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endlich vollzählig. — Am Abend des gleichen Tages starb in Alba (Piemont) der General Govone, der besonders bekannt ist durch seine Mission nach Berlin nn Jahre 1866, wo er unter Beihülfe des Grasen be Barral das Bündniß zwischen Italien und Preußen abschloß. Unter Lanza verwaltete er eine Zeit lang das Krirgsministerium, bis ihn eine Gehirnkrankheit pithigte, feine Entlassung zu nehmen. Er war bei seinem Tode erst 47 Jahre alt.
Spanien.
Madrid, 28. Jan. Trotz wiederholten Dementi's erhält sich daS Gerücht von einer Ministerkrisis. Die Entlassung des Ministeriums Sagasta, dem seine Gegner wegen seiner Schreibseligkeit den Beinamen „Tintenfisch" geben, erscheint als die einzige Rettung «Ns den neuesten Wirren. Die düsteren Wolken ernstlicher Unruhen ziehen sich rasch über Spanien zusammen. — Es ging unlängst durch mehrere Blätter die Mitchei- lung der „Epoca," daß vier protestantische Geistliche in Madrid feierlich zum Katholicismus übergetrete» feien. Wie sich die Sache eigentlich verhält, ist aus dem nachstehende» Schreiben zu ersehen, welches der kvangelische Pfarrer, F. Fliedner in Madrid darüber veröffentlicht: „Die Thatjache ist folgende: Ein ehemaliger Apotheker, Marti,Miguel mit Namen, hatte sich dem amerikanischen Baptistenprediger Dr. Knapp imgcschloffen, auch in seinem Bersammlungslocal in in der Calle Lavapics einige Mal öffentlich geredet, wie es dort jedem Gemeindegliede freisteht, nie aber geistliche ober seelsorgerische Functionen irgenb welcher 8rt ausgeübt. Durch eine Gesellschaft, die sich hier zur Unterstützung ber in ben Katholicismus zurückkehrenden protestantischen Spanier gebildet, ließ er sich für 4000 Realen — 280 Thaler' nebst drei Anderen zum Rücktritte bewegen, der am 7. Januar in der Kirche San Isidor statt hatte. Von diesen Dreien waren zwei, Reguero und Jimeno, mit der Baptisten- Gemeinde' in Verbindung, nie aber Mitglieder derselben gewesen, aber wie auch Marti-Miguel schon seit Wochen und Monaten entlassen. Der Dritte, Blay, scheint gleicher Weise sich fälschlich für einen Protestanten ausgegeben zu haben,'da nicht einmal sein Name in irgend einer der evangelischen Kirchen Madrids bekannt ist. Danach reducirt sich also die ganze Begebenheit auf den Uebertritt eines längst entlassenen Gliedes der Baptisten-Gemeinde und dreier Betrüger, die sich für Protestanten ausgeben, aber nie Mitglieder einer evangelischen Gemeinde waren."
Portugal.
Lissabon, 28. Jan. Die Mehrzahl der von der Regierung vorgeschlagenen Reformen wird wahrscheinlich die principielle Zustimmung der Kammern haben; doch weist die Oppositionspresie auf einen Verfassungsartikel hin, nach welchem „jeder Antrag auf Abänderung der Verfassung in ber Kammer feinen Ursprung haben muß." Und das ist nun nicht der Fall. Doch würde sich diese Schwierigkeit bei gutem Willen den beiden Seiten wohl heben lassen, indem die Regierung irgend einen der ihr ergebenen Volksvertreter zur Uebernahrne der Gesetzentwürfe veranlaßte. Größeren Widerstand aber wird die Reform des Oberhauses finden, die eine Erweiterung der königl. Be- fugniffe involvirt. In ber Ersten Kammer hat die gegenwärtige Regierung ihre Stellung burch einen PairSschub befestigt, der zwei bemerkenswerthe Züge zeigt, indem sich unter den acht neuen PairS vier ehemalige Minister befinden, und indem dabei in der Person des Visconde be Seisal, des bisherigen portugiesischen Gesanbten in Paris , der erste Protestant in das Oberhaus des Königreichs gelangt ist. Nun haben zwar die portugiesischen Pairs u. A. zu schwören, sstß sie vie katholische Kirche verlheidigen wollen, was sür einen Protestanten doch unzweifelhaft seine Bedenken hat; indeß wird hier Niemand sich besonders tteifem, wenn eine Abänderung des Eides beantragt und die betreffende Stelle für diesen Fall weggelassen t»itb. Das Ministerium dürfte außerdem in manchen Fragen auf die Unterstützung des Marquis be Avila, bt8 Vorgängers des jetzigen Premiers, zählen können
Dänemark.
Kopenhagen, 28. Jan. Im Folkething wurde in zweiter Berathung das Gesetz, betr. eine grund- gffetzmäßige Vermehrung der Wahlkreise,, verworfen. Der Cultusminister verhieß für die nächste Session kin durchgreifendes Volksschul-Reformgesetz, Trennung
Schule von der Kirche, Er^chtung von Fortbildungsschulen als Zwischenglied zwischen Kinderschulcn »nd Gymnasium. — Die Verhandlungen des LandS- ihings beten in diesen Tagen ein ungewöhnliches Jn- ittesse, indem die Debatte über den von der Regie- sttng vorgelegten und von Preffe und Publikum leb- wft diScutirten Entwurf, betr. den Uebergang der «rbpachlsstcllen in freies Eigenthum, zur zweiten Le »ng gelangte. Die nach langer Debatte gefaßten Be 'chlüffe lassen eine Einigung mit dem Volksthing Men, wenngleich die Majorität deS letzteren eine ^dicale Reform vorgezogen hätte. — Die Agenten °tt „Internationale" sind im ganzen Königreich, auf ’tn Inseln, wie auf Jüttland, sehr thäiig und halten
Versammlungen über Dersammlungen ab. Ihre Erfolge sind jedoch bis jetzt äußerst bescheiden.
Schweden und Norwegen.
Stockholm, 29. Jan. Tie beiden Kammern des Reichstags haben die Wahlen für die ftehendrn Ausschüsse Borgenommen. Die erste Kammer hol vorwiegend Anhänger der Regierung gewählt, während die zweite Kammer fast ausschließlich Mitglieder ber Bauernpartei ernannte. Letztere verfügt über 106, bie Beamten- ober sog. Jntelligenzpartei über 58 — 63 Stimmen.
Rußland und Polen.
Petersburg, 28. Jan. Man hört jetzt über" bie Gefahr, in der sich neulich ber Kaiser auf einer Bärenjagd befand, folgendes Nähere: Als das Thier von ihm einen Schuß erhalten, wandte es sich mit großen Sätzen gegen ihn. Der Kaiser schoß noch in geringer Entfernung zwei Mal und traf auch, doch gelangte die Bestie bis in feine unmittelbarste Nähe und erhob sich eben gegen ihn, als sie von einem Piqueur mit der Lanze noch rechtzeitig durchbohrt ward und zu den Füßen deS Kaisers niederstürzte. — Der türkische Gesandte , der neulich von einem angeschossenkn Bären angefallen worden, wird wohl seine Hand einbüßen.
Rumänien.
Bukarest, 28. Jan. Die „Allg. Ztg." schreibt: Jetzt stellt es sich erst heraus, welcher Gefahr Rumänien durch daö Eingehen auf den Wunsch des Berliner KabinetS entgangen ist. Die Pforte war bereits im Besitze der Ermächtigung von Seiten aller Großmächte, mit Ausnahme Frankreichs, deffen Ein fluß aber jetzt im Orient gleich Null ist, zwei Armeekorps über die Donau marschiren zu lassen, sobald die Kammer die Eisenbahnvorlage ter Regierung verwerfen sollte. Die rumänischen Minister beobachteten bis zur letzten Stunde eine durchaus zweideutige Haltung, die erst aufgegeben wurde, als bet englische Vertreter aus geheimen Schriftstücken den furchtbaren Ernst bed, Lage nachwies. In Rustschuk finb bereits alle Vorräthe im Stillen angekauft gewesen, unb bie Orb re be Bataille war vertheilt worben. Mustapha Pascha, ber gewest.ie Kommandant des 3. Armeekorps, hatte sogar feine Ernennung zum Oberkommandanten der Exekutionsarmee in der Tasche.
Griechenland.
Athen, 28. Jan. In Folge ber Verwenbung ber italienischen Regierung beschloß baö griechische Cabinet, direkte Verhandlungen mit der Laurion-Ge- sellschaft zu beginnen (d. h. die griechische Regierung ist durch ben Druck auswärtiger Mächte zu ber Einsicht gebracht worden, daß sie sich in dieser Angelegen- hrit übereilt hat).
Türkei.
Konstantinopel, 27. Jan. Der Patriarch protesiirte heftig gegen die bnlgarischen Bischöfe, die ein geistliches Recht usurpirl hätten. Die Pforte lehnte den Protest ab. — Nachdem die Cholera - Epidemie vollständig erloschen ist, folgt daS Sanitätsami feit einigen Tagen an die abfahrenden Schiffe neue Patente aus. — Der Wiener „Presse" wird von hier tele- graphirt: Der Vicekönig von Egypten hat der Pforte die Erklärung abgegeben, daß er die Ansicht der suze- ränen Regierung über die Unthunlichkeit deS Verkaufs des Suezkanals theile.
Asten.
AuS Teheran, ber Residenz des Schahs von Persien, begibt sich eine glänzenbe Gesanbtschafl, mit dem Oberkommandanten der Armee an der Spitze, nach Berlin, um im Auftrage des Schah Kaiser Wilhelm zur kaiserlichen Würde^ zu beglückwünschen unb demselben Geschenke deö Schah zu überbringen.
Ansiraliea.
Die Gesammtbevölkerung von Neuseeland beläuft sich der letzten Censusaufnahme nach auf 256,393 Seelen. Von dieser Zahl, welche bie Ureingeborenen nicht mit einschließt, sind 150,356 männliche und 106,037 weibliche Personen.
Ans Heffen-Naffa«. > '
Witzenhanfe», 28. Januar. Die zur Halle- Kaffeler Eisenbahn gehörige Verbindungsstrecke Münden- Arenshausen ist heute'zum ersten Male vollständig mit der Maschine befahren worden. (H M)
Hersfeld, 27. Jan. Die Directivn ber Köln Mindener Eisenbahngesellschaft benift eine außergewöhnliche General-Versammlung auf Dienstag, den 20. Februar in das Casinogebäude zu Köln ein. Gegenstand der Berathung und der Beschlußuahme ist der Antrag der Directivn, dieselbe zu ermächtigen: 1) zur Nachsuchung der Concission für die lieber; nähme des Baues und Betriebes einer Eisenbahn von Alsfeld nach Hersfeld rc.; 2) den Bau und Betrieb der vorbezeichneten Bahn zu übernehmen, das für den Ausbau und für das Betriebsmaterial erforderliche Capital dieser Bahn in beliebiger Weise zu beschaffen u b mit der Staatsregierung diejenigen Aenderungen der Statuten oder Zusätze zu denselben zu vercinbaren und feftzustellen, welche sich als zweckmäßig ober noth- roenbig ergeben werden. (H M.)
— Prinz Heinrich, ber zweite Sohn des Kronprinzen, erlernt die Buchbinderei und hat am Freitag voriger Woche von dem Hofbnchbinder Collin die ersten Unterweisungen erbalten. Der Unterricht sand im kronprinzlichen Hause in Gegenwart der Eltern des Lehrlings Statt.
Telegraphische Depeschen der Ober« hessischen Zeitung.
Berlin, 30. Jan. (Abgeordnetenhaus). Auf einige Aeußerungen Windthorst's entgegnet der Reichskanzler Fürst Bismarck: Die Bildung des Centrumö war ein schwerer Fehler. Dieselbe bedeutet die Dio» bilmachuiig der Partei gegen den Staat und die Auflösung des letzteren in konfessionelle Kreise. Der wahre Geist und Zweck der Partei habe sich in den Wahlen und der Presse gezeigt. Der Reichskanzler schildert die schwere Enttäuschung, welche er in dieser Beziehung erfahren habe unb geht sodann zu den Gründen der Auflösung der katholischen Abtheilung über. Er habe dem König schon vor vier Jahren die Auflösung gerathen. Besser ein Nuntius, der offen seinen Auftrag erfüllt, als jene Abtheilung. Die katholische Presse trete solidarisch auf, man könnte sie eine fran- zosenfreundliche NheinbundSpresse nennen. Diese Solidarität reicht bis Genf und weiter ins Ausland. Lassen wir theologische Streitigkeiten, welche ihre Nahrung aus der Hierarchie ziehen. DiscussiouSschluß. Nächste Sitzung morgen.
Berlin, 31. Jan. (Sitzung des Abgeordnetenhauses.) Specialdiseussion über den Etat des Kultusministeriums. Der Gehalt eines Abtheilungsdirec- tors für geistliche Angelegenheiten mit 4500 Thalem wird bewilligt; dagegen waren daS Centrum und die Polen. Zu Titel V (Evangelischer Oberkirchenrath) ruft ein Antrag auf Absetzung ber Zulage von fünihunbert Thalem für ben Präsibenten bes Ober- kirchenrathes eine lange Debatte hervor. Müller (Berlin) befürwortet den von ihm, Virchow und Techow gestellten Antrag betr. Verweigerung aller Ausgaben für ben Oberkirchenrath. Der Kultusminister erklärt, daß auch eine bessere Kraft, als bie seinige, nicht im Stanbe gewesen wäre, in dieser kurzen Zeit über diese höchst verwickelten Fragen sich zu orientiren. Er könne diese nicht eher beantworten, als bis er bezüglich aller Fragen festen Boden unter den Füßen habe; es sei wesentlich eine sachliche Rücksicht, wenn ihm Zeit hierzu gelassen würde. Durch Annahme des Antrages Müller würde die gewünschte Entwickelung um kein Atom gefördert werden. Nachdem noch Stroßer gegen und Virchow für den Antrag gesprochen, werden beide Anträge abgelehnt. Für den ersteren stimmte die Fortschrittspartei unb ber größte Theil der Nationalliberalen; für die Aufhebung des Oberkirchen- raths stimmte nur die Fortschrittspartei.
Berlin, 31. Jan. Die „Prov.-Corr " schreibt: Die ganze Vorberathnng über die Kreisordnung berechtigt zur Erwartung, daß es dem gemeinsamen und ernsten Willen hervorragender Vertreter aller gemäßigten Parteien gelingen werde, diesmal eine allseitige Verständigung über die Grundlage» dieser wichtigen Reform zu erzielen.
Versailles, 30. Jan. Die Nationalversammlung genehmigte das Gesetz über die Handelsmarine mit 422 gegen 239 Stimmen. Die Debatte über die Aufkündigung der Handelsverträge findet morgen statt.
London, 31. Jan. Lord Ruffel, der neue Botschafter in Berlin, reift heute dorthin ab.
York, 30. Januar. Ein spanisches Kanonenboot kaperte ein englisches Fahrzeug nebst Bemannung, welches Kriegscontrebande für bie Insurgenten auf Cuba ausluo.________________
Telegraphische Cours > und Marktberichte.
Frankfurt a. M., 31. Januar- (Schluß der Börse). Staatsbahn-Actien 424;, Elisabeth 251, Galizier 275 st Lombarden 229z. Nordwestbahn 234, Creditactien 359, Silberrente 33st Spanier 31^, 1882t Amerikaner 96-j, gekünd. 1882t Amerikaner 96£, österreichische Nationalbank 8>2, 1860r Loose 94, volle sranzös. Rente 874, neue Russen 88*4, österr. Papierrente 55, Ooerheffen 85. Bundes-Anleihe 1094, 4j J Cons. Preußen 102^, 4 z Kurhessen 93| B.
Berlin, 3!. Januar. (Ansangscourse). Creditactien2051, Staatsbah ?**’ Lombarden 1314, Amerik. 97^.
Wien, o! Jan. (Ansangscourse). Creditactien 349.00, Lombarden 220.40, Staatsbahn 410.50, Napoleons 9.15.
Berlin, 30. Januar. Weizen loco 68—84 Thlr., April-Mai 78^ Tblr. Mai-Juni 79z Thlr. Roggen Januar 55 Thlr., April-Mai 55^ Tblr. Mai-Juni 56^ Thlr. Hafer loco 42-50 Thlr., April - Mai 47 Thlr., Mai-Juni 474 Thlr. (Alles pr. 1000 Kil.) Spi ritus (pr. 100 Liter h 100 °,o ohne Faß) Januar 23 Thlr. 22 Sgr. bis 23 Thlr. 24 Sgr., April-Mai 24 Thlr. — Sgr. bis 24 Thlr. 3 Sgr. Mai-Juni 24 Thlr. 5 Sgr. bis 24 Thlr. 3 Sgr.
Köln, 30. Januar. Weizen effektiv hiesiger 8 Thlr. 20. März 7 Thlr. 29e Mai 8 Thlr 3. Juli 8 Thlr. 6. Roggen effectiv hies. 6 Thlr. 15. März 5 Thlr. 17. Mai 5 Thlr. 22. Juli 5 Tblr. 26 malles per 200 Zollpfund).
Hamb urg, 30. Jan. Produktenmarkt. Weizen per Jan.-Februar per 2000 Pfd. 161 B-, — G-; per April-Mai per 20(0 Pfd. netto 162^ B-, — G- Roggen per Januar- Februar per 2000 Pfund — B- 112 G.: per April-Mai — B-, 1124 G____________________
Für die bedrängte Familie ging ferner bei uns ein: 1 Thlr., R. 5 Sgr., G- Z. 15 Sgr., Sch- 5 Sgr., was wir hiermit dankend bescheinigen und uns zur Empfangnahme weiterer Gaben gern bereit erklären.
Die Exp d. Oberhess. Zeitung.