1872
Marburg, Dienstag, den 30. Januar.
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Amendement zurückgewiesen, welches Getreide von der - Anwendung der Artikel 1 und 2 befreit. Delsol legte den Commissionsbericht bezüglich der Aufkündigung des Handelsvertrages vor. — In Paris sind vier japanische Prinzessinnen angekommen, welche der Kaiser von Japan hierher gesandt hat, um sie nach europäischer Sitte erziehen zu lassen. Ihre melodischen Namen sind: Tsen, Ka-Pse Hang, Hoaus-Pa-Li, Ko-Phare. — Das „Franks. -Jonrn." bringt unterer 27. d. die wenig wahrscheinliche Nachricht, daß Preußen der französischen Regierung seine Bereitwilligkeit notifizi« habe, die occupirten Departements im Falle des Gelingens der Nationalsubscription vor dem bestimmten Termine zu räumen, wozu es nicht verflichtet sei.
Die italienische Deputirtenkammergenehmigte in geheimer Abstimmung das Einnahmebudget für 1872 mit 183 gegen 44 Stimmen.
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Deutsches Reich.
*• Berlin, 28. Jan. Abgeordnetenhaus wie Ministerium haben bisher dem neuen Cultusminister Frist gegönnt, fick in seinem Departement umzusehen, und sich namentlich di; Zeit zu lassen, die Borlagen aus seinem Ressort zu prüfen. Erst heute wird Dr. Falk einer Sitzung oes Staatsministeriums anwohnen, in weicher Landtags-Angelegenheiten zur Berathung stehen. Was den Stand der wichtigsten Borlage, der Kreisordnung betrifft, so mehren sich die Stimmen, welche mit den Ansichten der parlamentarischen Frac- tionen in Einklang stehen, daß der Verlauf der Be- rathungen in der Commission ein durchaus günstiger ist. Ein Correspondent der „Magd. Ztg." führt direct aus, daß alle gegcnlheiligen Ansichten pessimistisch seien und bereits jetzt eine Niederlage finden, es wird auch besonders hervorgehoben, daß die Erklärungen des Ministers des Innern in der Commission "als vollkommen zufriedenstellend bezeichnet werden können. — Die Confiscationen der Blätter Berlins haben in der Presse allgemein Aufsehen und Mißstimmung erregt, und gewiß nicht mit Unrecht, denn auch in Re- gierungSkreiscn ist man von dieser Maßregel überrascht gewesen, man überzeugte sich, daß diese Konfiskation nur ein Berschen sei. Es verstößt die Confiscation der ganzen Zeitungen, anstatt nur des Blattes, in
Gnaden es wieder gut machen und auch mir mein freies Wort zu Gute halten!"
Die Landgräfin trat, als Greineisen geendigt, in den Kreis ihrer Vertrauten, zu welchen sich auch der Graf von Stolberg, der Abgesandte des Herzogs Georg von Sachsen, gesellt hatte, zurück. Balthasar Schraudenbach, Dr. Grebe und Philipp Meysenbug redeten chr lebhaft zu und als sie sich wieder zu den Bürgern wandte, hatte ihr Antlitz'einen milderen Ausdruck angenommen.
„ES sei!" sprach sie zu Amrhein gewandt. „Ich will Gnade üben, wie es einem schwachen Weibe zukommt. Dem Bürgermeister sei verziehen, er bleibe in der Stadt und im Ami! Er gebe Euch, Balser Amrhein, seine Tochter zum Weibe und ich wil( selbst Eure Hochzeit Herrichten, wenn meine Tochter Elisabeth von Hessen ihr Beilager feiert mit des Herzog's Georg von Sachsen Sohn!"
„Hoch Anna von Hessen! Hoch! Heil Elisabeth!" schrie die Menge bei den Worten, welche die Landgräfin mit gehobener Stimme gesprochen hatte. Als der Jubel des Volkes schwieg, redete Anna den Ge liebten Martha's Großkurth an.
„Ich will ein Wort für Dich einlegen bei der Stadt", sagte sie zu ihm, „daß Du Meister wirst und auch Deine Liebste heimführen kannst."
Dann trat sie zu Greineisen, und aus den Händen Wilhelms von Bodenhausen ein Gnadenkettlein nehmend, hing sie es dem vor Ueberraschung zitternden Schmied um den breiten kräftigen Hals.
„Dies zum Beweis unserer Gnade, Meister!" sprach sie feierlich. • „Gehet hin und saget unseren Bürgern, Großmuth ziemet dem Fürsten, wie Vertrauen dem Volk!"
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Eine unfreiwillige Alpenbestrizung.
Von Wilhelm Baumann.
(Fortsetzung.)
Nach ununterbrochener eifriger Wanderung von zwei und einer halben Stunde steil bergan gelangte ich an einen Engpaß, gebildet durch nackte Felsberge. Unterhalb des einen von beiden erstieg ich eine Felsplatte, von wo ich in weiter Ferne das sonuenerleuch- tete Thal erschaute; im Vordergrund zunächst unter mir dehnte sich eine weite Schncefläche; tief unten an der Grenze des ewigen Schnees wie ein weißes Band schlängelte sich ein schäumender Bergstrom: war ein Ausweg vorhanden, so mußte er hier gesucht werden. Die Kostbarkeit der Minute erkennend, entschloß ich mich augenblicklich zum entscheidenden Gang. Die Reisetasche schleuderte ich mit aller Kraft von mir, ihr eine Weile nachschauend, wie sie in rasender Eile in weiten Sprüngen dahinsauste und endlich hinter einem Felsenvorsprung verschwand; ihr nach flog der rettende Regenschirm, mein Wohlihäter bei Nacht und bei Tage, — den ich nimmer wiedersah. Aller Hemmnisse entledigt, verließ ich nun selbst die Platte und ließ mich kletternd in engem Felsenspalt ungefähr die Höhe eines dreistöckigen Hauses hinab; von dort warf ich mich hinunter auf die steil abfallende Schneefläche, die glücklicherweise weich war, so daß ich mich mit Händen und Füßen eingraben und so festhalten konnte. Nun begann ein Gang ganz seltsamer Art, der wohl nicht oft vorgekommen sein mag: mit dem Gesich. gegen den Schneeberg gewandt, schlug ich ab..'echselnd mit den Füßen Stufen in den Schnee, beim Hinabsteigen mit den Händen au dieselben mich sesthaltend; unterbrocheit wurde dieses Klettern nur bann, wenn die Hände durch Erstarr, ng oder die Füße wegen der übermäßigen Kraftanstrengung ihren Dienst vertagten
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„National-Zeitung" polizeilich confiseirt. Die genannten Blätter hatten im Jnseratentheil eine Ankündigung von einer neuen Aetien-Emmission seitens ber beutschen Hypothekenbank in Meiningen gebracht. Wie sich nun herausgestellt, hatte bie bie Konfiscation verfügende Behörde dieses harmlose Inserat verwechselt mit einer Ankündigung der von derselben Bank cmittirten, aber mit der erstgenannten Operation in keinem Zusam menhang stehenden Prämienpfandbriefe, auf welche sich die in der Freitagssitzung des Abgeordnetenhauses vorgebrachte Interpellation des Abg. Löwe bezieht Der Abg. Schröder wird morgen im Abgeordnetenhause über diesen Vorgang interpelliren. — Von hohem Interesse ist die am Sonnabend in der baie- rischen Abgeordnetenkammer erfolgte Zurückweisung der Beschwerde des Bischofs von Augsburg. Die sonst cleriealer Majorität hat diesmal offenbar nicht stramm zu- sammengehallen und so die Alternative: Auflösung der Kammer oder Abdankung des Ministeriums verhütet. Die Parteien hatten alle ihre Kräfte aufgeboten. Von der Rechten stimmten Bezirksamtmann Maier und Bürgermeister Prestele gegen den Majoritätsantrag. Der kranke Abgeordnete Julius Müller von der liberalen Partei ließ sich in den Sitzungssaal tragen, um mit derselben zu stimmen. Auch die Tribüne verlieh ihren Gefühlen lebhaften Ausdruck. — Die badische zweite Kammer bewilligte letzten Sonnabend die von der Regierung beantragte Erhöhung der Beamtengehälter mit geringen Modifikationen nach den Anträgen der Commisston.
In Lyon herrscht vollständige Ruhe. Der entlassene Präfect Valentin binirte letzten Freitag bei ThierS. — Wie versichert wird, ist die Regierung mit Prüfung der grabe ber Ernennung eines Vicepräsidenten der Republik beschäftigt. — Der Regierung sind mehrere Anerbietungen wegen Zahlung der 3 Milliarden gemacht worden. Man wird sich indcß nicht vor nächstem Mai mit dieser Frage beschäftigen. — Das (Semite von Nancy, welches die Subscription behufs Befreiung des französischen Gebietes von der Occupation in die Hand genommen hat, will eine Kombination gefunden haben, durch welche in einem Tage 400,000 FrcS. zusamrnengcbracht würden. Das Comite wird Vertrauensmänner hierher entsenden, welche sich mit ber Presse verständigen und dem Publikum bie Kombination, Iberen Ausführung bem Staate 500 Millionen zuführen würbe, auseiuanbersetzen sollen. — In der Sitzung
Ztg." und bie „Bank- unb Hanbelszeitung" unb api | com Sonnabenb nahm bie Nationalversammlung ein mrx------- "" .......।.....- Amenbement an, welches den auf fremben Schiffen ein
geführten Guano von dem Zuschlagszoll befreit. Darauf wurden die Artikel 2, 3 und 4 angenommen. Dagegen wurde mit 289 gegen 253 Stimmen ein
CJJür die Monate Februar und März nehmen O alle Postanstalten (auf dem Lande auch die Lanb- briefträger), sowie die Expedition Bestellungen auf die
Oberhesfische Zeitung entgegen. — Mit Anfang Februar beginnt im Feuilleton eine höchst spannende und interessante Original- Erzählung:
In Straßburg.
Von Emilie Heinrichs.
Bom Landtage."
Haus ber Abgeordneten. 22. Plenar-Sitzung vom 26. Januar 1872.
(Fortsetzung.)
Der Gesetzentwurf, betr. bie Erhebung bxö Markt- stanbgelbes wirb in der von ber Kommission vorgeschlagenen Fassung angenommen. Ebenso tritt bas Haus bezüglich ber Vorlage wegen ber 1871 erfolgten Verhängung bes BelagerungSzustanbes über bie Stabt Königshütte ohne Debatte bem Anträge ber Justiz- Commission bei. Es folgt bie Berathung über bie Verorbnung wegen Ausdehnung der Geschäfte der preuß. Bank auf Elsaß-Lothringen vom 10. Juli 1871. Der Antrag ber Kommission, biefer Verorbnung die verfassungsmäßige Genehmigung zu ertheilen, wird abgelehnt und dafür folgender vom Abg. Hammacher eingebrachter Gesetzentwurf angenommen. §. 1. Die preußische Bank ist ermächtigt, in dem deutschen Reichsland Elsaß-Lothringen an dazu geeigneten Orten Corn- ptoire, Commanditen und Agenturen zu errichten, unb baselbst nach Maßgabe ber Bestimmungen ber Bankordnung vom 5. Oktober 1846 Bankgeschäfte zu betreiben. § 2. Der Staatsregierung wird in Bezug auf den Erlaß der Verordnung vom 10. Juni 1871 (Ges.-S. S. 229) Indemnität ertheilt. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr.
»Marburg, 29. Januar.
Gestern war der Jahrestag der Kapitulation von Paris, _■ Z„ ber Nacht vom 24. auf bett 25. ist zu Berlin ber General v. Hinbersin, General- Inspektor der Artillerie, gestorben in Folge eines Schlagflusscs. Er gehörte seit fast 50 Jahren ber Armee an unb hatte beit babischcn, ben dänischen, den böhmischen und den letzten französischen Feldzug mitgemacht. Er hinterläßt eine zahlreiche Familie, worunter noch ganz junge Kinder. — Am Abend des 25. d. wurden in Berlin ber „Berl. Börs.-Kur ", die „Börs.-
Drr Tag z« Kassel.
Historische Erzählung aus ber Jugendzeit Philipp des Großmüthigen.
Son W. Bennecke.
(Schluß.)
Ueber ber Landgräfin Gesicht flog ein höhnisches Lächeln, als sie sich jetzt zu dem Seilergesell wandte.
„Bist auch Du einer Bürgermeisterstochter angetraut, Gesell?" fragte sie spöttisch.
„Was sagt Ihr dazu, Meister Schmied?" wandte fi- sich an Greineisen, als Andres ihr die Antwort schuldig blieb.
„Grad und offen heraus, landgräfliche Gnaden, wie's einem Handwerksmann geziemt", begann dieser, ben mächtigen Ton seiner Stimme zu mildern versuchend. „Grad und offen heraus, es gefällt uns nicht recht, wie unsere gnädige Frau mit dem Bürgermeister verfahren! Wenn Eure Gnaden Jeden, der von uns zum Boyneburg gehalten, hinauSstoßen wollte, bie Hälfte der Bürger ging in'S Elend. Wir haben'S Alle treu mit des jungen Herrn Gnaden gemeint und unser Leben jederzeit gern für ihn eingesetzt, wir alle und auch der Bürgermeister! Daß er und manche Andere glaubten, das Boyneburg'schc wäre das richtige Regiment, wer konnte das ihnen verdenken? Ich war keiner von diesen, bei Gott nicht, landgräfliche ©naben! Aber sie konnten'S mit gutem Gewissen! Hatte boch die ganze Landschaft erklärt, daß nicht Eure fürstliche Gnaden--"
„Genug, Kommt zu Ende Meister!" unterbrach ihn Anna.
„Am Ende, landgräfliche Gnaden", fuhr ber Tchmieb fort, „haben wir'S uns nicht von unserer gnäbigen Frau versehen, daß sie so ihren Einzug feiere und ich habe immer noch da» Vertrauen, baß Eure