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Marburg, Sonntag, den 28. Januar.
Obtrhkssische Zeilnug.
die just sich auf
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Athemzug mehrere Steuern; eine solche auf Streichhölzer mit 4 Centimen per Hundert — soviel als das gefährliche Spielzeug bei uns an kostet — ferner einen Zuschlag von 20 Prozent die bisherige Zuckersteuer und eine Abgabe von
Der Nationalrath und Ständerath der Schweiz beschäftigten sich auch diese Woche mit der Bundesrevision, welche dem schweizerischen Kleinstaateuthum, dem g. „Kantönligeist" stark auf den Leib rückt.
In Frankreich hat sich zu Ende der vorigen Woche eine wichtige Episode abgespielt. Die Nationalversammlung hat der Drohung Thiers, seine Demission zu geben, wenn die Steuer auf Rohstoffe nicht angenommen würde, durch einen dieser Steuer widersprechenden Beschluß am 19. d. getrotzt. Thiers seinerseits machte Ernst und reichte seine Entlassung ein, ließ sich aber von der Deputation, welche die Nationalversammlung zu ihm schickte, erweichen und blieb Präsident der Republik. Die Nationalversammlung zeigte sich nicht undankbar und kreirte in einem
Centimen pro Franken Eintrittsgeld zu Schauspielen, Concerten und öffentlichen Belustigungen. — Der Prozeß wegen Ermordung der Geiseln im Gefängniß la Roquette zu Paris ist am 21. d. zu Ende gegangen. Genton, der den Befehl zur Erschießung des Erzbischofs von Paris und seiner fünf Unglücksgenoffen gab, wurde zum Tode verurtheilt, fünf wurden frei- gesprochen, die übrigen erhielten Zwangsarbeit, Deportation oder einfaches Gefängniß. — Bei den noch ausstehenden Wahlen, besonders auf Korsika, treten die Bonapartisten gewaltig in die Schranken, aber sie zeigen durch ihre Wahlturniere mehr ihre Schwäche als ihre Stärke. — Die Auiregung im Süden erweist sich lange nicht so gefährlich, als wie man sie auf die Berichte des Herrn v. Keratry hin wähnte.
In Belgien hat die Internationale mit den Arbeitseinstellungen in den Kohlenrevieren von Char- leroi Fiasko gemacht. Die Arbeiter sind wieder eingetreten, ohne die verlangte Lohnerhöhung durchzesetzt zu haben.
Wenn die Musiker Englands den Ton' im europäischen Concert auzugeben hätten,- könnten wir über die demnächstige Stimmung in demselben sicher und ruhig sein. Da sie dies aber vorerst noch nicht vermögen, so habe» sie wenigstens die Stimmung fixirt für die diesjährige internationale Ausstellung zu London, d. h. für die dort zahlreich zur Ausstel-
Eme unfreiwillige Alpeubeftcigung.
Von Wilhelm Baumann.
(Fortsetzung.)
Obgleich volle dreimal vierundzwanzig Stunden ohne jegliche Nahrung, habe ich nennensiverthe Anwandlung von Hunger nur einmal verspürt, und auch diese war nicht allzu heftig; dagegen — obgleich Eis, Schnee und Wasser in Fülle vorhanden und taujeno- fältig benutzt — war der Drang nach Stillung Scv Durstes unsäglich heftig, eS war, als wenn derselbe nach jedem Schlucke Schneewasser rasch steigernd sich vermehre: zum erstenmal im Leben kam die geradezu überwältigende Macht körperlichen BefürfnisseS so unmittelbar mir zum Bewußlscin, wovon man ohne solche Erfahrung sich schlechterdings keine Borstellung machen kann. DaS Athmen auf solcher Höhe ist erschwert, jede körperliche Bewegung aus diesem Grunde mühevoll; ganz besonders war mir das Gehen beschwerlich am zweiten Tage, als ich, unwillkürlich laut schnaufend, gegen die zweite Hochebene emporstieg, wobei ich nach etwa zehn bis fünfzehn Schritten stille halten mußte, um das Bedürfniß der Lunge zu befriedigen.
Nach kurzer Raft nahm ich, wenngleich bereits ohne Aussicht, vor Einbruch der Nacht bewohnte Gegenden erreichen zu können, unter fortwährend niederrieselndem Regen meine Entdeckungsreise wieder auf, um wenigstens dem Bereich dec eistqen Schnee- regio n zu enikommeu; als auch diesmal alle Bemühungen erfolglos blieben, so entschloß ick mich gegen Abend, einige Zeilen der Nachricht an den Turiner Freund in die Reisetasche zu legen für den wahrscheinlichen Fall, daß mein Körper der nächtlichen Kälte würde erliegen müssen. Ueber dem eifrigen Suchen jedoch überfiel mich die Nacht und machte dieses Borhaben scheitern; ich mußte vielmehr darauf Bedacht nehmen, gegen Wind Regen hinter einem
hinzu. Martha Großkurth war in das Zimmer ge- treten, sie war aufgeschürzt und reisefertig, in der einen Hand den Wanderstab, in der anderen ein kleines Bündelchen.
In SchrendeiscnS Augen standen Thränen, und auch Frau Armgard fuhr mit der Hand über das Gesicht.
„Nun gut! Es sei!" sagte der Bürgermeister mit zitternder Stimme. „Wir wollen aufbrechen! Anna von Hessen, Du konntest mir Vieles nehmen, die Liebe der Meinen ist mir geblieben!"
Bom Landtage.
Haus der Abgeordneten. 22. Plenar-Sitzung vom 26. Januar 1872.
Präsident v. Forckenbeck eröffnet die Sitzung Vormittags 11 Vi Uhr. Am Ministertische: Graf Jtzenplitz, Dr. Falk, Regierungs-Commissarien. Es werden mehrere Entwürfe vorgelegt, darunter einer vom Cultusminister, betr. da« zur Eheschließung erforderliche Alter. Der Entwurf schließt sich an die Vorschriften des allgemeinen Landrechts an, fixirt das Alter auf 18 resp. 14 Jahre und hebt die s. g. „Ehe auf Probe" auf. Die Entwürfe gehen an die resp. Kommissionen.
Abg. Löwe begründet die von ihm au die Regierung gerichtete Interpellation welche Maßregeln dieselbe gemäß dem Reichsgesetz vom 8. Juli 1871 gegen den Vertrieb der angekündigten 4prozentigen Prämien- Pfantbriefe der deutschen Hypothekenbank in Meiningen ergriffen habe.
Handelsminister Graf Jtzenplitz: Ob der vorliegende Fall unter das Gesetz passe oder nicht, ist Sache der Gerichte, und von vornherein in die Thä- tigkeit der Gerichte einzugreifen, dazu hat die Staats regierung keine Veranlassung gefunden. Ich habe Ursache, anzunehmen, daß diese Ansicht auch im Reichs- kanzleramt getheilt wird. Damit ist die Interpellation erledigt.
DaS HauS geht zur Berathung von Petitionen über. — Hierauf folgt die Schlußbentthung über den Antrag der Abg. Elsner, v. Gronow und Gen. wegen Gründung eines landwirthschaftlichen MuseumS. Die Referenten schlage» die Annahme deS Antrages in folgender Fassung vor: „Die Regierung aufzufordern, dem Landtage noch während der jetzigen Session eine Vorlage zu machen, durch welche die Gründung eines landwirthschaftlichen Museums in Berlin gesichert wird,
und zwar in solcher Ausdehnung, daß ein landwirth- schaftliches Lehrinstitut in dem gedachten Museum ent sprechende Räumlichkeiten erhält." Der Antrag wird vom Minister v. Selchow befürwortet und nach einiger Discusston angenommen.
(Fortsetzung in der nächsten Nummer.)
Politische Wochen-Ueberficht
Wenige Tage nach Entlassung des Herrn v. Mühler als preußischer Kultusminister wurde durch allerhöchste Ordre vom 23. d. das erledigte Portefeuille dem Geh. Oberjustizrath Dr. Falk übertragen. — DaS preußische Abgeordnetenhaus hat in der vergangenen Woche die Etats der Staatslottcrie, der Hütten und Salineverwaltung, der Bank, der Münze, der Slaatsdruckerci, der Porcellanmanufactur, der Steuern und der Seehandlung erledigt; desgleichen den Etat der hohenzollern'schen Lande. — In der baierischen Abgeordnetenkammer steht seit dem 23. d. die Beschwerde des Bischofs von Augsburg auf der Tagesordnung. Der Herr Bischof klagt in derselben die SlaatSregicrung an, daß sie den excommunicirten Pfarrer Renftle zu Mering als solchen dort fort wirken lasse und ihm die Pfarreinkünfte gewähre. Die Debatten über diesen Gegenstand beschäftigten seither vollauf die baierischen Landboten und die Geister sind dabei nicht immer in den zartesten Ausdrücken „auf cinandergcplatzt." Am Sonnabend 27. d. soll die Abstimmung erfolgen.
Oesterreich hat einen seiner bedeutendsten Männer verloren. Am 21. d. starb in dem hohen Alter von 81 Jahren der Dichter Franz Grillparzer; er wurde am 24. feierlich beerdigt. — Am 21. d. hielt das Subcomite des Verfaffungsausschiisses seine erste Sitzung. Da die Sitzungen in strenger Verschwiegenheit gehalten werden sollen, so verlautete über die Verhandlungen dieser ersten Zusammenkunft nichts. Vermuthlich aber haben sich die Mitglieder des Co- mites zunächst schlüssig zu machen gesucht über den Modus der Behandlung der einzigen jetzt vorliegenden Versassungsfrage, des polnischen Ausgleichs. — Die Wahlen zum ungarischen Reichstag finden nächstens statt und die Parteien zeigen sich im Hinblick darauf bereits rührig. — Am 19. d. wurde der kroatische Landtag aufgelöst. Die Neuwahlen sollen dem Vernehmen nach unverzüglich geschehen, damit den Nationalkroaten keine Zeit zu Wühlereien verbleibe.
Der Tag z« Kassel.
Historische Erzählung aus der Jugendzeit Philipp des Großmüthigen.
Bon W. Bennecke.
(Fortsetzung.)
In des Bürgermeisters Haus war der Jammer eingekehrt. Man rüstete sich zur mühseligen Wander schäft Schrendeisen selbst hatte sich einem dumpfen Brüten hingegeben, Eva's Thränen um den Bräuti gam hatten bei dem Unglück, welches sie und die Ihren getroffen, zu fließen aufgehört und sie versuchte, mit schmeichelnden Worten den Vater wieder aufzu fichten. Frau Armgard hatte den Muth am Wenigsten verloren, sie meinte, außerhalb Kaffel gäbe eS such eine Welt und Goslar läge nicht außerhalb derselben. Dorthin , in ihre Vaterstadt, wollte sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter ziehen. Plötzlich er hob sich Schrendeisen aus seiner Erstarrung und trat »uf Eva zu.
'„Mein Kind", sagte er, „ich habe den, welchen ich Dir zum Lebensgefährten auserwählt hatte, noch kürzlich rauh von mir gestoßen; jetzt steht er hoch in der Gunst der Mächtigen und mich treibt man in's ®ltnb hinaus. Ich will zu ihm gehen, er wird mit bem Unglücklichen nicht rechten. Du sollst sein Weib werden und in Frieden da leben und sterben, wo Du Skboren bist und wo Du Deine Kindheit verbracht hast."
Eva hatte ihren Vater aufmerksam angehört, jetzt umschlang sie ihn mit beiden Armen.
„Nein, Vater!" rief sie, „das wird nicht geschehen! 2ch werde mit Euch in's Elend wandern, wie es einer Luten Tochter geziemt! Der Weg ist lang, wer soll Euch und die Mutter führen und Euer Haupt bette., und bei Euch wachen, wenn Ihre Eure müden Glie-
zur Ruhe legt? Ich bin jung und stark, auf müh sollt Ihr Euch stützen!"
„Und auf mich!" fügte eint weibliche Stimme
Tie Kunde von der Verbannung ihres Bürger- mcisters halte sich bald unter den Bürgern Kassels verbreitet und als die Zeit kam, wo Balser Amxhciil, Greineisen und Andres sich aus's Schloß begaben, hatten sich zahlreiche Gruppen vor demselben und in den jetzt nach allen Seiten offenstehenden Höfen an gesammelt.
Als die Landgräfin mit ihrem Gefolge auf die Rampe zu den Harrenden trat, verfinsterte sich ihr Antlitz, nur Greineisen, der Schmied, war im Festgewand. Amrhein und Andres trugen Reisetracht und Wanderstäbe.
„Was soll der Aufputz?" fuhr Anna von Hessen Balser Amrhein an. „Die Faschingszeit ist längst vorüber! Sprecht!"
„ES hat Eurer landgräflichen Gnaden gefallen", erklärte Amrhein mit Bescheidenheit aber männlichem Ernst, „den Bürgermeister in die Verbannung zu schicken. Da nun dieses Mannes Tochter meine verlobte Braut ist, so schickt es sich, daß ich sie im Unglück nimmer lasse und habe ich mich daher auch zur Wanderschaft gerüstet!"
(Schluß folgt.)
ärkcheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal der Oberhesstscheu Iettung mit Kreisblatt durch di-Expedition (Koch'sche Buchdrucker ei) bezogen 88; Har., durch die Postämter 27 Lgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und mcl- Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 22 Sgr. - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
Cgür die Monate Februar und Marz nehmen O alle Postanstalten (auf dem Lande auch die Land- bneslräger), sowie die Expedition Bestellungen auf die Oberhesfische Zeitung entgegen. — Mit Anfang Februar beginnt im Feuilleton eine höchst spannende und interessante Original- Erzählung :
In Straßburg.
Von Emilie Heinrichs.