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bereits in dritter Auflage erscheint. Der Held dieser „putzi- gen Historije in dörtein Kapitteln" ist wieder ein platt­deutscher Knabe, welcher im Kleinstaat Muffrika seine Car- ribre vom Bauernjungen, bis zum Minister hinauf macht. Hier nun erweiset sich des Verfaffers Humor in einer so drastischen Gestaltungskraft, daß man gestehen muß, die ganze komische Literatur hat eine zweite Figur, gleich putzig, patzig, driest und knuffig, wie diesen Hinnerk Swinegel, nicht aufzuweisen. Das ist der ächte Kern-Typus von uhft brawen, Handfasten und stewigen noorddütschnr Jungen, wie sie „jümmer fixe drup “ damals unter dem alten Blücher

Deutsches Reich.

•• Berlin, 20. Jan. Zur Feier des 18. Januar hat Se. Majestät ein militärisches Avancement voll­zogen, allerdings nicht in sehr großem Umfange, da dasselbe nur die Charge der Stabsoffiziere tangirt Es sind 11 Oberste von der Landarmee und ein Oberst von der Marine zu Generalmajors ernannt, und drei Oberste haben den Charakter als ©eiierab major erhalten, 39 Oberstlieutenante sind zu Obersten' befördert und 68 MajorS zu Oberstlieutenants. Gleich zeitig hat Se. Majestät anzuordncu geruht, daß Land wehr BezirkS-Commandeure und solche zur Disposition und pcnsionirtc Offiziere, die in dem letzten Kriege aciiv gewesen sind, zur Charakter Erhöhung in Vor­schlag gebracht werden können. — Auch heute ist über die Wiederbesetzung deS CultuSministeriumS noch keine Entscheidung getroffen, jedoch muß allen Ge­rüchten, welche diese Verzögerung damit begründen wollen, daß ein vermeintliches Programm des Justiz rathS Falk Widerstand hervorgerufen habe, entgegen getreten werden; ebenso völlig grundlos ist eS, daß die Ernennung des UnterstaatssecretärS im CnltuS- Ministerium Anstoß erregt habe. ES wird vielmehr als selbstverständlich betrachtet, daß der neue CultuS- Minister seinen Untcrstaatssecretär zu bestimmen nur allein daS Recht hat. Eine Trennung deS EultuS- Departements von dem des Unterrichts-Departements wird gegenwärtig wohl nicht zur Durchführung ge­langen können, da die Krankheit des Justizministers augenblicklich darüber zu pflegende Unterhandlungen nicht gestattet. — Der Leitartikel der heutigen „Voss Ztg." vertritt bei Besprechung des Rücktritts deS Herrn v. Mühlcr eine Auffassung, wie solche nur in einer nicht zahlreichen Cotterie deS Abgeordneten­hauses obwaltet und welche sich nur durch Herrn Richter und Genossen präsentirt. Das genannte Blatt benutzt die jetzige Ministerkrisis nur dazu, allerhand spöttische Bemerkungen über die Zweiseelen-Theorie im Ministerium zu machen. Die Lanzmuth des preu­ßischen Volkes sei zu bewundern, welches sich das Ministerium BiSmarck so lange habe gefallen lassen, fährt die „Voss. Ztg." fort, es könne daher keine Be­friedigung über den Fall einzelner Personen auSge«

oder offenen Gegnern der bestehenden StaatSeinrich hingen entgcgenzutreten, insbesondere auf die Inter­nationale Wachsamkeit zu verwenden.

Wie die „Rowosti" melden, hat der preußische Militär-Bevollmächtigte in Petersburg, General v. Werder, am NeujahrStage an alle russischen Mili tärS niederen Ranges, die während des Aufenthaltes der preußischen Gäste den mit anwesenden preußischen Soivaten beigcgeben waren, die denselben vom Deut- sehen Kaiser verliehenen OrdenS-AuSzeichnungen und ein Geldgeschenk von 20 Louisd'or für jeden Mann auSgehändigt.

Die Erste Kammer der Niederlande hat am letzten Donnerstag mit 28 gegen 6 Stimmen den Ge­setzentwurf, betreffend Tilgung von 10 Millionen der Nationalschuld, angenommen.

Im dänischen Folkething wurde das Gesetz, betreffend die Abstempelung ausländischer Geld Effec­ten mit 74 gegen 5 Stimmen angenommen und geht jetzt an das Landsthing.

Heute, nun so viele vertrauliche und verbriefte Zeugnisse seiner Ideen und seiner Absichten vorliegen, wissen wir, daß der Ehrgeiz deS Herrn v. BiSmarck über daS Ziel hinauSschweifie, in Preußen eine Par- teiregieiung nach seinen früher so offen bekundeten absolutistischen Grundsätzen auf den Ruinen deS par­lamentarischen Liberalismus zu errichten. Er nahm die Macht seiner neuen Stellung nur unter besonderen Bedingungen und in- der festen Absicht an, Preußen nach Maßgabe feines geschichtlichen Berufs in Deutsch­land groß und stark zu machen. Dazu gehörte eine schlagfertige Armee, und der Verfassungsconflic!, welcher über die Militärsrage in Preußen entbrannt war, hatte sür ihn lediglich das Interesse, mit Durch­setzung deS königlichen Willens die für feine poli­tischen Pläne nothwendigen AuSdruckSmittel zu er­halten. Er wpllte den „Unsinn" der alten deutschen Bundesverfassung, wie eS auch komme, beseitigen; er weihe Preußen von Oesterreichs Abhängigkeit befreien, dem schmalen Leib seines Vaterlandes selbst durch Vernichtung ihm feindlicher deutscher Fürstenstaaten im Norden Fülle verleihen, da er den „Souveräne- tätSschwindel" der andern deutschen Fürsten für „unhistorisch, gott- und rechtlos" erachtete. Was er vorher im geheimen Einverständniß mit Rußland wie auch mit Frankreich erstrebt und erzielt batte, betraf nur diesen Fall preußischer Machtvermehrung in Deutschland.

Das Glück wollte, daß der Tod des Königs von Dänemarck seinem praktischen staatsmännischen Blick den besten SluSweg aus dem sturmvollen VerfaffuugS- conflict im Innern und zugleich den Punkt darbot, die Hebel für seine auswärtige Politik anzusetzen Mit oder ohne Oesterreich und den deutschen Bund würde er an die Eroberung Schleswig-HolsteiilS ge-

sprechen werden, die wie der Cultusminifter eS hat an der Geschicklichkeit fehlen lassen, die Schäden des Systems durch geistreiche AnSkunstSmittel zu ver bergen, der Minister v. Bismarck sei nicht oaS Werk zeug zu einer schöpferischen Organisation, der Träger dieses Ministeriums sei in der gesetzgeberischen Or­ganisation nicht glücklich gewesen und müsse sich zurück ziehen, um einem Reorganisations-Ministerium Platz zu machen. Wenn die „Voss. Ztg." ihren Lesern solche Phrasen bieten kann, so möchte man wohl fragen, ob die Leser des Blattes zufrieden wären, wenn eines Morgens BiSmarck entlassen und Herr Richter Minister wäre. Die ganze phrasenreiche, aber inhaltslose Ausführung der „Voss. Ztg " wirb aber noch mehr dadurch gekennzeichnet, wenn man erwägt, daß vor wenigen Tagen die „Voss. Ztg "dieErfolge der Politik Bismarcks nach Außen und Junen aus- drückiich anerkannt hat.

Anläßlich der von einem brasilianischen Blätte geäußerten Besorgnisse über die Beziehungen Deutsch­lands zu Brasilien erklärt die „Nordd. Allgem. Ztg.," daß die Beziehungen beider Länder so freundlich seien, als sie je gewesen. Der Zwischenfall, welcher eine Trübung hätte herbeisühren können, sei durch daö Entgegenkommen der brasilianischen Regierung in einer Weise erledigt, welche nur die Erinnerung an dieses entgegenkommende Verhalten zurückgelassen habe. Die in Aussicht stehende Uebungsfahrt weide, selbst wenn sie die Richtung nach den brasilianischen Gewässern einschlage, des demonstrativen oder gar feindlichen Characiers entbehren. Von einer Verstimmung gegen Brasilien könne keine Rede fein.

Berlin, 21. Jan. Seit einiger Zeit verweilt hier der Bildhauer Karl Kauer aus Kreuznach, um im Auftrage eines schweizer Kunstfreundes ein Stand - bild des Fürsten Bismarck in Marmor auszuführen resp. zunächst das Thonmodell herzustellen. Der Fürst hat dem Künstler die nöthigen Sitzungen dazu gewährt und ihm in seiner-Wohnung einen geeigneten Arbeits­raum eingeräumt. Die Arbeit ist bereits ziemlich vor­geschritten und erfreut sich des Beifalls sowohl des Fürsten als dessen näherer Umgebung. — Vergange­nen Donnerstag wurde im Kriegsrninisterial Gebäude das von den öfficicren und Beamten des Kriegs- Ministeriums und der Marine dem Hrn. Kriegs- Minister Grafen v. Roon aus Anlaß seines vor Jahresfrist Statt gefundenen 50fährigen Dienstjubi- läumS gewidmete Portrait desselben durch die aus beiden Ressorts dazu abgeordnete Deputation feierlich übergeben. — Der Abgeordnete LaSkcr ist durch ein Halsleiden au seiner parlamentarischen Thätigkeit verhindert.

Darmstadt, 21. Jan. Die Prinzessin Alice von Großbritannien, Gemahlin des Prinzen Ludwig von Hessen, welche bisher als treue Pflegerin am Krankenbette ihres Bruders, des Prinzen von Wales, weilte, ist, nachdem alle Befürchtungen für das Leben de» letzteren beseitigt sind, von London hierher zu­rückgekehrt.

Mainz, 20. Januar. Vergangenen Mittwoch wurden die letzten Chaffepot - Diebstähle vor dein Assisengericht verhandelt und endigten mit Verurthei-- lung zweier Bctheiligten zu zum Theil schweren Frei­heitsstrafen. Dem „Franks. Journ" zufolge spricht

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der durch Erziehung und Tendenzen mehr der Mann der parlamentarischen Regierung ist, einmal gesagt: gangen fein, die er für eine lediglich preußische An­gelegenheit auffaßte. Natürlich blieb ihm nachher die Verlegenheit zu beseitigen, welche seinen Plänen die Mitwirkung Oesterreichs an dem Kampf und dessen Mitanrecht an der Eroberung bereitete. So ging er denn mit der deutschen VersassungSfrage gegen den Bund vor, entschlossen, es hierbei auf Biegen od.r Brechen anfemmen zu lassen Tie Folge war der Ausbruch des österreichischen Krieges im Jahre 1866 und nach dessen überraschend glänzendem AnSgang die sofortige Fundamentirung der längst gehegten Ideen Bismarck's: Vergrößerung Preußens durch die Annexionen, die ihm in erster Frage standen; Errich tung eines Norddeutschen Bundes mit Ausschluß Oesterreichs und Ausdehnung wenigstens der militä rischen und handelspolitischen Machtsphäre Preußens durch die besonderen Verträge mit Süddeutschland und durch Einsetzung deS ZollparlameniS.

So war die Hauptsache der Bismarck'schen Politik erreicht, die neue Ordnung in Deutschland hergerichtet, und die Macht deS Werkes trug die Bedingung der Fortentwickelung in sich. „Ich wußte nicht," äußerte sich BiSmarck nach diesem Erfolg, dem alle Welt willig oder mißtrauisch sich beugen mußte, „daß ich ciiiit eine Rolle spielen sollte; aber damals schon (als Bundestagsgesandter in Frankfurt) faßte ich den Plan, den ich jetzt auSzuführen suche, nämlich Preußen von Der österreichischen Pression zu befreien und mit ihm wenigstens denjenigen Theil Deutschlands, der durch

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man abermals von unerklärlichen Lücken in den Vor- räthen. Thaisache, behauptet das Journal, ist ferner, daß, nachdem die belgischen Unterhändler verschwunden sind, sich nunmehr englische Firmen eingestellt haben, welche Gebote bis zu 48 FrcS. per Stück, aber ver­geblich, gethau haben. Wie eS scheint,, besteht höheren Orts nicht die Absicht, die eroberten Handwaffen zu verkaufen, sondern es ist deren vollständige Herstel- ung in kürzester Zeit befohlen werben.

München, 20. Jan. Die Redaktion des kleri- calen „Vaierlaud" behauptete vor einigen Tagen, der ehemalige Minister deS Aenßern, Graf Bray, habe ihr gegenüber erklärt, „der Versailler Vertrag gilt glück­licher Weise gar nicht, wenn ihn die Kammer vewirft. Ich habe beim Abschluß darauf gerechnet, daß ihn die Kammer verwerfen wird." Eine, dem genannten Blatte, vom Ministerium des Aeußern zugegangeite Berichts gung erklärt nun nach Erkundigung an beteiligter Stelle, daß Gras Bray diese Aeußerung nicht gemacht habe und die betreffende Erzählung unwahr und er­funden sei.

Oesterreich - Ungarn.

Wien, 20. Jan Laut der „Wiener Zeitung" hat ber Kaiser nach Eintreffen der Nachricht von der Lebensrettung des Czaren diesem sofort auf telegra­phischem Wege beit warmen Ausdruck seiner Theil- nahme übermittelt — Die pesther „Reform" erklärt die Mittheiluug des „Vaterland" über die Rebe de« Grasen Andrassy beim Empfange ber Katholiken- Deputation für unrichtig; insbesondere sei baS, was wörtlich citirt würbe, falsch. Gras Andraffy habe nicht gesagt: „Er kenne keinen katholischen Staat, der dem Papste ein Asyl böte," sondern: „er kenne keinen katholischen Staat, ber dem Papste in Bezug auf den kirchlichen Beruf ein besseres und geeignetere- Asyl bieten könnte, als dies der Vatican ist."

Frankreich.

Paris, 20. Jan. In brr gestrigen, stürmisch er­regten Nationalversammlung versuchte Thiers in der Steuerfrage einen Compromiß mit seinen Gegnern, in­dem er durch Casimir Perier, den Minister des Innern, den Antrag stellen ließ: 1) Zulassung des Principl der Steuer aus Rohstoffe; 2) Verweisung der Zoll­sätze an eine specielle Commission, nm dieselben zu prüfen; 3) vorhergehende Discussion und Abstimmung über die übrigen Stenerprostcte; 4) Herauzieheu der Steuer auf Rohstoffe, um das Deficit zu decken, welches dann noch im Budget besteht. Thiers selbst sprach von ber Tribüne für biefen Antrag und griff dabei die Versammlung heftig an. Aber diese nahm mit 367 gegen 297 Stimmen cituii Antrag Feray'S an, ber Die Wahl einer Commission Behufs Prüfung bet Tarife vorschlägt, aber das Princip ber Steuer auf Rohstoffe sich Vorbehalten und ausbrücklich sagen will, baß die Kammer entschlossen ist, nur bann auf Dasselbe zurückzugreifen, nenn sich bie Unmöglichkeit völlig herauSgestellt haben wirb, baS Bubget auf an­dere Weife ins Gleichgewicht zu bringen. Die Re­gierung war Damit auf allen Punkte» geschlagen. — Die noch rückständigen Wahlen in den Departements Eure und Cote»-du-Nord werden gleichzeitig mit Denen von Corsica am 11. Februar ftattfinDen. In den CoteS-dn-Norv tritt Glais Bizoin, in Eure wahr­scheinlich der Herzog Albusora, Imperialist, auf.

und jetzt wieder unter Kaiser Wilhelm und dem jungen Fritz den wäljchen Erbfeind geklopft und gedroschen haben, bis er g-7 1 wieder sein sauve qui pent rufen mußte.

Der bei der vorzüglichen Ausstattung sehr billige PreiS «stste i (L Bändchen, geheftet, Sgr, gebunden 10 Sgr) wird »it biV

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Was liegt daran, wenn man mich aushängt, wenn nur mein Strick Ihren Thron fest an das reine Deutschland bindet."

(Fortsetzung folgt.)

Literarisches.

Haideland un Waterkant. — Unter diesem Titel kommen jetzt im Verlage von Franz Lipperhaide in Berlin „WillemSchröber's plattdütsche Geschichten und Gedichten" in einer neuen Gesammt - Ausgabe heraus, welche sicher bei allen Freunden ber plattdeutschen Muse eine willkommene Aufnahme finden wird. Von den beiden ersten, soeben erschienenen Bändchen dieser neuen Ausgabe enthält das erste den „Tambour van Waterloo". Diese Dorf­geschichte aus ber Lüneburger Haide führt norddeutsches Leben und Wesen des Adel- und Bauernstandes in so meister­hafter Schilderung vor, daß die Kritik die norddeutsche Dorf­geschichte mit vollem Fug Berthold Auerbach's berühmten Erzählungen an die Leite setzen darf. Ter „Tambour van Waterloo" liegt nun schon in zweiter Auflage vor, während bas zweite Bändchen: „Hinnerk Swinegel's Lebens- loop un Enne in’n Staate Muffrika" feit 1867hier