Marburg, Mittwoch, dm 14. Februar.
1872.
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findlichen türkischen Häfen in die italienischen Häfen einlaufen.
Ju Lissabon ist am Sonntag die fällige Bra- silaiüsche Post vom 22. v. M. angekommen.
Ein Adjutant des Fürsten von Montenegro ist in Skutari eingetroffen, um die Unterzeichnung des mit der Pforte abgeschloffenen Grenzvertrages zu fordern. Bis zu erfolgter Unterzeichnung hat Fürst Nikola abermals eine Grenzsperre angcordnet. Die nöthigcn Vollmachten aus Konstantinopel werden täglich erwartet.
Bancroft, der dermalige Gesandte N o r d a m e r i k a's in Berlin, hat seine Replik auf die englische Schrift über die San Juan Frage beendigt und wird sie in den nächsten Tagen dem Kaiser Wilhelm übergeben. Dieselbe ist wieder in deutscher Sprache abgefaßt. Nach Washington geht gleichfalls ein Exemplar in englischer Sprache ab.
Aus Rio de Janeiro, 22 Jan., wird genteb det: der Visconde de Jtaborahy, Mitglied des brasilianischen Staatsrathes und früherer Minister, ist gestorben. — In Tandil wurden 26 Ausländer von Gauchos, die durch einen gewissen Solano fanatisiri waren, ermordet; 16 der Mörder wurden gelobtet, 24 iii Gefangenschaft gebracht. (Tandil ist [eine kleine abgelegene Gebirgsstadt in der Argentinischen Republik, Provinz Buenos-Ayres, und hat eine militärische Besatzung zum Schutze gegen die häufigen Raubzüge der südlichen Indianer).
„Nein, nein,* erwiderte sie hastig und ihre stimme bebte, „aber Ihren Dank kann ich nicht ertragen, er drückt mich, nM das Gefühl der Schuld.*
„Reden Sie nicht so, Jeannette! Sie thun mir unaussprechlich weh."
„Nennen Sie mich Johanna," flüsterte sie kaum hörbar.
„Johanna," wiederholte er bebend, „so darf ich L>ie nennen ? O, süßer Name, wie Musik, so keusch und rein, klingt er in meiner Seele wieder. Johanna, Ihre Hand, o nur einmal ihre Hand."
* Marburg, 13. Februar.
Se. Majestät der Kaiser leidet in Folge mehrmaliger Erkältung an Heiserkeit und Husten und ist genöthigt das Zimmer zu hüten. — Das StaatSmi- nisterium ist vorgestern Mittag 2 Uhr im auswärtigen Amte und unter Vorsitz des Minister - Präsidenten Fürst Bismarck zu einer längeren Sitzung zusammen getreten. — Die „Kreuzzeitung" hatte an der Spitze ihrer Sonntagsnummer an der Hand einiger Aenße- rungen aus der Kammer-Rede des Fürsten Bismarck vorn 30. v. M. den Nachweis versucht, daß der Fürst den Boden des ConservatismuS verlassen habe. Die „N. Allg. Z." hat daraus Veranlassung genommen, in scharfer Weise die „Kreuzztg." zu tadeln wegen ihrer oppositionellen Stellung zur Regierung und insbesondere gegen den Ministerpräsidenten.
Der Loyddampfer „Apollo" ist letzten Sonnabend Nachmiitag 3/43 Uhr mit der ostindischen Ueberland- poft aus Alexandria in Triest cingetroffen.
Die Verhandlungen in Paris über den deutsch- französischen Postverlrag haben zu einem den deutschen Forderungen entsprechenden günstigen Abschluß geführt. Die Unterzeichnung des Vertrage« ist in allernächster Zeit zu erwarten. — Das Resultat der Wahlen vom 10. d. M. ist folgendes: Es wurden gewählt auf Korsika: Rouher, im Departemem Eure: Leponze, ein Republikaner, und im Departement Eotes du Nord: General Lafalle. — Leon Say hat eingewilligt, Prä fett der weine zu bleiben. — Rente vorgestern 56. 55.
Der „Bien Public" zeigt an, daß Graf Chambord weder Brügge noch Gent, sondern Mecheln in Belgien zum zeitweilige» Aufenthaltsort gewählt habe.
Die Londoner Zeitung „Daily Telegraph" bringt eine Depesche aus Berlin vom 11. d. M., welche sagt, Fürst Bismarck habe gestern den Cabi' netten von London und Washington seine Dienste an- geboteii (?), um eine Einigung über die dem Genfer Tribunal zu unterbreitenden Alabama-Forderungen her- beizuführen. — In Plymouth ist letzten Sonntag der aus Westindien fällige Dampfer „Nile" mit 619,000 Dollars an Conianten eingetroffcn.
Ein königl. Dekret hebt die Quarantänemaßregel auf für die Schiffe, welche aus den Donauhäfen lind dm im Schwarzen und Mitteländischen Meere be=
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bet b zu iufen [331
Zn Straßburg.
Erzählung von Emilie Heinrichs.
(Fortsetzung.)
Jeannette blickte ihnen nach.
„Da« ist seine Verlobte also," flüsterte sie, „ein hübsches, freundliches Kind, möge er glücklich mit ihr Kerben."
Sie schüttelte unwillig eine Thräne ab, die sich gewaltsam in's Auge drängte, und ging in ihr Zimmer.
, Ihr Vater saß am Bette des Kranken, der jetzt Utcht mehr schlummerte.
»Ich weiß," versetzte Ferdinand, „reichen Sie mir du Hand, Herr Günther."
Dieser that es verwundert.
.. -Ich muß Ihnen für all' die Liebe und Freund- Weit banken, die Sie mir bewiesen," fuhr ber Kranke erregt fort.
„Um GotteSwiüen, schweigen Sie bavon, nach dem, was Ihnen in meinem Hause wiberfahren."
»@ie tragen nicht die Schulb beS Attentats, Herr Günther!"
„Ich danke Ihnen für diese« Wort, Herr Wall- "er!" versetzte der Kaufmann, ihm bewegt die Hand »ruckend. „Nein, wahrlich, wir sind keine Mörder, »teine Tochter war untröstlich darüber"
„Sie hat bei mir gewacht, mich gepflegt —"
„Sie that ihre Pflicht, weiter nichts; sprechen ~,E nicht mehr davon, mein lieber junger Freund! tolt ffnd's, die Ihnen Dank, ja, das Leben schulden."
Ferdinand schwieg, er schien etwas auf dem Her ien zu haben.
Nach einer Weile sagte er leise: „Ich möchte «raulejn Jeannette meinen Dank aussprechen."
„Sie wird ihn nicht annehmen, so wenig
Tie Magd öffnete die Thür und winkte ihrem Grdieter. Ein MagistratSdiener berief ihn zum Bür- yvmrifter,
nW'r rief er mit vor Wuth heiserer Stimme, treff' ich das Täubchen bei dem Habicht? — Warte Bursche, Du bekamst nicht genug, diesmal hab' ich besser geladen."
„Da» ist also der Mörder", murmelte Ferdinand, ben nicht bie leiseste Furcht um bas eigne Leben, nur ein furchtbarer Schmerz über vermeintlichen Verrach dieses Hauses burchzuckte.
Jeannette sah ben Franzosen mit einem höhnischen Saiten auf ben Kranken zielen, rasch ent chloffen warf
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> die Thatsache, baß ber Minister Eulenburg als Ab- georbneter für das Rauchhaupt'sche Amendement gestimmt
; habe, zu ber Annahme berechtige, baß dieses Amendement später noch eine Rolle spielen dürfte. Cs ist von dem Fachminister Dr. Falk, sowie von Fürst Bismarck zu erkennen gegeben, daß die Regierung diesem Amendement, um den Anstoß gegen das Gesetz zu beseitigen, nicht abgeneigt sein würde, demselben zuzustimmen und es ist daher von dem Abgeordneten Grafen Eulenburg vollkommen in Solidarität mit seiner Eigenschaft als Minister, baß er zum Amenbement Rauch- haupt zustimmenb sich verhielt. Dieses Amenbement bürste vielleicht wohl im Herrenhause nochmals auf die Tagesorbnung kommen, ba bie sehr geringe Hoffnung der Annahme des Gesetzes im Herrenhause etwas starker werden dürfte, wenn in ben späteren Stadien des Gesetzes das Rauchhaupt'sche Amendement demselben einverleibt werben würde. Diese» Amendement bezweckt ja im Wesentlichen dasselbe, was Dr. Falk und Fürst Bismarck erklärt haben, als sie bei Verthei- bigung beS Gesetzes bie von einigen Seiten gemachten «ebenfen, baß ba« Gesetz in seiner Consequenz bie Trennung ber Schule von ber Kirche befürworte und zu Stande bringe, widerlegten. — Die Reichs-Schul- Commisston hat ihre Thätigkeit ausgenommen und wird voraussichtlich etwa 14 Tag« zusammenbleiben. Zu dieser Eommission zählen die Herren: Geh. Qb.-Reg.- Rath Wiese als Vorsitzender, Geh. Kirchen- und Schul- rath Dr. Gillert aus Dresden, Ministerial - Director von Binder aus Stuttgart, Oberschulratb Dr. Deimling aus Karlsruhe und der Schulrath Dr. Herkirch aus Schwerin, als Mitglieder. — Der Regierungspräsident Graf Eulenburg ist aus Wiesbaden hier etn- getroffen; es steht seine Anwesenheit, wie man hört, mit einer anderweitig für denselben in Aussicht genommenen Stellung im Zusammenhang, jedoch dürfte der elbe wie bereits geschehen, nicht als Nachfolger deS Hrn. v. Pommer-Esche bezeichnet werden können. Ebenso wird »er zur Zeit aus Waldeck hier anwesende Hr. von Flottwell als für eine andere Stelle bezeichnet, genannt und trifft schon diese Vermuthung zufälliger Weise mit dem an die Preußische Regierung gelangten Wunsche der Lippe'schen Regierung, für die Leitung ber bortigen L-taatsgeschäfte einen preußischen Beamten zu erhalten, zusammen.
Sie reichte sie ihm zögernb.
Er preßte sie leibenschaftlich an seine Lippen.
'.Lassen Sie mich," flüsterte sie athemlos, „die Aufregung schabet Ihnen, und bann — Ihre
„O glauben Sie auch daran!? Nein, nein, es ist em Jrrthum; dieses Mädchen, so gut und lieb es ist, war mir niemals mehr als Cousine, — wir sind nicht verlobt, — ein Familienplan, dem wir Beide niemals zugestimmt, den ein Wort von mir verweht. 34 bin frei, Johanna! noch niemals fand ich ein Wesen, das mein Herz auszufüllen vermocht, bis Straßburg zurückerobert wurde und die blonde Germania mir in diesem Hause entgegentrat; da erst fühlte ich, daß diese alte deutsche Reichsstadt mein Geschick für immer entschieden habe und in meinen wirren Phantasien stand ihr Bild so unauslöschlich, daß mir zuweilen war, als lege sich eine weiche, lindernde Hand auf meine fiebernde Stirn und wiege mit süßem Zauber die toihen Schmerzen ein."
®r schwieg und drückte ihre kleine bebende Hand an seine Stirn, an seine Lippen.
Da schreckte sie plötzlich ein kurzes, höhnisches Lachen aus dem seligen Selbstvergessen emporf- sie wandte sich um und stieß einen Schrei des Erst! setzens aus.
Capitän Dupont stand auf der Schwelle, einen Revolver in der Hand.
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Deutsches Reich.
•• Berlin 12. Febr. Das Schulaufsichtsgesetz ist nun im Abgeorbnetenhause burch bte Abstimmung am Sonnabend erledigt, nachdem die Regierung den Gegenstand des Gesetzes und die Tendenz desselben in eingehender Weise nach allen Seiten hin beleuchtet hatte. Wenn trotz dieser eiitgehenden Erklärung der Regierung die Mehrheit für das Gesetz nur eine mäßige gewesen ist und wenn trotzdem sich der größte Theil der Conservativen der Opposition angeschlossen haben, jo ist dies wohl nur in Folge des Umstandes, daß bie Amendirungsversuche, welche von ber Besorgnis!, baß burch biescS Gesetz die Lostrennung ber Schule von der Kirche total ersolgen werde, hervorgegangen war, gescheitert sind: Die „National-Ztg." macht mit Recht in Betreff der Amendirungen aufmerksam, baß
„Ein Geschäft ruft mich," sprach er zu betn Kranken, „ich werde einen Wärter senden."
Ferdinand seufzte und wandte den Kopf zur Seite.
Nach wenigen Minuten hörte man die Thüre leise öffnen. Der dicke Teppich machte die Schritte ge räuschlos. E» mußte wohl der versprochene Wärter fein.
Der Kranke seufzte wieder und druckte den Kops tief in die Kiffen.
Kein Laut wurde hörbar, al« das Athmen des Kranken, — Stunde auf Stunde entrann.
Da erhob sich eine feine, schlanke Gestalt und trat mit unhörbaren Schritten an's Fenster, um bie bich- ten Vorhänge zurückzuschlagen und da» Tageslicht hereinzulassen; die Augen des Kranken, den sie jeden falls schlafend wähnte, verfolgten sie überrascht.
Sie kehrte zurück nach ihrem Seffel und bebte zusammen, als sie seine Stimme vernahm, bir leise ihren Namen rief.
Langsam, zitternb trat sie an’« Bett.
„Wünschen eie etwas, Herr Wallner?"
„Ja, Ihre Gegenwart, mein theureö Fräulein! — ich muß Ihnen banken, mein Herz brängt mich, auszujprechen, was es empfinbet. —"
Sie machte eine Bewegung, al« wollte sie entfliehen.
„O, bleiben Sie," bat er leise, „bin ich Ihnen so verhaßt?"
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