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1872

Marburg, Dienstag, ^den 6. Februar.

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aujtreten, wenn sie eine Staatsreligion hat, wie wir sie nicht haben. Der Vorredner will dem substituiren 5 bis 6 Staatsrcligionen, von denen jede ihre staat-

deS preußischen Justizministers im BundeSrath in Aussicht. Das Herrenhaus geuchmigle in seiner Sitzung am letzten Sonnabend die Vorlage, bctr. Aus­dehnung der Geschäfte der preußischen Bank auf El- -Lothringen, sowie das Gesetz, betr. die Verwen düng der Zoll- und Steucrkredite pro 1872, lehnt? dagegen den Gesetzentwurf, betr. die Lainwandleggen, ab. Unter den erledigten Petitionen wurde eine solche, um eine der Dotirnng der römischen Kirche entspre­chende Dotation für die evangelische Kirche dec Staats- Regierung zur Erwägung überwiesen. Der Cultns- ' Minister verhieß baldmöglichst Vorlagen zur Regelung

Rede des Ministerpräsidenten Fürsten Bismarck der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 30. Jan. 1872. (Schluß.)

der Stellung der Kirche zum Staat zu machen. Das Ministerium sür Landwirthschaft wird, derKrcuz- Ztg." zufolge, dem Landtage noch cm JagdablösungS- gesctz für die Provinzen Hessen und Schleswig Hol- tein vorlegen. ,

Die von mehreren Journalen gebrachte Mitthei- < lung, daß die französische Regierung Deutschland drei Milliarden in EisenbahnpriorilLten als Bezahl lung der Kriegsentschädigung angeboteu habe und das Anerbieten angenommen worden sei, ist unbegründet. Der Minister dos Innern, Casimir Perier, besteht auf seiner Entlassung, wird jedoch auf den Wunsch des Präsidenten die Geschäfte noch einige Tage fortführen.

DasBien Public" von Gent veröffentlicht ein päpstliches Breve, worin der Papst seinen tiefen Schmerz über die von der belgischen Regierung gegen die Wünsche der Katholiken beliebte Ueberfledc- lung der belgischen Gesandtschaft am italienischen Hose nach Rom ausspricht.

In der Alabamafrage hat die englische Regie­rung. demObserver" zufolge, nach Washington eine in sehr freundschaftlichem Ton gehaltene Depesche ab- gchen lassen, in welcher die ernstlichen Wünsche Eng­lands ausgesprochen werden, den Washingtoner Ver­trag genau auszuführen. England habe jedoch nicht geglaubt, daß auch die indircctcn Verluste in dem Ver­trag inbegriffen seien. Wenn die Verantwortlichkeit

ken, wenn ich Sie hinwünsche, wo der Pfeffer wächst, besonders in dieser Uniform und bei einer solchen luchwürdigen Gelegenheit."

Nach Cayenne also," lächelte Ferdinand gulmüthig, lassen wir diese Komplimente, mein werther Herr Günther! wir Beide sind ganz gewiß unschuldig an der ganzen Geschichte und wären die Herren Turco'S und Zuaven nach Deutschland als Sieger gekommen, es giebt hier ja nur ein Entweder Oder, so hätten wir sicherlich mit noch größerem Rechte jenen liebenswürdigen Wunsch hegen können, da Ihre Nachbarn, die ehrlichen Badenser und Wür- temberger doch, wie Sie jedenfalls zugeben müssen, gemüihlicher sind, als die braunen Söhne der Wüste."

Der Kaufmann zuckte ungeduldig die Achseln, doch mochte er wohl als echter Geschäftsmann im Stillen der vollendeten Thatsachc Rechnung tragen und die Freundschaft M jungen Kriegers unter den gegen­wärtigen Verhältnisse» nach ihrem wahren Werth ab­schätzen, genug, er zog gelindere Saiten auf, bequemte sich sogar, als Ferdinand consequent seine Muttersprache beibchielt, dieselbe ebenfalls zu adoptireu und sprach sie.so gut, daß unser Hamburger ein triumphireudeS Lächeln nicht unterdrücken konnte.

Bitte, folgen Sic mir in mein Haus, wen» ich es noch so nennen darf," sprach Günther,seien Sie mein Gast, Herr Wallnrr, und auch Sie, Herr Offizier."

Ja so, ich vergaß, Ihnen meinen Freund, den Lieutenant Stauffen, vorzustellcn."

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In welchem Sie keinen Feind mehr erblickst mögen, Herr Günther!" sprach der junge Offizier artig.

Der Straßburger zog eine sauersüße Miene und verbeugte sich; dann schritt er voran in's Hauö, dessen Eingang einen vollständigen Trüuimerhaufen bildete.

Nicht alles im Hause war jedoch zertrümmert, einige elegante Zimmer waren noch sehr gut erhalten; dorthin führte sic der Kaufmann.

Fast erschreckt blieben die beiden deutschen Krieger auf der Schwelle stehen, als ihnen eine stolze, juno­nische Gestalt eutgegcntrat, eine schöne, junge Dame mit blauen Augen und blondeir Haaren in tiefer Trauerkleidung.

Meine Tochter," sprach Güu her, sie vorstellend, Herr Wallner aus Hamburg, Enkel meines lang­jährigen Geschäftsfreundes, der mich im Auftrage seines Großvaters, den ich hochschätze, aufgesucht, Herr Lieutenant Stauffen, sein Freund."

Und unser Feind," versetzte die junge Dame mit flammendem Blick.Sie werden keine Heuchelei von mir verlangen, meine Herrn, ich bin eine echte Tochter dieses Landes."

Und eine echte Tochter der alten deutschen Reichs­stadt Straßburg," fiel Ferdinand mit imponirender Ruhe ein, wobei er die französische Anrede der jungen Dame deutsch beantwortete,leugnen Sie Ihre Ab- staminung mein Fräulein! Ein Blick in den Spiegel muß Sic eines Besseren belehren. Ich wette, daß kein Tropfen französisches Blut in Ihren Adern fließt und entschuldigen ISie gütigst, neun ich cs sogar wage,

Ich kann außerdem nicht leugnen, daß ich den ' kinbrud habe ich beschuldige damit Niemand, gegen : sine Uebcrzeugung gehandelt zu haben -, daß die Achtung dieser katholischen Abtheilung degenerirt (ihre irivrünqliche Natur verändert) hatte. Sie wurde chrünglich geschaffen, um Beamte de« Staates zu Ben welchen vorzugsweise der Berus anheimfiel, die ziechte des Staates in Bezug auf die katholische Kirche wsruüben und zu vertreten, in einer freundschaftlichen Vkise zu vertrcten, wie es zwischen befreundeten Po- tmren üblich ist. Sie hatte aber schließlich den Cha­rter angenommen, daß sie meiner Ansicht nach aus- »ließlich die Rechte der Kirche innerhalb des Staa ie« und gegen den Staat vertrat. Ich habe deshalb schon vor drei oder vier Jahren bei Sr. Majestät dem Könige gelegentlich zur Sprache gebracht, ob es nicht nützlicher wäre, wenn wir an diesem Orte einen päpstlichen NuntiuS an Stelle dieser Abtheilung hätten, intern von dem Nuntius Jedermann weiß, was er vertritt und waS zu vertreten feine Pflicht ist, und Mu ihm gegenüber eben die Vorsicht beobachtet, die mn Diplomaten gegenüber nimmt, und indem et seinerseits auch im Stande ist, den kirchlichen Sou- «ran den er vertritt, unmittelbar von den Eindrücken, dir er wirklich hat, ohne eine zwischeuliegende Instanz und ohne falsche Strahlenbrechung in Keuntniß zu sitzen. Ich habe die Einrichtung einer Nuntiatur immer für wesentlich nützlicher und zweckmäßiger gehalten, M die katholische Abtheilnng. Ich habe indessen nicht gewagt, ihr Folge zu geben, da ich sowohl an höheren Stellen, als auch in der öffentlichen Meinung eine starke Abneigung dagegen vorsand. Ob wir schließ- ßch. nicht doch aus dieser, Auöwcg komme», überlasse sch-der geschichtlichen Entwicklung, sobald sie friedliche Wege gefunden haben wird. Aber ich habe den Grund­satz immer nützlich gefunden: de» Freundes Freund rud ich will nicht sagen des Feindes Fcmd, aber des Gegner Gegner zu sein, und Concessioncn in der jetzigen Lage zu machen, ist mir deshalb wie die alte Fabel von dem Wanderer, seinem Mantel und der Sonne und dem Winde vorgekommcn. Der Wind konnte ihn nicht nehmen, die Sonne gewann es ihm nb und mit der Sscnut würden die Herren auch weiter gekommen sein. Es ist ferner die Situation nicht bloß durch die Gründer dieser konfessionellen Fraktion erschwert worden, sondern auch durch die in der That in unseren politischen Debatten ganz unge­wöhnliche Leidenschastlichkcit deS Tones-, vorzugsweise in der Presse. Ich würde cs als großen Fortschritt erkennen und bitte Sie darum und ich will mich be­mühen, das zu thuu: lassen wir diese Leidcuschast-

lichkeit aus den Discussionen heraus, dieses gegensci- tige Anklagen; suchen wir aus dieser in der That sür das Vaterland großen Calamität von theologischen Discussionen auf politischem Gebiete einen friedlichen 1 und ruhigen Ausweg zu finden. Es ist der ernste Wille der Regierung, und ich glaube, aufrichtig kann Niemand daran zweifeln, daß jede Confession, und vor allen Dingen diese so angesehene und durch ihre Volkszahl große katholische, innerhalb dieses Staates sich mit aller Freiheit bewegen soll. Daß sie außer­halb ihres Gebietes eine Herrschaft übe, das

können wir in der That nicht zugeben, und ich glaube, .der Streit liegt mehr aus dem Ge­biete der Eroberung sür die hierarchischen Be­strebungen, als auf dem Gebiete der Vertheidigung. Der Weg dazu wird nicht in kleinlicheir Maßregeln, in Chikanen liegen, und ich bedaure, daß beispiels­weise die Brmmsberger Angelegenheit vermöge der Schwierigkeit, mit welcher jede Aenderung der Staats gesetzgebung bis in kleinliche Consequenzen verbunden ist, und gegenüber der Heftigkeit, mit der aggressiv von der anderen Seite aufgetreten wurde, zu gesetz­lichen Conflicten hat führen müssen. Die Staatsgesetze verbieten es, einem Bischof der katholischen Kirche das Recht der Entlassung eines Staatsbeamten zu übertragen; eS ist da eine Coüision zwischen dem kirchlichen Recht, wie cs sich heut zu Tage ausgebildet hat, und zwischen der augenblicklich bestehenden Staats Gesetzgebung rechtlich unvermeidlich gewesen, eine Col lision, welche zu lösen und in schicklicher Weise zu lösen, ich als die Aufgabe einer weiteren Gesetzgebung

; betrachte, und ich glaube, das wird eine Aufgabe sein, i deren der neue CultuSminister sich mit Vorliebe und > Beschleunigung annehmen wird. Dogmatische Strei- : tigleiten über die Wandlungen oder Declarationen, welche innerhalb des Dogma's der katholische» Kirche vorgegangen sein können, zu beginnen, liegt der Re­gierung sehr fern und muß ihr fern liegen; jedes Dogma, auch das von uns nicht geglaubte, welches so und so viel Millionen Landsleute thcilcn, muß für ihre Mitbürger und für die Regierung jedenfalls heilig sein. Aber wir können den daueriiden Anspruch auf eine Ausübung eines TheileS der Staatsgewalt den geistlichen Behörden nicht einräumen, und soweit sic dieselbe besitzen, sehen wir im Interesse des Frie­dens un- gcnöthigt, sie einzuschränken, damit wir nebeneinander Platz haben, damit wir in Ruhe mit einander leben können, damit wir so wenig wie mög­lich genöthigt werden, uns hier um Theologie zu be kümmern. Ich kann auch sür die Regierung nur den Standpunkt wahren, daß man von der Regierung eines paritätischen Staates nicht verlange, sie solle consessionell auftreten nach irgend einer Richtung hin. Conse'sionell kann eine Regierung als solche nur dann

Durch die Ernennung des Herrn Dr. Falk zum CultuSminister hört dessen Commissariat für den Bun- desrath auf und eS steht in Folge dessen demnächst die Ernennung eines neuen Commifsars als Vertreter

Zu Straßburg.

Erzählung von timilie Heinrichs- (Fortsetzung)

* DaS ist das Schicksal tapferer Anführer in Frank­reich, fürwahr ein furchtbares Schicksal, für alle Aus dauer in Leide» und Kämpfen dem Unbonf der Ration geopfert zu werden.

Wo wohnt Monsieur Johannes Gunther? fragte Ferdinand einen Einwohner, der aus einem großen, halb zusammengeschosfenen Hause trat. _

Der junge Hamburger war nur einmal tu Straß­burg gewesen und konnte sich in diesem Chao» der Verwüstung nicht mehr zurecht finden; Stauffeu kannte wohl Straßen, aber keine Namen.

Der Mann sah sehr bleich und finster aus, er schien feinem Aeußcrn nach den besseren Stände» an zugehören.

Sie meinen den Kaufmann Günther?" fragte er auf französisch.

Denselben," antwortete Ferdinand auf deutsch.

Sie sehen ihn vor sich, mein Herr! Dieser Trümmerhaufen ist mein Haus."

Ich hin der Enkel von Gottfried Walluer in Hamburg - mein Großvater trug mir auf, Sie aufzusuchen, Herr Günthert" '

Der Kaufmann kämpfte einen Augenblick sichtlich mit sich selber, dann reichte er dem jungen Hamburger die Hand und hicß ihn willkommen.

Das heißt, als Geschäftsfreund," setzte er rasch hinzu,im Uebrigcn werden «ie's mir nicht reiben

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liche Geltung und Berechtigung haben soll. Ich be­streite de» Herren, daß, wenn sie diese Fragen hier der Staatsrcgierung gegenüber in dem Sinne ver­treten , daß sie dabei die Mehrheit ihrer eigene» GlaubeuSgeuosseu auf ihrer Seite hätten. DaS bestreit« ich und gewärtige ich den Beweis.

kt.

brauet »örigcn

der

Oderhessische Zeitung.