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1872

Markurg, Sonnabend, den 3. Februar.

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Kantak nochmals auf die früheren Verhandlungen des Landtages über den Gegenstand zur Befürwortung zurückgegriffen hat, erklären sich v. Bismarck-Flatow und Wehrenpfennig zwar im Princip mit dem An- trage einverstanden, halten es jedoch für besser ihn für dieses Jahr abzulehnen. — Der Antrag wird jedoch mit großer Majorität angenommen.

Zu dem Etat der Gymnasien und Realschulen liegt eine größere Zahl von Anträgen vor: Ein An­trag der Commissare, welcher für das nächste Jahr eine Darlegung über die Gehalts-Erhöhung a» den Gymnasien nicht königlichen Patronats verlangt; fer­ner ein Antrag des Dr. Witte, betreffend gleichmäßige GehaltS- Erhöhung an allen Gymnasien bis zum 1. Jan. 1874, sowie Aufstellung eines Normal-EtatS für die Realschulen 1. und 2. Ordnung und höheren Bürgerschulen, und endlich ein Antrag Wehrcnpfennigs, betr. Gehaltsverbcsserung für die Lehrer der könig­lichen Realschulen, Progymnasien und höheren Bür­gerschulen noch für das laufende Jahr.

Schließlich gehen diese Anträge auf dic Gehalts­erhöhung an die Budgelcommisston, und es werden dann die sämmtlichen Positionen für Universitäten, Gymnasien und Realschulen bewilligt. Hierauf wird die Fortsetzung auf morgen vertagt. Nächste Sitzung Donnerstag.

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Zn Straßburg.

Erzählung von Ennlie Heinrichs- (Fortsetzung)

Lieb' Vaterland magst ruhig sein

Fest steht und treu die Wacht am Rhein.

Weißenburg! Wörth! Saarbrücken! — Festtage

des deutschen Ruhmes!

Sie waren geschlagen die blutigen Schlachten, mit alter Tapferkeit hatten die Söhne Teuts ihre unver­gängliche Kraft bewährt und mochte Germania auch trauern über die Leichen der erschlagenen Kinder, so verweilte ihr Auge doch stolz auf diesen Feldern und höhen, die der Erbfeind einst ihr geraubt und die nun, so hoffen wir fest, auf ewig wieder vereinigt find mit der alten treuen Mutter.

Vorwärts, keine Rast dem flüchtigen Feinde; — der Süden Deutschlands folgte jubelnd und todes- »uthig dem preußischen KönigSsohne mit dem echten germanischen Antlitz und die gewaltige Wucht des einigen Deutschlands zermalmte den gefürchteten Erb feind, der unser Vaterland mit seinen Horden über­schwemmen wollte.

Die Welt schaut staunend zu und bekennt, daß die Weltgeschichte das Größte heute zu registrirm, ttin Zeitalter gleiche Thaten und Erzeugnisse aufzu- *eisen hat.

Wir treffen unseren Hamburger Freund vor den dauern Straßburgs wieder, wo er zu seinem Leid- >vesm die Belagerungsarbeiten theilen muß.

Es ist dem tapfern Ferdinand Wallner recht son­derbar ergangen, seitdem er als lustiger Ulane die alte Vaterstadt verlassen, wo trauernde Herzen genug um ihn weinten.

Ko» Landtage.

HauS der Abgeordneten. 24. Plenar-Sitzung vom 31. Januar 1872.

Präsident Forckenbeck eröffnet die Sitzung um lli/4 Uhr Vormittags. Fortsetzung der Berathung des Etats für das Kultusministerium. Der Gehalt für den Direktor der Abtheilung der geistlichen Ange­legenheiten mit 4500 Thaler wird bewilligt. Es folgt der Titel: Oberkirchenrath. Nach einer mitunter hef­tigen Debatte werden die Summen für den Oberkir­chenrath bewilligt.

Zu Titel 9—11, Consiftorien, liegen folgende Anträge der Commiffarien vor: 5) Die zur Errich­tung eines gemeinschaftlichen ConsistoriumS für den Regierungsbezirk Kassel geforderte Summe von 5352 Thaler abzusetzen und im Zusammenhänge damit die Beträge anders zu summircu. 6) ad Ti.el 9, Be­soldungen: a) Die als Durchschnittsbesoldung für eine dritte weltliche Rathsstelle geforderte Summe von 1500 Thalern, b) die als Besoldung für eine in Berlin zu errichtende General-Superintendur geforderte Summe von 800 Thalern abzusetzen.

Müller (Berlin). Die Nothwendigkeit derCrei- rung einer neuen weltlichen Consistoralstclle liegt in der Flut von Geschäften, die von juristischen Personen erledigt werden müssen, deren Ueberweisung an diese Behörde aber uns als nicht geboten erscheint. Die Einrichtung der Civilehe, die wir in dieser Session ja nicht mehr erhoffen dürfen, würde z. B. eine große Anzahl von Geschäfte» beseitigen. Eben so, wie uns hier nicht die Creirung einer neuen Stelle nöthig er­scheint, sondern die Entlastung der betreffenden Be­hörden von überflüssigen Geschäften, so halten wir auch jetzt die Errichtung einer General-Superintenden- tur bei der bevorstehenden Entscheidung dieser kirch­lichen Verhältnisse nicht geboten. Ich bitte also, die bezüglichen Anträge der Commiffarien ouzunchMen.

Nach kurzer geschäftlicher Debatte werden die An­träge der Commiffarien ad 5 angenommen, ad 6 abgelehnt, damit ist folgender weiterer Antrag gleich falls abgelehnt: „Die zu Bureau- und Fuhrkosten- Entschädigung für die in Berlin zu errichtende neue Keneral-Superintendentur geforderte Summe von 200

Thalern abzusetzen/

ES folgt der Titel: Katholische Bisthümer. Abg. Birchow wendet sich in scharfer Weise gegen die EentrumSpartei, worauf ihm Namens dieser der Abg «.Mallinckrodt erwrdert. Ministerpräsident Fürst Bismarck wiederholt, unter Hinweisung auf seine gestrigen Ausführungen, die Unmöglichkeit für die BtaaiSregierung, sich aus der Partei deS Centrums

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Rede des Ministerpräsidenten Fürsten Bismarck in bet Sitzung des Abgeordnetenhauses am 30. Jan. 1872.

(Fortsetzung.)

Meine Herren! Sie nöthigen mich, auf das Historische der Stellung der Regierung zu diesen Fragen einzugehen. Der Herr Vorredner hat selbst weitere Veröffentlichungen darüber in Aussicht gestellt; ich will ihm das erleichtern. Ich huldige von Hause aus dem Grundsatz, daß jede Confessio» bei uns die volle Freiheit ihrer Bewegung, die volle Glaubens­freiheit haben muß. Ich habe daraus bisher noch nicht die Consequenz gezogen, daß jede Confessio» gezählt werden müsse und daß jede eine ihrer VoWM zahl ziffermäßig entsprechende Betheiliznng a» der Beamtenschaft haben müsse. Es ist neuerdings zur Rechtfertigung von Bewegungen, die von confessionellen Einflüssen nicht ganz frei waren, sogar der Grundsatz aufgestellt worden, daß in der Bergpartie der Mangel der Gleichstellung der Confessionen von den Arbeitern schwer empfunden werde und ein zur Abhülfe berech­tigendes Bedürfniß bilde. Soweit kommt aber der Herr Vorredner nothwendig. Wo soll das aufhören? Bei dem Ministerium fängt er an; die Oberprästdente» müssen also auch — ich weiß nicht, wie das Ver- hältniß ist; ich glaube »ach dem Verhältniß wie 4 begleiten zu dürfen, da er sein Pferd noch nicht zu besteigen vermochte.

Das war nun freilich durchaus nicht nach unseres Hamburgers Geschmack, der das Bombardement der unglücklichen Stadt zwar sehr interessant fand und durch des Freundes Vermittelung auch bei seiner Bat­terie verbleiben durfte, indessen doch li:bt; auf schnel­lem Roß dem flüchtigen Feinde gefolgt wäre.

DaS wollte nun freilich noch immer nicht gehe» und er mußte schließlich froh fein, daß die nur eben geheilte Wunde ihm gestattete, den Einzug von Straß­burg mitzumachen.

„Und dann auf nach Paris", neckte regelmäßig Lieutenant Stauffen, wenn der Freund seiner Unge­duld mal wieder den Zügel hatte schießen lassen.

„Ich habe einen Geschäftsfreund in Straßburg wohnen", sagte Ferdinand eines Tages, „wie ich das nur habe vergessen können! Da schreibt mir der Groß­vater, mich beim Einzüge des Monsieur Günther an- zunehmen; ich kenne diesen Monsieur Günther zwar nicht von Angesicht zu Angesicht, weiß aber aus seinen Briefe», daß er ein echter Franzose ist trotz seines echt deutschen Namens. Kann man einen deutscheren Na­men finden, als Günther?"

„Nein, wahrlich nicht", lachte Stauffen, „kann'S nicht begreifen, wie ein Mann, der Günther heißt, sich für einen Franzmann halten kann.

»Ist wir auch unbegreiflich, ich brenne ordentlich vor Begierde, diesem Straßburger deutsche GcschichtS- Lectionen zu geben. Noch sind nicht volle zweihundert Jahre verflossen, und der Elfäffer hält sich trotz feiner deutschen Mundart und feines deutschen Namens für einen Vollblut-Franzosen."

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zu rekrutiren. Als Beweis-dafür, daß das Centrum, was eS aber stets abläugnet, eine confefsionelle Fraction sei, verliest der Fürst einen auS ber Mitte dieser Fraction behusS Verstärkung derselben erlassenen Wahlaufruf. Abg. Reichensperger (Olpe) ver­sucht dem Abg. Virchow und dem Fürsten Bismarck gegenüber die Centrumspartei und den Wahlaufruf zu rechtfertigen.

Die zur Debatte stehenden Positionen werden be­willigt. Die Sitzung wird um 33,4 Uhr vertagt bis AbendS 7 Uhr.

Abendsitzun g.

Die Debatte über den Etat des KultuS-Ministe- riums wird bei Titel 19, die Universitäten betr., aus­genommen. Abg. Virchow tadelt die Planlosigkeit in der Berufung neuer Lehrkräfte und Errichtung, sowie Unterhaltung der Lehranstalten, welche int stärkste» Gegensätze zu dem praktischen Verfahren der sächsischen Regierung steht. ES sind die Anstalten lokal ungünstig errichtet; alte Professoren, die sich überlebt hatten, sind nicht ersetzt; junge tüchtige Kräfte hat man fort­gehen lassen. Es ist zu wünschen, daß der neue Cultus Minister auf eine andere Weise vorgehe.

Abg. Wehrenpfennig zählt die an der Ber­liner Universität unbesetzten Fächer auf, um theilS Virchow'S, theilS Aeußernngen v. Treitfchke'S im Reichs­tage zu unterstützen.

Karsten bespricht eine Reihe von Anträgen, welche Mitwirkung der UniversttätSsenate bei Aufstel­lung deS Etats, neue Normal-Etats für die Nominal- Professuren, Aufhebung deS Universttäts Richteramtes und der akademischen Gerichtsbarkeit u. s. w. verlangen. In der sicheren Hoffnung auf Berücksichtigung dieser Wünsche durch den Minister ziehen die Commiffarien die Anträge zurück, znmal da bezüglich der akademi­schen Gerichtsbarkeit eine die Aufhebung derselben im ganzen Reiche verschlagende Borlaxe bereits ausgear- beitet wird.

Ein Antrag, die Mittel für die bereits 1869 be­schlossene Errichtung eines Lehrstuhls der polnischen Sprache und Literatur an der Universität Berlin auf den nächsten Etat zu bringen, wird von Kantak be­fürwortet.

Cultus»Minister Dr. Falk erklärt, daß nicht bloß die polnische, sondern alle slawischen Sprachen zu berücksichtigen seien; man habe trotz aller Bemü­hungen bisher noch keine Kräfte zu gewinnen ver­mocht, hoffe die» jedoch in einigen Jahre» zu könneen.

Nachdem Abg. Virchow auf die Vortheile hinge­wiesen, welche aus der Kenntniß slawischer Sprachen, speciell der russischen Sprache sich ergeben würden, —

Als ein enthusiastischer Verehrer deS Kronprinzen von Preußen ruhte er nicht, bis eS durch seine viel­fachen Verbindungen ihm gelungen, der IIL Armee, die voraussichtlich den ersten Zusammenstoß mit dem Franzmanne haben mußte, zugetheilt zu werden.

Er machte die Schlacht bei Weißenburg mit, wo er unvcrletzt blieb, und war ebenso tapfer bei Wötth, wo eine Kugel ihn niederstreckte.

Ter Schuß hatte den Fuß getroffen, die Wunde war, nach dem Ausspruch des Arztes, nicht gefährlich, litt aber keine weite Transportirung.

Er wurde nach einer kleinen badischen Stadt ge­bracht, um hier seine Heilung abzuwarten. Sine fürchterliche Aufgabe für den jungen Heißsporn, der nach den ersten großen Siegen schon vorn Einzuge in Paris träumte, den er für sein Leben gern mitgemacht.

In dem Lazareth, wo er sich befand, lagen Ver­wundete aller Waffengattungen und deutschen Stämme.

Ferdinand schloß recht bald herzliche Freundschaft mit einem Württemberger Lieutenant, einem höchst lie­benswürdige» jungen Manne, der sich Stauffen nannte und in der Gegend von Heilbronn zu Hause war.

Karl Stauffen war der Sohn eines reichen Wein- bergSbesitzerS und aus unbezwinglicher Leidenschaft Soldat geworden, obgleich er als einziges Kind seiner Eltern sicher verschont geblieben wäre.

Diese Aehnlichkeit mit Ferdinand'S Verhältniffen, der sich auch gewaltsam den Armen der Seinen ent­rissen, schloß die beiden jungen Leute noch enger an einander und als sie soweit wieder hergestellt, um das Lazareth verlassen zu können und Stauffm nach seiner Batterie, welche jetzt vor Straßburg lag, zurückkehren wollte, erhielt Ferdinand die Erlaubniß, ihn dorthin