Deutsches Reich.
** Berlin, 30. Jan. Die Interpellation des Abg. Schröder wurde heute iin Abgeordnetenhause von dem Minister des Junern beantwortet. Die Erklärung des Grafen Eulenburg bestätigt das, was bereits an dieser Stelle hervorgehoben war, daß eine Verfügung seitens des Ministeriums des Innern in Bezug auf die Controle der Inserate nicht ergangen ist, daß diese durch den Handelsminister erfolgt ist. Der Minister beschränkte sich darauf, die Polizei gegen die Frivolität und RechtSwivrigkeit zu verwahren. UebrigcnS geht aus der Verhandlung der Interpellation hervor, daß man dieser Angelegenheit keine wesentliche Bedeutung beigelegt hat. — Der Kultusminister beschränkte sich in seiner heutigen Erklärung darauf, fachliche Momente in Bezug der Vorlagen auS seinem Departement anzugeben, wobei er ausdrücklich erklärte, die,Gesetzesvorlagen nicht vertreten zn können. — In einigen Zeitungen findet sich die Notiz, daß der Gymnasial-Director Bonitz zum UnterstaatSfecretär im Cultusministerium berufen werden solle. Dies scheint jedoch nur auf einer Verwechslung zu beruhen, in unterrichteten Kreisen weiß man nur, daß als Absicht vorgelegen hat, dem Herrn Bonitz daS Decernat über das höhere Schulwesen im Cultusministerium zu übertragen. — Es wird nach Berichten der Budget-Commission die Behauptung ausgestellt, daß den Ministerialbureaube- amten das Gehalt herabgefetzt werden solle, da dies in fei nem Verhältnisse zu den Beamten gleicher Kategorien anderer Behörden stehe. Es ist aber bestimmt zu erwarten, daß diese Ansicht ihre Geltung nicht erlangen wird, da die Versetzung eines Beamten in das Mini- sterium von einer Provinzialbehörde gewissermaßen eine Bevorzugung ist, deren nur erprobte Beamte theilhaftig werden sollen. Wird diesen die Höhere Einnahme genommen, so wäre die Versetzung in ein Ministerium nicht eine Wohlthat, sondern eine Strafe. — DaS „Journal des Debats", dem man keineswegs Sympathie für Deutschland zuschreiben kann, erklärt, daß nur allein Frankreich die Schuld trage, wenn der in Verhandlung begriffene Postvertrag Deutschlands mit Frankreich nicht zu Stande käme.
Stuttgart, 29. Jan. Graf Nechberg Rothenlöwen ist von der Präsidentschaft der Kammer der Standesherrn zurückgetreten. An seiner Stelle hat der König den seitherigen Vicepräsidenten Fürst Waldburg - Zeil - Trauchburg ernannt Als die drei dem König zur Ernennung eines Vicepräsidenten vorzu schlagenden Candidaten wurden die Fürsten Hohenlohe- Langenburg, Waidburg - Wolfegg - Waldsee und Graf Pückler-Limpurg Gailsdorf gewählt. Bei der Wahl eines weiteren SecretärS der Kammer fielen sämmtliche Stimmen auf den Erbgrafen Otto v. Rechberg, Sohn und Stimmführer des abgetretenen Präsidenten. Für den Gesetzesentwurf über die Steuerreform wurde eine besondere Steuerreform-Commission von 7 Mitgliedern gewählt.
Oesterreich - Ungarn.
Wien, 29. Januar. Die „N. Fr. Pr." brachte vorgestern einen Leitartikel, in welcher Graf Beust gegen die bitteren Angriffe der pesther Blätter in Schutz genommen wurde. Letzten Sonntag wurde nun vonder officiöseii „Oesterreichischen Korrespondenz,"
gegen ihre Gewohnheit, an Sonn und Feiertagen zu erscheinen, eine Nummer ausgegeben, die ein auf diesen Preßkricg bezügliches <£immunique enthielt. Man wird nicht fehlgehen, wenn man den Ursprung des selben auf den Grafen Andrassy selbst zurückführt. Die Quintessenz des beregten Artikels ist: Würde Graf Beust annehmen, daß die fraglichen Kundgebungen (der pesther Blätter) dem auswärtigen Amte ent stammen, so würde dies ohne Zweifel feinen freiwilligen Rücktritt vom londoner Botfchafterposten zur Folge haben, wären andererseits die Stimmen der (besagte pesther Blätter bekämpfenden) Presse auf eine Einflußnahme des Grafen Beust zurückzuführen, so würde ganz bestimmt „der Hr. Minister seine Jniative in gleicher Richtung zur Lösung eines mit den Auf gaben des öffentlichen Dienstes schlechthin unvereinbaren Verhältnisses geltend machen." Schließlich wird versichert, daß den Insinuationen der Presse ngch keiner Richtung hin Bedeutung zugemessen werden türfe; Deutlich ist die Sprache in diesem Commu- niqtte, schwerlich aber wird die in der wörtlich angeführten Stelle wenig verhüllte Drohung den Grafen Beust angenehm berührt haben, trotz des ministeriellen Vertrauensvotums, das ihm das Communique ausstellen will. -- Nach übereinstimmenden Meldungen suchen die kroatischen Nationalen eine Annäherung an die Regierung. Ein Parteimitglied ist in Pesth eingetroffen, und ein Schreiben der Nationalen an den Grafen Lonyay signalisirt dir Geneigtheit derselben, dessen Punktationen anzunehmen. Der wesentliche Inhalt des Memorandums der Nationalpartei ist: die Opposition erkennt die Union an, verlangt die Aufhebung des Pauschalsystems in den Finanzen, Reform der Vertretung im ungarischen Reichstag, Verantwortlichkeit des kroatischen Ministers dem kroatischen Landtage gegenüber, Ernennung des Banus ohne Gegenzeichnung des ungarischen Minister-Präsidenten; endlich allgemeine Reformen.
Schweiz.
Sern, 29. Jan. Der hiesige Altkatholiken-Ver ein hat beschlossen, nächster Tage eine allgemeine Ka- tholiken-Verfammlung in Bem zu veranstalten. Es liegt im Plan, eine altkatholische Gemeinde in Bern zu bilden. Die Zahl der hier wohnenden Katholiken beträgt 2500 bis 3000.
Frankreich.
Paris, 29. Jan. Thiers hat sich geweigert, sich einen Vicepräsidenten an die Seite stellen zu lasten. — Das von der „Times" gebrachte Telegramm, wonach Preußen und Rußland beschlossen hätten, ge mcinsam dem schweizerischen Bundesrath Vorstellungen zn machen wegen der übergroßen Duldsamkeit, weiche er dem Treiben der Internationale auf eidgenössischem Gebiet gewähre, wird als völlig erfunden bezeichnet. — Ebenso unwahr ist, daß ThierS für sein Augenleiden den deutschen Arzt Prof. Liebreich am Londoner St. Thomas - Spital confultirt habe. — Die Zahl der bei dem Eisenbahnunglück von Antibes Verunglückten ist größer, als man anfangs annahm. Man spricht von 20 Tobten und etwa 40 Vewundeten. Nur 6 Reisende haben sich unversehrt durch die Wagenfenster gerettet.
Belgien.
Brüssel, 28. Jan. Die Repräsentantenkammer hat vorgestern mit 79 gegen eine Stimme ein Gesetz angenommen, wodurch dem Departement der öffentlichen Arbeiten ein Kredit von 16,080,000 Frans zugewiesen wird zur Vermehrung des Materials der Estenbahnen. Der Finanzminister erhält zugleich Ermächtigung, Schatzbons auszugeben, um diese Summe zu decken.
Großbritannien.
London, 29. Jan. Prinz Napoleon begibt sich nach Korsika, um seinen eben erst gewonnenen Platz im dortigen Generalrath einzunehmen. Er schickte seinen Paß Behufs Visirnng auf die hiesige französische Botschaft; diese erhob Anfangs Schwierigkeiten, schließ sich aber ertheilte sie doch das Visum. Der Prinz hat die Absicht, überMaris zu reifen. — Frau Franklin hat in Spilsby, Lincolnshire, ein Haus gekauft, um st» demselben eine Sammlung arktischer Merkwürdigkeiten und Reliquien von'der letzten Nordpol Expedition unter dem Kommando ihres verstorbenen Gatte« aufzustellen.
Niederlande.
Luxemburg, 30. Jan. Den bekannten Vorfall auf dem Kammerbanket vom 15. d. betr. fragt mau sich, wer denn unter dem „Verräther" zu versteheu sei, wenn der Prinz-Statthalter, wie er dem Kammerpräsidenten v. Scherst erklärte, nicht diesen selbst dabei im Auge hatte. Zur Aufklärung muß hier beigefügt werden, daß der Hüttenbesitzer Norbert Metz, eines der hervorragendsten Mitglieder unserer Kammer und unstreitig der erste Industrielle unseres Landes dem Statthalter bei derselben Gelegenheit bemerkte, der Pfeil zielc wohl auf jene Männer, welche im Jahre 1867 so treu für unsere Selbstständigkeit und für unser Verbleiben bei Deutschland einstanden, als man uns, wir wissen nicht, um Welchen Preis, an Frankreich verschachern wollte.
Italien.
Rom, 29. Jan. Der Gesandte de» Deutschen Reichs, Graf Brassier de St. Simon, hat dem Abg. Massari 1000 Fr., von folgendem Schreiben begleitet, übergeben: „Rom den 25. Jan. Lieber Herr Massari ! Der Verlust, den Italien durch den frühzeitigen Tod Ihres Kollegen, des Abg. Civinini, erlitten, hat in Deutschland einen allgemeinen Wiederhall gefunden, Denn neben der Würdigung der ausgezeichneten Verdienste, die der Verstorbene seinem Vaterland geleistet, bedauert man bei uns in ihm zugleich einen Freund, der die Vortheile einer Annäherung der beiden einander noch wenig bekannten Nationen begriffen hatte und der mit ebenso viel Eifer als Verständniß hiezu beigetragen hat. Geleitet von dem Wunsch, der Familie des Verstorbenen ein Zeichen des Danks und der Theilnahme darzubieten, hat man mich beauftragt, zu der Zeichnung für die Erziehung des Sohnes von Civinini die Summe von 1000 Fr. hinzuzufügen, in der Hoffnung, daß dieses kleine Geschenk von einem befreundeten Lande kommend, von dem Comite nicht zurückgewiesen werden wird." — Die italienische Regierung chat darauf verzichtet, die zum Kloster St. Andrea auf dem Quirinal gehörige Kapelle San Vitale zu expropriiren. — Am 25. d. war die Kammer
Detailkenntniß aller Mauerreste, Funde und Fundstätten.
Smyrna ist der natürliche Centralpunkt für die Erforschung von AeoliS und Ionien, und die Eisenbahnen, welche von hier aus gebaut sind, um die Erträge des Hermos- und MaiandroSihalS zu dem j oßen Emporium und so auf den europäischen Markt zu bringen, sind auch für die archäologische und topographische Forschung eine Wichtige Förderung. Da beide Bahnen vorzugsweise auf Waarenvcrkehr berechnet sind, ist die Bewegung auf denselben noch eine sehr beschränkte und der Ertrag derselben mäßig. Deß- halb stockt einstweilen der Ban an beiden Endpunkten, der eine in Aidin (TrallcS), der andere in Kassaba.
Von Sardes ist wenig erhalten, desto mehr von Pergamos. Auf der Burg sahen die Reisenden nicht weniger als vier Kalköfen, um nach und nach alle dort vorh titdenen mamernen Sculptur- und Baurcste zu verbrennen; in der Orchestra des Theaters ist ein schwunghaftes Atelier für Anfertigung türkischer Grabsteine; vieles von dem, was Choiseul Gonffier noch gesehen hat, ist verschwunden. Und dennoch gibt cs fast kein HanS, in dem oder an dem nicht ein Marmorrest vorhanden wäre und es sind noch viele merkwürdige Ueberreste des AlterthumS da, welche kaum bemerkt sind. Da das vom Kriegs-Ministerium zuge- sagte Schiff „Delphin" ausblieb, so mußte die Unter suchung der indischen Küste leider aufgegeben werden, und so wandten die Reisenden ihre Aufmerksamkeit besonders Ephesus zu. Entscheidend war dafür der Um stand, daß es Herrn Wood im letzten Jahre gelungen war, den Tempel der Diana aufzufinden und an einer auf ihrem Platze aufgegrabenen Säulenbasis uachzu- weisen. Dadurch ist für die Topographie einer Stadt, welche nächst Athen vielleicht Die reichste Geschichte durchlebt hat, der feste Punkt endlich gegeben. Was
die Tempel-Architektur betrifft, so ist nun auch die seit Winckclmann so viel behandelte und bis neuerdings verschieden gelesene und aufgefaßte Stelle deö Plinius von den columnae caelatae endlich klar, denn es haben sich Sculpturen gefunden, welche in hohem Relief den unteren Schaft der Säulen umgeben, von Venen eine Skopas gearbeitet hatte. Dadurch erklären sich auch jetzt erst die römischen Schaumünzen, welche die Vorderseite des Artemis-Tempels darstellen.
Herr Regely entwarf einen sorgfältigen Plan von Ephesus. In Syra wurden die Reisenden durch die Quarantäne aufgehalten und brachten 14 Tage in Athen zu, überwältigt durch die reiche, unerschöpfliche Ausbeute jenes classtscheit Bodens. Curtius schließt mit folgenden Worten: „Wenn ich hiermit schließe, so habe ich nur den einen Wunsch, daß die anwesenden Gönner und Freunde von meinem Vorträgen denselben Eindruck haben, welchen ich von der Reise heimbrachte, den Eindruck, daß in den bekannteren und zugänglicheren Gegenden der hellenischen Welt noch so unendlicher Stoff zu archäologischer Arbeit vorliegt und daß eS nur an Arbeitern fehlt.
Von den wichtigsten Plätzen alter Geschichte sind nur sehr wenige genau bekannt, geschweige denn aus- gebentet; selbst für die Umgegend Athens entbehren wir noch einer genügenden Aufnahme.
Die Kräfte Einzelner reichen nicht auS. Die Zeit ist kostbar, denn die Zerstörung der edelsten Ueberreste schreitet nnaufhaltsam fort und die in immer größerer Fülle zu Tage kommenden Alterthümer werden in Folge der Gesetze des griechischen Königreichs, d>e jede Ausfuhr verpönen, versteckt gehalten, unter der Hand verhandelt und heimlich in alle Welt zerstreut. Da kann nicht durch einzelne Reisen, sondern nur durch eine ununterbrochene Thäligkeit geholfen werden, welche nach einem festen Plane die Aufnahme aller
für Geschichte und Kunst wichtigeren Plätze des classtschen Bodens, die noch mangelhaft bekannt sind, allmählich fortschreitend ins Werk setzt und dabei an den bedeutendsten Stellen durch Nachgrabungen unterstützt wirb; ferner durch die Errichtung einer wissenschaftlichen Station, welche wie in Rom, so auch in dem für Kunstforschung jetzt so unendlich wichtigeren Alheit bett ganzen Kunsthandel überwacht, alle Entdeckungen genau regiftrirt und so allmählig das Material sammelt, welches zu einer umfassenden Kenni- niß der attischen Kunst unentbehrlich ist. Athen ist zugleich die richtige Warte für den Orient, so weit derselbe ein Schauplatz hellenischer Cultur gewesen ist.
Die Zeit ist günstig. Im ganzen Oriente, so weit gebildete Menschen wohnen, erwartet man, daß Preußen seine neue Machtstellung bewähre, indem es die Interessen von Kunst und Wissenschaft auf klassischem Boden würdig und kräftig vertrete. Die griechische Nation wird solchen Bestrebungen ihre ganze Sympathie zuwenden und die unter türkischer Herrschaft Lebenden wollen ihre Kunstschätze lieber in unseren Händen wissen, als in dem Staube der Jrenenkirche verkommen zu sehen. Ueberall sah man uns, ohne daß wir einen Anspruch darauf machen tonnten, als Vorläufer größerer Unternehmungen an.
Möchte man doch erkennen, was sich erreichen läßt, wenn die vorhandenen Kräfte sich in rechter Weife verbinden, die Dampfkraft der Marine, die Technik des GeneralstabS, die Sachkenntiiiß des Archäologen und Architekten!
Möchte Jeder unter uns an feiner Stelle dahin wirken, daß zur Ehre des Vaterlandes und zum Segen deutscher Wissenschaft die Expeditionen von 1862 und 1871 durch größere Unternehmungen bald vollständig verdunkelt werden!"
end! stark beic: «n; be 3 «bscl das «ich seine
tthä 6ntl Geg „Sih aus Unr: Es lang in 8 seien dem toati verö mali sich angi in d wie geist Sri zur kehr sich berci der war ®en selbe |eit Bla, Pro sein Ma! ganz lasse Bett Mit
Regi litt doch attik beru spru Dvei dvn giert zur ßerei Haus fugn gegei Pair ingt, «als Pers tagte in d habe saß für denk« tteif. uno witt 8r°g des
i in jt Petz Der ein 1 der । hing «nb Hing
s tzrbp jung ichlü He tobic der , de«