utrdj-l'r. SS JITarfiurg, Sonntag, den 4. Febniar. L872,
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Erzählung von Emclie Heinrichs.
(Fortsetzung.)
Er haßt die Preußen?"
„Ja, recht gründlich, Freund! — Die Sache ist z einfach, meine Elten, haben 1866 den ältesten ohn in jenem Krieg verloren, das können sie nicht
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lau« der Abgeordneten. 24. Plenar-Sitzung * vom 1. Februar 1872.
Präsident Forckenbeck eröffnet die Sitzung um [H/i Uhr Vorm. Der Landwirthschafls - Minister Selchow legt einen Gesetzentwurf vor, betr. die sblösung der Reallasten von Kirchen, milden Stif Wgen und Schulen. Der Entwurf geht an die Agrarcommission. Das Haus genehmigt in zweiter Ärathung den Gesetzentwurf, betr. eine Zusatzbestim- mung zum Art. 74 der Verf.-Urk. vom 31. Januar
8 1850, nach welcher der Präsident und die Mitglieder ö der Oberrechnungskammer nicht Mitglieder eines der P toben Häuser des Landtags fein können. Fortsetzung der Berathung des Cultusetats.
Kultusminister Dr. Falk: Das Zustandekommen der Kreisordnung ist von höchstem Werthe auch für mein Ressort, denn ohne dieselbe kann ich kein Unter- nchtsgesetz vorlegen. Die Frage wegen Gewährung ton Alterszulagen ist nur an der Hand der Statistik zu lösen; das statistische Material aber ist im Laufe dieser Session nicht mehr zu beschaffen. Eine Ver-
.. mmdung eine« Theils der 50,000 Thlr. zu Alters. § zulagen ist einer ernsten Prüfung werth und ich hätte P nichts gegen eine Verweisung an die Unterrichtscommission. Da aber das nöthige statistische Material M, so Wäre eö besser, den Antrag abzulehnen.
Abg. Dr. Wehrenpfennig zieht den Antrag zurück. Nach einet kurzen Debatte wird die Discus- fion über die Erhöhung der Lehrergehälter geschlossen. - Abg. Gras zu Limburg-Slirum zieht einen ton ihm gestellten Antrag, welcher die Regierung zu einem jährlichen Beitrag von 5000 Thaler für die «cadcmie der Wissenschaften verpflichten will, auf die lttgarti Ausführungen des Ministers Camphausen zurück.
ein 6on dn, Commissarien des Hauses zu Titel 33 gestellter Antrag auf Absetzung von 9000 Thlrn. für die anderweitige Organisation des Schulwesens in der Provinz Hannover, bis diese Organisation auf gesetzlichem Wege geregelt sei, wird -unter Zustimmung le» Kultusministeriums ohne Debatte angenommen.
Zu Tit. 42 beantragen die Commissarien des Hauses, die Regierung auszusorderu, den Kreis - Me- bicinalbeamtcii eine Gehaltsverbesserung, entsprechend
dn für alle übrigen Staatsbeamten beantragten, vom Jahre 1872 zukommen zu lassen und demgemäß dem Ägeordneteuhauje eine Vorlage zu machen. Der Antrag wird der Budgetcommission überwiesen.
Bei dem Etat der einmaligen und außerordentlichen Ausgaben beantragen die Commissarien des Hauses ,ne/ di-tzu Pos. 8 die Regierung auszusordern, dasür Sorge i zu (ragen, daß im Gebäude der Universität Berlin eine genügende Zahl angemessener Räumlichkeiten für
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Ja so, das ist fatal" nickte Ferdinand nachdenk- ch .aber", setzte er mit einer energischen Bewegung «zu, .das sind unglückliche Dinge, welche vergessen »erben müssen. Ich denke mir, daß jenes Jahr 1866 auch nothwendig war zur Reinigung der dumpfen Atmosphäre, welche auf Deutschland lag und keine tzröße und Einigung aufkommen ließ. Wir Hamburger waren auch nicht zufrieden, daß wir unsere Hanseaten aufgeben mußten und mit thnen unsere stolze, armselige politische Selbstständigkeit. Und wenn Du Dir einen Hamburger CrösuS auf Posten denkst, "S* bann wirst Du die Unzufriedenheit unserer Geldsürften ‘ greiflich finden. Jetzt ist das Alles überwunden und eser König mit seinen glorreichen Erfolgen läßt kei- partikularistischen Gedanken mehr zur Geltung Kommen. Da sind unsere Nachbarn, die Schleswig- Holsteiner,'die ihr Heil nur einzig von einem Augu- vtnburger erwarteten und dann die Hannoveraner, »eiche am Ende Ursache zum Schmollen haben und ton ihren Kindern Desertion und Gott weiß, was 2lles prophzeihten. Schau hin nach Sarbrücken und Kietz, wie die Löwen gekämpft und die alte treue der Niedersachsen so glänzend bewährt haben;
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l Auditorien eingerichtet und für die außerhalb des Universitätsgebäudes neu zu errichtenden akademischen 'Zehrinstitute, insbesondere für die Naturwissenschaft- ichen Laboratorien und Sammlungen ein zusammen hängender Plan aufgestellt werde, um der räumlichen Zersplitterung Unterrichts vorzubeugen. Der Antrag der Commisssarien wird mit großer Majorität angenommen.
Bei Titel 17, betr. die Universität Marburg, erklärt in Bezug auf den Neubau eines CollegienhauseS der Reg.-Commiffar Knerk, daß bereits Anträge über die Wahl eines Bauplatzes für ein Collegienhaus eingeferbert unb vorgelegt seien. Die Entscheibung werbe in Kurzem erfolgen, worauf sofort mit Aufstellung ber Kostenanschläge vorgegangen werden solle, die man schon im nächsten Etat dem Hause vorlegen zu können hoffe.
Die Position „Siegesdenkmal in Berlin" wirb nach einigen Erörterungen seitens des hannoverschen Abg. Brücl von seinem der Einverleibung Hannover's feindlichen Standpunkte auS und nachdem ihm der Abg. Lasker darauf erwidert hat fast einstimmig genehmigt. Der Rest des Etats wird ohne weitere Debatte erledigt. Nächste Sitzung Montag 11 Uhr.
Rede des Ministerpräsidenten Fürsten Bismarck in ber Sitzung des Abgeordnetenhauses am 30. Jan. 1872.
(Fortsetzung.)
Ich bin indeß, als ich aus Frankreich zurückkehrte, unter bem Eindruck unb in dem Glauben gewesen, daß wir an der katholischen Kirche eine Stütze für die Regierung haben würden, vielleichteineunbequeme und vorsichtig zu behandelnde — ich bin in Sorge gewesen, wie wir es anzufangen haben würden, vom politischen Standpunkte aus etwas anspruchsvolle Freunde so zu befriedigen, daß wir mit ihnen auf die Dauer leben-können und daß wir dabei die nöthige Fühlung mit der Mehrheit des Landes behielten. Diese Sorge hat mich damals, ich kann wohl sagen in erster Linie beschäftigt, so oft ich mich den inneren Angelegenheiten wieder zuwendete. Ich wurde in der That überrascht durch die Haltung, welche die mobil gemachte Armee einnahm. Ich habe mich aber noch in ber ersten ReichstagSsitzuug einer Aeußerung über diese Frage sorgfältig enthalten, ich habe mir gesagt, die Frage ist zu ernst, ich will abwarten, wie sich die Partei entwickelt, cb freundlich ober feinblich, ich habe geschwiegen. Von jener Seite würbe nicht geschwiegen. Ich mußte, als ich aus Frankreich zurückkam, erfahren, welche Mittel bei ben Wahlen angewendet worden waren, um die Wahlen dieser neuen Partei burch- zusetzen. Wir hatten gehofft, an einer streng kirch liehen Partei eine Stütze zu gewinne», bie bem Kaiser giebl, was des Kaisers ist, bie bie Achtung vor ber
Regierung auch ba, wo man glaubt, daß die Regierung irrt, in allen Kreisen, namentlich in ben Kreisen bes politisch weniger unterrichteten gemeinen Mannes, ber Masse, zu erhalten sucht. Ich mußte mit Be- trübniß unb Befremden hören, daß die Wahlreden, die ja zum größten Theil gedruckt sind, die Preßer- zeugnisse, die auf die Wahlen hinwirkten, gerade an die Leidenschaften der unteren Massen appellirten, um ie zu erregen gegen bie Regierung, baß bagegen Nichts geschah, um irgenb ein von Seiten ber Regierung vorgekommenes Versehen zu entschnlbige», son- bern baß man Alles, was man an unsrer Regierung wie an jeher nach menschlicher Unvollkommenheit ta- belnkann, sehr scharf beleuchtete; aber etwas Gutes über bie preußische Regierung, etwas was zur Anerkennung derselbe» aufforberte, habe ich in biefen Wahlreben nie gelesen. Nichtsdestoweniger mußte man nach dem Zeuguiffe der Herren annehmen, daß die allpreußischen Einrichtungen — altpreußisch ist nicht die richtige Bezeichnung, sondern neupreußische Einrichtungen — wie sie bestehen, von der katholischen Kirche als ihr willkommen, als ihr nützlich, als ihr eine ehrenvolle unb bequeme Stellung gewährenb anerkannt würden. Die höchsten Zeugnisse von Sr. Heiligkeit dem Papste, die Zeugnisse ber Bischöfe haben unS darüber borgeleger, daß man mit uns zufrieden fei; wir hatten gehofft, daß diese Zufriedenheit sich einigermaßen bei dem Einfluß auf den gemeinen Mann, wie er auf der Kanzel und im Beichtstuhl geübt wird, zeigen und erkennbar machen würde, unb wie ich sah, baß hoch mehr das Gegentheil ber Fall war, wie ich sah, daß man auf ber einen Seite die preußischen Einrichtungen für das Reich verlangte, auf ber anderen Seite sie dem gemeinen Manne nicht in einem ganz günstigen Lichte darstellte, da bin ich zweifelhaft geworden und bin einen Schritt znrückgetreten. Wie ich ferner gefunden habe, daß bie Fraktion, von der ich sprach, im Reichstage sich bereitwillig Clemente aneignete, deren fortdauernder prnzipieller Widerspruch gegen den preußischen Staat und gegen das deutsche Reich notorisch war, und sich aus diesen Elementen verstärkte, Protestanten, die nichts mit dieser Partei gemein hatten, als bie Feinbschaft gegen das deutsche Reich unb Preußen, in ihre Mitte aufnahm, daß sie Billigung und Anerkennung fand bei allen den Parteien, bie, sei eS vom nationalen, sei es vom revolutionären Standpunkt aus gegen den Staat feindlich gesinnt — eine Gemeinschaft, die die Herren vielleicht im Princip zurückweifen, die sie aber doch, sei es wider ihren Willen, auf dem Wege, den sie gingen, fanden — da bin ich mir immer klarer in der Besorgniß geworden, daß wir durch diese Partei zu der bedauerlichen Situation kommen würden, in der wir uns
ich hätte eS Niemand rachen mögen, an ihrer deutschen Treue und Ehre zu zweifeln. Ja, Freund! solche Thatsachen machen stolz, und unüberwindlich und der Franzose, welcher auf den Verrath und Abfall der deutschen Stämme seinen Eroberungsplan baute, sieht sich schmählich betrogen und in der eigenen Falle gefangen. Drum ein Hoch dem Süden unb dem Norden, die sich treu die Hand gereicht in Noch und Tob!"
Die Solbaten, welche umherstanben unb lagerten, brachen bei biefen mit erhobener Stimme gesprochenen Worten in ein bonnernbe« Hoch aus, das sich 'von Batterie zu Batterie fortpflanzte und mit ber „Wacht am Rhein" endete.
Ferdinand war einmal in den vollen Strom der Begeisterung gerathen, aus ber so leicht kein Weg zu finben ist. Er wollte sein oratorischeS Talent aufs Neue einem weiteren Kreise zeigen, als plötzlich eine Granate von Straßburg herübersauste unb in seiner Nähe explobirte.
„Guten Morgen," rief lacheub ein Kanonier.
„Wollen unfern Dank sagen," nickte ruhig Lieutenant' Stauffen.
Unb eine wohlgezielte Bombe flog als Gegengruß hinüber zum Feinde.
„Das ist ber Funken, welcher bie alte herrische Herrlichkeit hort brühen aus ber Asche wecken soll," rief Ferbinanh vergnügt unb mit mächtiger Stimme Schenkenborf'S prophetische Dichterworte recitirenb: «
„Wie tief auch noch versunken
Die alte Herrlichkeit: In Asche glüht ein Funken,
Wir wecken ihn zur Zeit.
Es kommt ein Tag der Rache Für aller Sünden Haupt, Dann sieget Gottes Sache, Dann schauet, wer geglaubt.
Dann wollen wir erlösen Die Schwester fromm und fein Aus der Gewalt der Bösen, Die starke Burg am Rhein, Die Burg, die an den Straßen Des falschen Frankreichs liegt, In der nach ew'gen Maßen Erwin den Bau gefügt/
Alle lauschten still den herrlichen Worten, welche jetzt durch deutsche Söhne so hehr unb blitzschnell in Erfüllung gehen sollten unb ein Jeder, selbst ber einfachste Soldat, verstand sie und fühlte sich stolz gehoben in dem Gedanken, mitzuhelfen am großen Werke der Wiedervereinigung dieser Wacht am Rhein, der alten deutsche» Reichsveste Straßburg.
Es war ja eben ein so schöner Gedanke, daß dieses Werk durch die nächsten Nachbarn und Brüder, Baden unb Würtemberg, im Verein mit den Söhnen des preußischen Volkes, vollbracht wurde.
Schwere Tage und Nächte waren ben unglücklichen Bewohnern Straßburgs noch aufgehoben, der ganze Schrecken einer regelmäßigen Belagerung, eines fürchterlichen Bombarbements.
Mag her Cornmanbant Uhrich auch von Frankrei.H als Verräther gebraubmarkt werben, er handelte sicherlich als Mensch, wenn er vor bem zu erwarten- ben Sturm capitulirte unb bie Stabt vor bem Letzten, Furchtbarsten bewahrte.