erörtern zu wollen; er begnüge sich, seine Rechtsverwahrung aufrecht zu erhalten. — Nächste Sitzung Sonnabend.
Politische Wochen-Uebersicht.
Aus der vorvergangenen Woche ist noch ein Ereignis hervorzuheben von großer politischer Bedeutung für Preußen und ganz'Deutsch land — es sind die beiden Reden, welche der Ministerpräsident Fürst Bismarck in den Sitzungen des Abgeordnetenhauses am 30. und 31. v. M. gegen die katholische oder sog. Centrumspartei richtete. Wie aus dem Wortlaut dieser Reden und' ihrer officiösen Auslegung zur Evidenz hervorgeht, bezweckten dieselben nur eine notwendige, mahnende Abwehr gegen die eigentlichen, unter dem Deckmantel der Religion verfolgten, der neuen Gestaltung Deutschlands feindseligen Endziele der genannten Partei, und es steht nach den Aeußerungen des Fürsten mit Sicherheit zu erwarten, daß die Regierung staats rechtlichen Uebcrgrisfcn von jener Seite ebenso nachdrücklich entgegentreien wird, als sie sich, treu ihrem bisherigen Grundsatz, von jedem Eingriff in die inneren Angelegenheiten der kath. Kirche ferne hält. — In der vcrflosfenen Woche hat das Abgeordnetenhaus außer einigen minder wichtigen Angelegenheiten sich mit zwei Gesetzentwürfen befaßt, von welchen der eine, insbesondere durch seine Genehmigung, ein erhöhtes Interesse für unsere Provinz hat, der andere aber, dessen voraussichtlich längere Zeit in Anspruch nch mende Bcrathung letzten Donnerstag begonnen hat, von hoher allgemeiner Wichtigkeit ist. Der erstere, zur Annahme gelangte Entwurf handelte von der Ans dehnung des Staats.Eisenbahnnetzes rc. unter Anderem auch auf die Strecken Bebra-Friedland und Niederhohne-Eschwege im ehemaligen Kurstaat, der andere Entwurf betrifft die Beaufsichtigung des Unterrichtsund Erziehungswesens. — Auch das Herrenhaus, das seit Mitte voriger Woche wieder Sitzungen hält, hat einige wichtige parlamentarische Arbeiten erledigt, wie die Vorlage betr. die Ausdehnung der Geschäfte der preußischen Lank auf Elsaß-Lothringen, das Hypo- lhekengcsetz rc. — Am letzten Mittwoch überraschte uns die telegraphische Nachricht, daß der päpstliche Staatssecretär Antonelli das Concordat von 1801 für Elsaß Lothringen als außer Wirksamkeit betrachte. Da dieser Act ein einseitiges Aufgeben vertragsmäßig ein- gegaugencr Verpflichtungen bedeutet, so ist selbstverständlich die ReichSregicrung als Rechtsnachfolger des anderen Contrahenten schon formell nicht gebunden zur Anerkennung des von der Curie versuchten eigen mächtigen Vorgehens; abgesehen davon sprechen auch materielle, in dem dem Staate vortheilhaften Concordate liegende Gründe für die Aufrechterhaltung desselben. — Zn der würtembergischen Abgeordnetenkammer kam am 7. d. M. ein ähnlicher Antrag zur Beraihung, wie er einen Tag später in der baierische» Kammer gestellt wurde, nämlich der von dem Abg. Oesterlen
Jeannette ließ sich in einen Sessel nieder, von dem Kranken ungesehen, die schwarze Kleidung ließ in dem matten . Dämmerlicht die Marmorblässt ihres Gesichts nur deutlicher hervortreten.
Wohl eine Stunde saß sie so unbeweglich, — der Kranke hatte sanft geschlummert.
Plötzlich regte er sich und warf sich unruhig umher. Jeannette trat rasch an sein Bett, um ihn- einen kühlenden Trunk zu reichen. Er stieß die Hand heftig zurück.
„Germania!" flüsterte er, „trauerst Du um Deine verlorenen Kinder? Siehe, hier sind sie alle, alle, — wir haben sie wieder erkämpft mit unserem Btute Der falsche Franzmann liegt darnieder. Sieg! Sieg!"
Jeannette feufztc und legte ihm leise die Hand auf die fieberheiße Stirne. Er lächelte.
„Wie schön sie ist," fuhr er leise fort, „wer kann sich mit ihr vergleichen? — ich liebe Dich, süße Germania! — Deine blauen Augen und blonden Locken sind deutsch, Du gehörst nicht zum falschen Frankreich. — Straßburg ist deutsch', soll deutsch bleiben für immer. Ich winde Dir den Brautkranz, meine blonde Germania, — ich liebe Dich, nur einem deutschen Manne, der Dich erkämpft, sollst Du angehören. Weg mit dem Franzosenrhum, ich nenne Dich Johanna, meine zürnende Germania, Du süßeS, geliebtes Weib!"
Jeannette zog rasch ihre Hand zurück, sie zuckte zusammen.
Der Kranke wurde unruhiger, 'er stöhnte laut und griff nach der Stirn; leise, fast scheu und zagend legte sie ihre Hand wieder auf dieselbe, wobei sie heftig zitterte.
Ferdinand lächelte beruhigt und entschlummerte aufis Neue.
AIS seine Atbemzüge regelmäßiger wurden, zog sie die zitternde Hand zurück, er schlummerte fort.
Sie beugte sich zu ihm nieder und hauchte einen Kuß auf seine Stirn, worauf sie nach ihrem Sessel zurückfloh und das Antlitz mit beiden Händen bedeckte.
Die Tochter Straßburgs liebte den Feind!
(Fortsetzung folgt.)
eingebrachte Antrag betr. die Rerscrvairechte. Derselbe verlangt, daß der Artikel 78 der Reichsverfassung, welcher lautet: „Diejenigen Vorschriften in der ReichS- verfaffung, durch welche bestimmte Rechte einzelner Bundesstaaten in deren Vcrhältniß zur Gesammiheit festgestellt sind, können nur mit Zustimmung des berechtigten Bundesstaates abzcändert werden," im Sinne des landständischen ZustimmungSrechtes bei etwaigen Abänderungen des Versailler Vertrages bezügl. der Reservatrechte interpretirl werde. Nachdem Tags darauf der Justizminister Namens. der Staatsregierung und mit Genehmigung seines Königs erklärt, daß erstere den eben erwähnten Artikel so verstehe, daß nur die Zustimmung der würtembergischen Bevollmächtigten im Bundesrathe, also nicht auch der würtembergischen Kammern, zu einer solchen Amderung erforderlich sei, ging die Kammer über den Antrag Oesterlen zur Tagesordnung über — Nach der Niesber läge, welche die sog. „patriotische" Partei in der baierischen Abgeordnetenkammer in der Angelegenheit der Augsburger Bischoföbcschwerdc erlitten hat, hätte man glauben dürfen, daß sie nunmehr auf den von ihr seit länger beabsichtigten sog. Jnitiativ-Antrag ütr- zichten werde. Sie that dieses jedoch nicht, und in der Sitzung vom 8. d. M. kam der Antrag zur Verhaud lung, welcher dasselbe für Baiern bezweckte, was der eben erwähnte Antrag OesterlenS für Würtcmberg. Bei der gestern fortgesetzten Verathung wurde aber der Antrag, der in zwei abweichende Fassungen gestellt war, abgelehnt und der ganze Gegenstand darf damit im Sinne der Verwerfung für erledigt betrachtet werdeit.
Es ist Hrn. Thiers bis jetzt nicht gelungen, die österreichische Regierung zur Kündigung ihres Handelsvertrages mit Frankreich zu bestimmen. —- Die Verhandlungen des cisleithanischen Abgeordnetenhauses waren diese Woche ohne weiteres Interesse. Erwähnung verdient einigermaßen die Interpellation, welche die vom Erzbischof von Olmütz in Neutitschein und Proßnitz eigenmächtig vorgeuommene Streichung der in den Kirchenbüchern dieser Gemeinden geschehenen Eintragung von Nothcivilehen betrifft. Die Interpellation wurde von der Regierung dahin beantwortet, baß dieser erzbischöfliche Act Seilens der politischen Verwaltung bereits rechtsunwirksam gemacht worden sei. — Oie Bcrathung über die galizische Frage im Subcomite des Verfassungsausschusses ist, den neuesten Nachrichten zufolge, beendet und hat zu einem die Parteien befriedigenden Compromiß geführt. — Desgleichen soll auch in der Confereuz Lonyay'S mit den kroatischen Vertrauensmännern ein vollständiges Einvernehmen über alle Hauptpunkte erzielt worden sein
Ter schweizerische Nationalrath hat vorläufig die erste Bundesrevision beendigt. Tie Artikel 102 — 115 die von der Organisation und den Compe tenzcn des Bundesgerichts handeln, sowie der Artikel, betr. Vertheilung der Zollentschädigung an tic Alpen- cantone Graubünden, Uri, Tessin und Wallis blieben vorerst noch unerledigt und gingen an hie Commission zurück. Der Stäuderath hat nun noch seine Be rathungen zu Drde zu bringen. — Frankreich gibt sich alle Blühe, den Rest guten Ruseö, der ihm nach dem Krieg noch in der Schweiz verblieben ist, zu vertilgen; nachdem es an der Grenze schweizer Journale chicanirt und confiscirt, hat es, wahrscheinlich als Schadenersatz dafür, letzter Tage der Schweiz 11 zur Ausweisung aus Frankreich verurthcilte Communarden über die Grenze zugcschobcn. Welchen Erfolg die deswegen vom eidgenössischen Gesandten in Paris erhobenen Reclamationen hatten, ist noch nicht bekannt.
Die französische Nationalversammlung ist in der von ihr eingeschlagenen Richtung einer engherzigen und für Frankreich unheilvollen Handelspolitik fortgefahren. Am 2. Febr. nahm sie den Gesetzentwurf an betr. die Kündigung des Handelsvertrages mit England, der seit mehr als einem Jahrzehnt durch seine beiderseitigen segensreichen Folgen sich bewährt hatte. Der Vertrag wird nach der Kündigung, die der französische Botschafter in London, Herzog von Broglie, in der Tasche besitzt, aber bis jetzt noch nicht herauSgenommen Hai, noch ein Jahr lang fortlaufen. — In der gleichen Sitzung wurde der Antrag auf Uebersiedelung der Assemblee nach Paris verworfen. — Die Fusion der beiden Linien des HaufeS Bourbon ist glücklich bis zur vollendeten Confusion gediehen. — Casimir Pericr, der Minister des Innern, ist in Folge der Abstimmung gegen die Uebersiedelung nach Paris von seinem Posten zurückgetrelcn und hat den bisherigen Handelsminister Lefranc zum Nachfolger erhalten. Diesem im Amte ist Herr de Goulard, der fran zösische Gesandte in Rom, gefolgt, der in der glücklichen Lage war, sofort sein Portefeuille in die Hand nehmen zu können, ohne erst von Rom einzutreffen, denn dort hat man ihn in seiner Eigenschaft als Ge> sandter nie gesehen.
Fast alle aus der politischen Tagesordnung stehenden Fragen — und zwar nicht in England allein, werden in den Schatten gestellt durch die leidige, immer mehr und immer rascher anschwellende „Ala- bamnfrage." Das stolze Albion und seine mächtige Tochter in der neuen Welt streiten sich um die Höhe
Bayern
Deutsches Reich.
Württb
** Berlin, 9. Febr. Der Minister des Inner» l)«t in Folge der kürzlich erfolgten Beschlagnahme hiesiger Zeitungen sich veranlaßt gesehen, in einem neuen Erlaß, welcher dem hiesigen Polizei-Präsidium zunächst und abschriftlich den Regierungen zugefertigt worden ist, diese Frage zu erörtern. Es ist bereits rüher daraus hingewiesen worden, daß die letzte Be- chlagnahme der Berliner Blätter nicht im Einklang gestanden habe mit der Verfügung deS Ministers vom 30. Januar 1865. In dem unter dem 5. Februar d. I. erlassenen Circular wird hervorgehoben, daß bei dem jüngsten Verfahren diese Verfügung vom 30. Januar 1865 übergangen wurde, da durch die- clbc angeordnet ist, daß die Beschlagnahme einer Zeitung auf die Beiblätter nicht strafbaren Inhalts alSkann nicht auSzudehnen sei, wenn diese dem z» confiScirenden Blatte noch nicht beigefügt sind, oder von diesem ohne erhebliche Weiterung, eventuell im • Falle deS Anerbietens unter der Beihülse deS
der Summe, resp. um den qualitativen Umfang der Entschädigung, welche ersteres letzterem zu leisten ha, als Ersatz für den Schaden, den der englische Kreuzer „Alabama" und einige andere englische Kaperschiffe Amerika im letzten großen Krieg verursacht haben durch Wegnahme von nordstaatlichem Kriegsmaterial rc. Die streitenden Parteien haben sich zur Schlichtung des Streites im sog. Washingtoner Vertrag über ein Schiedsgericht verständigt, das im Juli d. I. in Genf fein Urtheil fällen soll. Amerika hat bereite diesem Schiedsgericht den ganzen Fall in einem ziemlich umfangreichen Buch dargelegt und auch die englische Regierung hat ihre Auffassung der Sachlage bet dem Gerichte eingereicht und zugleich protestitt gegen die sogen, inbirecten Entschädigungsansprüche Amerika's. Die Summe der amerikanischen Forderungen beträgt in Ziffern ausgedrückt viele Millionen Pfunde, 200, 300, 400 oder noch mehr. Es handelt sich demnach um nichts als Geld. Darauf war England nun allerdings vorbereitet aber, nachdem ihm von amerikanischer Seile seit Jahren versichert wurde, daß die Geldentfchädigung Nebensache sei, Hauptsache dagegen das Eingeständniß begangenen Unrechts, um nachdem die englische Regierung sich wirklich herbei- gelassen hatte, dieses Eingeständniß in der Einleitung des Washingtoner Vertrages abzugeben, lebten die Engländer der süßen Hoffnung, daß damit und mit der Zahlung einer anständigen Summe Geldes di, jahrelange Fehde begraben sein werde. So schien ei auch, bis Amerika mit dem eben erwähnten Buche herausrückte und eS ist sehr fraglich, ob nun überhaupt noch das Genfer Gericht zu einem Urtheil kommen wird. Vor Allem wird nämlich festgestellt werden müssen, worüber daS Schiedsgericht zu entscheiden habe; gerade über diesen Punkt aber sind England und Amerika heute uneiniger, als sie eS jemals über den ganzen Alabamafall waren. England will nichts hören ven einem Urtheil über den Ersatz derjenigen Schäden, die mittelbar aus den Kreuzzügen der Alabama und deren Genossen entstanden sein sollen, nichts vvit den Ausgaben, die der amerikanischen Regierung aus der Verfolgung jener Kreuzer erwuchsen, nichts von den Lasten, die der amerikanischen Handelsflotte mittelbar aus der Erhöhung der Schiffsversicherungen entstanden, am allerletzten aber von dem Begehren der amerikanischen Regierung, daß England die Kosten tragen solle für die Hinausschleppung deS Krieges, die mittelbar ebenfalls Schuld jener Kreuzer gewesen sei. In solchem Sinne, behauptet England, sei der Washingtoner Vertrag von ihm nicht aufgefaßt worden. Für die unmittelbar durch die Kreuzer verursachten Schäden will es aufkommen, wie auch das Schiedsgericht entscheiden mag, nimmermehr aber für die mittelbaren. Amerika seinerseits bleibt hartnäckig auf cem ganzen Umfang seiner Forderung bestehen. So steht nun die Sache, wie man sagt, „auf Spitz und Knopf," und es bleibt die Möglichkeit nicht aus- geschloffen, daß eS schließlich Spitze und Knauf deS Schwertes sind, von welchem die Streiter ihr Heil erwarten. Die zur Parlamentseröffnung am 6. d. M. verlesene Thronrede hat zwar die Alabamafrage, entgegen der Stimmung de» Landes, in gelinder Weise berührt und mitgetheilt, daß die Königin wegen der hohen Ansprüche Amerika's eine freundliche Vorstellung in Washington gemacht habe; aber nach den neuesten Depeschen sind daselbst alle Schritte wirkungslos gc« blieben.
Rios Rosas, der schlaue Führer der spanischen Unioniftenpartei, hat vom König Bmadeo den hohen Orden de« goldenen Vließes erhalten; daö ist fast gleichbedeutend mit dem Siege der alten liberalen Union, der Partei Serranos, über die Progessisten, die Partei des ermordeten Prim, die sich unter dem Ministerium Zorilla der Gewalt ganz bemächtigt hatte. König Amadeo scheint es wirklich gelungen zu sein, mit Sa- gafta's Hülfe die Progressisten zu bemciftern. Die Ruhe im Lande ist wiederhergestellt, und eine ernste Bedeutung scheinen die Wühlereien der oppositionellen Parteien weder zu haben, noch zu bekommen.
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