doch, daß er mehr Unglück angcrichtet als wir ahnen."
. Er bückte sich, um den Franzosen mit hinanszn schaffen, da schrie Bertha plötzlich laut aus und stürzte auf Stauffen zu.
„Er mordet Sie", schrie sie entsetzt.
Der vermeintliche Todte hatte einen Dolch gezogen und ihn auf des Licutenants Brust gezückt.
„Sachte, Bursche!" sagte dieser, ihm mit starker Hund die Waffe entwindend, „Dich wollen wir schon zahm machen."
Er blickie Bertha dankbar an und schleppte dann mit Günther'S Hülfe den Verwundeten hinaus, der nach wenigen Minuten ganz ruhig wurde.
„Er wird doch wohl genug haben", meinte Stauffen, „jetzt vor allen Dingen den Arzt gerufen."
Jeannette war ohnmächtig, man konnte sie nur mit Mühe auS deS bewußtlosen Ferdinand's Armen befreien.
Als der Arzt erschien, war sie schon wieder ganz hergestellt; — auch der Kranke schlug bald die Augen auf, sein erster Blick fiel auf Johanna, deren Namen er mit einem unaussprechlichen Ausdruck von Glück nannte.
Capitän Dupont war tobt, der Arzt konnte kein Lebenszeichen an ihm entdecken, — dieser, ein vk- schwiegener Freund des Hauses, sorgte für de» Todten-
schein und das Begräbniß des Erschossenen, damit der Kaufmann von jeder Untersuchung verschont bleiben, konnte.
„Das ist ein verhängnißvoller Empfang in Straßburg , " seufzte Onkel Sannemann, „gottlob, daß wir diese Franzosen nur als Gefangene bei uns sehen."
„Ach, Väterchen!" lächelte Bertha, „Gott hat uns just heute hergesührt, um den armen, hübschen Lieutenant vor dem Dolche des heimtückischen Franzosen zu bewahren, ich wäre untröstlich geweten."
„Wenn Du ihn aber nicht mehr unter dm Lebenden gefunden," nickte Herr Sannemann nachdmlich, „ja, Kind, dann hätte Dich ein Anderer getröstet; in jetziger Zeit heißt's bei den Soldaten: heute roth, morgen tobt! Ich wollte aber doch, wir wärm erst wieder aus Straßburg hinaus."
„Warum nicht gar," eiferte Bertha, „ich finde es hier ungeheuer interessant. Merkst Tu nichts, Väterchen?"
„Ach, mehr als zu viel, Kind! dieser Günther —"
„Was kümmert mick der, Vater, — ich meine ja die schöne Tochter, sie ist eine prächtige Erscheinung, nicht wahr? Der Lieutenant erzählte mir im Vertrauen , daß Ferdinand sie die trauernde Gemania nennt. Ich finde die Idee himmlisch."
„Ja, aber
„Aber Du siehst und hörst nicht, VLterchm! — es ist nicht richtig mit den Beiden."
„WaS, Du meinst?"
Er beutete geheimnißvvll auf seine Stirn.
Bertha lachte fröhlich auf.
„O, dieses Väterchen! — Ferdinand und die blonde, prächtige Germania, — merkst Du noch nichts ?"
Herr Sannemann blickte sie erstaunt «in.
„Du meinst am Ende gar, die Beiden liebten sich, wie es in Romanen heißt"
„Warum nicht auch im wirklichen Leben, Du prosaisches Väterchen?" lachte Bertha schelmisch, „ja, ja, sie lieben sich, die Beiden, Hamburg und Straßburg, ist das nicht prachtvoll?"
„Hm, ich glaube nicht, daß eS viel taugt, Kind! WaS wird denn auS unserem Plane, weißt doch, daß Ihr von Kindheit so zu sagen für einander bestimmt gewesen, soll diese eroberte Festung Dir den hübschen Schatz vor der Nase wegkapern?"
(Fortsetzung folgt.)
Das Galbland Ophir der Bibel und die neueste» Entdeckungen von Karl Mauch.
(Schluß.)
Zimbabye ist eine jener uralten Ruinenstätten und liegt nach Mauch'S astronomischer Bestimmung 20° 14' S. Br. 31° 48' Oestl. L. von Gr., gerade westlich von dem Hafenplatz Sofala und nur 41 deutsche Meilen in gerader Linie davon entfernt. Dies stimmt mit den Angaben des portugiesischen Schriftstellers Dos SantoS, daß die Portugiesen 200 Seemeilen westlich von Sofala im Goldlande- (tracto do ouro) umfangreiche Mauerwerke vorgefnnden hätten. In der Nähe von Zimbabye sand Mauch auch Alluvialgold, welches er selbst zu waschen und zu sammeln hofft. Die Ruinen bestehen aus Xrümmern, Mauern rc. bis 30 Fuß hoch, 15 Fuß dick und 450 Fuß im Durchmesser, einem Thurm rc. Daß sie alle ohne Ausnahme aus behauenem Granit ohne Mörtel aufgeführt sind, deutet allein schon auf ein hohes Alterthum; die von Mauch eingeschickten Zeichnungen von Verzierungen an den Ruinen taffen ober kaum noch einen Zweifel darüber aufkommen, daß sie weder von Portugiesen noch Arabern, dagegen von den Phöniziern, von den Leuten der Salomonischen Ophirfahrer, her- rühren können. Jedenfalls haben diese Verzierungen Nichts Portugiesisches oder Arabisches an sich, sondern