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migt. Ueber einen Antrag des Hrn. von Plötz zur Geschäftsordnung hinsichtlich der Pflicht der Mitglie­der, an den CommissionSberathungen Thcil zu nehmen, wurde zur Tagesordnung übergegangen. Das Gesetz, betr. Aufhebung der im Kreise Meisenheim geltenden Verordnungen über die General-Brandversicherungs- Anstalt in Kassel gelangte ohne Debatte zur Annahme. Schließlich wurde ein Bericht der Matrikel-Commission erledigt; das Haus erklärte hiebei den Sitz im Herren- Hause für die Stadt Crefcld erledigt. Der Reichs­anzeiger veröffentlicht das am 27. Januar 1872 er­gangene Gesetz wegen Ausdehnung der Wirksamkeit des Reichsgesetzes vom 8. Juni 1871 betr. die In Haberpapiere mit Prämien auf Elsaß Lothringen. Letzten Sonnabend schloß der Aufsichtsrath und Ausschuß der rumänischen Eisenbahn-Gesellschaft mit Dr. Stronß- berg einen definitiven Vertrag ab, nach welchem Letzterer 4 Millionen sofort und 2 Millionen in 5 Jahren zahlt. Die 2 Millionen werden mit 5 pCt. verzinst und durch eine tadellose Garantie gedeckt. Die volle Einlösung der am 1. Januar und 1. Juli 1871 ver­fallenen Coupons geschieht, sobald nur der formelle Akt der Vertragsunterzeichnung in Bukarest erfolgt ist. Der Landtag der Fürstenthümer Waldeck Pyrmont ist am 3. Febr. geschlossen worden, nachdem derselbe die Berathung des Budgets für die Finanz­periode 1872 bis 1874 beendigt und zur Aufbesserung aller Beamten - Besoldungen die Summe von 8800 Thalern bewilligt hat. Die regierende Herzogin Feodore von Sachsen-Meiningen-Hildburghausen, geb. 1839, Tochter des Fürsten Ernst zu Hohenlohe- Langenburg, ist in der Nacht vom Freitag auf den Sonnabend am Scharlachfieber verschieden. Sie war mit dem Herzog Georg seit 1858 vermählt.

Die Meldung desPesther Lloyd," wonach Graf Beust anläßlich des Alabamafalles angewiesen wäre, seine Rückkehr nach London zu beschleunigen, wird von unterrichteter Seite als jeder Begründung entbehrend bezeichnet.

Der schweizerische Ständerath ist mit großer Mehrheit dem Nationalrathsbeschlusse, betr. das Ver­bot des Jesuitenordens in der Schweiz, beigetrete», hat dagegen das Verbot der Errichtung neuer und der Wiede»Herstellung aufgehobener Klöster gestrichen. Der Ständerath vertagte sich bis zum 13., der National­rath bis zum 19. b. M.

Die belgische Repräsentantenkammer hat letzten Sonnabend da« Budget de- Ministeriums des Innern für 1872 mit 14,362,764 Frcs. angenommen. Außer­dem votirte die Kammer noch einen ErgänzungScredit für den Volksunterricht und vertagte sich dann bis zum 20. Februar.

Observer" will wissen, daß die englische De pesche in der Alabamafrage erst am letzten Montag vom Gesandten Schenk nach Amerika telegraphirt worden und sei bisher keine Antwort eingetroffen. Odserver" glaubt, Amerika werde die Zweckmäßigkeit der schiedsrichterlichen Entscheidung hervorheben und auf England die Verantwortlichkeit für die Nichtan­erkennung deS schiedsrichterlichen Spruches wälzen.

Tie amtliche Zeitung in Madrid veröffentlicht eine Verordnung des Ministers de« Innern, welche die königl. Genehmigung zu der Legung eines unter­

gebrockt haben, nicht wahr, hast es der ganzen Hausgenostensckaft schon verkündigt, daß Fräulein Bertha meine Braut ist?"

ES kann Dich doch nicht entehren?"

O, es ist zum Verücktwerden," eiferte Ferdinand, mich zum Bräutigam zu machen, ich denke gar nicht daran; eS ist meine Cousine, ich verabscheue die Heirathen zwischen Verwandten."

Aber, bester Ferdinand, beruhige Dich doch nur," bat der arme Lieutenant in Todesangst.

ES ist himmelschreiend," fuhr der Kranke wie außer sich fort,verschenkt man denn das Portrait einer geliebte^ Braut! Würde ich Dir zum Beispiel das Bild der blonden Germania gegeben haben? Mensch! Nicht für alle Schätze der Welt."

Er schloß, wie nach einem heftigen FieberparoxiS- mus, die Augen und athmete mühsam.

Stauffen war in Verzweiflung und fuhr erschreckt zusammen, als in diesem Augenblick die Thüre leise geöffnet wurde, Onkel Sannemann mit seiner Tochter eintrat und sich behutsam dem Belt näherten.

Schläft mein Neffe?" fragte er leise.

Er scheint einfchlummerit zu wollen," lautete die stotternde Antwort.

Der Lieutenant wagte nicht daS Auge zu erheben, ans Furcht, Bertha'S Blick zu begegnen; er fühlte sich muthiger einer feindlichen Batterie gegenüber.

Der arme Junge, wie bleich und kümmerlich er auSsicht," flüsterte der Onkel;sieh nur Bertha!"

Bertha sah mitleidig hin und mußte bann wie von einem magnetischen Strom gezwungen, auf Stauffen blicken, ber erröthend wie ein ertappter Schulbube die Augen niederschlug.

Ich denke, wir stören seinen Schlummer nicht, Vater," meinte sie nach einer Pause;laß' uns einen

seeischen Kabels nach den canarischen Inseln, das nach Bedürfniß bis zur amerikanischen Küste verlängert werden könnte, angezeigt.

Aus Bukarest, 8. Febr., wird gemeldet: Im Senate und in der Kammer wurde über mehrere gegen die Regierung gerichtete Angriffe und Jnterpellationeit Uebergang zur Tagesordnung beschlossen. Die Kammer hat die Vorlagen in Betreff der Stempel und Taxen angenommen. In der Sitzung des Senats erklärte die Regierung auf eine Interpellation, daß die rumä­nische Eisenbahn-Gesellschaft die rumänischen Bahnen durch wen immer ausbauen und betreiben lassen könne. Der Senat erklärte sich mit dieser Mittheilung für zufriedengestellt.

DieNewyork Times" erklärt, es sei offenbar, daß, wenn England und Nvrdmerica au ihren resp Standpunkten festhalten, die Genfer Conferenz ohne Resultat bleiben müsse. Das würde von zukünftigen Unterhandlungen abschrecken, und die Alabama-Forde- rungen seien wahrscheinlich dazu bestimmt, zu den ungeregelten Streitfragen zu gehören, welche den Weltfrieden bedrohen. Die americanische Presse im Allgemeinen hält einen Krieg für unwahrscheinlich und weissagt einen Compromiß. TerHerald" er­klärt, die amerikanische Klageschrift sei kein Ultimatum, dem Genfer Tribunal sei ja die Entscheidung anheim gestellt. Der Senat zu Washington hat das Am­nestiegesetz verworfen.

Die mexicanischen Insurgenten haben Zaca­tecas eingenommen.

Deäts^sHch^

_ Berlin, 11. Febr. Das mehrfach erwähnte Schreiben des Cardinals Antonelli au den Bischof von Straßburg lautet in der Uebersetzung, welche die N. Allg. Z." neben dem lateinischen Originale gibt: Erlanchtester und Ehrwürdigster Herr! In Semit wortung des Briefes, den Eure Gnaden am 28. Nov. an den heiligen Vater gerichtet haben, beeile ich mich, Ihnen kundzugeben, daß cs nicht zweckmäßig erscheint, auf den in Ihrem Briese enthaltenen Erwägungen zu bestehen, um die in Betreff der Ernennung der Cantonal-Pfarrer entstandenen Verwicklungen zu lösen, und zwar aus dem Grunde, weil das Concordat von 1801 dort von dem Augenblicke an keine Kraft mehr hat, in welchem Elsaß ein Theil des deutschen Reiches geworden ist. Indem ich Sie zugleich versichere, daß der heilige Stuhl nicht ermangeln wird, im geeigneten Augenblicke eine angemessene Verständigung mit der preußischen Regierung in Betracht zu ziehen, habe ich das Vergnügen, die Versicherungen meiner auSge zeichneten Hochachtung zu wiederholen. Eurer bi­schöflichen Gnaden ergebener StaatSsecretär (gez ) Antonelli. Rom 3. Januar 1872."

Stuttgart, 11. Febr. Die Königin begibt sich im Lause des Monats zum Besuche des kaiserlichen Hoies nach Berlin und gedenkt dort am 21. einzu­treffen. Der König dürfte im Laufe des nächsten MonatS nachfolgen. DerSchwäbische Merkur" saßt das Resultat der letzten Kammerverhandlungen über den Oesterlen'schen Antrag dahin zusammen:Die Kammer hat ber zwischen dem Bundesrath, dem Reichs­tag und der württembergischen Regierung feststehenden

Spaziergang machen, vielleicht ist der Herr Lieutenant so gefällig, uns zu begleiten."

Mit dem größten Vergnügen, mein Fräulein!" stammelte dieser verwirrt,befehlen Sie über mich."

Na, meinetwegen," nickte Onkel Sannemann, obgleich ich erst gern Ferdinand gesprochen hätte; hab der Großmutter ein Telegramm oersprochen."

Sie gingen fort. Günther begab sich zu dem Kranken.

(Fortsetzung folgt.)

Logumil Dawisan.

(Schluß.)

Kajetan Cerri entwirft von ihm, natürlich au6 seinen gesunden Tagen, folgendes drastische Bild: . . . ein wahres Unlcutn an Elasticität des Geistes, der Willenskraft und merkwürdiger Consequenz in einmal gefaßten Beschlüssen. Große, hagere, etwas gebückte Gestalt, schleppender Gang, schlottrige Hal­tung, nachlässige, aber stets anständige Kleidung, Pole von Geburt, Israelit seines Glaubensbekennt­nisses. Ein Kopf, welcher dem Verfasser desFechter von Ravenna" vorgeschwebt haben mag, als er seinen Caligula gerade so zeichnete, wenig Haare, braun, kurz und ungepflegt; hohe Stirn, stark tiefliegende Augenbrauen, unter welchen zwei kleine, verschmitzte, funkelnde Augen fortwährend unruhig umherschweifen; um den Mund ein eigenthümlich ironisch-sarkastischer fast verletzender Zug; im Allgemeinen Gesichtszüge, wie zur Verdolmetschung heftiger Leidenschaften und heftiger Conflicte eigens geschaffen; ausdrucksvoll, blaß, scharf geschnitten und leicht beweglich. Im Privat­leben anregend und aufregend, halsstarrig, bis zur schäumenden Wuth jähzornig, originell phantastisch und Renommist; macht im Ganzen den Eindruck eines abenteuerlichen Patrons, liebt das Gasthaus, ver­schmäht aber auch die Kneipe durchaus nicht; spricht

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Ansicht auch ihre Autorität hinzngefügt. Württemberg bauten hat jetzt in seinen officiellen Organen erklärt, baß ei wird 1 unter dem Beitritt zum Reich auch die reichsgetreue auf g Fortentwickelung des Reichsrechts verstehe."

München, 11. Febr. In der gestrigen Sitzung * der Abgeordnetenkammer wurden die RechnungSnach die N Weisungen über die besonderen Staatsfonds genehmigt k und yor gewissenhaften Controle des Staatsschulben- tilgungs Commiffärs Anerkennung gezollt. Der Finanz­minister hat eilte balbige Gesetzvorlage über die Ver­wendung ber KriegsenlschäbigungSgelber zugesagt und Anfragen bezüglich bes Anlehens pro 1870 befriedi­gend beantwortet. Dem Abg. Dr. Sepp, welcher in der Befchwerbesache bes Bischofs von Augsburg fit die Regierung stimmte, ist am Tage ber Abstimmtinz von dem kath. Geistlichen Linbmayer in Wertheim ein Richte Brief zugegangen, in welchem letzterer im Namen einet 78jährigen Frau ein Capital von 42,000 fl kündigt das diese an Sepp ausgeliehen hatte Der Kündigung war beigefügt: die Leute, welche ihm so viel Beifall geklatscht, würden ihm ohne Zweifel das Geld, viel­leicht sogar zinsfrei, geben. Das Capital stand bis­her völlig sicher auf dem Dr. Sepp zugehörigen großen Gut Wessobrunn.

Oesterreich - Ungarn.

Wie», 10. Febr. Am 7. b. M., gegen Mitter­nacht, ist ber Kaiser, von Bozen anlangenb, zu län­gerem Aufenthalt in der Hofburg zu JnSbruck ange­kommen. Im Abgeordnetenhause wurde die Nvth- wahlgesetz Novelle eingebracht. Sie präsentirt sich all Zusatzbestimmung zum §. 18 des StaatSgrund-Ge- setzes über die ReicbSverlretung" und lautet vollin­haltlich:Wenn aus dem Landtage in den ReichS- rath gewählte Abgeordnete während der ReichsrathS- Session ihr Mandat als Landtags- oder als Reichs- rathS-Abgeordnete niederlegen oder in Folge dauernder Verhinderung als aus dem Abgeorbnetenhause aus­getreten zu betrachten siub, kann ber Kaiser die Vor­nahme der neuen Wahlen unmittelbar durch die land- tagSwahlberechtigten Gebiete, Städte und Körperschaften (§. 7) nach Maßgabe des über die Durchführung unmittelbarer Wahlen in daS Abgeordnetenhaus be­stehenden Gesetzes anordnen." AuS Prag wirt gemeldet: Die Bildung eines jung-czechischen Club« als Gegensatz zum alt-czechischen ist beschlossen. D« Spannung zwischen beiden Parteien nimmt größere Dimensionen an. In Graz haben sich am 6. 1 anläßlich der Bierpreiserhöhung über tausend Arbeit« zusammengervltet und grobe Excesse verübt gegen mehrere Bierbrauereien. Tie Polizei schritt dagegen ein, wobei sechs Sicherheitsmänner und viele Arbeiter verwundet wurden; ein Arbeiter blieb tobt auf bett Platze. ES fanben siebzehn Verhaftungen statt, denen bisher noch viele nachfolgten. Die Gefängnisse sind in Folge dessen überfüllt.

Schweiz.

Btt», 11. Febr. Es verweilen hier drei Com- missäre der französischen Regierung, um nachträglich eine Revision der von der Schweiz ausgestellten Rech­nung über, die Kosten der Jnternirung ber Bourdaki- schen Armee vorzunebmen. In Folge Tieferlegun, des BielerseeS durch die Aarcorrection treten eint Menge Alterthümer und Thierüberreste zu Tage, Pfahl­viel und gestiknlirt noch mehr; spielt gern Comövie; affectirt eine gewisse fibel-burschikose Gemüthlichkeit, die seinem Wesen durchaus fremd ist; sein Gott heißt: Ruhm; sein Cultus: Lob und Bewunderung.

Was feine Bedeutung für das Theater betrifft so steht fest, daß er ungewöhnliches Talent für ori­ginelle Darstellung besaß. Doch war er im Ganze« genommen mehr Virtuose als wahrer Künstler und ließ, besonders in den letzten Jahren, diesen immS s mehr in jenem aufgehen. Unbestritten ist, daß er ns mentlich dem Shakespeare'schen, dem Göthe'schen und in mancher Beziehung auch dem Lesstng'scheti und Schiller'schen Drama durch sein Spiel auf der Dres­dener Bühne neue Lebenskraft gab, aber auch durch geniale Darstellung der Hauptrollen die Werke neuet deutscher Dichter auf der Bühne einbürgerte. T» Fluß seiner Rede, die lebendige Unmittelbarkeit feint* Spieles sicherten ihm stets den Beifall des Publikum»- f Der eigenartige Naturalismus seiner Rollen wird ih« noch lange fottlebm lasten im Gedächtnisse Dere- die er einst entzückt.

Am Sonntag, 4. d. M., Nachmittags, wurde D-- wisou zur Erde bestattet. Tausende von Mensche« folgten dem Sarge und bezeugten, welch allgemeine Trauer der Tod des einst großen und gefeierte« Mannes hervorgerufen. In der Todtenhalle des Annen- kirchhoss zu Dresden wurde der mit Blumen, P<^ men und Lorbeerkränzen letztere von den Künstler« des Dresdener Hoftheaters, von der kaiserl. königl WienerBurg" und von Marie Seebach geschmückte Sarg niedergesetzt und es folgten bann die Leichenrede« von vier Predigern, welche alle die unvergängliche Be­deutung des Dahiitgeschiedenen für die Schauspielkunst wie sein Wiiken als Mensch und Freund mit ergreif' enden Worten hervorhoben. Ein feierlicher Gcsaoi geleitete die Leiche in ihre letzte Ruhestätte.