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Alarkurg, Sonnabend, den 20. Januar.

1872

Lderhesfische Zeitung

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Meister Greineiscn und die Bedienungsmannschaft der Geschütze halten, während Philipp von Waldeck sprach, ihren Posten verkästen gehabt und sich, um besser zu hören, nach vornen gedrängt, nun halte eS Mühe, bis sich Jeder wieder zurecht fand. Endlich war Alle» in Ordnung und der Zunftmeister der Lchmiede im Begriff, den Befehl zum Abfeuern der Stücke zu geben da flog das Schloßthor auf unwillkürlich stemmten die Bordechen der Belagerer

alljährlich die Zulagen oder Remunerationen nachzu- I weisen, welche die mit dem Bau von Staatseisenbahnen

betrauten Staatsbeamten aus den BaufondS erhalten", wird abgelehnt, nachdem sich der HandelSminister gegen - denselben ausgesprochen. Bei den einmaligen und außerordentlichen Ausgaben beantragen die Commi : sarien des Hauses:Die Regierung aufzufordern, di 1 Entwickelung deS Eisenbahnwesens auf denselben I Grundlagen, wie eS nach dem vorliegenden Etat für

einzelne Privatbahnen beabsichtigt ist, zu fördern, ins­besondere aber die gesetzliche Regulirung der Sub­vention von Eisenbahnen, die vorwiegend einem localen Interesse dienen, in ernste Erwägung zu nehmen." Der Finanzminister Camphaufen bekämpft diesen Antrag , da die Verschiedenheit der localen Interessen eine einheitliche Beurtheilüng der SubventionSnolh Wendigkeit nicht zulaste. Der Antrag wird abge­lehnt; die Ausgaben werden bewilligt und hiermit ist dieser Etat erledigt. Es folgt der Etat der Ver­waltung für Berg-, Hütten- und Salinenwesen. All­gemeine Besprechung: Abg. Berger (Witte) richtet die Bitte an die Regierung, mit dem Verkauf« der kleinen fiScalischen Bergwerke energisch vorzugehen, aber dafür Sorge zu tragen, daß dieselben nicht etwa in den gierigen Rachen eines GründungScomite'S fallen. Er, ergreift hier diese Gelegenheit, um öffentlich ein gründliches Wort gegen jenen Unfug, gegen jene höhere Gaunerei zu sprechen. (Beifall). Der HandelS- minister erklärt sich damit einverstandm. Heber bie Berechtigung der Staatsregicrung zur Veräuße­rung von StaatSeigenthum erhebt sich bei dieser Ge­legenheit eine Erörterung zwischen dem HandelSminister und dem Abg. Virchow, indem Letzterer gegen das eigenmächtige Verfahren der Regierung bei Verkäufen cljne Zustimmung deS Landtags Protestirt und eine ernste Anregung dieser Angelegenheit Tn Aussicht stellt. Der Handelsminister beruft sich auf die biS- jerige Praxis und wünscht, daß man ihm ein Gesetz nenne, welches dieser Praxis eulgegenstehe. In vielen Fällen sei die Einholung der Zustimmung des Land­tags zu Veräußerungen von Staatsgut rein unmöglich. Auch der Finanzminister gibt diese Erklärung ab und meint, daß das Haus nicht in der Lage sei, ch augenblicklich über ein« unwillfährige Haltung der Regierung zu beklagen unit daß man wünschen müsse, tatt in fortwährender HaH in Ruhe und Frieden zu leben. Hiermit ist die allgemeine Besprechung ge chlossen. Schluß der Sitzung nach 4 Uhr. Nächste

Der Tag z« Kassel.

Historische triäblung aus der Jugendzeit Philipp des Großmüthigen.

Bon W. Bennecke.

(Fortsetzung.)

aber statt eines wild ausfallenden Hau­fen- Landsknechte erschien, beleuchtet vorn Scheine

Kam Landtage.

Hau- der Abgeordneten. 19. 'Plenarsitzung vom 17. Januar 1872. (Fortsetzung.)

Bei den Einnahmen, Cap. 1, (Niederschlesisch- Märkische Bahn) beantwortet der Handelsminister eine m ihn gerichtete Anfrage, wann man den Bau der

Graf von Waldcck!" nahm dann Hellwig Wenzel das Wort,Eure Rede in Ehren! Wir trauen den sächsischen Herren nicht Leicht könnte es geschehen, daß wir frei in das Schloß gingen und dasselbe nim­mer frei verließen. Gebt uns den Landgrafen, dessen treue Unterthanen wir sind!"

Gebt uns den Landgrafen! Gebt uns unseren Herrn!" schrieen die Zünfte.

Verblendete Männer!" begann Philipp von Wal- deck aufs Neue.Was Ihr verlangt, kann und wird Euch niemals gewährt werden! Stehel davon ab! Ver­trauet meinem Wort!"

Wir wollen hessisch bleiben und nimmer sächsisch werden! Gebt unseren Herrn frei!" rief eine Stimme auS der Färberzunst.

Der Graf von Waldeck machte eine abwehrende Handbewegung und trat von der Rampe zurück. Minutenlang herrschte auf dem Schloßhofe tiefe Stille, nut ein dumpfes Grollen von der Seite der Stadt her war vernehmbar.

Bahn von Waldenburg nach Neurode in Angriff zu nehmen gedenke, dahin, daß diese Bahn sehr kostspielig sein werde und er keine bestimmte Erklärung abgeben könne, wann eine hierauf bezügliche Vorlage werde gemacht werden können. Bei Cap. 2 spricht der Abg. Weber (Erfurt) den Wunsch aus, eS mögen zweckmäßigere Einrichtungen bei dem Personenverkehr auf der Berliner Verbindungsbahn getroffen werhen; er richtet auch an den Minister die Frage, ob für den Weiterbau dieser Bahn von Schöneberg nach Moabit noch Mittel vorhanden seien und ob noch in dieser Session eine hierauf bezügliche Vorlage erwartet wer­den könne. Der HandelSminister erwidert, daß die Veranlagung der Kosten für diese Bahn im Gange sei, Mittel zu deren Bau sich aber nicht vorfänden. Ob noch in dieser Session eine Vorlage erfolgen werbe, könne er noch nicht sagen. Bei Cap. 6 (Hannöversche Bahnen) t-tlagt der Abg. Lauen st ein ! den Mangel an Betriebsmaterial, der so fühlbar sei, daß die Bahnen nicht einmal den Transport des Salzes von Lüneburg nach Mecklenburg ermöglichen können. Es werde bei den Hannöverschen Bahnen mit einer ju großen Sparsamkeit verfahren und auch das Arbeiter- und Beamtenpersonal reiche nicht auS. Sei Cap. 7 (Bebra - Hanauer Eisenbahn) fragt der Abg. Ziegler (Hanau), wann die allsettig als noth- wendig anerkannte Bahn von Hanau nach Friedberg »erde in Angriff genommen werden. Der Handels- «nister versichert, daß diese Bahn eine der ersten roter den in Aussicht genommenen sei. Alle Wünsche könnten allerdings nicht auf einmal befriedigt werden Die Einnahmen werden genehmigt. Bei Cap. 13 (Centralverwaltung und Eisenbahncommissariat) der Ausgaben nimmt daS Haus nach einer Befürwortung feiten« des Abg. Dr. Harnmacher folgenden Antrag der Commistarien an:Die Regierung aufzufordern, den Häusern des Landtages noch in der gegenwärtigen Session ein Gesetz über die Organisation und rechtliche ! Stellung der Eisenbahncommissariate vorzulegen." Ein Antrag des Abg. Thomsen:Die Regierung l airfzusordern, in dem Etat der Eisenbahnverwaltung

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Uhr

-. _ £. , . 'Marburg, 19. Januar.

DieNattonalzeitung" schreibt: Der König hat gestern Abend die Entlassung des CultusministerS vollzogen Der König behielt sich vor, von den Diensten des Ministers später noch Gebrauch zu machen Die Ernennung eines Nachfolgers steht noch auS. Die Kreuzzeitung bezeichnet die Gerüchte, welche neuer­dings den Grafen Kayserlingk für den in Erle- btgung kcmmenben Poften eines EultusministerS in den Vordergrunb stellen, als haltlos, glaubt aber zu »tffen, daß Kayserlingk für eine andere, mit dem CultnSreffort im Zusammenhang stehende Stellung in Betracht gezogen werde. - Nach einer dreitägigen ?emlteJn ber sächsischen zweiten Kammer ist die Vorberathung deS Verwaltungsorganisationsgesetzes geschlossen und das letztere an die betreffende Depu­tation zur weiteren Prüfung und Berichterstattung ver- wlesen worden. Der Mnister des Innern trat noch- maW mehreren Rednern der Rechten gegenüber mit Entschiedenheit für die betreffende Vorlage ein und eS chewt bie Aussicht begründet, daß das Gesetz seiner Zeit durch eine starke Mehrheit werde angenommen werden.

Das österreichische Abgeordnetenhaus ge­nehmigte in seiner Sitzung am 17. d. M. ;u zweiter Lesung den Tclegraphenvertrag mit Deutschland In den Club der Verfassungspartei sind bisher im Ganzen 88 Abgeordnete eingetreten. Die Minister, welche dem Abgeordnetenhause angehören, sind demselben nicht bei- getreten, stehen jedoch mit ihm in ununterbrochener Berührung. - DaSVaterland" berichtet über eine Audienz welche mehrereum daS Schicksal de« P -vsteS besorgte Katholiken bei dem Minister deS AuSwär- tlgen Grafen Andrassy, gehabt hätten. Letzterer habe mit dem Hinweis auf die Anerkennung der letzthin vom Papste ernannten drei italienischen Bischöfe durch Italien die Behauptung bestritten, daß der Papst nicht ret ser die österreichisch-italienische Freundschaft und d,e Noihwendigkett, eine friedliche Politik einzuhalten etont und schließlich geäußert, daß er keine katholische Macht auch Oesterreich nicht, wüßte, welche dem Papste ein Asyl zu gewähren in der Lage wäre. Die deaklschen Blätter PeftS halten die zu Wien begonne­nen und in Agram fortgesetzten Verhandlungen zum Zwecke des Ausgleiches zwischen den beiden kroatischen

der Hand eines weißgelockten Greises Philipp von Hessen an der Hand Philipps von Waldeck.

"Hi" ist Euer Landgraf, Euer Herr!" rief Waldeck.

Herl Philipp!" tönte es aus Hunderten von Kehlen undHoch Philipp, hoch Hessen!" donnerte es rings um das Landgrafenschloß. Amrhein, bie Zunftmeister und die dem Thore zunächst Stehenden waren aus die Knie gefallen und halten die Hände zum Etdfchwur emporgereckt.

Steht auf, liebe Meister!" sprach Philipp von Hefsen, und die klare Knabenstimme schallte weitbin über den Platz, Ich danke Euch Allen, Ihr guten Burger von Kassel, für die Treue, die Ihr heute mir erwiesen, werde eS Euch nimmer vergessen und Euch Ms em gnädiger Herr sein! Jetzt aber legt die

meder und geht heim! Wir stehen allerwegen in GotteS Hand!" ö

, "Nein, Nein! Wir lassen unseren gnädigen Herrn mch langer tn der Sachsen Hände! Nein, bei Gott

slserte Greineisen, der sich vorgedrängt hatte.

Nein! Nein!" wiederhallte es hinter ihm.

Bürger von Kaffel!"ahm der Graf von Waldeck daS Wort,Ihr stellt die Langmuth der gnädigen Obervormünder auf eine schwere Probe! Aber sie wollen die erste Stadl im Lande ihres Mündels nickt in Trauer und Kummer versenken und bieten Euch an

aus Eurer Mitte in's Schloß zu entsenden, die sich um des jungen Landgrafen Gnaden aufhalten können, wies ihnen gefällt. Dies ist das letzte, was die gnädigen Fürsten Euch bieten!" '

Die Meister traten zu einer kurzen Berathung zusammen, und bald erschienen Balser Amrhein und Grelnetsen, der Schmied, bei Philipp von Waldeck und erklärten, daß die Bürgerschaft die Dorsckläge ber Overvormunder angenommen und sie gewählt worden feien, beni Landgrafen in'S Schloß zu folgen

Bei Gott steht der AuSgangI" rief endlich Hell wig Wenzel tief aufseufzend.Meister Greineisen, wir warten auf Euch!"

Nu"g Freitag, 19. Jan. 11 Uhr. Tagesordnung: Etat, Petitionen und Wahlprüfungen. S

,. "Es ist uns zu Ohren gekommen, daß unser gnä

*8? junger Landgraf nach Sachsen geführt werden . ,U! Das leiden wir nimmer! Das ist gegen jedes [Ht. Daher gebt unfern Herrn frei, gebt ihn uns, j getreuen Bürgern!" antwortete Balser Amrhein. __ Zollte er aber schon da- Schloß oerlaffen haben, so )*,r lcDt> wir nicht ruhen, bi- wir ihn dahin zurückae- jI^cht haben!" ö

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Hunderte von rüstigen Burschen hielten bei diesem wfe den Äthern an und faßten die Waffen fester in M nervigen Fäusten, mancher ehrbare Meister sprach W ein Stoßgebetlein. Ehe aber das verhängnißvolle la«i .Feuer" von des Schmiedes Lippen kommen konnte, »A ^hellten sich die Fenster in dem über dem Thor ge- e if Szenen Thcil des Schlosses und begleitet von Fackel- igS ^crn erschien Graf Philipp der Weitere von Wal 13! °ctk auf der Rampe über dem Thor. Er war im ein- r~ Nen Hausgewand und trug weder Waffen noch Wehre.

j, "Bürger von Kassel!" sprach der Greis mit weih 5* schallender Stimme.Zum zweiten Male muß ' i S heute meine Stimme erheben, um Euch aus den Jo" ^8 der Pflicht zurückzuführen! Welcher böse Geist heute unter Euch, daß Ihr zweimal an einem 18 den Frieden brechet Was führt Euch bewaffnet dieser Stunde in Eures Herren Schloß?"

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"Bei meiner Ehre und auf mein ritterlich Wort", _ 60" Esbeck der junge Landgraf -----------, .............. vcl ^lBgtIcr

Za Schlosse und nur gefährdet durch Euch, ihre Hellebarden in den Boden und hoben die Schwerter wet die Führer Eurer Zünfte herauf, und sie fol- und Aexle -<'>- -

__. ptH jungen Herrn von Angesicht sehen." [<-*» erjagen, oeieuffitet vom tzpcp Erne kurze Berathung fand auf diesen Vorschlag statt, der Fackeln und Windlichter ein blonder Knabe