NIarlmry, Sonnabend, den 27. Januar.
1872
Oterhessische Zeitung
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Der Tag zu Kassel.
g, ! i Historische Erzählung aus der Jugendzeit Philipp des
Großmüthigen.
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(Fortsetzung folgt.)
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Sohn wollen es Euch danken! Ich will Euch Wiedersehen, nach dem Imbiß! Jetzt hinein!
Berathung darüber in der Versammlung wohl nicht vor dem April Statt finden. — Daö Amtsblatt bringt unterm 24. Januar die Nachricht, daß Prinz Jerome Napoleon Bonaparte am 21. b. M zum Mitglied? des Gmeralrathes im Canton Ajaccio, Departement Corsica, gewählt worden ist. — Es ist unrichtig, daß die gegen Rochefort erkannte Strafe in Verbannung verwandelt worden sei.
Dem „Journal von Brüssel" zufolge wäre letzten Mittwoch der Ausgleich bezüglich aller Land- grand'schen Gesellschaften durch die Curatoren der Liquidation unterzeichnet worden. Derselbe muß nun von dem Handelstribunal bestätigt und von dem Londoner Kanzleihof ratificirt werden.
Der Prinz von Wales hat so bedeutende Fortschritte gemacht, daß dec Arzt ihm schon erlauben konnte, eine kleine Spazierfahrt zu machen. — Das Journal „Echo" erklärt die Gerüchte, betr. die Demission des Lord-Kanzlers für vollständig unbegründet. — Ein Pariser Telegramm der „Times" behauptet, daß Preußen und Rußland in Folge der übergroßen Duldsamkeit, welche in der Schweiz gegen die Inter, nationale geübt werde, dem schweizerischen Bundesralhe entschiedene Vorstellungen zu machen beabsichtigen.
In der vorgestrigen Sitzung der spanischen Cortes wurde ein königl. Dccret verlesen, welches dieselben auflöst. Die neuen Cortes sollen am 24. April zusammentreten. Die Neuwahlen finden am 2. April statt. In der Hauptstadt herrscht vollkommene Ruhe.
Gegen den bekannten russischen Geschichtsforscher und panslawistischen Parteiführer Pogodin in Moskau, der unlängst sein 50jährigeS Dienftjubiläum als Universitäts-Professor feierte, ist bei dieser Jubelfeier eine feindliche Demonstration in der Weise auS- geführt worden, daß ein großer Volkshaufe sich vor seiner Wohnung versammelte und in derselben unter Lärmen und Toben fast sämmtliche Fensterscheiben einwarf. Zahlreiche Lheilnehmer an diesem Straßen- exceß sind verhaflct, doch ist es der Untersuchung noch nicht gelungen, die Anstifter zu ermitteln.
Bon W. Bennccke.
(Fortsetzung.)
Die Bürger von Kassel, durch die Trompeten der Rirdesel'schen Reiter aus dem ersten Schlaf geweckt, hatten gesehen, wie ihr ältester Bürgermeister auf das Schloß geholt worden war, und in der sicheren Voraussetzung, daß dort Wichtiges geschehe, hatten sich zahlreiche Gruppen in der Nähe der landgräflichen Burg gebildet. Dort hatten sie das Geräusch der abziehenden Kriegsvölker gehört und da alle Thore und Pforten geöffnet, hatten stch die Beherzten in die Borhöfe hincingewagt, um dort von umhereilenden Dienern die Nachricht vom Rücktritt und der Abreise Bvyneburgs erlauscht, so daß, als Schrendeisen auf bas Rachhaus kam, bereit« der Rath und die Verord- "kten der Stadt versammelt waren und theilweise ^rnntniß von den Vorgängen hatten.
Es wurde beschlossen, einen eilenden Boten Riedeln nachzuschicken und ihn zu bewcgen, nach Kassel zu^ückzukehren und die Besetzung des Schlosses zu übernehmen. Auch an die Landgräfin wurde eine Bot- schaft abgeordnet, welche sie auffordcrn sollte, ihren in Kassel zu nehmen und ihr die Ergebenheit der Stadt zu versichern. — Riedesel machte zwar mit seiner Schaar halt, kehrte jedoch nach Kassel nicht zurück, während Anna von Hessen mit bedeutendem Gefolge
Empfang der Nachricht von dem Abzug der wuchsen von Marburg, wo sie um jene Zeit Hof hielt, ausbrach und gegen Kassel"zog. —--
Draußen vor der Stadt auf dem Zwehrener Felde *»r es, wo der Bürgermeister von Kafiel die Schlüfiel der Stadt und die ihm vom Landhofmeister anvertrau- *tn Insignien knieend der Landgräfin überreichte, dort schwur er und der Rath der Stadt ihr allezeit treu, hold und gewärtig zu sein. Aber sie nahm den schwur nicht wohlgefällig auf. Schon bei der Be-
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verfahren, wenn sie Bauten auf dem Platze auszuführen beabsichtigen. Die Anlieger des Platzes haben sich nun zu einem Komite constituirt, um den bei Langensalza und den im letzten Kriege Gefallenen ein gemeinsames Denkmal zu errichten.— ES ist schon öfter von der Absicht die Rede gewesen, in Kiel eine Marine-Hochschule zu errichten. Dem Vernehmen nach wären bereits Unterhandlungen mit der Universität angeknüpft worden, wegen vorläufiger Ucberlassung der Aula für die Vorträge der projec- tirten Marine-Hochschule. — Gemäß am 17. d. eingetroffenem Befehl sind nun auch die beiden letzten noch in Ansrüstung begriffenen Schiffe „Elisabeth" und „Augusta" wieder außer Dienst gestellt. Somit ist die ganze Maßregel der schleunigsten Jndienststcl- lung unserer Flotte fallen gelassen worden. — Der Weimarische Landtag hat in seiner gestrigen Sitzung bei der zweiten Abstimmung den Antrag über die Einführung des allgemeinen gleichen Wahlrechtes mit 15 gegen 14 Stimmen verworfen. — Der Stuttgarter Setzerstrike ist als beendet anzusehen; gegen 140 der feiernden Gehülfen haben die Stadt verlassen; einige der Sinkenden sind zu ihren Osficinen zurückgckehrt, um zu den alten Bedingungen die Arbeit wieder auf- zunchmeu. Die Militärbehörde stellte der landständischen Druckerei Setzer zur Verfügung.
Das Leichenbegängnis Grillparzers hat vor gestern Nachmittag bei äußerst zahlreicher Betheiligung aller Kreise der Bevölkerung auf das Würdigste statt- gesunden.
In der f r a n z ö s i s ch e n Nationalversammlung vom 24. d. brachte Naquct einen Vorschlag ein, Napoleon III. in Anklage zu versetzen und die Confiscation seiner Güter zu verfügen. Die Versammlung verweigerte die DringlichkcitSerklärung dieses Antrags und überwies ihn der Jnitiativ-Commission — In der vorgestrigen Sitzung der Jnitiativ-Commission erklärte der Kriegsminister bei der Berathung über den Amnestie-Gesetz entwurf, daß die Armee stets bereit sei, Unordnungen zu unterdrücken und die Befehle der Nationalversammlung auözusühren. — Vorgestern hat in der Nähe von Nizza ein Eisenbahnunfall stattgefunden, wobei 6 Personen getödtet und 8 verwundet wurden. — Die Regierung hat ihr Project der Reorganisation der Armee noch nicht vorgelegt, somit wird die öffentliche
Deutsches Reich.
•• Berlin, 25. Jan. Der Kultusminister Dr. Falk hat bei der heutige., Vorstellung der Räthe seines
i mit Bar- ze,m tevr naus uar, !Loh [198 er.
Eine unfreiwillige Alpenbrsteigung.
Aon Wilhelm Baumann.
«Fortsetzung)
Am Fuße des bekanntlich zum Theil d«r Schweiz angehörendm Monte rosa sind auf italienischer Seite
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grüßung war ihre Stirn in Falten gezogen und ihre Augen blickten streng aus den Sprecher; auch die finsteren Mienen Wilhelms von Bodenhausen und Philipp Meysenbug's, welche ihr zur Seile hielten, weissagten nichts Gutes.
Als die Rathsherren geschworen, wandte sich Anna von Hessen an Schrendeisen.
„Gedenkst Tu den Schwur zu halten, Bürgermeister?" fragte sie ihn.
„Bei Gott und allen Heiligen, Ja, landgräfliche Gnaden!" betheuerte Schrendeisen.
„Du hast recht, Schwüre muß man halten", fuhr die Landgräfin fort. „Als ich in meiner höchsten Noch vor den Fürsten und Abgeordneten alle zu mir rief, so treue Hessen, wo warst Du da, Bürgermeister von Kassel? Da standest Du bei dem falschen Mann! Damals schwur ich es Allen zu gedenken, die mir Wiberpart hielten. Auch ich halte meine Schwüre! Bürgermeister von Kassel, gehe in'S Elend mit Weib und Kind, ohne jegliche Habe, als was Du am Leibe trägst, lerne kennen, was es heißt, verbannt von dem Boden zu sein, wo man heimisch war." Wilhelm von Bodenhausm nahm ihm das Siegel von Hessen und die Schlüssel ab. „Jetzt vorwärts. Und merk Tir'S, Bürgermeister, bis zum Sonnenuntergang magst Du noch in der Stadt verweilen und nicht länger!"
Sie ritt unter dem Jubelgeschrci der Bürger in die Stadt ein und begab sich sofort auf'S Schloß. Als sie es zum letzten Male betrat, starrten ihr Feldschlangen und Helebarden entgegen und über dem inneren Thore hingen die Schilde von Brandenburg, Sachsen und Braunschweig, und die Gänge waren mit Edelknechten und Dienern angefüllt; heute empfing sie ein unheimliches Schweigen. Oben an der großen Freitreppe trat ihr Landgraf Wilhelm der Aeltere, ihr Schwager, welcher ihren Sohn Philipp an der Hand hielt, entgegen, begleitet wurde er von zwei Edelknab,n dem Dr. Grebe, Amrhein, Greineisen und dem Ge sellen Andres.
Bei dem Anblicke ihres Sohnes überwältigte die Landgräfin das Gefühl der Mutterliebe, sie beugte sich zu Philipp von Hessen nieder und hielt ihn minutenlang umschlungen, dann erhob sie sich schnell ' und streckte dem Landdrafen die Hand entgegen.
„Gott zum Gruß, Schwäher!" rief sie mit Freundlichkeit.
Der unglückliche Landgraf schien in diesem Augenblicke wieder vollständig Herr seiner Geisteskräfte zu sein, denn er schlug in die dargebolene Rechte ein und erwiderte:
„Willkommen Base! Endlich hat eö Gott gefallen, uns DD ■ dem bösen Manne (hierbei schlug Wilhelm von Hessen, daö Kreuz) zu befreien, möge er nie wiederkehren zu Eurem und meinem Frommen!"
„Wahrlich, es wäre Euren Licbden nie so erbärmlich ergangen, hätten wir das Regiment geführt!" gab die Landgräfin ihm zurück und wollte, mit ihrem Sohne an der Hand, in die inneren Gemächer auf- brechcn; da hielt sie Philipp von M.ysenbug zurück.
Balthasar Schraudenbach hatte mit dem Amtmann von Homberg einige Worte gewechselt während Anna mit Wilhelm von Hessen sprach; jetzt flüsterte Mey- senbug der Landgräfin etwas zu, in Folge Dessen sie ihre Blicke auf die Begleiter ihres Sohnes richtete.
„Doctor Grebe!" rief sie lebhaft „meine volle Gnade im Voraus! Wir sprechen uns später! Und Ihr seid die wackeren Männer, welche sich um den jungen Landgrafen, meinen Sohn, verdient gemacht, als sie ihn außer Landes führen wollten. Ich und
grscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da- Quartal der OberhtsfischtU Zeitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 821 Lar., durch die Postämter 27 Sgr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für das Ausland excl- Stempel 22 Sgr. — JnsertionSgebübr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an.
Cgür die Monate Februar und März nehmen y alle Postanstalten (auf dem Lande auch die Landbriesträger), sowie die Expedition Bestellungen auf die
Oberhcffifthe Zeitung entgegen. — Mit Anfang Februar beginnt im Feuilleton eine höchst spannende und interessante Original Erzählung:
In Straßburg.
Von Emilie Heinrichs.
"Marburg, 26. Januar.
Am 23. d. fand eine Sitzung des Bun des - rathes statt. — In der militärischen Gesellschaft zu Berlin hielt vorgestern der General v. Ollech den Festvortrag zur Feier des Geburtstages Friedrich des Großen. — Das in Königshütte aus Anlaß der dortigen Unruhen her Bergleute stationirte 1. Bataillon deS 2. schlesischen Grenadier-Regiments wird nunmehr nach Breölau zurückgezogen; an Stelle desselben wird ein Wachtcommando von 120 Mann Infanterie und 20 Mann Cavallerie bis aus Weiteres dort stationirt werden. — Das Kriegsministerium hat sich damit einverstanden erklärt, daß die in den VereinSlazarethen außerhalb der deutschen Staaten kostenfrei verpflegten Mannschaften ebenso zu behandeln sind, wie die in Privatpfiege befindlichen, demnach denselben die volle Löhnung gewährt werden darf. — Gegenwärtig weilt in Berlin der Chef der russischen Postverwaltung, um die diesseitigen Posteinrichtungen kennen zu lernen — Vorgestern Morgen gegen 10 Uhr starb in Berlin der Prof. Friedrich Ad. Trendelenburg. Eben noch hatte ihn der König zum stimmfähigen Ritter des Orden« pour le merite für Wissenschaften und Künste ernannt. — Der leidige cellcr Denkmals - Prozeß ist letzten Dienstag durch einen Vergleich glücklich erledigt worden. Beide Theile haben im Termine erklärt, daß sie den vorn Richter - Cornrniffar gemachten Vorschlag annehmen. Danach werden die Kläger, Kaufmann Winzler und die übrigen Anlieger des streitigen Platzes al« rechtmäßige Besitzer desselben anerkannt und erhalten eine Entschädigung von 300 Thalern. Der Kläger und die Anlieger, welche erklären, daß sie den ihnen überwiesenen Platz nur zur Verschönerung der Stadt benutzen v'vllen, versprechen dagegen, nur im Einverständniß mit der Militärverwaltung zu