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Schweiz.

Der», 28. Jan. Der Nationalrath beschloß die Einführung der fakultativen Referendums mit 79 gegen 26 Stimmen. Tas Veto wurde dagegen verworfen. Staatsverträge werden der Entscheidung des Volkes nicht unterstellt. Volksentscheidungen über Bundesge­setze und BundcSbeschlüsse allgemein verbindlicher Natur können angerufen werden: 1) von der Bundesversamm lung, 2) von 50,000 Schweizer Bürgern, 3) von fünf Kantonen. Die Initiative wird mit 60 gegen 47 Stimmen angenommen. Dieselbe erstreckt sich auf Bundesgesetze und Bundesbeschlüsse. Vertragsrecht lichen Verpflichtungen deS Bundes dürfen dadurch nicht berührt werden. Die Initiative geht von 50,000 Bürgern oder 5 Kantonen aus. DaS Begehren der Initiative geht zuerst an die Räthe. Die Erhcblich- keitSerklärung durch Volksabstimmung findet nur statt, wenn die Räthe dieselbe verweigern. Die schließlich ausgearbeitete Vorlage bedarf der Volksabstimmung. Ein Antrag auf Abberufung der Räthe durch das Volk wurde mit 61 gegen 38 Stimmen verworfen.

Frankreich.

Paris, 27. Jan. Das wichtigste aus der vor­gestrigen Sitzung der Nationalversammlung ist, daß dieselbe mit 505 gegen 149 Stimmen zur Berathung der einzelnen Artikel deS Gesetzes betr. die Handels­marine überzugehen und damit also die Schutzzöllner vollständig gesiegt haben. Der gestrigen Sitzung wohnten der Graf und die Gräfin von Paris an. Die Discussion des Gesetzes über die Handelsmarine wurde fortgesetzt und zufolge dem gestrigen Beschluß wurde mit der Debatte über den Artikel 1 begonnen. Derselbe wurde schließlich mit 406 gegen 265 Stim­men angenommen. Gemäß demselben werden die von fremden Schiffen eingeführten Waaren mit einer Zu­schlagstaxe belegt; ein hiezu gefaßtes Amendement nimmt aber den Zucker der Kolonieen von dieser Steuer aus. — lieber den bereits kurz gemeldeten Eisenbahnunfall, der am 24. d in der Nähe von Nizza auf der Lyon-Marseiller Linie statlgesunden, erfährt man jetzt folgendes Nähere. Die betreffende Eisen­bahn-Verwaltung ließ darüber nachstehende Depesche veröffentlichen: „Die Brücke von Braque ist vom Wasser (Var) hinweggerissen. Ich habe mich nach der Brücke begeben, um den Zug 492 anzuhalten. Unmöglich, da die Landstraße überschwemmt; ich stellte drei Männer auf. um den Zug zu warnen. Unmög­lich, zu telegraphiren. Ungeachtet der Vorsichtsmaß­regeln, kam der Zug mit ganzer Dampfkraft an und stürzte in den Fluß; ich organisire die Hülfe." Tie Brücke von Braque liegt ganz nahe bei AntibeS. Ter verunglückte Zug kam von Nizza, das er gegen 6 Uhr Abds. verließ und mußte um 6 Uhr 27 M. durch AntibeS kommen. Nach anderen Berichten hatten sich ungefähr 100 Arbeiter sofort an die Rettung gemacht. Nach langen Nachsuchungen gelang es, den Locomotiv- führer und den Heizer so wie vier Reisende tobt auf­zufinden. Später fand man noch 11 schwer verwun­dete Reisende. Man glaubt, daß die Zahl der Opfer 30—40 beträgt. — Ter Graf de Montgaseon, vor dem Kriege zweiter GesandtschaftS-Secretär in Tres den, ist zum ersten Secretär bei der französischen Bot schäft in Berlin an Stelle des Marquis de Gabriae ernannt worden. — Valentin, der feines Amtes ent­hobene Präfcct von Lyon, erhielt Pascal, bisher Prä­feet der Loire Jnferieure (Nantes), zum Nachfolger. Der neue Präfect gehört zur gemäßigt-republikanischen Partei. Was Valentin anbelangt, so war derselbe bereits Mitglied der National-Versantmlung von 1848 (er war damals 25 bis 26 Jahre alt) und wurde bann vom Staatsstreich geächtet. Von der Regierung der National-Vertheidiguiig als Präfect nach Straß­burg gesandt, gelang es ihm, durch die Belagerer hin­durch in die Festung zu gelangen. Von Straßburg wurde er als Gefangener nach Coblenz gebracht, wo tr bis zum Friedensschluß blieb. Nach seiner Frei­lassung wurde er zum Präfecten von Lyon ernannt. — Die Commune-Gefangenen werden jetzt in Maffe sreigelassen. Die Freilassungen werden folgendermaßen bewerkstelligt. Den Kriegsgerichten und mit den Ver­hören betrauten militärischen Untersuchungsrichtern ist eröffnet worden, daß jedes Freilassungsgesuch (wofür «igene Formulare gedruckt sind), welches von einem Mitgliede des Pariser Stadtraths unterzeichnet wurde und mithin die moralische Bürgschaft eines solchen Mannes enthält, sofort berücksichtigt werden müsse, falls nicht etwa sonst bind gravirende Umftänbe gegen ben Betreffenben vorliegen. Auf biefe Weise würben in der vergangenen Woche allein über 6000 Gefan- Akne in Freiheit gesetzt — Die vorzeitige Publicirung seines Wahlmanifestes durch die Pariser Blätter hat Rouher sehr gekränkt. Er hatte das Aclenstück ins­geheim in einer ganz kleinen Bnchdruckerei ber Vor- stäbte drucken lassen und darauf gerechnet, daß man es in Paris erst aus den corsischen Blättern kennen lernm werde, mithin erst dann diScutiren und kriti- stren könne, wenn die Wahlen auf Corsica vorüber fein würden. Ein republikanischer Typographeitgehülse verrieih jevoch das Geheimniß und so wurde sein Vor­haben vereitelt.

Großbritannien.

London, 27. Jan. Earl Granville, ber Mini­ster, und Lorb Enfielb, ber UnterstaatSsecretär für auswärtige Angelegenheiten, haben eine zahlreiche, zum großen Theil aus Parlamentsmitgliedern bestehende Deputation empfangen, welche beantragte, daß Eng­land gemeinschaftlich mit der Regierung der bereinig­ten Staaten sich in's Mittel lege, um die Emanci- pasion ber Sclaven auf Cuba unb Portorico uns wo möglich Beenbigung bes cubanischen Bürgerkriegs zu Wege zu bringen. — Ein zahlreich besuchtes Meeting in Warrington hat vorgestern eine Resolution zuHGunsten vollständiger Trennung der Kirche vom Staate, wie solche bereit« für Irland durchgeführt ist, angenommen. — Eine Deputation der allgemeinen republicanischen Liga, welche die Intervention Eng­lands bei der Regierung von Versailles zu dem Zwecke nachsuchen wollte, daß die Pariser Communi­sten statt vor die Kriegsgerichte vor die ordentlichen Gerichte gestellt würden, wurde von dem StaatSsecretär für die auswärtigen Angelegenheiten, Lord Granville, nicht empfangen. ES wurde dies durch den Hinweis auf die Unmöglichkeit, sich in die innere Verwaltung Frankreichs einzumischen, motivirt. — Wie in London, so hat sich auch in Birmingham ein israelitischer Verein gebildet, mit der Ausgabe, die Uebertritie von Juden zum Christeuthum zu verhüten. Ein prote­stantischer Geistlicher ans letzterem Ort hatte die An­hänger des mosaischen Glaubens zu einer Predigt eingeladen. Wirklich erschienen darauf 70 bis 80 Juden in der Kirche, die gewohnheitsmäßig während der Kirche die Hüte aufbehielten. Sie hörten die Predigt aufmerksam an und am Schluffe forderte einer von ihnen den Prediger zu einer öffentlichen Discussion heraus; wie es heißt, wurde die Aufforderung angenommen. — Ter deutsche Kaiser hat der Bodleianischen Biblio­thek in Oxford ein Exemplar der „Oeuvres de Frederic, tomm. XVI.—XVIII. 4, Berlin, Imprimerie Royale 1850—53" zum Geschenk gemacht. — Ein am 22. d. in Birmingham stattgefundenes Meeting zu ®un sten des in letzter Parlamentssession vom Hause der LordS verworfenen Gesetzes, das die Schwagerehe gestattet, nahm nach längerer Discussion eine Resolution an, welche nach ber Erklärung, baß Heirath mit einer Schwägerin in Harmonie mit bem göttlichen Gesetz steht unb ben besten Interessen im Staate dienlich ist, bas legis­lative Verbot solcher Ehen als eine Verletzung der Bürger­rechte, als ein moralisches liebel und sociales Unrecht betrachtet. — Unter dem Vorsitz des Lordmayors fand im Mansion-Honse ein sehr stark besuchtes öffentliches Meeting statt, um die Beschwerde der londoner Han- delsivelt, daß die internationale Ausstellung von 1872 unter ben projectirten Bestimmui gen nichts weiter als ein gigantischer Bazar jein werbe, in Erwägung zu ziehen. Es gelangte eine Reihe von Resolutionen zur Annahme. Schließlich wurde ein Ausschuß ge­wählt, ber eine Adresse an die Königin, sowie Petitio­nen an bas Parlament vorbereiten unb alle anderen Schritte ergreifen soll, die nothwendig sind, um dem anstößigen Arrangement ber Ausftellungscommissäre zu opponiren.

Portugal.

Lissabon, 22. Jan. Die Regierung von Por tugal hat bezüglich ber in der Thronrede verheißenen Reformen bei ber Kammer bereits wichtige Vorlagen eingebracht. In der vorigen Woche legte das Mini­sterium einen Gesetzentwurf vor, welcher an erster Stelle die Abschaffung der erblichen Pairswürde aus- spricht und eine Pairskammer einsetzt, deren Mitglieder auf Lebenszeit aus ben in der Verfassung vorgesehenen Classen unb zwar burch ben König ernannt werben sollen. Sodann folgt die Bestimmung, daß nach jeder Auflösung ber Abgeorbnetenkammer die neuc'Volksver- tretung binnen brei Monaten zusammenkommen muß unb nur nach dreimonatlicher Sitzungsperiode wieder aufgelöst werden kann. In einer Reihe von weiteren Vorschlägen wird das Begnadigungsrecht eingeschränkt; die Minister werden verantwortlich gemacht für die Handlungen der Executivgewalt; gegen alle öffentlichen Beamten soll nach Ermächtigung von Seiten 6er Re­gierung Klage erhoben werben können; die Verwar­nungen und andere Befchränkungen der Preßfreiheit fallen fort; die Todesstrafe wird abgeschafft; das Ver- einSrccht wird vor Präventiv Maßregeln sicher gestellt, nur daß Versammlungen auf den Straßen den Poli zeigesetze» unterworfen bleiben; endlich wirb allen Familienhäuptern unb allen großjährigen des Lesens und Schreibens kundigen Bürgern das Wahlrecht ge währt. Ein fernerer Gesetzentwurf bezieht sich auf die Reform der Verwaltung und gibt ben Gemeinde­vertretungen unter ausgedehnterem Wahlrechte weiter- gehende Befugnisse im Sinne der Selbstverwaltung; doch wird zugleich die Zahl der Gemeinden durch Zusammenlegen mehrerer derselben vermindert.

Aus Heffkn-Rassa«.

Marburg, 29. Jannur. Aus Berlin wird ge­schrieben: In der Donnerstag 25. d. abgehalteuen Sitzung der bereinigten Commissionen für Handel und Gewerbe unb für Finanzen und Zölle, erklärte

der Reg.-Commissar in Rücksicht auf die bezüglich des Eifenbahnbaues Marburg-Altenhundem eingegangenen Petitionen, daß die Staatsregierung bereits mit der Bergisch Märkischen Eisenbahn wegen der llebernahme der Zinsgarantie in Unterhandlung stehe. Die Com­mission beschloß darauf, über diese Petitionen zur Tagesordnung überzugehen. — Hiermit finden alle seither von unserem Blatte über diese Angelegenheit gebrachten Nachrichten ihre vollste und officielle Bestä­tigung. Nach den neuesten zuverlässigen Mittheilungen erwartet man in den Abgeordnetenkreisen baldige Vor­lage des Gesetzes, die an maßgebender Stelle bereits für Januar beabsichtigt war. Wir bedauern, daß uns das Interesse an dieser für unsere Stadt so wich­tigen Eisenbahn Zurückhaltung auferlegt, wir würben sonst dem Klatsch übelwollenber unb, wie es scheint, bem Gelingen feinblicher Personen bie nöthige Zurecht­weisung haben zukommen lassen.

Marburg, 29. Jan. Die auf morgen angekünbigte Vorlesung des Herrn Lu dz wird erst über 8 Tage stattfinden.

Marburg, 29. Jan. Das schöne Frühiingswetter des gestrigen Tages hatte zahlreiche Spaziergänger zil allen Thoren hinaus ins Freie gelockt. Vorzugsweise besucht war aber namentlich auch unsere reizende Berghohe „Spiegels­lust", die ja für Viele selbst im vollständigsten Wmterge- wand ihre Anziehungskraft nicht verliert. Der gestrige Tag bot nun hier ein Bild, das den 28. Januar — den Jahres­tag der Kapitulation von Paris — vergessen ließ, und das mit seinem bunten und heiteren Treiben weit eher an die Tage erinnerte, die von Jung und Alt nach langer Winter­ruhe sehnsüchtig erwartet werden.

Kassel, 28. Jan. Wie der hiesige „N. Anz." vernimmt, hat Hr. Regierungspräsident v Hardenberg die Absicht kund gegeben, aus dem Staatsdienst aus­zutreten, auch spricht man von der Versetzung des Hrn. Geh. Regierungsrath Wiegand zur Direktion der Seehandlung in Berlin.

Kassel, 26. Januar. Vor einigen Tagen ist der Privatier S. unweit des Rondels am Wilhelms- höher Thore bald nach 10 Uhr Nachts von einem unbekannten Menschen überfallen unb so mißhanbelt worben, daß er bie Besinnung verlor unb erst längere Zeit nachher im kläglichsten Zustanbe fein Haus erreichte. Die Verletzungen lassen minbestens ben Verlust des Augenlichts befürchten. Es ist dies in kurzer Zeit ber dritte Fall.

Hersfeld, 27. Jan. Vorgestern Abend würbe in ber Nähe von Hersfelb, nach dem Passiven des Nachtschnellzugs, der Leichnam einrr Frau im Geleise gefunden, welche den Tob burch Ueberfahren gesucht und gefunden hatte.

-r Frankfurt a. M., 29. Jan. Der Landwirtbschaftl. Monats-Club, welcher aus Landwirthen des ehemaligen Kurstaatcs, Nassau, Hessen-Darmstadt, Frankfurt und Bayern ! Unterfranken) besteht, hat im Interesse seiner gedeihlichen Fortentwickelung den Entschluß gefaßt, mtt deut Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereine, welcher über bedeutende Mittel gebietet, in ein engeres Verhältniß zu treten, bezw. als eigene Sektion in denselben einzutreten. Der Vorstand des gedachten Vereins ist hierüber in Berathung getreten und hat sich für den gestellten Antrag ausgesprochen, so daß dessen Annahme in pleno des Vereins nunmehr keinem Zweifel mehr unterliegt. Von dem Club wird gegenwärtig eine Denkschrift an den Reichstag ausgearbeitet, welche die Frage der landwitthschafklichen Doppel-Lesteuerung, und eine andere, welche die Differential Fracht-Tarife bei den Eisen­bahnen behandelt.

Telegraphische DepescheaUr^Ober. hessischen Zeitung.

Paris, 28. Fan Tie Comilos zur Veranstal­tung einer Subskription für bie Befreiung des fran­zösischen Gebietes von ber Okkupation mehren sich. Das Unternehmen finbet auch im Auslaube lebhafte Zustimmung. Man verspricht sich große Resultate. — „Gazette be France" theilt mit, baß ber Graf von Chamborb nach einem mehr in ber Nähe Frankreichs gelegenen Ort übersiedeln wirb. — Die Blätter ver­öffentlichen ein Schreiben Louis Blanc'S an bie Wähler von Korsika, worin berfelbe bie Canbidatur Rouher'S bekämpft.

Paris, 29. Jan. Anläßlich eines Artikels in ber „Patrie", welcher bie Reorganisation ber Natio­nalgarden befürwortete, erklärt bas „Journal officiel", jeder Versuch auf Wieberherstellung der CabreS einer revolutionären Armee in Paris werbe sofort nach ven bestehenden Gesetzen unterbrückt werden.

Telegraphische Cours- unb Marktberichte.

Frankfurt a. M., 28. Jan. (Schluß der Eff.-Soc.). Staatsbahn-Actien '21',, Elisabeth 249}, Galizier 272|, Lombarden 224, Rort vestbahn 227£ , Creditactien 355|, Silberrente 63%, Spans.. 32, 1882t Amerikaner 96 *4, getünb. 1882r Amerikaner 96!,, österreichische Nationalbank 876, 1860t Loose 93, volle sranzös. Rente 87£, neue Russen 87$, österr. Papierrente 5b, Oberhessen 84, Bundes-Anleihe 1001,, 4j i Cons. Preußen 102s,, 4 g Kurheffen 93| B.

—r. Frankfurt a. M., 29. Jan. Der heutige Vieh­markt war im Ganzen gut befahren. Elsässer Metzger und Händler waren mehrfach vertreten und kauften meist Hammel­vieh auf, welches augenblicklich ziemlich hoch im Preise steht. Der Handel in Ochsen war etwas gedrückt. Kälber zwar in ansehnlicher Quantität am Platz, doch hielten sie sich ans der seitherigen Höhe. Angetrieben waren: 340 Ochsen, 260 Kühe und Rinder, 220 Kälber 500 Hammel. Die Preise stellten sich:

Ochsen 1. Qual. p.Ct. 35 fl. Kälber 1. Qual. p. Ct. 32 ff.

- 2. - - - 32-33 - - 2. - . .

Kühe 1.

- 2.

30-31 - Hämmell.

27 - - 2.

32 -