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welchem das fragliche Vergehe.» vorhanden, besonders auch gegen die seither vom Minister des Innern an- cmpfohiene Praxis. Dieses räumt ja auch die Inter pellation Schrödcr's ein und es ist daher um so leicht fertiger, wenn die „Berliner Börsenzeitung" von der Voraussetzung ausgehr, daß der Minister des Innern yi'U. v. Wurmb zur Beschlagnahme veranlaßt habe. Der Minister des Innern hat von dieser Beschlag nähme erst durch die Blätter erfahren und alsdann sofort telegraphisch beim Polizei Präsidium angefragi, welche Beweggründe diese ConfiScation herbeigesührt hätten. — Der Tod des Generals v. Hindersin wird in allen militärischen Kreisen auf das Tiefste betrauert und dies um so mehr, als die Besetzung der Stelle eines General-Jnspectcurs der Artillerie bedeutende Schwierigkeiten haben wird. Der zunächst ans diese Stellung Anspruch habende General v. Colomiex hat auö Gesundheitsrücksichten seinen Abschied erbeten; aber die Gewährung desselben Seitens des Königs erscheint unter diesen Verhältnissen zweifelhaft. In zweiter Reihe nennt man Prinz Kraft v. Hoheniohc- Jngelfingen als Nachfolger des Generals v. Hindersin.

Die „Nordd. Allgem. Ztg." veröffentlicht eine zwischen dem deutschen und französischen Gencralpvst- rirektor geführte Correspondenz, aus der sich ergiebt, daß der Director des Pariser Blattes „France" sich bereit erklärt hat, von dem Correspondenlen, der in bim genannten Journal die Postverwaltung in Elserß- Lolhringen verdächtigt hatte, als hätte sie geflissentlich das Bliefgeheimiß verletzt, einen Widerruf zu fordern.

△ Berlin, 27. Jan. Schon neulich deutete ich daraus hin, daß bei dem voraussichtlichen Wegfall fast sämmtlicher, theils bereits eingebrachter, theils zur Vortage bereiter Gesetzentwürfe aus dem CultuS- ministerium die Volksvertretung hinlängliche Muße und die doppelt dringende Veranlassung habe, den Grundpfeiler für eine umfassende Verwaltnugsreforni, die KrcisordnungS Vorlage, zum Gegenstände ein gehender Berathung zu machen und ihren Abschluß als wichtigstes und reichstes Ergebniß dieser Session mit allen Kräften herbeizuführen. Es läßt sich auch nickt leugnen, daß fast die Gesammtheit des Abge­ordnetenhauses von der Wichtigkeit und Dringlichkeit der Sache erfüllt ist, und daß in der betreffenden Commission sowohl ein reger Eifer für die Sache wie das aufrichtige Streben vorherrscht, die immer mehr als eine vorzügliche legislatorische Arbeit ancr kannte Vorlage vorurtheilssrei zu prüfen und vor­handene Differenzpunkte einem Ausgleich entgegen zu führen. Dies anerkennenSwerthe, einen befriedigenden Erfolg verheißende Bestreben sinder auch von Tag zu Tag mehr Anklang und lebhafteren Wiederhall in der liberalen Presse. Mit Uebergehung zahlreicher Bei- ipiele weise ich für heute nur auf den sonst nichts weniger als regierungsfreundlichen hiesigen Correspondenten der kntfchiecen liberalen „Breslauer Zeitung" hin, der mit einer an ihm ungewohnten lebhaften Genugthuung conslatirt, wie die freisinnigen Elemente der Abgeord­neten und insonderheit in der Commission in vielen wesentlichen Punkten mit der» Ansichten der Regierung sich in Einklang zu setzen beginnen. Der Minister des Innern nimmt selbstthätigen Antheil tut den Ar­beiten der Commission, in deren Schovße er wiederholt erschienen ist und in die Debatte eingcgriffen hat. Neben der gewinnenden periönlichen Liebenswürdigkeit

wogegen ich einige Minuten Ruhe und starkes Reiben anwandte, bis ich nach zwei Stunden meine Reisetasche antraf, welche nun weiter in die Tiefe geworfen wurde, wo ich sic später glücklicherweise wiederfand Doch der Schnee ward nun allmählich härter, er er­schien mit einer wachsenden Eiskruste bedeckt, welche zu durchschlagen ich trotz äußerstem Kraftaufwand nicht mehr im Stande war. — Nun war guter Rath theuer!

Mir zur Linken ragte in geringer Entfernung hoch in die Luft senkrecht eine Felswand; rechts nach unten dehnte sich die abschüssige Schneefläche, von welcher ich jedoch durch einen gleichfalls verglasten Schnce- rücken getrennt war; zu meinen Füßen aber stürzte dieselbe sich jäh in den schäumenden Gießbach. -Es war die- der Augenblick, wo der Tod unmittelbar an mich hcrantrat; das eigne Leben sah ich an einem Haare hängen. Zeit durfte nicht verloren werden. Die einzige Möglichkeit der Rettung bestand darin, über den Eisrückcn fortzukommeu, ohne in die Tiefe, in den Gießbach zu gleiten. Mein Entschluß stand sofort fest: der Länge nach auf dem harten Schnee mich ausstreckenv, den einen Fuß schwach in die letzte Stufe stützend, gab ich dem Körper mit der Kraft der Verzweiflung einen Schwung nach der Seite des EiörückinS, über welchen ich dann -auch glücklich hin­wegrollte und jenseits hinabrutjchle, bis ich auf wei­cheren Schnee gelangte, über welchen nach etwa einer Stunde Kletterns in obiger Weise ich an der Grenze des ewigen Schiiec's anlangte. Welch ein Gefühl, nach anderthalb Tagen steten Wanderns über die Ge­filde des Todes, des ewigen Schnees und Eises, die, dort oben freilich nur wenig wärmende, nur spärlich grünende Mutter Erde wieder unter dm Füßen zu haben! Welch erhab.n.n Anblick gewähren die kirck-

des Grafen zu Eulenburg ist es auch die sachgemäße Eütancklung schlagender Gründe sowie das Bestreben, auch den gegnerischen Ansichten gerecht zu werden uns durch Entgegenkommen die Differenzpunkte zum Ans gleich zu bringen, — ist es dies Alles zusammenge­nommen, was ein befriedigendes Endergebniß der Ver­handlungen in der Commission und demnächst im Ple um als im höchsten Grade wahrscheinlich in Aus­sicht stellt.

Karlsruhe, 28. Jan. Letzten Dienstag nahm nach vicraöchentlichen Ferien unsere zweite' Kammer ihre Sitzungen wieder auf. Von der Regierung liefen folgende Borstigen ein: 1) Neber die Rechtsverhältnisse der Lehrer an Mittelschulen; 2) Einführung des RcichsgestzeS über dru Unterstützungs - Wohnsitz; 3) das Eisenbahnbudget; 4) die Rechtsverhältnisse der Landwirihschaftslehrer; 5) daS außerordentliche Budget pro 1872/73. — Die badische und die würütem- bcrgische Regierung haben vorbehaltlich der Genehmi­gung ihrer Stände dieser Tage einen Tauschvertrag abgeschlossen, wonach diese Eisenbahnstrecke Pforzheim- Mühlacker an'Baden und die Linie Bruchsal-Mühl­acker an Württemberg fällt. — DaS Reichs - Mini sterium beabsichtigt, bei der Stadt Villingen auf dem badischen Schwarzwalde eine großartige Anstalt für Pferdezucht einzurichten.

München, 28. Jan. Bei der gestern in der Abgeordnetenkammer fortgesetzten Debatte über die Beschwerde des Bischofs von Augsburg vertheidigte CultuSminister v. Lutz in mehr als zweistündiger Rede die Verfassungsmäßigkeit des Regierungsstandpunktes, insbesondere, die niemals unterbrochen oder aufgehoben gewesene Gültigkeit des PlacctumS. Nachdem beide Referenten Namens der Ausschußminorität und Ma­jorität gesprochen, ergriff der Ministerpräsident, Graf Hegnenberg, das Wort. Bei der sodann erfolgten Ab­stimmung wurde der Beschwerdeantrag mit 76 gegen 76 Stimmen verworfen. Nach der Geschästsordnung des baicrischkn Landtags gibt nämlich nicht der Prä­sident den Stichentscheid bei Stimmengleichheit, sondern der Antrag gilt in diesem Falle für abgelehnt und darf erst in der nächsten Session der Kammer wieder eingebracht werden. — Der „Nationalztg." wird von hier ge­schrieben: Prinz Otto, Bruder unseres Königs, ist schon vor Jahresfrist an einem heftigen Nervenleiden erkrankt, von welchem er durch eine Reise nach Spa- ilien und durch einen längeren Aufenthalt in unserem Gebirge vergeblich Rettung hoffte. Leider hat sich diese Hoffnung nicht nur nicht erfüllt, sondern der Zustand sich sogar verschlimmert, so zwar, daß seit Monaten bereits das Schlimmste zu befürchten stand. Die von Woche zu Woche allarmirender gewordenen Nachrichten verkündeten endlich eine eingetrcteue acute Seeienslörung, jedoch unterbrochen durch lichte Mo­mente selbst von längerer Dauer. In der allerletzten Zeil hat sich der Zustand deö Kranken so traurig gestaltet, daß dessen Unterbringung, wenn nicht in eine Heilanstalt, so doch auf ein passendes königliches Schloß (man bezeichnet das sogenannte pompejanische Haus in Aschaffenburg) unabweislich geworden sein und alsbald nach Vollendung der nöthigen Vorbe­reitungen ins Werk gesetzt werden soll. — Durch Vermittelung des ReichSlags-Abgeordnete» Dr. Thomas besitzt nunmehr die Hof- und Staatsbiblothek die Handtchrift der beiden ersten Männer des deutschen

thurmhohen, an ihren Gipfeln grünübcrglasten Fels­wände, von welchen, sich ablösend, gewaltige Eismassen von Zeit zu Zeit krachend in die Tiefe stürzen!

Wiederum nach einer Stunde steilen Wanderns zu Thal kam ich bei Einbruch der Nacht an einer Hütte vorbei, die ich laut rufend sofort als unbewohnt erkannte, und welche, wie ich später erfuhr, zu den Ueberbleibscln einer seil Jahren verlassenen Gold­wäscherei gehört. Ohne mich anfzuhaltrn, in der Hoff­nung, denselben Abend noch auf menschliche Woh­nungen zu stoßen, schritt ich fürbaß, erkannte dieselbe jedoch bald als eitel und kehrte zn jener Hütte zu­rück, die ich endlich bei schon völliger Finsterniß er­reichte. Ten Rest meiner Zündhölzchen aufbrauchend, suchte ich vergeblich nach einem Stück trockenen Holzes, um an einer Flamme die seit anderthalb Tagen fort­während durchnäßten Kleider zu trocknen und die er­starrten Glieder zu erwärmen. Auf dem zum Thcil mit Wasser bedeckten Fußboden des zerfallenen Ge­bäudes umhertappend, stieß ich aus einen Gegenstand, den ich als noch verbundene Schlittschuhsohlen er­fühlte; hie und da fanden sich eilige Brettstücke, welche ich auf die Schlittensohlen zu einer Art von Ruheplatz zusammentrug für die auf's äußerste er­schöpften Gliedmassen. Ans diesem, gegen das Lager der vorhergehenden Nacht sehr stattlichen Bett ver­brachte ich unweit der Schneegrenze die zweite ein­same Nacht, allerdings nur ruhend, weil ich wegen der zu befürchtenden Erstarrung mir nicht getraute zu schlafen. Am folgenden Morgen nach vierstündiger Wanderung erblickte ich in weiter Ferne die erste Sennhütte und bald darauf die ersten, eine Rinder- Heerde begleitenden Meirichen.

Es läßt sich das Gefühl nimmer beschreiben,

Reiches. Znm Gedenkblatte des Feldmarschalls Grafen Moltke, d. d. Berlin, den 23. November 1871: „Frcj ist nur das Volk, welches stark genug ist, um feint Freiheit zu behaupten, und stark wird es durch Einig­keit," ist in den jüngsten Tagen folgender Brief be« Reichskanzlers gekommen: „An Herrn Dr. Georg ■ Thomas, königlich baierischen Hof und StaatSbibliv, thrkar. Mit Vergnügen erfülle ich Ihren Wunsch und freue mich, daß mir derselbe Gelegenheit gibt, noch­mals der Dankbarkeit Ausdruck zu geben, welch Deulsckrand , in Erinnerung an die Wiederherstellung seiner Einheit und Sicherheit Ihrem hockherzigen König und der baierischen Tapferkeit durch alle Zeiten bewahren wird. Berlin, den 16. Januar 1872. v. Bis­marck-Schönhausen, Kanzler des deutsche» Reiches."

Oesterreich - Ungar«.

Wien, 27. Januar. Die Majorität des österr, Abgeordnetenhauses hatte sich in früheren Sessionen behufs vertraulicher Besprechung parlamentarischer An­gelegenheiten in mehrere Clubs getheilt: den Clui der Großösterreicher, der Aulonomisteu, der Linken, der äußersten Linken rc. Heuer hat sic einen einzigen großen Club, den Club der Verfassungspartei gebildet und darin darf wohl eine richtige Erkenntniß ihm eigenen größten Schwäche, der Zerfahrenheit, folglich ein Fortschritt gefunden werden. Der Club besteht aus 88 Mitgliedern. Da überdies fünf Minister, die natürlich dem Club nicht beigetreten sind, Man­date für das Abgeordnetenhaus besitzen, so ist damit die ganze Ziffer der Verfassungspartei, wie sie heult existirt, nämlich 93, vollgemacht und es folgt daraus, daß sie in ihren Reihen keine „Wilden" zählt. D» Partei erstrebt dadurch bessere Organisation, festem Zusammenhalt, einmüthiges äuftreten. — Die galizisch, Frage ist eben jetzt Gegenstand der Berathung bd zu diesem Ende eigens gewählten SnbcomiteS bd Versassungsansschusses. ES verlautet, daß die Ar­beiten des SubcomiteS einen ziemlich ersprießlich« Fortgang nehmen. — Die Novelle zum Nothwahlgesch gegen den Mißbrauch des Abgeordnetenmandates wirt nächste Woche im Reichsrath eingebracht werden. - Fürst Karl Schwarzenberg übernahm die gcsaimÄ Holzlieferung für das Weltausstellungsgebäude ii Gesammtquantum von 150,000 Gentnern. Die Liese rung muß im laufenden Jahr völlig realsirt sein. - Das hiesige Actionscomite der Altkatholiken berät t jetzt das vom Pfarrer Anton hier ausgearbeitete Dii cesan-Statut. Darnach soll der Bischof von den Bei tvetern aller autonomen Gemeinden frei gewählt wei den. Von Rom völlig unabhängiug in brr Leim» seiner Diöcese muß er die aus ihn gefallene Wä dem römischen Stuhl erst dann anzeigen, wenn dies, sich vom Unfehlbax/eitsdogma losgesagt haben wird bis dahin wird der römische Stuhl als unbesetzt d, trachtet. Erzbischöfe, Patriarchen, Primate und Dom kapitel kennt der Entwurf nicht. Alle bischöflich« Handlungen geschehen unentgeltlich; der Bischof ver waltet als Pfarrer, wie jeder andere, eine eigene @i meinde, die ihm einen aitständigen Unterhalt sichert In außerkirchlichen Dingen hat er über seine Geiß lichkeit nicht die mindeste Gewalt. — Am 22. t haben in Agram erneute Verhandlungen der National kroaten mit den Unionskroaten begonnen. Zsivkovi<! legte ein Versöhnungs-Programm vor.

welches der Anblick der menschlichen Gestalt hervo» ruft, nachdem matt auf denselben für immer Verzicht« Von den Hecrdenführern nun erfuhr ich, wo ich bed eigentlich war: nicht jenseits des Mont d'Ollen, so« dern auf der Pile-Alp oberhalb Alagna, von wo « vor mehr denn zwei Tagen durch ein anderes Th zu Berg gestiegen war. Nach kurzer Rast beim gaji liehen Hirten ging ich unverweilt weiter und erreich um Mittag das wohlbekannte stattliche Wirthsha» „Zum Monte Rosa."

Während meines nunmehr folgenden unfreiwillig« dreitägigen Aufenthaltes dafelbst hatte ich hinrciche^ Muße, das Nähere über die geschichtlichen und g<« graphischen Verhältnisse der Gegend zu erkunden u« zu erlesen. D aß die Alpenthäler des Monte rosa sch«' von den Römern zu ihren Durchzügen gegen Norde« namentlich aber im frühesten Mittelalter zur Verbi« düng zwischen Nord und Süd benutzt worden, unt« liegt wohl keinem Zweifel und wird bestätigt du« die stellenweise noch ziemlich gut erhaltenen, > neuerer Zeit aber immer mehr verfallenden Sack« pfade. Ob hier oder an anderer Stelle Hannibals bs rühmter Alpenübergang stattgefunden, läßt sich hj storisch nicht erweisen. Seit der Frankenkönig Pipi> Den Durchgang über den Monte ceniso bequemer 8« fanden und sein großer Sohn nach Umgehung für unüberwindlich geltenden Veste Sufa die tapfer« Loitgobaedeu zu paaren getreten, folgten die deutsch« Könige, als römische Kaiser, die Blüthe deutsch« Jugend dem italischen Phantome opfernd, viele Iah« Hunderte hindurch diesem einmal gebahnten Weg, u« erst unter Barbarossa scheint der Gotthard Ucbergabi in Brauch gekommen zu sein.

(Schluß folgt.)