Marburg, Freitag, den 26. Januar
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-Marburg, 25. Januar.
Se. Majestät der Kaiser leidet seit einigen Tagen an einem Katarrh, der noch nicht völlig gehoben ift. — Nachdem dieser Tage ein niederländischer Stabsarzt in Berlin eingetroffen ist, zur Kenntnitznahme der Fortschritte der diesseitigen Militär-Chirurgie, sind nun auch der russische Stabs-Capitän SkugarewSky und der Premier - Lieutenant Sommcrfeldt von der norwegischen Armee von ihren resp. Behörden nach Berlin kommandirt worden, um von militärischen Einrichtungen Einsicht zu nehmen. — Dem im AuSlandc befindlichen Personal der kaiserl. Marine soll die Möglichkeit geboten werden, Gelber von der Heimath durch Postanweisungen übermittelt zu erhalten. DaS kaiserl. Generalpostamt hat die betreffende Bekanntmachung bereits unterm 20. d. erlassen und können zufolge derselben von jetzt ab bei allen Reichspostanstalten solche Geldbeträge eingezahlt werden.
Der kroatische Ausgleich ist gescheitert; man glaubt aus der bisherigen Haltung des Ministeriums Auersperg dem polnischen Ausgleich ein gleiches Schicksal prophezeihen zu dürfen. — Die Kaiserin, welche letzter Zeit an der Grippe litt, ist wieder her- gestellt und wird ihrer Absicht gemäß bereit« in Meran ein getroffen sein, wo soeben ihre jüngste Schwester, die Herzogin von Aleuyon, mit einem Prinzen nicdergckoinmen ist. — Die amtliche „Wiener Zeitung" veröffentlicht folgende amtliche Ernennungen: Zum Gesandten in Kopenhagen Graf Paar, in Stockholm Baron WalterSkirchen, im Haag Ritter Hay- merle, in Rio de Janeiro Baron Sponnleitner, in Athen Baron Pottenburg. Der Gesandte Pfuster- schmidt in Karlsruhe ist in gleicher Eigenschaft auch in Württemberg und Heffen mit dem Sitze in Stuttgart accreditirt, Baron Frankenstein zum Gesandten in Dresden uird bei den großherzoglich »nb herzoglich sächsischen Häusern ernannt. — Dar Testament Grillparzer's wurde letzten Montag Vormittags eröffnet; es ist von des Dichters eigener Hand geschrieben und lautet: „Mein Testament Zur alleinigen Erbin meines gejammten Nachlasses mit Einschluß meiner schriftstellerischen Arbeiten, bereits gedruckten und noch nicht veröffentlichten, ernenne ich Fräulein Katharina Fröhlich, jüngere Schwester der vormaligen Gesanglehrerin am wiener Conservatorium. Zn ihrer treuen Anhänglichkeit, ihren vortrefflichen Eharaktereigenschasten habe ich, besonders in der letzten Zeit, meinen einzigen Anhaltspunkt in all' dem Kummer gefuuden, den mir meine Anverwandten von BruderS- seite so reichlich und unablässig bereitet haben. Zu-
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gleich bin ich überzeugt, daß sie — ohne sie zu verpflichten — und bloS nach ihrem eigenen Eremeffen und Gutdünken, auch meine Stelle bei denjenigen meiner Anverwandten vertreten wird, die einer Unterstützung bedürftig und würdig sein sollten. Wien, 26. Mai 1866. Franz Grillparzer, k. k. Hofrath."
Im eidgenössischen Nationalrath schreitet die Berathung über die Bundesrevision rasch voran und der Ständerath folgt derselben seinerseits mit thun- lichster Kürze. — Aus Lausanne meldet man den dort erfolgten Tod von Gustav Crsmieux, Sohn des bekannten Advokaten und Gemahl der Sängerin Monbelli.
Unverbürgten Meldungen aus Paris zufolge wäre die Mcepräsidentschaft dem Marschall Mac Wahon angeboten worden, derselbe hätte aber abgelchnt. — Bei dem Herzog von Aumale soll heute ein großes Diner Ehren Thiers stattfinden. — Wie es heißt, hat Herr Thiers der Majorität bereits eine erste Concesston ge macht, d. h. er hat seine Zustimmung dazu gegeben, daß die Frage Betreffs der Rückkehr nach Paris vertagt werde. — Es hat sich das sehr unwahrscheinliche Gerücht verbreitet, daß Pouyer-Quertier seine Eut- laffung aufrecht erhalten habe.
Aus Charleroi in Belgien wird gemeldet, daß die Arbeitseinstellung in dem dortigen Kohlenrevier zu Ende ist und die Arbeiter wieder eingetreten sind, ohne die verlangte Lohnerhöhung erhalten zu haben. Versuche, welche die Internationale zu Seraing gemacht hat, die dortigen Arbeiter zu einem gleichzeitigen Strike mit denen von Charleroi zu veranlassen, sind gescheitert, und eben so ihre Ausforderung, den Arbeitern zu Charleroi Unterstützungen zukommen zu lasten. Die Kohlenreviere der letztgenannten Gegend sind noch immer militärisch besetzt. Im Ganzm wurden 17 Personen verhaftet, von denen die Mehrzahl angeklagt ist, ihre Kameraden gewaltsam verhindert zu haben, die Arbeit wieder aufzu- »ehmen. — Der „Jndep beige" zufolge verlangen die Tischler- und Zimmergesellen in Brüssel eine Lohnerhöhung von 10 Centimes pro Stunde.
Die italienische Kammer ist noch immer nicht vollzählig. — Der Finanzminister Sella ist von Neapel wieder hier angekommen. Sein Gesundheitszustand hat sich wesentlich gebestert.
Am 22. h. sind in Madrid die CorteS eröffnet worden.
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Der Tag zu Kastel.
historische Brxählung auS der Jugendzeit Philipp des Großmüthigen.
von W. Br »necke.
(Fortsetzung.)
Mechanisch nahm Schrendeisen die ihm dargereich ten Gegenstände.
„Eure Gestrengen!" stotterte er. — „WaS soll ich mit all diesem? Ich bin ein einfacher schlichter Bürger — ich kann die Regentschaft nicht führen!"
Boyneburg schien ihn nicht zu hören, er eilte dem jungen Landgrafen, welcher mit Grebe und gefolgt von zwei Edelknaben eintrat, entgegen.
„Ich habe meinen jungen gnädigen Herrn gebeten, hier zu erscheinen!" redete er ihn an, „um Eure dnaden der Obhut dcS ehrenwerthen Bürgermeisters ®®n Kastel und deS hochirürdigen DecanS von St Martin zu übergeben, da ich dieses Land verlasse! Eie werden Eurer Gnaden treue Schirmer und Leiter Irin!"
Er nahm den Knaben an der Hand und führte
den beiden Männern, welche sich bleich und ter« wt verneigten, zu; dann ließ sich Boyneburg vor Philipp von Heffen auf die Kniee nieder.
„Und nun wolle mir, mein gnädiger Herr, in ®naben Urlaub geben!" bat er.
Philipp von Heffen sah mit einer gewissen Beeidigung dem vor ihm Knieenden in das Gesicht
„Eure Gestrengen," sprach er, „wissen, daß ich ^ch ein Kind bin, und mir es Nicht zusteht, über Euer Thun und Lasten zu richten, daS bleibt Andern dorbehalten. So Ihr aber von UnS geht, so geleite Euch Gott!"
Boyneburg erhob sich schnell.
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durch wesentlich geebnet, daß ihm von fast allen Seiten großes Vertrauen entgegengebracht wird, von der Presse im Allgemeinen sowohl, wie von allen gemäßigten Fraktionen des Abgeordnetenhauses. Mit diesem Vertrauen verbindet sich zugleich das ihr entspringende Wohlwollen, welches z. B. in der nationalliberalen „Magdeb. Zlg." in dem Rathe an die Liberalen des Abgeordnetenhauses ihren Ausdruck findet, den neuen Minister in feinem Ressort sich erst heimisch werden zu lassen, ihn nicht voreilig zu gesetz« geberischen Acten und Organisalionen zu drängen u. s. w. Obschon dies Alles selbstverständlich und jener Rath ganz vernünftig ist, so wird doch auch ohne denselben der neue Culiusminister wissen, waS er zu thun hat. Seine wissenschaftliche Durchbildung, sein praktischer Blick und seine bewährte Charakterstärke werden ihn ebenso schnell sicheren Fuß und volle Orientirung in dem neuen Ressort finden lassen, wie ihn befähigen, berechtigten Wünschen und Er- warttmgen entgegenzukommen und zu mtsprechcn, unberechtigte oder voreilige ebenso würdevoll wie fest abzuwehren. Unter allen Umständen aber ist das ihm entgegengebrachte Vertrauen ein wesentlicher, fördernder und seine schwierige Aufgabe erleichternder Factor für den neuen Kultusminister. — Die Vertheilung deö Decernats in Kunstsachen unter drei Räthe des Cul- tusministeriums, wie sie Herr v. Mühler vorgenommen hatte, stellen sich immer mehr als eine Maßregel dar, welche das Interesse der Kunst und der ihr gewidmeten Institute erheblich beeinträchtigen. ES erscheint deshalb geboten, für das gedachte Decernat eine neue Rathsstelle zu schaffen, wie sich auch sonst die Noth- wendigkeit ergibt, sonst fühlbare Lücken auszufüllen, so daß der Etat des Cultusininisteriums in wesentlich umgeänderter Gestalt der Berathung und Beschlußfassung des Abgeordnetenhauses demnächst unterbreitet werden wird; vor Anfang der nächsten Woche dürste diese Berathung nicht beginnen. Dagegen wird diejenige der neuesten Vorlagen des früheren Cultus- miiiifters tu dieser Session nicht auf die Tagesordnung kommen. Um so zuversichtlicher ist zu erwarten, daß das Haus alle seine Kräfte aufbieten wird, um den wichtigen Reformgesetzentwurs des Ministers deS Innern zum gedeihlichen Abschluß zu bringen. Je- mehr der Entwurf bemüht war, den früher geäußerten Wünschen der Volksvertretung entgegenzukommen, um so verpflichteter erscheint diese, auch ihrerseits wohlwollendes Entgegenkommen zu betätigen. Aus diesem 'JBege dürfte es nicht schwer werden, zu einer befriedigenden Lösung der wichtigen Aufgabe zu gelangen.
Euch und einem Theil der Bürgerschaft war, ist jetzt nicht mehr! Der Landgraf, unser gnädiger Herr, ist unS zurückgegeben! Wir wollen uns in Frieden vereinen, ihn zu beschirmen und ihm zu dienen! Und wenn ich Euch verletzt habe, so vergebt mir und bedenkt, es geschah eines großen Zweckes wegen!"
Der Bürgermeister schien, als er Amrhein vor sich sah, seine ganze Fassung wiedergewonnen zu haben.
„Zurück!" rief er seinem Schwiegersöhne zu, „zwischen unS ist keine Gemeinschaft mehr! Ihr habt jedes Band zwischen unS zerrissen! Und schützte Euch nicht der Willen der Bürgerschaft, so läget Ihr im Thurm, Friedensbrecher!"
Dann sich zu Dr. Roland wendend, fuhr er fort: „Hochwürdiger Herr! Ihr werdet des Landgrafen Gnaden in Eure Obhut nehmen I Ich eile, dem Rath und der Bürgerschaft daS Geschehene mitzutheilen!" (Fortsetzung folgt.)
Eine unfreiwillige Alpenbeßeigung.
Von Wilhelm Baumann.
ES war im Frühling nach dem Jahre der Eroberung SüditalienS durch Garibaldi, da ich mich on- schickte, die schöne Jahreszeit in einem Landhause an dem hohen rechten Po-Ufer in der Nähe der sardischen KönigSgruft Superga bei Turin zu verleben. Dort halte ich die ganze gewaltige Alpenkette täglich vor Augen, eS war daher nicht zu verwundern, daß mich nicht feiten die Lust anwandelte, das geheimnißvolle Leben und Weben der Menschen in den durch die Vorberge verdeckten Alpenthälern durch eine Fußwanderung mir gegenständlich zu machen. Von all' den BergeSriesen, welche in der Kette von dm Meeralpen an bis östlich über den Gotthard hinaus sich über
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Deutsches Reich.
A Berlin, 24. Jan Dem neuen Culiusminister ist von vornherein der unleugbar schwierige Weg da-
„Wer viel Ehr' hat, hat viel Feind'!" rief er. „Und hätt' mir die Gabe des heiligen Geistes innegewohnt, ich hätt' es nimmer Allen recht gemacht! Lebt wohl!" —
Er eilte der Thüre zu, Schrendeisen raffle sich auf und trat ihm in den Weg.
„Landhofmeister!" rief er, „nehmt da« mir An vertraute zurück! Nehmt's! Ich habe stets treu zu Euch gehaltm! Vergeltet'S mir nicht so! WaS soll ich thun!"
„Gebt Raum, Bürgermeister!" drängte Ludwig von Boyneburg, „die Trommeln der Sachsen mahnen zum Ausbruch! Platz!" ,
Schrendeisen faßte die bepanzerle Hand BoyneburgS.
„Ich laß' Euch nicht, Landhofmeister! rief er ver^ zweifelnd, „Sagt, was soll ich beginnen?"
Boyneburg riß sich loS.
„Macht Euren Frieden dort, wo eS Noth thnt!" rannte er dem Bürgermeister inS Ohr und stürzte aus dem Saal.
Schrendeisen taumelte zurück, er glich einem Bilde der Rathlostgkeit, ängstlich blickte er bald auf den Landgrafen, bald auf Dr. Roland, welcher selbst regungslos und mit gefalteten Händen dastand. Vorn unteren Baumgarten her tönte jetzt Trompetenge- schmetter und Trommelwirbel, die Fürsten von Sachsen verließen mit ihrem KriegSvolk Kassel und mit ihnen zog Ludwig von Boyneburg, der einst allgewaltige Regent, aus Heffen, welches er erst nach dreizehn Jahren wieder betreten sollte.
Als das kriegerische Geräusch verhallt war, trat Balser Amrhein auf Schrendeisen zu. .
„Bürgermeister!" sagte er und streckte ihm die Hand entgegen, „was der Grund zum Bruch zwischen