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Marburg, Donnerstag, den 25. Januar.
1872
Oberhessische Zeitung.
Deutsches Reich.
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Das neue s p a n i s ch c Ministerium hat dem Con- grosse sein Programm vorgelegt. Das Ministerium erlitt durch ein gegen den Präsidenten der Kammer ausgesprochenes Tadelsvotum eine Niederlage, indem es dabei nur 122 gegen 170 Stimmen erhielt. Der Präsident des Ministeraths hat dem Könige über die Angelegenheit Bericht erstattet.
Die Königin von Griechenland ist am 22. d. M. von einem Prinzen entbunden worden.
Letzten Freitag fand in der Downingftreet unter Gladstones Vorsitz die erste Cabinetsberathung »ach den Weihnachtsferien statt, bei der sämmtliche Minister zugegen waren.
Der König vonJtalien empfing den österreichisch ungarischen Gesandten Graf Wimpffen in feierlicher Audienz, welcher sein Beglaubigungsschreiben überreichte.
Erscheint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal bet Oberhesfische« Zeitung mit KreiSblatt durck hi, öZZZüsZ /a x« x ' Buchdruckerer) bezogen USj »ar^, durch dre Postämter 87 ®gr. 6 Vfg. (excl. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für daS Ausland exel. Stempel 88 «ftt*L*‘ JnfertionSgebühr für bie gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-Büreaus nehmen Inserate an. *
*• Berlin, 23. Januar. Die Ernennung des Herrn Dr. Falk ist noch im Laufe des gestrigen Nachmittages von seiner Majestät vollzogen und hatte der neue CultuSminister bereits eine längere Unterredung mit dem Fürsten Bismarck. Heute hat sich derselbe in seinem Hotel eingefunden, zunächst um vorläufige Rücksprache wegen Uebernahme der Geschäfte zu nehmen, die Vorstellung der Räche des Ministeriums wird erst morgen erfolgen. Demnächst wird der neue Leiter der Cultusangelegenheiten auch einen Entschluß über die Besetzung der Stelle eines Unterstaatssecretärs fassen müssen. Diejenigen irren indessen, welche meinen, daß das absolut nothwendig sei. Seit dem Ausscheiden des Herrn v. Pommer. Esche ist auch im Handelsministerium das Unterstaatssecretariat erledigt, ohne daß dies irgend einen nachtheiligen Einfluß auf die Abwicklung der Geschäfte geübt hätte. ES könnte ebenso gut sein, daß Herr Falk eS vorzöge, ohne Unter« staatssecretär zu arbeiten, dafür den einzelnen Abthei- lungen seines Ressorts aber anstatt interimistischer definitive Directoren zu geben. Es würde hierdurch natürlich eine Rectification de» Etats des Cultusmi- nisteriumS erforderlich werden. - Herr v. Wühler ist durch Krankheit verhindert, seine Absicht, nach Putzar u seinem Schwiegersohn, dem Grafen Schwerin zu leisen, auszuführen. Er wohnt augenblicklich noch in einem Hotel und wird, wie man hört, späterhin einen Aufenthalt in Berlin nehmen. — Auch heute ist in dem Befinden des Justizministers ein weiterer Schritt zur Besserung zu constatiren. — Von vielen Seite» Jft die Vermuthung ausgesprochen, daß der Oberpräsident von Hannover sein Amt niederzulegen beabsichtige. Man hat dem gegenüber darauf hinge- wiese», daß Graf Stollberg durchaus keine Anstalten treffe, Hannover zu verlassen, sondern sich vielmehr für die CarnevalS-Fcstlichkeiten rc rüste. Es muß bemerkt werden, daß an. einen so frühen Termin nie gedacht ist, und daß, falls Graf Stollberg die ihm zugeschriebene Absicht wirklich hat, er jedenfalls bis
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von Dörnberg sein zu können! Das Glück war ihm nicht treu geblieben! Dörnberg hatte gegen Männer gekämpft und gesiegt, Boyneburg mußte mit einem Weibe um die Herrschaft ringen und unterlag! — Ludwig von Boyneburg war nicht lange allein mit seinen Gedanken, bald traten Dr Roland, der Bürgermeister Schrendeisen, Balser Amrhein und Greineisen, welche um der Bürgerschaft Willen um den jungen Landgrafen waren, ein, gefolgt vom Thorwart deS Schlosses und Hans, welcher das von seinem Herrn gewünschte Kästchen trug. Boyneburg begrüßte Schrendeisen und den Decan von St. Martin mit warmem Händedruck, während er für Amrhein zmd Greineisen nur finstere Blicke zum Willkomm hatte.
»Ich habe Euch rufen taffen, ehrenfeste, würdige Herren!" sagte er zu den Ersteren, „um Euch des jungen Landgrafen Gnaden, dieses Schloß, die Jn- siegel und die Rechnungen zu übergeben, denn meines Bleibens ist hier nicht länger!"
Dr. Roland und Schrendeisen konnten, bei dieser Eröffnung einen Ausruf des Schreckens und des Erstaunens nicht unterdrücken.
„Es ist der Obervormünder Willen gewesen," fuhr der Landhofmeister, ohne auf die Verlegenheit seiner Zuhörer zu achten, fort, „daß ich auch ferner das Regiment von Heffen führe, aber ich bin des ewigen Haders müde, und ich mag nicht, daß der Name Ludwigs von Boyneburg in Heffen gleichbedeutend mit Brand und Verwüstung genannt wird. Hier Bürgermeister von Kaffel," und er öffnete das Käst- chcn, welches ihm sein Waffenmeister darreichte, „hier empfangt das große Siegel von Heffen, hier die Schlüssel zu den Truhen, in welchen die Rechnungen der Laubgrafschaft aufvewahrt werde» und das baare
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"Marburg, 24. Januar.
DaS Staatsministerium war am 21. Abends beim Ministerpräsidenten zu einer vertraulichen Besprechung versammelt. Am 22. Mittags 12 Uhr, fand ein Ministerconseil statt, welchem auch der Kronprinz beiwohnte. In Folge dieses Conseils hat Se. Majestät den Geh. Oberjustizrath Dr. F a l k zum C u l t u s m i n i st e r ernannt. Die betreffende Allerhöchste Ordre lautet: „Dem Staatsministerium mache Ich in Verfolg Meines Erlasses vom 17. d. M. hierdurch bekannt, daß Ich den Geh. Oberjustizrath Dr. Falk zum Minister der Geistlichen, Unterrichts- und Medicinal-Angelegen heilen ernannt habe. Berlin 23. Januar 1871. gez. Wilhelm. Gegeng. Fürst v. Bismarck. An das Staatsministerium." Fürst Bismarck hat diese Ernennung dem Abgeordnetenhause durch nachfolgende Zuschrift bekannt gegeben: „Berlin 22. Januar 1872. In Verfolg der Mittheilung vom 18. Januar beehre ich mich, Eure Hochwohlgeboren anliegend beglaubigte Abschrift der allerh. Ordre vom heutigen Tage, wonach des Königs Majestät den Geheimen Oberjustiz rath Dr. Falk zum Minister der geistlichen Angelegenheiten zu ernennen geruht haben, unter dem Anheimstellen der gefälligen Mittheilung an das Haus der Abgeordneten ganz ergebeust zu übersenden. Der Prä fibent deS Staatsministeriums, gez. Bismarck. An den Präs. d. H. d. Abg. Hrn. v. Forckenbeck Hochwohlgeb." — In Abwesenheit deS Grafen Tauffkirchen ist mit den Geschäften der deutschen Botschaft beim römischen Stuhl LegationSsecretär v. Derenthall betraut. Militärischer Attache bei der kaiserl. Gesandt- schäft am italienischen Hofe ist der bei St. Privat schwer verwundete Hauptmann v. PortatiuS.
zum 1. October d. I. noch das Oberpräsidium inne haben wird. — Dem BundeSrathe ist der Entwurf eines Auslieferungs-Vertrags zwischen Deutschland und Engiand vorgelegt, welcher sich im Allgemeinen ganz den Bestimmungen des britischen Gesetzes vom 9. August 1870 anschließt. *
Die Militär - Mediciiial - Verwaltung arbeitet an einem statistischen Sanitatsberichte für daS preußische
Der vor einigen Jahren für 1867 erschienene Danttätsbericht soll dabei zu Grunde gelegt, erweitert und mit besonderen durch den Feldzug nothwendig geworbenen Rubriken versehen werden. Der neue Bericht wird sowohl die Krankheits- wie die Sterb- ltchkertsverhältnisse der Armee umfassen und mit denen anderer Armeen vergleichen. Eine Uebersicht des mir litararztlichen Personals, seines Bestandes, Ab- und Zuganges im Kriege, wie im Frieden, werden den Schluß des Werkes bilden.
„Kurt von Uffeml" sagte er zu dem Edelknecht, j» Helm und Schwert abnehmend, „eile zu Doctor Grebe, sage ihm, er möge des jungen Landgrafen Gnaden trotz der späten Stunde alsbald hierher mhren! Und Du, Hannes," fuhr er, sich an einen wiener in den Boyneburg'schen Farben wendend fort, »Sehe zum Thorwart an der oberen Pforte und be stelle ihn mit den Schlüsseln hierher, dann gehe in »ein Schlafgemach und nimm das Kästchen von Ebenholz, welches auf dem Tisch zu Häupten des «ettes steht und bringe es hierher; sag' auch den «.hürhütern an, daß sie Roland und Schrendeisen °»b die Bürger von Kassel, so um be» jungen Land- Seafen Gnaden sind, hierher weisen!"
Die Diener entfernten sich. Ludwig von Boyne- "Urg war allein. Er nestelte die hessische Feldbinde der Rüstung los und warf sie weit von sich. Der letzte Augenblick seiner Macht war gekommen. ®cn diesem Schloß au» hatte er Heffen beherrscht, dem Kaiser und Reich getrotzt, er, der mächtige ^"bhofineister 1 Und jetzt? Rein, sie sollten sich nicht ' ^bmtn, daß sie ihn überwunden, besiegt hätten; den pj. mindesten» wollte er retten, er verzichtete frei« —■*"* p“’8 auf die Herrschaft, während nocb die sächsischen • ** ^n3en- und Feldschlangen zu seinem Schutze bereit ®4Trn- Vielleicht hatte «r geträumt, ein zweiter Hans
3« einer letzten Sonnabend stattgehabten Besprechung maßgebender Persönlichkeiten des Magistrats und der Ltadtverordneten-Versammlung über die Frage, ob die Commune von Berlin nach Fortfall der staatlichen Mahl- und Schlachtsteuer letztere als Communalsteuer beibehalten wolle, sprach sich keine einzige Stimme für btefe Beibehaltung aus. Ebenso hat sich die zur Vor- prüfung des bekanntlich vom Finanzminister vorgelegten Steuerreformprojektes vom Abgeordnetenhause »ledergesetzte Commission einstimmig gegen die Bestim- mmig ausgesprochen, den Städten auf ihren Antrag bie Beibehaltung ber Schlachisteuer als Communal- fleuer zu gestatten.
München, 23. Jan. Im Abgeordnetenhause ?CÄ.JecUte ble Berhanblung über die Beschwerde des Bischofs von Augsburg wegen Verletzung der ver- ^stungsmatzig verbürgten Rechte der Meringer Pfarrei Der Referent des Majoritäts-Gutachtens war Hauck der des Mmo,itäts Gutachtens Völk. Referent Hauck begründete das Majoritätsreferat, wonach die Be-
. berechtigt erachtet wird. Daraus sprach Völk als Referent der Ausschußminorität. Jörg suchte sodann in längerer Rede darzuthun, daß das Dogma von der Unfehlbarkeit nicht staatsgefährlich sei. Seine .Hebe war wesentlich ein heftiger Angriff gegen den CultuSminister. Nach Jörg hielt Sepp eine längere Rede gegen den Antrag der Ausschußmajorität und Cfr;a$ c*nfn con Hm zu stellenden Gegenantrag, der auf Einberufung einer allgemeinen deutschen Kirchenversammlung abzielt. Die Debatte wird morgen fort« gemerft ^"b bfreiW uitlc Redner für dieselbe vor-
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Gelb! Tritt vor Thorwart und überliefere dem Bür- germeister die Schlüssel dieses landgräflicheu Hauses. •W*1 d'esm Schlüsseln, Bürgermeister, empfangt dieses Schloß, haltet es für Euren Herrn in Kampf und Rothen, als ein treuer Burgwart!"
(Fortsetzung folgt.)
Der Kanzler »eS deutsche« Kaiserreichs.
(Schluß.)
Wenn auch getragen von dem hochfluthenden Na- tionalgeist der unter einem Kriegsbanner kämpfenden deutschen Stämme und von den in ununterbrochener Fortletzung sich folgenden Siegen über den gefährlichen Feind des Vaterlands, wird man nicht verkennen curfen, daß nur ein Staatsmann alle Elemente zum Nutzen der großen Nationalsache so schnell und sicher einigen konnte, der seines Ziels sich wohl bewußt ge= frUnb ""t klarem Blick die Macht der realen Ver- haltniffe zu würdigen und rechtzeitig zu meistern ver- standen.
Auf der Höhe seiner Schöpfung als Kanzler des Deutschen Kaiserreichs — höher gewiß, als Fürst Bismarck so schnell unv ruhmvoll zu steigen wohl je ae- dacht — sah er sich zum Vollstrecker all der Ideen geworden welche die Nation seit Jahrzehnden mit dunklem Drang nach Thaten erfüllt hatte. Mit dem kalten Griff in die realen Dinge war eine längst in den Geistern vorbereitete Revolution vor sich gegangen d.e ihrem Meister huldigte. Nachdem die Wolken- mafsen zerrissen, nachdem der letzte Pulverdampf verflogen, sah alle Welt sich verwundert inmitten einer jeder bereit zum Geständniß, r-t b" Wirbeltanz der Ereignisse ihn vom Sockel früherer Meinung hinweggetrageii. Die der ReichS-
Der Tag zu Kassel.
Historische Erzählung auS ber Jugendzeit Philipp des Großmüthigen.
Lon SB. Bennecke.
(Fortsetzung.)
Als der letzte des Gefolge» unter ber hohen Pforte verschwunden, manbte sich ber Landhofmeister an seine Leute.
Thier» hat Gabriac empfangen. Ein Wahlerlaß Rouher's erklärt sich offen für den Bonapartismus Die Commission für bie Capitulationen wird diese Woche Bazaine vernehmen. — „Jndäpendance" schreibt: von Thiers habe, müde und entmuthigt, eher passiv nachgegeben, als förmlich eingewilligt, an der Spitze der Regierung zu bleiben. Das Blatt bezweifelt eine Dauer seiner Päsidentschaft. Alle Blicke sind auf bie beabsichtigte Ernennung Grevy'S zum Vicepräsidenten gerichtet. ,