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Marburg, SonMag, bett 11. Februar.

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Endlich gelangen ihm die folgenden Zeilen: „Hochgeehrtes Fräulein!

Zn Straßburg.

Erzählung von Emilie Heinrichs.

(Fortsetzung.)

Jeannette ging in diesem Augenblick durch's Zim­mer, sie hörte die Worte des jungen Lieutenant'S, ihr Antlitz, wie Marmor bleich, schien noch um einen Schatten blässer zu werden, — unwillkürlich preßte

„Ich bin nicht krank, Vater! nicht einmal ermüdet," lächelte sie, „schlafen könnte ich doch nicht. Bedenke, daß wir diesem Manne unser Leben, unsere Ehre verdanken. Darum laß mich, bester Vater! und wenn Du mir eine Liebe erzeigen willst, dann schaffe den Capitän aus dem Hause, er-ist uns jetzt die fürchter­lichste Einquartierung." " w

„Er will nicht fort," seufzte Güncher, „Du kennst seine Eifersucht."

„Sie ist mir verhaßt, wie seine Gegenwart," flüsterte Jeannette erregt.

„So liebst Du ihn wirklich nicht mehr, Kind? ich versprach ihm Deine Hand — "

„Willst Du Dein Kind einem Mörder geben?"

„Wir dürfen die That nicht so streng beurtheilen," versetzte Günther leise, „die Kriegszeit entschuldigt viel, Haß, Eifersucht, Verzweiflung können den besten Menschen zu einer Uebereilung hinreißen —"

„Nein, Vater!" flüsterte Jeannelte in leidenschaft­licher Erregung, „Du kannst seine That nicht beschö­nigen, ein Deutscher würde sich niemals dazu ernie­drigen. Wäre er Auge in Auge seinem Feinde ent­gegen getreten, ich würde ihn als einen Tapferen ge­priesen haben- So aber verabscheue und verachte ich ihn, meine Liebe hat sich in Haß verwandelt, ich würde lieber sterben, als ihm angehören."

„Sei ruhig, Kind, ich zwinge Dich zu keinem Bündniß, wir sind ja so schon unglücklich genug. Ich gehe jetzt zu ihm, vielleicht gelingt es mir, ihn mit Versprechungen fortzubringen."

„Versprich nichts, was Du ihm nicht halten kannst, Vater! zwischen ihm und mir ist eine unauS« füllbare Kluft."

„Gut, gut, Du sollst mit mir zufriedm sein." Er küßte ihr die Stirn und ging.

Cultusminister Dr. Falk versichert, daß die zahl­reichen Petitionen gegen das Gesetz von der Regie­rung pflichtmäßig berücksichtigt worden sind. Die Re- sierung hat entschieden, daß sie mit Ernst vorgehen, ich aber in ihrem Vorgehen auch durch die Petitionen ncht beirren lassen werde. (Bravo!) Petitionen seien tets gegen die Regierung gerichtet. Die Bewegung ei begreiflich, unbegreiflich aber sei die Unwahrheit, welcher sich die Agitatoren bedienen. Da müsse die Regierung das Mögliche thun, die aufgeregten Ge- müther zu beruhigen. Zunächst müsse das Gesetz klar stellen, was das Gesetz will, wie dies bereits gestern klar gestellt worden ist. Es bedurfte eines Gesetzes, weil die Auslegung des Obertribunals die Bestim­mungen des Allgemeinen Landrechts zweifelhaft gemacht hat. Wie stelle sich die Sache sactisch? Viele Schul- infpectoren würden nicht zu ersetzen sein; tatsächlich solle Alles bleiben; nur das Princip werde geändert. Darum werfe auch der Etat nur 20,000 Thlr. aus. Art. 24 der Verf.-Urk. bestehe und soll bestehen blei­ben, die Rechte auS Artikel 112 seien nicht alterirt. Unbegreiflich sei es, wie man sagen könne, die Kirche würde aus der Schule verdrängt. Er sei überzeugt, daß die Kirche eine ganz andere Macht und Kraft habe, als sie sich selbst zutrafle, denn unter der reli­giösen ^Bewegung zittere der - ganze Erdball. Der Staat habe die ganze und volle Aufsicht, wie ihn gut dünkt; das stelle das allgemeine Gesetz klar auf; der Kirche bleibe die Selbstständigkeit für ihre Unterrichts­zwecke und an eine Säcularisation sei bei der Schul­aufsicht gewiß nicht zu denken. Der Minister tritt daun allen lautgewordenen Befürchtungen entgegen und beantwortet die Frage: warum denn jetzt? warum denn so eilig? dahin, daß die Bedürfnißfrage aus dem Gebiete der Zeitbewegung liege, in dem Bedürfniß, das sich in Gegenden herausgestellt, die Kinder von Leuten, deren Muttersprache nicht die deutsche ist, in der deutschen Sprache auszubilden, und da sei der Subjectivismus der Geistlichen, ein Hinderniß gewesen. Hier handle eS sich darum, das Uebel an der Wurzel auszurotten. Man könne eine Verfassungsbestimmung lange unausgeführt lassen; mache sich aber daS Be­dürfniß geltend, so müsse mit der Ausführung unver­züglich vorgegangen werden. Von einem AuSdmd des Mißtrauens gegen die Geistlich^ sei gar keine Rede; es handle sich um eine Ausführung der Ver­fassung für Alle. (Beifall.)

Fürst Bismarck rügt die Uebertreibung beider Kritik feines Gegners über die Vorlage. Seine Ab-

icht war, von jeher zum Frieden zu mahnen in dieser Zeit der confessionellen Spannung. Er wolle mit dem Centrum unterhandeln, aber das Centrum habe sich mit Aufgaben belastet, welche dem confessionellen Charakter remd waren. Fürst Bismarck kritisirt die Reden Windt- )vrst's, welche befremdend und beunruhigend wirkten. Windrhorst diene noch den welstschen Jnteresfen. Unter der Führung könne das Ccntrum den Zwecken des Friedens und der Versöhnung nicht genügen. Der Fürst verliest einen ausreizenden Artikel aus dem in Königshütte er­scheinenden Blatte „Der Katholik", und geht zu dem Zu­sammenhang der Clerikalen mit den polnischen Fractionen, nsbesondere dem polnischen Adel, über. Der Clerus in den Gebietstheilen mit gemischter Bevölkerung bekämpfe den Unterricht in deutscher Sprache. In Westpreußen verloren ganze Ortschaften den Gebrauch derselben. „Ein Beweis für die Kraft dieser Agitation aus Kosten unserer Gutmüthigkeit; aber sie ist zu Ende! Wir wissen, was wir dem Staate schuldig sind. Wir werden Vorlagen machen, um Polen die Wohlthat der deutschen Sprache angedeihen zu lassen und dabei das Verfahren Frankreichs im Elsaß zum Muster nehmen." Der Abg. Reichensperger möge im Glauben sein, man hege den Wunsch Frieden mit ihm zu machen, und möge er sich von denenftrennen, mit welchen eine Lö­sung unmöglich; die Rechte aber möge vom Mißtrauen zu der Regierung lassen, welche vom Könige ernannt sei, und möge zum Geiste der gegenwärtigen Regierung Zutrauen haben, statt sich vor Gespenstern und der Zu­kunft zu fürchten.

Die Abgg. Gneist und Bethusy-Huc sprechen für, Wiersbinski gegen die Vorlage.

gW i n d t h o r st entgegnet dem Reichskanzler, er sei bereit, aus der Centrumsfraclion auszutreten, wenn damit die Vorlage beseitigt werde.

Anläßlich der Bemerkung Windthorst'S, daß der Ministerpräsident der diScretionären Gewalt des Prä­sidenten nicht unterliege, bemerkt Forckenbeck, daß alle Präsidenten bis auf ihn an der diScretionären Gewalt über die Minister fefthielten. Für ihn sei bis­her kein klarer Grund zur Anwendung derselben vor­gelegen.

Fürst Bismarck erklärt, diese Ansicht des Prä­sidenten nicht zu theilen. Gegen Windhorst bemerkt der Fürst, daß sein Austritt aus der CentrumSpartei allerdings im Interesse des confessionellen Friedens liege. Voiausgesetzt, daß derselbe kein blos formeller sein würde, sei er gern zu beträchtlichen Opfern bereit.

Forckenbeck erklärt, die Streitfrage nicht weiter

die liebevollste Pflege genießt, der Familie Wallner im Falle eines Besuches seine volle Gastfteundschaft anbietet. Wenn auch noch nicht all' und jede Hoff­nung, das Leben deS theuren Freundes zu erhalten, verschwunden ist, so glaubte ich doch mit diesen Zeilen eine heilige Pflicht ersüllen zu müssen. Ihr Sie hoch verehrender und ergebener

Karl Stauffen, Artillerie-Lieutenant.

Straßburg, im October 1870."

Nachdem er das Geschriebene noch einmal aufmerk­sam überlesen, um sich zu versichern, keinen Fehler be­gangen zu haben, couvertirte er rS und brachte den Brief selbst auf die Post."

„Solche Briefe sind schwerer, als ich geglaubt", meinte er dann; wie viel lieber mit der Kugel, schrei­ben und diese an den Feind adressiren, als an ein junges, schönes Mädchen."

Er seufzte tief und begab sich nach Hause.

ES war um Mitternacht. In dem Krankenzimmer war Alles still wie im Grabe; der Kranke schlummerte. Die Natur schien endlich erschöpft zu sein und die nothwendige Ruhe einzutreten; mit dem anhaltenden Schlaf konnte sich der Zustand zum Besseren wenden.

AthernloS lauschten Günther und seine Tochter dem Schlummer deS bleichen, jungen Mannes, der sich in diesen wenigen Tagen zum Erschrecken verändert hatte.

„Gottlob, er schlummert ruhig und fest," flüsterte der Kaufmann, „wie wollte ich dem Himmel für seine Genesung danken."

Jeannette nickte und erwiderte eben so leise: „Geh' Du jetzt zur Ruhe, Vater! ich wecke Dich nachher."

„Nein, nein, Du sollst schlafen, Kind! Du wirst krank vom vielen Wachen, bist es schon, Deine Bläffe verräth es mir, — o Gott! Das fehtte mir noch nach all' dem Leiden."

Erschrecken Sie nicht, von fremder Hand Schreiben mit dem Feldpostzeichen zu erhalten; doch hielt ich es für meine Pflicht, Ihnen, als einer nahen Verwandten meines Freundes Ferdinand Wallner, die Nachricht zukommen zu lasten, daß ein unglücklicher Zufall ihm eine nicht unbedeutende Verwundung zugezogen, die für mich um so betrübender ist, als er mir dadurch da« Leben gerettet. Ich wage eS nicht, den Grotz- dtern meines und Ihres Freundes diese Nachricht bittet zu schreiben, hoffe vielmehr durch Ihre zarte und gütige Vermittelung derselben die Spitze zu nch- luen und füge die Bemerkung hinzu, daß der Kauf­mann Johannes Günther, in dessen Hause Ferdinand

sie die Hand auf s Herz.

„Thun Sie das, Herr Lieutenant!" erwiderte Günther, „fügen Sie hinzu, daß mein Haus Jedem der Familie Wallner zur freien Disposition stehe."

‘ Stauffen setzte sich an des Hausherrn Schreibtisch und schrieb sogleich den Brief an Fräulein Bertha Sannemann in Hamburg; ihre Adresse befand sich auf einem Couvert, das ihre Photographie umschloß, welche auf seinem Herzen ruhte.

Der junge Mann, der mit fester, sicherer Hand so manches tobtbringenbe Geschütz gerichtet, konnte jetzt das Zittern nicht bewältigen und mußte zweimal Geschriebene cassiren.

Sitzung vom 9. Februar.

Präsident v. Forckenbeck eröffnet die Sitzung um ili/4 Uhr Vorrn.

Die Tribünen sind ebenso gefüllt wie gestern. Ministertische die Herren Falk, Fürst Bismarck.

Nach geschäftlichen Mittheilungen Seitens

Präsidenten fährt das Haus in der GeneraldiScusston über das SchulaussichtSgesetz fort.

Abg. Strosser spricht gegen die Vorlage und wendet sich zunächst gegen den Abg. LaSker, der gestern nicht mit Glück als Theologe debütirt habe, sodann gegen den Abg. Virchow. Redner folgt Satz für Satz den Reden Laskers und Virchows. Des Weiteren spricht er dem abgetretenen Kultusminister v. Mühler den Dank aus für daS tapfere Verhalten in früheren Jahren, wenn auch seit Jahresfrist die Conservativen oft hätten gegen ihn auftreten müssen. Redner gehl dann aus die ultramontane Frage ein. „Ultramontan" sei em Schlagwort der liberalen Partei, eine einge­bildete Schreckgestalt; mit ähnlichen Schlagworten z. B. Feudal, Reactionär, Junker habe man die Conservativen vor einigen Jahren auch bezeichnet. Die nationalen Bewegungen in Posen und Westpreußen mögen die Regierung zur Aufmerksamkeit aufrufen und zur Energie veranlassen, aber nicht durch Entfernung der Schulinspectoren, sondern durch Ueberweisung an den Strafrichter. Mit diesem Gesetzentwurse sei das Princip der Trennung von der Schule angebahnt und das sei die große Gefahr, zumal bei den hieraus folgenden Consequenzen, z. B. Aufhebung des obliga- torischen Religionsunterrichtes aus den Gymnasien. Die schlimmste Bestimmung in der Vorlage liege in der Etablirung von Schulinspectoren L und II Klasse, Bezahlten und Unbezahlten u. s. w.

Landtage.

«Sau« der Abgeordneten. 28. Plenar-Sitzung 55 vom 8. Februar 1872.

(Schluß.)

Abg. Windthorst (Meppen) führt in gleicher Tmdeuz wie sein College Reichensperger (Olpe) aus, daß die Schule durch das neue Gesetz dem specifischen Bekeimtniß sowohl wie dem Christenthum überhaupt entfremdet werde.

Abg. Lasker tritt den Ausführungen Wmdthorst« entgegen.

Es wird ein Antrag auf Vertagung angenommen und es folgt eine Reihe von persönlichen Bernerkun gen, worauf sich das Haus vertagt bis Freitag 11 Uhr.

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