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tfr. 27 jHar6ilC(|, Freitag, den 2. Februar. 1872.
Sberljeijildje Zeitung.
firüeint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesfischen Zeitung mit Kreisblatt durch die Erpedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 28; Lar., durch die Postämter 27 Tgr. ö Pfg. (excl. Bestellgebühr und incL Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 22 «gr. - Insertionsgebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncsn-Büreaus nehmen Inserate an.
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Bam Landtage.
Raus der Abgeordneten. 23. Plenar-Sitzung vom 30. Januar 1872.
(Fortsetzung.)
* Es folgt die Fortsetzung der EtatSberathung. (Ministerium der geistlichen Unterrichts - und Medi- cmal-Angelegenheiten). Die Commissaricn des Hauses haben zu diesem Etat zwei Anträge gestellt, welche rfne bessere Einrichtung bei der Vorlage des ElatS Seitens der StaatSregierung verlangen; dieselben werden aber zurückgezogen, nachdem Kultusminister Dr. Falk erklärt hat, daß er den Etat für 1873 umatbciten werd-. Reichensperger (Koblenz) spricht die Erwartungen seiner (ultramontanen) Partei «cm neuen CultuSministerium aus. Die Gencraldis- nissioit wird geschlossen. Zu Tit. 1 der Einnahme: e) Einnahmen des sog. Conststorial Fonds des evangelischen Consistoriums zu Osnabrück, dessen Auflösung von 1872 ab erfolgen soll, 243 Thlr. 20 Sgr. 6 Pf., beantragen die Abgg. Brüel, v. Mallinckrodt und Dr. Karsten die Richtbewilligung der Einziehung deS Fonds zur Staatskasse und der llebernahme der betr. Ausgaben auf eie Staatskasse; tem entsprechend die Absetzung dieser 243 Thlr. 20 Siir. 6 Pfg., als 3 folgender Posten von 193 Thlr 6 Sgr., 194 Thlr. 3 Sgr. 4 Pf. und 500 Thlr Der Antrag wird nach kurzer Debatte angenommen. Zur Position de« katholischen Kultus tadelt Abg v. Mallinckrodt die Aufhebung der katholischen Ab
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stehend mittheileu. Nach einigen persönlichen Bemerkungen wird die Diskussion geschlossen.
(Nächste Sitzung Mittwoch 11 Uhr).
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Zn Straßburg.
Erzählung von Emilie Heinrichs.
theilung im Kultusministerium, wodurch die Parität verletzt sei. Nachdem Abg. Wchrenpfennig die Angriffe Mallinckrodts zurückgewiesen, erklärt Kul tuSminister Dr. Falk, daß er die katholische Kirche in ihren Rechten schütz « werde, aber ebenso den Staat; in jeder Beziehung werde er al» Jurist Han belli, d. h. sich nur vom klaren Recht in seiner Hand lung'sweise bestimmen lassen; die beiden Männer, die tu6 der aufgehobenen katholischen Abtheilung in sei- __nein Ministerium zurückgeblieben seien, werken, nach bruati seiner Meinung, in der Lage sein, die Interessen der katholischen Kirche wahrzunehmen. Auf eine kurze, fortwährend unterbrochene Rede deS Abg Windt
*01*1 Korst (Meppen) über dasselbe Thema, erwidert Fürst VVl I BiSmartf in einer längeren Rede, die wir nach-
(Fort'etzung)
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4er Verwundeten wird viele Kräfte und Mittel in An-
^7^3 „Nun, daS finde ich auch löblich und in der Ord- Mb.95,, Mng", meinte der Greis, „indessen bist Tu als Ham- ' lurger noch frei vom Landwehrdienste, mein Schn, unb wirst, so hoste ich fest, Deine höchste Ehre darin -----* finden, die alten Großeltern zu schützen und dem Ge- । schäfte, welches Deine Gegenwart dringend erfordert, L 4ie nothwendige Aufmerksamkeit zu widmen." --„DaS ist bei uuserm alten Wehrholz in guten Händen", versetzte Ferdinand ruhig, „auch wird Onkel Sannemann gern meine Stelle so lange einnehmeu." ,<5c lange", wiederholte die Großmutter schmerzlich,"„weist Du denn, Kind! ob Du überhaupt wieder-
*■ kehrst" aus einem solchen schrecklichen Kriege?"
„Das kann ich freilich unmöglich wissen, lieb Großmütterchen!" erwiderte der Enkel, ihr zärtlich die । ihaiiv küssend, „hoffen aber kann man es doch immer hin. Und graben sie mich ein dort an dem deutschen Rhein, — dann stcht's ja auch allerwege gut mit mir. ' eie Körner sang und mit seinem Tod so herrlich be
siegelte." .
„Nein, Ferdinand! nein, mir dulden er nicht , tief "die alte Dame mit ungewöhnlicher Heftigkeit, „alle unsere Kinder haben wir vor uns begraben muffen, Du, der einzige Enkel, bist un« nur geblieben, ist es nicht mehr al« grausam, Dich auch noch hin - geben zu müssen, ein so schweres Opfer zu bringen, 9 58-5» bas gar nicht einmal von uns verlangt wird?" 9 40—i l „Ein freiwillige« Opfer hat doppelten Werth, 9 53-f Großmütterchen!"
5 3*d f „Nun, wir können ja auch in anderer Weife opfern, i?45^ Eind!" fuhr sie eifrig fort, „was an Geld und Gut 9 40^ stefordert wird für die heilige Sache des Vaterlandes, 2 SM-* wll sicherlich von un» geopfert werden. Die Pflege
Rede des Ministerpräsidenten Fürsten Bismarck in der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 30. Jan. 1872. Tagesordnung: Etat des CultuSministeriumS. Position: katholischer Cultns; Vorredner Windthorst (Meppen).
Ich hatte geglaubt, mich an der heutigen Debatte lediglich als Zuhörer betheiligen zu können und gemeint, daß sie sich auf die Vorlagen beschränken würden, ohne so weit politisch auszugreifen, wie es die Rede des Herrn Vorredner gethan hat. Diese Reve nöthigt mich aber, heute schon einige Worte über die Stellung der Staatsregierung mit Bezug auf da» soeben Gehörte zu sagen. Der Herr Vorredner hat mit warmen Worten den Wunsch betont, daß wir zum confessionellen Frieden im Lande gelangen möchten, der früher nicht gestört war, utio daß wir in der Eintracht, die uns dieser Friere gebe, an nnsenn gemeinschaftlichen Werke arbeiten möchten. Ich möchte au daS eigene, doch sonst scharfe und richtig Unheil deö gc ehrten Herrn Vorredners appelliren, ob seine eigene Rede wohl geeignet und darauf berechnet gewesen sein kann, diesen Frieden zu fördern. Der Herr Vorredner hat wenigstens nicht mit christlicher Milde über seine Gegner geurtheilt und nicht mit christlicher Detnuth über die eigne Sache. Ich komme auf die Vorwürfe gegen die Regierung, nämlich, daß in den Ministerien, unter den Ministe- rialräthen und in den sonstigen Regierungsfunktionen die Katholiken nicht in hinreichendem Maße nach der Zahl ihrer Bevölkerung vertreten sind. Ich lehne jere Verpflichtung einer konfessionellen Volkszählung von der Regierung ab. — — — Wenn der Herr Vorredner den Umstand tadelt, daß kein Katholik im Mi nisterium sei, so bedauere ich das auch meinerseits in hohem Grade; ich würde einen katholischen Kollegen mit Freuden begrüßen. Aber wie die Sachen augenblicklich liegen, - in einem konstitutionellen Staate da bedürfen wir Ministerien einer Majorität, die unsere Richtung im Ganzen unterstützt. Glaubt nun der Herr Vorredner, daß, wenn wir das Ministerium aus der Fraktion wählten, rer er angehört, daß uns dann die Unterstützung einer Majorität zur Seite stehen würde? Ich bezweifle es. Ohne eine gewisse Homo genität (innere Urbereinstiinmuug) ist aber ein Ministerium heutzutage nicht mehr haltbar, denn wir sind, obwohl wir in einem lockern Ressortverhältniß zu einander stehen, in Preußen doch gemeinschaftlich veraiit wörtlich; ich bin mit verantwortlich für das, was der Herr Kultus Minister thut, und der Herr Kultusspruch nehmen, auch in dieser Hinsicht, unter dcm rochen Kreuz, ist Ehre zu erwerben und Vaterlandsliebe zu beweisen."
„Gewiß, Du Gute", erwiderte Ferdinand ernst, „das rothe Kreuz auf weißem Felde, es kämpft für der Menschheit Vaterland und wird sich in diesem Kriege der Lorbeern viele sicherlich pflücken. “
„Nun, so werde Johanniter, Kind Gottes!" rief eine Stimme von der Thüre her, welche auf die Veranda führte.
„Sieh da, Onkel Sannemann!," rief Ferdinand, „Du kommst wie gerufen, um den Schiedsrichter zu spielen."
„Aha, das junge Blut dürstet nach Ruhm", lächelte der Onkel, ein behäbiger Herr zwischen 40 und 50 Jahren, der rasch herbei kam und sich neben der Großmutter niederließ. '
„Ja, ist es nicht ein aberwitziger Gedanke von dem Jungen, freiwillig in diesen Krieg mitzuziehen?", sprach die alte Dame erregt.
„Hm, so ganz aberwitzig just Ncht," meinte der Onkel, „er ist immerhin alt genug dazu, Großmütterchen! mit fünfundzwanzig Jahren hat er das Recht, für sein Vaterland zu streiten, selbst wenn er bereits Weib und Kind hätte."
„Aber — Saum mann!" rief die Großmutter unwillig, „wenn das Ferdinand'S Mutter, Ihre selige Schwester hörte —
„O, die würde mir schon Recht geben, verehrte Frau Wallner!" nickte Jener ruhig, „meine selige Schwester besaß den ausgeprägtesten Haß gegen das Franzosenthum. Sie wissen doch, daß der blutdürstige Tavouft Anno 13 meine Mutter auf offenem Markt auspeitschen und meinen Großvater hat erschießen lassen."
„Ich weiß," nickte die alte Dame mit einem stillen Schauder, „war ja selber dem Schicksal wie durch ein Wunder nur entgangen."
Minister muß seinerseits ansscheiden, wenn er für dasjenige, waS ich thue, die Verantwortung nicht tragen will, wir müssen also eint gewisse Nachsicht üben für untergeordnete Fragen. Die Fraktion, der der Herr Vorredner angihört, hat selbst das Ihrige dazu beigetngen, das Vergessen des konfessionellen Standpunktes in politischen Angelegenheiten schwierig zu machen. Ich habe es von Hause aus als eine der ungeheuerlichsten Erscheinungen auf politischem Gebiete betrachtet, daß sich eine konfessionelle Fraktion in einer politischen Versammlung bildete, eine Fraktion, der man, wenn alle übrigen Eonfesstoiten dasselbe Prinzip annehmen wollt, i, nur die Gesammtheit einer evangelischen Fraktion gegenüber stellen müßte; dann wären wir allerseits auf einem inkommensurabeln Boden, denn damit würden wir die Theologie in die öffentlichen Versammlungen tragen, um sie znm Gegenstände der TribümildiScussion zu machen. ES war ein großer politischer Fehler, den die Herren vom politischen Standpunkte des Vorredners begingen, daß sie diese Fraktion überhaupt bildeten, eine rein konfessionelle Fraktion auf rein politischem Boden, indem sie ihre Glaubensgenossen ans den verschiedensten Fraktionen, durch die Einflüsse, die ihnen zu Gebote standen, nöthigten, sich ihnen anzuschließen.
(Fortsetzung folgt.)
* Marbiirg, 1. Februar.
T ie Tagesordnung für die nächste (heutige) Sitzung deS preußischen Herrenhauses lautet: 1) Bericht der Justizconimission, betr. Aufhebung der in der Provinz Hannover bestehenden Verkaufsrechte ic.; 2) Bericht derselben Commission, betr. Erklärung br« Belagerungszustandes in Königshütte; 3) Schlußbe- raihung, betr. Erweiterung der Provinzialverbände der Provinz Sachsen; 4) Bericht der Finanzcommission, betr. Ueberweisung von 142,000 Thlr an den com- munalständischen Verband Wiesbaden; 5) Bericht der Mairikelcominlssion. — Generallieutenant v. (Volontier, 'Inspektor der 4 Artillerie Inspektion, der zunächst auf die durch den Tod des Generals v. Hindersin vacaut gewordene Stelle eines General - Inspektors der Artillerie Anspruch hatte, ist in Genehmigung seines Abschiedsgesuches als General der Infanterie mit Pension zur Disposition gestellt. — Der Entwurf des Reichspreßgesetzes ist nunmehr den einzelnen Regierungen zur Meinungsäußerung mitgeiheilt worden.
„Nun also, .Großmütterchen!" fuhr Sannemann mit demselben Gleichmuth fort, „hab' meine gute selige Schwester oft sagen hören, daß sie selber noch im Stande wäre, gegen die Franzosen zu kämpfen, wenn'S mal wieder loSginge. Ihr Haß war unauslöschlich und wollte sie deshalb auch nie Pari« sehen, wie ihr selbst die Sprache verhaßt war, die sie nie hat erlernen wollen."
„Siehst Du, Großmütierchen!" rief Ferdinand, „die Einwilligung der guten seligen Mutter ist mir also gewiß. Eben so gewiß tft's aber auch nun mit dem Johaniiiterthum nichts. Der Haß hat mit solcher allgemeinen Menschenliebe nichts zu schaffen, ich will auch offen gestehen, daß, ich zum Krankenpfleger nicht tauge.“
„Ja, ich sehe wohl, daß wir nachgeben müssen, Mütterchen!" nahm der alte Herr Wallner nun da» Wort, „er ginge uns doch davon und würde mich, der ich's einst nicht besser gemacht, als Riegel vor- schicben. Hart ist cs freilich für uns Alte, aber was ist dabei zu machen, die Welt geht mal wieder durch dieses unruhige Frankreich aus den Fugen, mag jeder deutsche Mann das Seinige thnn, sie in Ordnung zu bringen, auf daß solche Schrecken, wie Hamburg sie vor 60 Jahren gesehen, sich nicht wiederholen
„Unb noch schlimmer würden", fiel der Onkel mit Nachdruck ein;" der dritte Napoleon führt die wilden Bestien der Wüste in’« Feld gegen Deutschland, die als Sieger noch viel mehr Gräuel begehen würden, als die Tavouft unb Vandamme des eisten Kaiserreichs ; drum gebt dem Ferdinand Euren Segen und laßt ihn hinziehen, er ist nicht schlechter, als der arme Landwehrmann, der Hans und Hcerd, Weib und Kind vertheidigen darf. Und gibt uns Preußen'S Königsfamilie nicht das erhabenste Beispiel von deutscher Tapferkeit und Hingehender Selbstverleugnung!“
Tie alte Dame hatte ihr Strickzeug ergriffen und