Marburg, Donnerstag, den 1. Februar.
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»Marburg, 31. Januar.
Das preußische Herrenhaus nahm die Gesetzentwürfe an, betreffend die Abänderung einiger Wahl bezirke deS Abgeordnetenhauses, die Ablösung einiger Reallasten in Wiesbaden, Vergütungen an Medizinalbeamte und betr. die Aufhebung der Abgaben von Ge indlbnchern. — Generalpostdirector Stephan ist mit oem Kais, russischen Generalpostdirector Velho, nach dem zu dem Postvertrage mit Rußland ein Additiv nalvertrag vereinbart worden ist, nach der Rheinprovinz abgereist. — Wie die „Kreuzztg." hört, wird Seilens des Ministers für Landwirlhschast, dem gegen wattigen Landtage noch ein Gesetzentwurf vorgelegt werden über die Ablösung der den Kirchen, Schulen und milden Stiftungen zustehenden Reallasten. — Die baierische Abgeordnetenkammer hat die Rechnungsnach- weisungen über den Betrieb der Verkehrsanstalten für 1869 ohne Debatte genehmigt. Verschiedene Anträge wurden den betreffenden Fachausschüssen überwiesen; als nicht überwciSbar wurden gegen den Beschluß des 6. Ausschusses erachtet: ein Antrag auf Abänderung des Heimathsgesetzes, eine Vorstellung der Bierbrauer Münchens und Nürnbergs auf Gewerbsteuer -Reduc- tion, und ein Bittgesuch des Freiherrn von Aufseß um Erlassung eines Gesetzes, durch welches mit der Aufgebung des Patronats auch die kirchliche Baupflichl aufzuheben fei.
Aus Wien wird untrrm 30. d. gemcldet: Die
Actien der „JnterventionSbank" wurden heute zum Course von 108 mit 20 pCl. Aufgeld eiugcführt, durch den Umstand, daß dieselben bereits von einem Syndikate mit 20 pCt. Agio, welche der Bank zufallen , genommen sind. Ein bedeutender Erfolg ist vorauSzusehen.
ThicrS hat sich vorgestern nach Paris begeben, um zum ersten Male sein zerstörtes Haus zu besichtigen. — Es verlautet, daß die Regierung wahrscheinlich keinen Militär-Reorganisations-Entwurf vorlegen, sondern den Entwurf der Commission mit einigen Abänderungen annehmen werde. — Gelegentlich der Discusston über den Handelsvertrag in der National Versammlung vom 29. d. bemerkte Remusat, daß er wünsche, die Frage rasch entschieden zu sehen. Wie er versicherte, hat er vom englischen Gesandten die Erklärung erhalten, daß England den Handelsvertra noch 12 Monate nach der Kündigung als zu Rech bestehend betrachten werde, welches auch immer das Datum der Kündigung sein werde. Die Versamm
lung beschloß, die Discussion anderen TageS fortzusetzen.
England legte seinerseits dem Genfer Schiedsgerichte eine umfangreiche Darstellung der streitigen Frage vor, die im Wesentlichen den RacbweiS erstrebt, daß England blos für die dirccien, durch die „Alabama" veranlaßten Schäden verantwortlich gemacht werden könne, daß es gewissenhafte Neutralität geübt und nicht willkürlich die Sübstaaten als kriegführende Macht anerkannt habe. — Gutem Vernehmen nach hat Gladstone daö vom Amnestteverein gestellte Ersuchen, die gefangenen Fenier freizulassen, auf's Neue ablehnend beantwortet.
Die belgische Gesandtschaft ist vfficiell in Röm installirt. — Nach der „Opinione^ ist der Präsident der Kammer ersucht worden, den Minister des Aeußern,
Visconti Venosta, wegen der Abwesenheit des franzö- ischen Gesandten zu interpelliren. Das Blatt fügt finzu, die Ersprießlichkeit einer solchen Interpellation ei nicht einzusehen, da in Rom die französische Gesandtschaft etablirt sei, was für den internationalen Verkehr genüge. Nach Pariser Briefen scheine der neue Gesandte Goulard seine Abreise so lange verschieben zu wollen, bis die Nationalversammlung die Petition gegen Errichtung der französischen Gesandtschaft beim König von Italien in Rom erledigt habe.
AuS Madrid wird unterm 30. d. gemeldet: Der radikale CeniralauSschuß hat auf den nächsten Freitag eine öffentliche Versammlung der ganzen Part« zusammenberufen. Tie hervorragendsten Männer der Partei begaben sich in die Provinzen, um dort die Zweigvereine für die Bewegung zu organistren. — Eine Depesche des Gouverneurs von Barcelona zeigt an, daß in Folge der Wiederherstellung des Octroi Unruhen ausgcbrocken sind. AuS der Menge wurden einige Pistolenschüsse abgefeuert,' doch wurde die Ruhe bald wiederhergestellt ohne militärische Zwangsmittel.
Ein officielles Communiqns der russischen Staatsbank dementirt die au der Börse verbreiteten Gerüchte, daß die Bank beabsichtige, die Preise, zu welchen sie seit dem Jahre 1868 den Ankauf von Metallen bewerkstelligt, herabzusetzen.
Der Staatssecretär der V e r e i n i g t e n S t a a t e n, Boutwell, ordnete für den Monat Februar den Verkauf von zwei Millionen Gold und den Ankauf von drei Millionen BondS an.
baus der Abgeordneten. 23. Plenar-Sitzung v vom 30. Januar 1872.
Präsident v. Forckenbeck eröffnet die Sitzung um lll/j Uhr Vorm. Am Ministertische: Graf Eulen- tara, Dr. Falk. Die Tribünen sind gefüllt. Nach «eschäftlichen Mittheilungen, Urlaubs - Bewilligungen L s. w. tritt das Haus in die Tagesordnung ein. Interpellation des Abg. Schröder wegen der ZeitungS- cvnfiscativnen. Dieselbe lautet: „1) Hat die Staats Regierung von der Angelegenheit Kenntniß genommen? 2) Was gedenkt dieselbe zu thun, um dem hiesigen Polizei-Präsidium, melcheS sich schon mchmals solche Gesetzesverletzungen hat zu Schulden kommen lassen, auf den Weg Rechtens zurückzusühren und den ver- letzten Zeitungs-Eigenthümern Genugthuung zu verschaffen ?" Graf Eulenburg erklärt sich zur sofortigen Beantwortung bereit.
Abg Schröder begründet seine Jntepellatron, wobei er die Ungesetzlichkeit des Verfahrens im Allgemeinen hervorhebt, im besonderen aber betont, daß die LonfiScation sich nicht auf den Jnseratentheil beschränkt habe; die Beschlagnahme habe eine schwere Vermögens- beschädigung zur Folge, welche nicht ausgeglichen werde durch Zurückgabe der Blätter; eS läge vielfacher Grund zu Beschwerden über die jetzige Leitung des Polizei-Präsidiums vor.
Der Minister deS Innern konstatlrt, daß Seitens de« Polizeipräsidiums eine Verwechslung vor- licge; der Beschluß der Rathskammer, die Konfiskation aufzugeben, sei richtig; nichtsdestoweniger sei die Be schlagnahme weder gesetzwidrig noch frivol; auch bte Konfiskation aller Beilagen sei nicht ungesetzlich, eine Sonderung de» zu konfiszirenden Inseraten-Theiles
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solgtest dem Rufe. Großvater, Du, ein siebenzehn i jähriger Jüngling, entliefst sogar dem Vaterhause, als ' man Dir die Erlaubniß verweigerte."
Der alte Herr wiegte lächelnd da» greise Haupt 1 und schob dann etwas verlegen das Käppchen wieder urecht.
„ES war Unrecht von mir", hüstelte er, „der Un zehorsam ist stets ein Verbrechen, das sich unerbittlich ittoft. Mir nahm eS die gute Mutter um einige Jahre früher. Damals lag die Sache auch anders als heute."
„O nein, Großväterchenl" lächelte der junge Mann überlegen, „eS ist heute im Grunde noch mehr Gefahr für Deutschland, da die französische Armee kein Rußland gehabt hat, wie damals der erste Napoleon. Schmach deshalb jedem jungen, kräftigen Manne, der eine Flinte tragen, einen Säbel schwingen, ein Roß tummeln kann und nicht dem Vaterlaude zu Hülfe eilt."
„Nun, der Freiwilligen wird'S nicht bedürfen", meinte die alte Dame, besorgt von ihrer Arbeit aufblickend, „ganz Deutschland stellt sich heute den Fran- zosen entgegen, —• ein solches Heer ist stark genug, sie zurückzuweisen."
„So denke ich auch," nickte der Alte, „ja ich glaube sogar, der saubere Franzmann wird sich beim Anblick deS einigen Deutschlands eines Bessern besinnen und seine schnöde Herausforderung noch jetzt zu rücknehmen; eS wäre das Gefcheidefte, was er thun könnte." .
„Freilich wäre es das," lachte der junge Mann. „Doch jetzt sollte eS mir in der Thai leid chun, wenn er'S thäte."
„Kind! Kind!" mahnte die alte Dame kopfschüttelnd.
„Ja, Großmütterchen! kann's nicht helfen, ich
nicht immer gut auSzusühren; hier namentlich liege die Sache nicht so einfach. Die Berliner Preßpolizei verdiene den Vorwurf der Rigorosität keineswegs. UebrigenS werde er aus dem Vorgänge Anlaß nehmen, daS Polizei-Präsidium darauf aufmerksam zu machen, daß nur dann Beschlagnahmen vorznnehmen feien, wo die große Wahrscheinlichkeit der Aufrechterhaltung der Beschlagnahme Seitens der Rathskammer vorliege. Er habe aber keinen Anlaß, den Polizei-Präsidenten zu rectificiren. — Auf den Antrag des Abg. Schröder knüpft sich an diese Beantwortung eine Besprechung, die jedoch bald zu Ende ist.
[Fortsetzung in der nächsten Nummer.)
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m tevn dem anderen schuldlosen Inhalt der Zeitung sei
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itt.-O* Hb. 94,,
An Straßburg.*)
Erzählung von Emilie Heinrichs.
ES war in den ewig denkwürdigen Julitagen deS glorreichen Jahres 1870; — der große Benedetti hatte feine berühmte Mission zu EmS an den greisen Hel- denkönig ausgeführt, - Napoleon sich zum Heil der CivUisation in den KriegSsattel geschwungen, um dem- nächst die vierwöchentliche Rhempromenade anzutreten unb mit seinen TurcoS in Berlin oder Königsberg den Frieden zu dictiren, — während das deutsche Volk mit heiliger Begeisterung auf einen Wink zu den Waffen 8Uft@in wunderbarer Moment, als Nord und Süd sich in wenigen Augenblicken zum festen Fels verbanden, woran Frankreichs siegeSgewohnte Armee sich den Schädel zerschmettern sollte.
Vor einem der vielen, reizenden Landhäuser, die sich in Hamburgs Umgebung malerisch längS der Alster erstrecken, ging ein junger eleganter Mann, eine Zeitung in der Hand, heftig gesticulirend auf und nieder. _. .
5fr laS mit lautet, klangvoller Stimme König Wilhelms Aufruf an fein Volk, während zwei alte Leute, ein Herr und eine Dame, Beide mit schneeweißem Haar, andächtig zuhörtm.
Der Greis nahm sein schwarzes Käppchen von dem kahlen Scheitel und sprach, als der junge Mann geendet: „Gott segne den König von Preußen. ES ist mir gerate’, als sollte sich daS Jahr 1813 wiederholen , wo fein Vater ebenso zum Volke sprach und daffelbe, stark in feiner Kraft und Begeisterung, stark im Gottvertrauen, den grimmigen Feind darniederschlug."
„Ja, teer König rief damals wie heute", mckte der junge Mann mit leuchtenden Augen, „und auch Du
*) Nachdruck ist nicht gestatt«.
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mein' es wirklich so; die Geschichte mit dem ränke- vollen, unruhigen Nachbar muß endlich einmal auSge- fochten und die Einheit Deutschlands mit Blut und Eisen gekittet werden, wie Bismarck gesagt. Besser früher als später; die Franzosen muffen endlich lernen, was man unter Gleichgewicht versteht."
„Du kennst den Krieg mit feinen Leiden nicht, Ferdinand I"
„Ich will ihn kennen lernen, Großvater! bin fest entschlossen, ihn diesmal mitzumachen, waS und wie er auch immer sei."
„Großer Gott!" rief die alte Dame, „ist das Dein Ernst, Ferdinand?"
„Mein heiligster Ernst, Großmutter! — ich will nicht schamroth werden den Männern gegenüber, die Weib und Kinder daheim lasten, um mitzuziehen in diesen heiligen Krieg. Gut, daß wir endlich auch lernen wüsten, daS Vaterland zu lieben, was nur der wirklich vermag, der sein Alles einsetzt dafür, — daß auch wir gezwungen sind, das Sötdnerthum auszugeben und so der Reck des VaterlandSvertheidigerS Überall zur wahren, ehrenden Geltung kommt."
(Fortsetzung folgt.)
Ei» Ausflug nach Kleiaafik» und Griechenland.
(Schluß.)
Der nächste Zielpunkt von Constanlinoprl war TroaS, die Ebene, in der eS nie Friede werden soll. Aber auch hier wird die Fehde mit friedlichen Waffen geführt; man schaufelt und grabt an beiden Plätzen, welche um die Ehre, PriamoS' Haus getragen gu haben, concurriren, und Jeder glaubt, untrügliche Identitätsbeweise zu finden. DaS Calvert'sche HauS ; an den Dardanellen ist gleichsam daS Hauptquartier aller Irdischen Forschungen. Dort ist ein reiches Mn- i scum von Alterchümern der Landschaft, dort die größte
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lohnet! Srbfen le uni iemüsr ösisch-
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