Deutsches Reich.
A Berlin, 5. Febr. In seiner bekannten jüngsten gegen die Centrums-Fraction gerichteten Rede erwähnt Fürst Bismarck unter Anderem, dast er selbst früher beabsichtigt habe, eine Nunciatur für Berlin zuzu lassen. Ein über Alles und noch einiges mehr schreibender Berliner Correspondcnt der „Elbcrs. Ztg." knüpft a» jene Erklärung des Ministerpräsidenten die ungeheuerlichsten Betrachtungen, wie er denn über Haupt in den unschuldigsten Dingen die staatsgefähr- lichstcn Momente wittert oder zu wittern auch wohl oft nur vorgibt, um sich dann mit selbstgefälliger Breite darüber ergehen zu können. In früheren Zeiten übten allerdings die päpstlichen Legalen und die ihnen im Range gleichgestellten Nunciare einen oft bedeutenden Einfluß dadlirch aus, daß sie sich zu stehenden päpstlichen Tribunalen gestalteten, bei der päpstlichen Jurisdiction concurrirten, die päpstlichen Reservat- rechlc ausübten und überhaupt mit großen Facultätcn auSgestattet wurden. Diese ihre ost mißbräuchlich ausgeübte, die Einheit der Kirche gefährdende Macht wurde sogar durch das Concil von Trient und später durch den Genfer Congreß theils aufgehoben, theilS eingeschränkt. Jetzt noch von einer solchen Macht zu sprechen, ist eine reine Lächerlichkeit Die päpstlichen Nunciare sind nur noch einfache diplomatische Persönlichkeiten und unterscheiden sich von andern Diplomaten höchstens nur noch durch den ihnen beigelegten Rang, indem sie mit den Botschaftern zur ersten Rang- klasse gezählt werden. Ihre Mission ist um so ungefährlicher, als ihre Zulassung von dem Ermessen des Landesherrn abhängt, welcher zugleich kraft des Ho- heitsrechtö berechtigt ist, die Vorlegung der ihnen etwa ertheilte.! Facultäten zu fordern. — Da der bisher als Polizeidirector in Straßburg fungtrende Landrath Meyer aus seinen früheren Poften zurückkehren wird, so steht die anderweitige Besetzung jener Stelle in Aussicht. — Nach einer dem Bundesrathe zugegangencn Vorlage beträgt der Beitrag von Elsaß Lothringen zu den Garnisonskosten über den Frie densetat hinaus für die Zeit vom 1. Juli bis 31. December 1871 die Summe von 1,787,512 Thlr. 13 Sgr., und sollen diese aus den Einuahmen des Jahres 1871 an die Rcichshauptkasse abgeführt werden. — DaS ReichSpreßgesetz ist, wie wiederholt und des Zweifels der „Montags-Ztg." gegenüber be stimmt versichert werden kann, vor 14 Tagen den Einzelregierungen zur Aeußerung zugesendet. Was die „Bank- und Hcmdelsztg." über den angeblichen Inhalt des Gesetzes wissen will, beruht lediglich auf grundloser Conjcc'.ur.
In Bezug aus die Anwendung der deutschen Sprache im diplomatischen Schriftverkehr Seitens der deutschen Regierung bemerkt der Berliner Berichterstatter der „Times", daß dieselbe nicht so ausschließ lich sei, wie man annehme. Nur diejenigen Regierungen, welche Deutschland in ihrer eigenen Sprache anrcden, erhalten deutsche Antworten, während französisch ab- gefaßte Noten auch französisch beantwortet werden. Die einzige Ausnahme von letzterer Regel wird in Bezug auf Frankreich gemacht, indem man annimmt, daß die französischen Diplomaten nicht sowohl die all-
„Am Ende hat sie's Dir angethan," rief der Lieutenant, ängstlich stehen bleibend.
„Warum nicht gar, Mensch! Darf ich sie nicht schön, prächtig wunderbar finden?"
„Hm, was man mit solchen Augen betrachtet, sitzt schon im Herzen," meinte Stauffen bedenklich, „ich finde sie gar nicht schön, solche Blondinen sind nun einmal mein Geschmack nicht."
„Weil Du selber blond bist," erwiderte Ferdinand, „eigentlich ein wenig impertinent blond, im Uebrigcn aber ein hübscher Kerl und was das Beste ist, ein wackeres, muthigeS Herz, ein tapferer Soldat. Am Ende gefällt Dir diese, Freund Stauffen?"
Er zog seine Brieftasche hervor und nahm eine Photographie gu6 derselben, die er dem Lieutenant hinreichte.
(Fortsetzung folgt.)
Der Empfang des deutschen Consnls in Siam.
(Fortsetzung statt Schluß.)
Hierauf hielt der Consul folgende Ansprache:
„Nachdem Se. Majestät der Deutsche Kaiser und König von Preußen, mein Allergnädigster Herr, geruht hat, mich zum Consul des Deutschen Reiches für das Königreich Siam zu ernennen, gereicht es mir zur hohen Freude, an dem heutigen Tage bei dem gegenwärtigen feierlichen Acte der Interpret der freundschaftlichen Gesinnungen zu fein, welche Deutschland für das Königreich empfindet, das Ew. Majestät beherrschen, und hierbei den innigen Wunsch auszu- sprechen, daß es der Weisheit Ew Majestät Regierung gelingen möge, jenes Band zwischen den beiden Nationen immer fester zu knüpfen. Nicht werde ich unterlassen, allen Fleiß und alle Mühe anzuwenden, um die Ehre des deutschen Namens aufrecht zu erhalten, Recht und Gerechtigkeit auszuüben und mich so des Vertrauens meines erhabenen Souveräns würdig
(Schluß folgt.)
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zu machen, wie ich andererseits Ew. Majestät bitte, mich stets als den wahren und aufrichtigen Freund Ihres Landes zu betrachten. Indem ich jetzt das Pa teüt, in Kraft besten ich das Amt als Consul des Deutschen Reiches ausüben darf, in Ew.'Majestät Hände nicderzulegen die hohe Ehre habe, bitte ich Ew. Majestät ehrfurchtsvoll, mir das Exequatur ertheilen zu wollen."
Von dieser Ansprache war dem Könige bereits am Morgen eine Uebersetzung übergeben worden. Nachdem der Consul diese Worte, die ersten in deutscher Sprache, die jemals in diesem Saale gehört worden waren, gesprochen hatte, schritt derselbe unter dreimaligen Verbeugungen auf Se. Majestät zu und überreichte das Patent, worauf Se. Majestät dem Consul daS Exequatur eigenhändig übergab und demselben folgende Erwiederung ertheilte:
„Wir sind hoch erfreut, daß Se. Kaiserliche Ma- jestät, der Deutsche Kaiser und König von Preußen, Sie zum Conjul des Deutschen Reiches in Bangkok ernannt hat, um die guten Beziehungen von Freundschaft, die in so glücklicher Weise zwischen Deutschland und Siam bestehen, zu bewahren, zu vermehren und sic dauernd zu machen. Es ist Unser Wunsch, daß es Ihre Absicht jein möge, recht zu handeln, Unsere Vertragöbeziehungen zu pflegen, zu erhalten, und daß diese durch alle Generationen des Himmels und der Erde fortgesetzt werden mögen! Sollten Sie in Ihrer Eigenschaft als Consul des Deutschen Reiches irgcnv welche osficiellen Staatsangelegenheiten haben, oder irgend welche Geschäfte, die sich auf Rechtshändel zwischen deutschen und siamesischen Kaufleuten beziehen, so berathschiagen Sie mit Unseren Staats-Ministern, um zu einem gerechten und billigen Ausgleiche zu kommen.
Das Exequatur, in englischer Sprache abgefaßt, trug an feiner Spitze folgende Titulatur: „Somdech.
erhalten. Hierin besieht die einzige Neuerung, welche Fürst Bismarck eiugesührt hat. Einen viel weiter gehenden Gebrauch der deutschen Sprache zu diplomatischen Zwecken machte Graf Bernstorff, als derselbe Minister des Auswärtigen war. Er wollte aus schließlich deutsch schreiben — eine Sitte, welche von ieinem Nachfolger anfgegeben wurde und jetzt nur zum Theil wieder ausgenommen worden ist.
Oesterreich - Ungarn.
Pesth, 4. Febr. Das „Amtsblatt" bringt die Ernennung des Historikers Bischof Michael Horwath zum Präsidenten des Unterrichtsrathes. — Am 15. d. Mts. gelangt, der „N. Fr. Pr." zufolge, der Proceß deS Grafen Andraffy gegen Miletic wegen der von dem letzteren erhobenen Beschuldigung der Mitschuld Andrasty'S an der Ermordung des Fürsten von Serbien vor daS hiesige Schwurgericht. — „Pesti Naplo" meldet, die serbischen Vertrauensmänner haben in einer Konferenz mit dein Grafen Lonyay und dein Minister Pauler die gleiche Autonomie wie die Rumänier in Kirche und Schule verlangt.
Frankreich.
Paris, 3. Febr. Der Regierung sind drei Gesetzentwürfe unterbreitet worden, welche die Verlängerung der Eisenbahn von Paris nach Versailles bis zur Thüre der National-Versammlung verlangen. — Der Herzog von Auinale ist Gegner der Kündigung des Handelsvertrages mit England und hat für den Antrag der Deputirten der Gironde gestimmt. — Die Stadt Paris hat jetzt an bett Staat die Forderung gestellt, ihr die 210 Millionen Kriegssteuer, die sie an Preußen bezahlen mußte, zu ersetzen. Sie stützt sich darauf daß Paris den Waffenstillstand nicht allein für sich, sondern für ganz Frankreich abgeschlossen habe. Der Seine - Präfect hat die 450,000 Franken Aufwandsgelder, die bisher die Stadt ihrem Präfecten zukotnmen ließ, auf 6000 Franken reducirt. Das Stadthaus wird also in Zukunft keine großen Feste mehr geben.. — Dieser Tage erhielt der hiesige schweizerische Gesandte, Hr. Br. Kern, einen neuen Beweis der Anerkennung, welche fein und seiner Gemahlin Verhalten während der Belagerung von Paris in seiner Heimath gesunden. Auf Anregung des äl testen genfer Vereins, Societe de 1’Arquebuse, der seit nahezu 400 Jahren besteht, waren sämmtliche genfer Gesellschaften zusammengetreten, um der Gemahlin des Gesandten für ihre aufopferungsvolle Thätigkeit und ihr wohlthätiges Wirken in der Zeit der Bedrängniß ein glänzendes Zeugniß der Dankbarkeit zu geben. Eine Deputation an bereit Spitze ber Vice - Präsident des genfer Nationalrathes, Hr. Vautier, stand, überbrachte Frau Dr. Kern ein prachtvolles Silber-Plateau in künstlerisch vollendeter Arbeit mit schmeichelhafter Widmung, den Wappen ber 22 schweizer Canlone unb ber Eidgenossenschaft und zwei Figuren in getriebener Arbeit, den Frieden und die Barmherzigkeit darstellend, geschmückt. Aus die feierliche Ueberrcichungsreve erwiderte der Gesandte, der gleichzeitig das Diplom als Ehrenmitglied der Societe de 1’Arquebuse erhielt, daß er die reiche
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Frankf.
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ber hiesigen Schweizer-Vereine hatte sich, ben genfer Delegirten angeschlossen, um bei dieser Gelegenheit dem Gesandten *anzukünbigen, baß die ihm von ber Schweizer-Colonie zugcbachte Ehrengabe, ein Bild, das hiesige Schweizer-Asyl-barstellenb, bereits von dem bekannten Schweizer-Lanbschafler Anker in Angriff genommen sei. — Ein Hr. A. Filon, wahrscheinlich ber Privat - Secretär ' ber Kaiserin (äugenie, schreibt ans Chiselhurft an bic „Times," baß seit einigen Monaten viele Leute in verschiedenen Ländern Enropa's französische, spanische oder deutsche Briefe mit wechselnden Unterschriften empfangen haben, deren Schrei, bet, ein Spanier, dem House der Kaiserin Eugenik anzugehören erklärt und eine Erzählung hinzusügl, wie ihm die Kaiserin vor ber Revolution am 4. September eine mit Juwelen unb Werthpapieren angesüllte Kiste anvertraut habe, bic er über bie Pyrenäen retten sollte, wie er~ben Schatz noch glücklich vergraben habe, ehe er in Spanien wegen seiner politischen Vergangenheit verhaftet worben sei. Nun würbe es ihm mittels einer kleinen Summe Geldes leicht fein, feint Freiheit zu erlangen und sich wieder in Besitz bet Caffette zu setzen; wer ihm jene nothwenbigc Unterstützung leiste, werbe die Hälfte des WerthinhalteS als DankeSlohn empfangen. Herr Filon fügt biefen Mittheilungen fast überflüssiger Weise hinzu, baß bie ganze Geschichte ein Schwinbel ist; wenn etwas habet zu verwundern, so ist es nur baS, baß einzelne Gimpel aus den Köder angebissen haben.
Großbritannien.
London, 3. Febr. Der „Army and Navy Gazette" zufolge Hai die königl. UntersuchungS-Commis- sivn ihren Bericht über den Untergang des Truppen- tranSportschiffeS „Megära" fertig; doch kann derselbe nicht eher veröffentlicht werden, als bis bie Königin ihre Unterschrift gegeben hat, waS übermorgen geschehen soll. — Wie bereits rnitgethcilt, geht ber Prinz Napoleon, nachdem ihm die hiesige französische Botschaft feinen Paß visirt hat, nach Ajaccio ab, um dort feine Stelle im Generalrath anzutreten. Der Abschied, den er hier von Kaiser und Kaiserin nahm, schien ganz dazu angethan, alle Zweifel in die gegenseitige Freundschaft zu zerstreuen. Der Kaiser und Eugenik kamen von Chiselhurft herüber, schüttelten dem Prinzen herzlich die Hände, küßten ihn und speisten mit ihm zusammen in Camdenhouse. — Auf Anordnung des Vicekönigs von Aegypten hat dessen hiesiger diplomatischer Agent Larkin von jeder Hunderaye zwei der schönsten Exemplare gekauft — im Ganzenn 66 —, mit doppelter Winterbekteidung und silbernen Halsketten versehen und mit einer entsprechenden Zahl von Wärtern auf einem besonderen Dampfer nach Konstantinopel abgesendet. Dieselben sind zum Geschenke beS Khedive an den Sultan bestimmt. Es scheint alse mit der ausrichtigen Versöhnung des Pascha's von Aegypten mit seinem Großherrn richtig zu sein.
Türkei.
Konstantinopel, 3. Febr. Von der bereits «ich andern Quellen mitgelheilten Judenverfolgung
Phra Paramindr Maha Chulalonkorn, Supreme king of Siam, fifth of the present Royal Dynasty, whi.ch founded the City, Ratne Kosindr Mahindi Ayuddhaya, Bangkok, the great Capital of the Government of Northern and Southern Siam and of the adjoining dependencies, vice: Laos Chiang, Laos Kao, Malay, Karen and others in various points“, und war unterzeichnet: „Chulalonkorn, Bei Siamesium.“
Se. Majestät richtete noch einige Fragen an den Consul, und hiermit war die Audienz beendigt. MÜ ähnlichen Förmlichkeiten wurden ber Consul unb feine Begleiter aus bem Palaste herausgeleitet. Anscheinend auf den Wunsch beS Königs wurde der Consul gc- fragt, ob er noch die Caserne ber Hausgarbe, die a»S 600 jungen Edelleuten bestehen soll, in Augenschein nehmen wolle. Der Receptionssaal derselben, in welchem der König den Offizieren Audienz ertheilt, wat ausschließlich mit Bildnissen ber preußischen KönigS- familie, mit Schlachtenbildern aus dem letzten Kriegt, so wie mit den Porlrails der preußischen Heerführer geschmückt, während in einem Nebenzimmer sich eilt Darstellung der Scene befand, in welcher der Kaiset Napoleon dem Könige von Preußen den Degen übergibt. Diese Kaserne ist von dem jetzigen ersten KömS< in den letzten Monaten mit sichtlicher Vorliebe erbaid worden unb in jeder Beziehung musterhaft eingerichtet
Am 10. ertheilte der König dem Consul eines privaten Empfang in feinen Gemächern unb drückt hierbei wiederholt den Wunsch aus, freundschaftlich Beziehungen mit demselben zu unterhalten und afl1 streitigen Fragen durch persönliche Besprechung $ erledigen. Bei dieser Gelegenheit unterließ der Consul nicht, dem König seine Freude über das vorhin erwähnte Bauwerk und dessen innere Einrichtung auS- zusprechen.
gemciue Tiplomalensprache Enropa's, als ihre Mutter-1Gabe nicht als „Belohnung", sondern nur als „Er- sprache gebrauchen unb Mfyx auch bcutsche Antworten j munterung" annehmen könne, ba er, wie seine Gemahlin, 1 nur ihre Bürgerpflicht erfüllt hätten. Eine Deputation
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