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Marburg, Mittwoch, den 24. Januar.

Oberheffifchc Zeitung.

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*Marburg, 23. Januar.

Die Ernennung des Herrn vr. Falk zum Cultus- minister wird als nahe bevorstehend bezeichnet. Aus allen Gegenden des deutschen Reiches, mit Einschluß der neuen Rcichslande, laufen Berichte ein über die Feier des 18. Januar, als des Geburtstages deS neuen Reiches Selbstredend waren die hervorragenden Generale die Helden der TageSseier. Besonders glänzend waren die Ovationen, die dem General v. Werder in Karlsruhe an dem genannten Tage gebracht wurden. Vor; gestern ist der Prinz Ludwig von Hessen und bei Rhein aus Berlin, wo er als neukreirter Ritter deS Schwarzen

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forderten 130,000 Thaler nicht zu bewilligen. Die 130,000 Thlr. werden abgesetzt. Jndirectc Steuern. Allgemeine Besprechung. Zu den Einnahmen 6eatv tragen die Commissaricn des Hauses, die Regierung «ufzufordern, in den Erläuterungen zum Etat vom nächsten Jahre ab näher anzugeben, in. welcher Weise sich der Betrag der der preußischen Staatscasse ver- bleibenden VerwaltungSkostcn von den Ein- und Aus Mgsabgaben berechnet. Das HauS genehmigt diesen Antrag. Die Einnahmen werden bewilligt. Ein Antrag der Eommissarien d«S Hauses, die Re­gierung aufzusordern. darauf hinzuwirken, daß der preußischen Staatskasse aus der Rcichskasse eine an­gemessene Vergütung gezahlt werde für die der Pro- »inzial-Steuerdirection zu Glückstadt und dem Finanz­

ministerium durch die Beaufsichtigung der drei vereins­ländischen Hauptzollämter in den Hansastädten er­wachsenden Geschäfte, wird ohne Weiteres angenommen. Die Ausgaben mit 6,404,000 Thlr. 20,000 Thlr. in Folge der Aufhebung der Zollgrenze von Elsaß- Lothringen werden genehmigt. Das Haus prüft den Etat der directen Steuern. Der Antrag Berger, die Regierung aufzusordern, dem Etat der directen Steuern zukünftig eine Nachweisung über die zu den einzelnen Stufen der Klaffensteuer und klassificirten Einkommensteuer im letzrvergangenen Rechnungsjahr cingeschätzt gewesene Anzahl von Personen, sowie des Erträgnisses, nach RegierungS- bezw. Stadt- und Hauptcassen-Bezirken geordnet, beizufügen, wird an­genommen. Des weiteren wird der Etat für die hohen- zoller'schen Lande genehmigt. Bei Letzterem wird der Antrag der Commissaricn auf baldige Einführung des Communal - Landtages für diese Lande ange­nommen. Ter Regierungs-Vertreter erklärt, die Regierung könne erst nach Erledigung der Kreis­ordnung die betreffende Vorlage machen. Es solgl hierauf die Fortsetzung der Berathung des Etats der Seehandlung. Der Antrag auf Veräuße­rung der gewerblichen Etablissements der Seehandlung wird nach den Aufklärungen des Finanzministers zu­rückgezogen, ebenso der Antrag, die Regierung aufzu- forden, Vorlage über hen Nettogewinn der Seehand­lung von 1870 zu machen, nachdem der Finanzminister aus formellen Gründen dagegen gesprochen und die Zusage gegeben hat, eine Vorlage über die Verminde­rung des Capitalvermögens der Seehandlung einzu­bringen. Die Etats der Seehandlung sowie der all­gemeinen Kassenverwaltung werden angenommen. Der Finanzminister brachle noch einen Nachtragsetat ein, wonach die vom Wünzetat abgesetzlen 100,000 Thlr zur Aufbesserung der Gehalte der Gymnasiallehrer zu verwenden seien. Die Vorlage ist der Budgetcommission zugewiesen worden. Nächste Sitzung Freitag.

Zur Erinnerung an die am 18. Januar 1871 erfolgte Annahme der Kaiserwürde sind Mir aus vielen Orten inner - und außerhalb des Reiches von Seiten deutscher Patrioten telegraphische und schriftliche Glück­wünsche zugegangen. Ich habe diese wohlthuenden Beweise von Liebe und Anhänglichkeit mit freudigem Herzen enlgegengenommen und fühle Mich gedrungen, für dieselben allen Betheiligten Meinen freundlichsten Dank zu erkennen zu geben. Ich veranlasse Sie, dies alsbald zur öffentlichen Kenntniß zu bringen.

Berlin, den 20. Januar 1872.

Wilhelm.

Der Tag zu Kaffel.

Historische Gr-Ühlung aus der Jugendzeit Philipp des Großmüthigen.

Bon SB. Dennecke.

(Fortsetzung.)

Auch in dem landgräflichen Schlosse hatte mau bei Blasen der Trompeten gehört, welches die Ried- esel'schen Reisigen zum Aufbruch mahnte, hatte cS aber uicht zu deuten vermocht. Da gab es ein Hin» und Herrennen, ein Rufen und Schreien; Streitrosse schlugen das Pflaster der Höfe, Commandoworte er­tönten auf den Wällen, und in dem unteren Baum- Sarten traten die LandSkncchtSfähnlein unter die Waffen. 3m großen Rittersaal, wo sie vor wenig Tagen Anna dvn Hessen empfangen hatten, standen in jener Nacht Weber die Herzöge von Sachsen und Braunschweig, dir Gesandten von Kursachsen und Kurbrandenburg, Nebst Gefolge, diesmal vollständig gerüstet, um von Raffel auszubrechcn und in ihre Heimath znrückzu kehren. Vor ihnen stand Ludwig von Boyneburg, dem Kopf bis zu den Füßen in Stahl gehüllt, die breite silbergestickte hessische Feldbinde über den Brust­harnisch, hinter ihm hielt ein Edelknecht seinen Helm und sein Schwert.

Ihr hört das unsinnige Blasen, Landhofmeister!" redete Johannes von Sachsen den vor ihm Stehenden un.Wer weiß, was sie im Schilde führen! Schon lieht die Landgräfin von Marburg heran. Sie werden uns hier einschlirhen. Wir aber sind unseren eigenen Landen Rücksicht schuldig, deshalb beschloffen wir, Uoch heute auszubrechen und Heffen zu verlassen, ikuch überlasten wir den Landgraf Philipp, unseren Mündel, Euch die Fürsorge für dies Land, diese

Stadt und dies Schloß! Seid stets unserer Hülfe gewärtig! Lebt wyhl! Wir werden bald die Grenze erreicht haben!"

Und wenn meine gnädigen Herren," unterbrach hier Boyneburg unwillig den Herzog,sich dann um­wenden, dann werden sie eine Lohe zum Himmel steigen sehen, wie keine zuvor. Um dieses Haus wird gekämpft werden, aber es wird verloren gehen, es muß verloren gehen, und unter seinen Trümmern wirb Ludwig von Boyneburg ein Grab finden er und Philipp von Hessen!"

Das wolle Gott nicht!" riefen die Fürsten wie aus einem Munde. >

Das wird geschehen, meine gnädigen Herren!" fuhr Boyneburg fort.Oder wollen meine Gnaden von Sachsen, Brandenburg und Braunschweig, daß ich den jungen Herrn und die Regentschaft in der Frau Landgräfin Hand zurückgcbe und dann mein Haupt in» Elend, wenn nicht auk's Schaffst trage?"

Die Fürsten und Gesandten flüsterten leise unter einander.

Ihr habt Euch wenig Freunde gemacht, Land- hosmeister!" fuhr der Herzog von Braunschweig Lud wig von Boyneburg an.

Ich hätte mir mehr machen können, wenn ich weniger auf meiner gnädigen Herren Vortheil gesehen und mehr auf den meinen Mir müßten die ©oben de» heiligen Geistes innewohnen, wenn ich's Allen recht machen sollie!" entgegnete Boyneburg.Ich will meinen gnädigen Herren keine Verlegenheit bereiten. Ich habe bereit» nach Dr. Roland, dem Decan von St. Martin, und nach Schrendcisen, dem Bürger­meister, gesandt, beide sind ehrenseste Männer, meinen

Adler-OrdenS am 18. d. M. dem feierlichen Ordens- kapitel anwohnte, «ach Darmstadt zurückgekehrt. Letzten Donnerstag Nachmittag ist zu Greiz im Alter von 53 Iahten an einer Lungenentzündung die Fürstin Karoline von Reuß ä. 8., Mutter des regierenden Fürsten, gestorben. Sic war eine Tochter des Land­grafen Gustav von Hessen-Homburg. Das im Manne» stamme schon früher erloschene Haus Hessen-Homburg ist mit ihrem Tode gänzlich ausgestorben. Auf die gestern bei der DiScontogesellschaft eröffnete Subskrip­tion auf die 31 dien der Gotthardbahn erfolgte eine enorme Ueberzeichnung. Die Subscription wurde so­fort nach der Zeichnung geschlossen.

Alle Mitglieder deS diplomatischen Corps drückten Thiers ihre Befriedigung über die glückliche Lösung der Krisis aus. DaS lebhafte Verlangen nach einem guten Einverständnisse mit der Regierung, welches sich m den Reunionen des Parlament» zeigte und von der Regie­rung erwidert wurde, wird zur Folge haben, daß Thiers sich von nun an nur seltener in die DiScus- sionen der Versammlung einmischen wird. Die Frage bezüglich der Rückkehr nach Paris scheint auf lange Zeit vertagt zu fein. Es herrscht überall vollständige Ruhe. In Paris und Versailles hat sich die durch die letzten Vorgänge in der Nationalversammlung hervorgerufene Aufregung gelegt, seitdem Thiers seine Demission zurückgenommeii hat; dagegen bestätigt e» sich, daß im südlichen Frankreich eine bedenkliche Stimmung herrscht und die Regierung in einigen Städten daselbst größere Truppenmassen concentrirt.

Die englische Tagespresse beschäftigt sich in hohem Grade mit der Rede, welche Cardinal Cullen aus dem am 17. d. M. in Dublin abgehaltenen Ka­tholiken - Meeting hielt, und in welcher er verlangte, daß die Regierung die Volkserziehung in Irland ab­solut unter die Controle der Geistlichkeit stelle. Am heftigsten wehrt sich dieDaily News" gegen diese» Verlangen.

Die belgische Kammer beschäftigt sich fort« während mit Fragen, die auf die Verwaltung der Eisenbahnen Bezug haben Thonissen hat da» ihm, von der Regierung gemachte Anerbieten, ihn zum Gou; verneur der Provinz Limburg zu ernennen, von der Hand gewiesen.

Der Neubau von orthodoxen Kirchen wird von der russischen Regierung in Litthauen und den südwestlichen Gouvernements noch immer mit unge- schwächlem Eifer betrieben. Auch für daS Jahr 1872 ist zu diesem Zweck die bedeutende Summe von 600,000 S.-R. angewiesen. Im Königreich Polen wird ebenfalls alljährlich die Summe von mindestens 150,000 gnädigen Herren und mir von ganzem Herzen ergeben, ihnen will ich des jungen Landgrafen Gnaden, die Siegel, die Schlüssel und dieses Schloß übergeben. Sie werden verfahren nach bestem Willen und Ver­mögen. Mir aber gestalten meine gnädigen Herren von Sachsen wohl, daß ich und mein Weib sie be­gleite und gewähren uns ein Obdach an ihrem fürst­lichen Hofe."

Die Berathung, welche die Fürsten in Folge dieser Erklärung des Landhosmeister» pflogen, zog sich in die Länge und erst als die Trompeten Hermann Riedesels unmittelbar unter dm Fenstern des Schlosses ertönten, wurden sie schlüssig.

So geschehe e» beim", erklärte nun Friedrich von Thum im Namen der Fürsten,wie Ihr gewünscht, Landhofmeister. Die gnädigen Obervormünder wer­den sich in den unteren Baumgarten zu ihrem Kriegs- voik begeben und so lange dort auf Euch, Euer Weib und Euer Gesinde warten, bi» Ihr den Landgrafen und das Schloß in treue Hände gegeben. Sie danken Euch, Ludwig von Boyneburg, für die Trme, mit welcher Ihr zu ihnen gestanden und sind Euch in Gnaden gewogen.

Nachdem der Gesandte deS Kurfürsten von Sachsey diese Erklärung abgegeben, verließ er mit den Fürsten und übrigen Gesandten den Saal, Ludwig von Boy«^ bürg mit seinen Dienern darin zurücklaffend.

(Fortsetzung folgt.)

Der Kaazler Les deutschen Kaiserreichs.

(Fortsetzung.)

Mit der Errichtung de« Norddmtschen Bunde« trat Bismarck als Kanzler an die Spitze desselben.

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Sefitint täglich außer den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für da» Quartal der Oberhessischen Iettuug mit Kret«blatt durch die Zrpedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 22; Lar., durch die Postämter 27 Lgr. 6 Pfg. (exel. Bestellgebühr und incl. Stempelsteuer), für da» Ausland excl. Stempel 22 ®gr. JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an.

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Ko» Landtage.

Hau« der Abgeordneten. 21. Plenarsitzung vom 22 Januar 1872.

Präsident v. FvrKenbeck eröffnet die Sitzung Vormittag HVt Uhr mit geschäftlichen Mittheilungen. Das Haus genehmigt sodann in der-Schlußberathung den Entwurf, betr. die Aufhebung der im Kreise Meisenheim geltenden Verordnung über die Ge- neral-Brand-Versicherungsanstalt zu Kaffel und hört den mündlichen Bericht deS Abg. Rickert Namens der Budgetcommission über den Gesetzentwurf, betr. die Verwendung der der Staatscasse im Jahre 1872 auf Zoll- und Steuercredite zufließenden einmaligen Einnahme auf Höhe von 11,600,000 Thlr. Die Annahme des Gesetze» erfolgt ohne DiScusston. Es folgt die Fortsetzung der Berathung deS Etats: Preußische Bank; die Einnahmen »erben bewilligt, niffel Die Etats bet Münze und der StaatSdruckerei werden Hohne Weiretes genehmigt. Zu dem Etat der Pot- zellanmanufactur ist von den Commisiarien der An­trag gestellt, die zum Ankauf und zur Einrichtung eines Grundstück» in Berlin al« Verkaufslager ge