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Auszug aus der Thronrede haben wir bereits mitgk theilt; es mögen hier nur die Punkte ausführlich! berücksichtigt werden, welche im Allgemeinen und fi Deutschland ein besonderes Interesse haben. In N

eine Thätigkeit derselben zugelassen werden. Tas aus­gedehnteste placet regium, das für Preußen bekannt­lich nicht mehr cxistirt, gilt somit für Elsaß-Lothringen uub verleiht der Reichsregierung nicht nur das Reckt, einem kirchlichen Gesetze, einem Concordatsbeschlusse, einer Einrichtung u. s. w. die Genehmigung zu ver­sagen, sobald sie dem Staatsintcresse bedenklich er­scheinen, sondern auch selbstverständlich die Besugniß, die früher ertheilte Genehmigung zurückzunehmen, so­bald veränderte Verhältnisse und gewonnene Erfah­rungen dies erforderlich machen sollten. Bei der be­kannten Gesinnung deS Clcrus in dem neuen Reichs­lande kann es der Regierung desselben nicht einsallen, ihre wohlerworbenen Rechte durch einseitige Willens­akte der erwähnten Art sich schmälern zu lassen. — Der mehrfach geäußerte Wunsch, daß die Staats- regierung schon jetzt mit den Gehaltserhöhungen .vor­gehen möge, ist nicht ausführbar, da es sich nicht um bereits früher in dem Etat des Vorjahres genehmigte Positionen handelt und auch nach deßhalb in der Commission gestellten Anträgen noch nicht einmal die in Aussicht genommenen neuen Positionen feststchen, somit abgesehen vom Herrenhause, noch nicht einmal gewiß ist, wie das Endresultat im Abgeordnetenhause sich Herausstellen wird.

*• Berlin 7. Febr. Die gestrige Sitzung des Staatsministerums beichäftigte sich mit Landtags- Angelegenheiten. Man wird nicht irren, wenn man annimmt, daß eS sich um die Eventualitäten der De­batte über das SLulaufsiLtsgesetz im Abgeordneten­hause handelte, ferner um die jüngsten Beschlüsse und Anträge des Herrenhauses bezüglich der Hypotheken­reform. Dieselbe hat, wie man vermuihete, daselbst lebhafte Meinungskämpfe hervorgerufen. Was die Differenz über die Tariffrage anbelangt, so ist zu bezweifeln, daß die Regierung in eine noch weitere Herabsetzung des Tarifs einwilligen wird, als dies bereits geschehen. Auch die anderen hervortretenden Wünsche und Umänderungen der Commission werden noch große Schwierigkeiten bereiten. Die „Provinz - Corresp." bringt heute einen Auszug aüs den Motiven des Gesetzes, worin die dringende Nothwendigkeit der beabsichtigten Reform nachdrücklich betont wird und theilt in gleicher Weise die Rede deS Reg.-Ccmmisiars Geh. Justizraths Förster mit. DaS halbofficiöse Blatt kommt ferner noch einmal aus die Rede des Fürsten Bismarck am 30. und 31. Januar zurück, um am Vorabend des parlamentarischen Kampfe» über das Schulaufsichtsgesetz die Ultramontanen noch einmal daran zu erinnern, daß sie die Angreifenden waren und der Staat'sich nur gegen' ihre Ansprüche wehrt, daß es ihnen leicht sein würde, den so wünschenswer- then confessionellen Frieden herzustellen, wenn sie von ihrer Ueberhebung lassen und sich dem für alle gleichen Rechte unterordncn wollten. — Wenn auch die Aus­sichten der Kreisordnung durchaus günstig sind, neh- mcn doch die Bemühungen der Commissionen nur einen sehr langsamen Verlauf. Wenn man indessen befürchtet, sie möchten noch bis Ende März dauern, so ist dies wohl etwas sehr pessiuiistisch. Man hofft allseitig, dieselbe bis zum Ende d. M. zum Abschlüsse

von fünf französischen Gendarmen bis an die schweizer Grenze bei Verrisres escortirt und der Schweiz zu­geschoben worden, ohne daß diese Leute eine ander, Legitimation bei sich führten als das über sie ver­hängte AusweisungSurtbeil Selbstverständlich hat.der Bundesrath sofort seinen Minister in Paris, Herrn Dr. Kern, beauftragt, gegen dieses dem völkerrecht­lichen Brauch Hohn sprechende Verfahren energisch Protest zu erheben. Wie vieles Andere, scheint den Franzosen auch der Rccktsgruudsatz verloren gegangen zu sein, daß kein Staat zur Ausweisung verurlheilt, Individuen einem anderen Staate zuweisen darf, ohn, vorher dessen Einwilligung dazu eingeholt zu baben. Die Ausgewiesenen, von denen hier die Rede ist, be­finden sich augenblicklich in Genf, wohin sie sich aus Kosten der Neuenburger Behörden begeben haben.

Frankreich.

Pari-, 7. Febr. In der Sitzung der National­versammlung am letzten Montag fand zuerst die Neu­wahl des Vorstandes statt. Nach Erledigung einiger unwichtiger Zwischenfälle kam sodann zur Discussm die Rolle, welche die Geueralräthe spielen sollen, fallt ein Aufstand oder andere Ereignisfe die Nationalver- sammlnng an ihrem Zusammentritt hinderten, de Tre- veneuc, welcher den betreffenden Antrag gestellt, er­klärte, daß das Project einen Handstreich unmöglich machen soll, einerlei, ob er von Cäsar oder von Cati- lina auSgehe. Boisfet widersprach, daß der vorliegend Antrag einen 18. März oder einen 18 Brnmaia unmöglich mache. Eine Stimme auf der Rechten rir ihm zu: Sprechen Sie vom 4. September! Pellelm unterbrach heftig. Der Präsident ermahnte ihn zm Ruhe. Boisset setzte dann weiter auseinander, das das einzige Mittel gegen die Prälendenten eine fett währende thätige Ueberwachung derselben sei. Baragnm (Legitimist) trat für den Vorschlag ein. Er natmti jede Revolution ein Verbrechen und griff die Männa vom 4. September an, denen er vorwarf, die Gcwal behalten zu haben, die sie sofort in die Hand bt Nation hätten niederlegen müssen. Er kritisirte am das Decrct Gambctta's, welches das allgemein« Stimmrecht habe beschneiden wollen. Dann tadelte e die Revolution von 1830. Ein anderer Redner wai der legitimistischen Partei vor, Unruhen im Süd« hervorgerufen zu haben. Dupin erwiderte, dies s< eine Verleumdung. (Lauge lärmende Unterbrechung. Die Diskussion wurde bis zum andern Tag ausgesetzl — In einigen Tagen wird das Buch des Herzog von Gramont über die Ursachen des Krieges w 1870 erscheinen. Dasselbe hat den Zweck, zu beweisei daß dieser Krieg von Preußen gewollt, herbeigesüh« und vorbereitet seil — Im Journal „des Debais ist der erste einer Reihe von Artikeln über Gervinn erschienen. Der Verfasser Will den Franzosen zeige« wie es kam, daß GervinuS vereinsamt, verkannt, untt den heftigsten Angriffen, in'S Herz getroffen durch d Gegnerschaft seiner Freunde gestorben fei. Zunächs gibt er eine Biographie seines Autors, die für d Franzosen lehrreich sein mag, für deutsche Leser jede« nichts Neues bringt.

Großbritannien.

London, 7. Febr. Das Parlament ist gestek Nachmittag eröffnet worden. Einen telegraphisch»

zu bringend •

Schweiz.

Bern, 6. Febr. Am 31. Jan. sind, laut Mel­dung des Justiz und Polizei-Departements des Can- tons Neuenburg an den Buudesrath, 11 zur Aus­weisung aus Frankreich veruriheilte Communardell: . . . ... _

1 Pole, 1 Belgier, 1 Schweizer und 8 Franzosen zug auf dieselben sagt die Thronrede: Die in Gemas

gegangen, um die mit General Susanne entstandenen Schwierigkeiten zu prüfen. Die Commission wird die Frage in Erwägung ziehen, ob die Versammlung weiter mit dieser Angelegenheit beschäftigt werden soll. — Die Nationalversammlung hat den Vorschlag Tre- veneuc bezüglich der eventuellen Rolle der General- räthe itft Falle einer Revolution an die Commission zurückgewiesen.

In der Sitzung des englischen Oberhauses am letzten Dienstag erklärte Earl Granville bei der Adreßdebatte, obschon England bezüglich des fran­zösischen Handelsvertrages bereit sei, allen gerechten Anforderungen zu entsprechen, so sei es nicht zu Rück­schritten in Betreff des Freihandels geneigt. Bezüglich der Alabamafrage werde die Regierung die Rechte des Landes nicht opfern, jedoch Alles für eine befriedigende Lö­sung thun Die Adresse wurde angenommen. — Im Un- terhausc griff bei der Adreßdebatte Disraeli die Politik der Regierung heftig an und erklärte, er werde die Ballotbill bekämpfen; auch die Bestimmungen des Washingtoner Bertrags waren Gegenstand der An griffe des Redners, welcher die Regierung für den­selben verantwortlich machte. Die Regierung werde, wenn sie den ausschweifenden Forderungen Amerikas widerstehe, vom Parlament und dem Lande unter­stützt werden. Gladstone wies die Angriffe zurück und nahm die volle Verantwortlichkeit des Vertrags auf sich. Er zählte die Amerika gegenüber schon gemachten Zugeständnisse auf und bezeichnete die nachträglichen Forderungen Amerikas für unannehmbar, selbst dann, wenn England durch Krieg und Nationalunglück tief gesunkenen wäre. Die Adreffe wurde ohne Abstim­mung angenommen.

Der um 2 Uhr Nachmittags von Luxemburg nach Trier abgelaffene Personenzug stieß letzten Dienstag vor der Station Oetringen mit einem Lastzug zu­sammen. Der Zugführer blieb tobt-, vier Passagiere erlitten Verletzungen.

Die gemäßigte Sprache der englischen Thronrede bezüglich der Alabamafrage ist in Newyork sehr günstig ausgenommen worden.

Deutsches Reich.

△ Setlin, 7. Febr. Wie es heißt, hätte Car­dinal Antonelli erklärt, daß di« Curie das Concordat von 1801 für Elsaß-Lothringen als nicht ferner gel­tend betrachte. ES versteht sich von selbst, daß die Reichsregierung einen solchen einseitigen Akt für nicht verbindlich und für rechtlich null und nichtig erachten würde, um so mehr, als gerade daS. gedachte Con­cordat nebst dem dazu erlassenen organischen Statut von 1802 die Rechte des Staates etwaigen Ueber- griffen der geistlichen Gewalt gegenüber in ausrei­chender Weise gewährleistet. Namentlich sind dadurch die Befugnisse des Staates jenen Mißbräuchen gegen­über durch Einschreiten und Rekurse (appels comme d’abus) umfassend geregelt, und während es zur Si­cherung dieser Rechte eines besonderen Rechtsgesetzes gegen die Mißbräucke der geistlichen Gewalt für das übrige Reich bedürfte, -so bestimmt das obengedachte organische Statut, welche» zum Concordat von 1801 erlassen wurde, daß dergleichen mißbräuchliche Aus­übungen geistlicher Amtsgewalt als Verbrechen nach dem Code penal zu bestrafen sind. Nach dem Con­cordat und Statut dürfen keine kirchlichen Gesetze und päpstlichen Verfügungen oder ConcilSbeschlüffe angenommen, bekannt gemacht, gedruckt und ange­wendet, und keine Agenten auswärtiger Behörden oder

„Sie sind einstweilen mein Gefangener," fuhr «Stauffen finster fort, „in Ihrem Hause ist der Mörder, Sie haften für denselben."

„Um Gotteswillen, Herr Lieutenant!" stammelte Günther leichenblaß, wie leicht kann sich ein schlechtes Subject in's Haus geschlichen haben, — kann man doch dasselbe nicht einmal verschließen."

„Ihr Betragen vorhin war mehr als zweideutig, Sie führten uns gefliffentlich jenen Weg, um uns vielleicht Beide morden zu lasten; es ist Ihnen nur halb gelungen, ich werde den Freund fürchterlich rächen, verlosten Sie sich darauf.

„Ich schwöre Ihnen, daß ich unschuldig bin," rief Günther zitternd, „der Schein zeugt wider mich, ich gestehe es, und doch bezweckte ich just daS Gegentheil damit."

„Rann ich mir denken," lachte Stauffen bitter auf, „um uns vor der Mordkugel zu schützen, führten Sie uns in jene dunkle Seitentreppe, wo man uns ohne Gefahr abschlachten konnte. Habe ich nicht die Waffe im Nacken gefühlt? Sie hätte mich getroffen, wenn mein Freund mich nicht weggerissen und so ge­rettet hätte. Die Sache liegt so einfach wie möglich, ich kann und darf Sie nicht schützen."

Während der junge Lieutenant vor Angst und Aufregung um den Freund fast verging und am lieb­sten gleich selber Rache genommen hätte an dem fei gen Mörder, spielte eine andere Scene in einem ab gelegenen Zimmer, das nur zum Theil von der Zer störung verschont geblieben war.

Hier stand Jeannette bleich und mit flammendem

Blick vor einem jungen Mann in bürgerlicher Klei­dung , besten ganzes Aussehen den Franzosen, dessen Haltung den Militär verrieth.

E« war ein schöner Mann, schlank und kräftig, doch mit einem häßlichen Zug um den spöttischen Mund und in den bunfelen Augen, die trotzig vor sich hin schauten.

„Sie sind ein feiger Meuchelmörder, Herr Capi tän!" sprach sie leise in französischer Sprache, „und haben sich mit dieser Thal, die ich verabscheue, entehrt, uns aber in's Verderben gestürzt. Mein Vater ist bereits Gefangener, er wird der Kugel nicht entgehen."

„Ich bin kein Mörder," versetzte der Capitän trotzig, „wenn ich den Feind vernichte, wo und wie ich ihn treffe, so bin ich im Recht. Und ich freue mich der Thai, bin stolz auf diesen Schuß, der mich von einem Todfeind befreit."

„Was hatte Ihnen dieser arme junge Mensch denn noch Besonderes gethan, um ihn so hinterlistig zu morden, Etienne?" fragte Jeannette mit bebender Stimme.

„Weil ich ihn haste als Preuße und weil Sie ihn gelobt, Jeannette!"

„Weil ich ihn gelobt," wiederholte sie empört, „elende Lüge, mit welcher Sie den Mord beschönigen wollen; — Feigling! willst Du mir die Hälfte Dei­ner Thai auf bürd en ? — Aber was wollte, ich denn nur hier? Ah so, Ihnen sagen, daß Sie augenblick­lich fliehen sollen; in der nächsten halben Stunde kann das Haus durchsucht werden, der Thäter wird erschossen."

Der Franzose fuhr empor.

„Ich werde in diesem Wirrwarr und in dies Verkleidung leicht nach der Schweiz entkommen," sag er hastig, „folgen Sie mir, theure Jeannette!"

„Ich veriaste meinen Vater nicht."

„Ihm wird Nichts geschehen," fuhr jener einbri« lich fort; „die beiden Fremden gingen hinter Ihn Vater, seine Unschuld ist erwiesen; auf Sie aber ko« nach meiner Flucht leicht der Verdacht fallen."

„Ich fürchte ihn nicht," versetzte sie entschloss« doch mit einer unsäglichen Verachtung in der Stirn» „auch der Feind hat Achtung vor meinem Geschieh Eilen Sie, zweifache Strafe möchte den Capitän D pont treffen, wenn man ihn hier entdeckte."

„So leben Sie wohl, Jeannette!" flüsterte d Capitän, zärtlich ihre Hand ergreifend, die sie i$ mit einer heftigen Bewegung entzog, „bald sehen u* so hoffe ich fest, uns fröhlicher wieder, und § werden mir dann erlauben, um diese kleine Hand werben."

„Nimmermehr," rief sie fast drohend, „bi* «Stuube trennt uns für immer, Capitän Dupont! & fernen «Sie sich, bevor die Rache der Deutschen S ereilt." _ .

Sie eilte hinaus; der Franzose sah ihr finfi nach und stampfte bann zornig den Boden.

„Ich gehe nicht," murmelte er, „vielleicht ist b Preuße nicht einmal tödtlich getroffen und bann

Er raffte eilig einige Sacken, die umher la^ zusammen und schlüpfte ebenfalls hinaus.

(Fortsetzung folgt.)