Marburg, Mittwoch, den 17. Januar.
1872
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Oberhessische Zeitung
firftbeint täglich außer den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da- Quartal der Oberhesfische» Zeitung mit KreiSblatt durch die Expedition (Koch'sche Buch druck er ei) bezogen 88j Gar., durch die Postämter 87 Ggr. 6 Pfg. (excl. Bestellgebühr und incl- Stempelsteuer), für dar Ausland excl- Stempel 88 Ggr. — JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 1 Sgr. Sämmtliche Annoncen-BüreauS nehmen Inserate an-
Bergwesens, ferner die Rechnungsnachweisungen des
Preußens nicht ganz würdige Finanzspeculation auf I Ministerium» des Aeußern und deS Justizministeriums das Reich. Vor 1866 ist die große Politik nie von! pro 1869.
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^Marburg, 16. Januar 1872.
Die noch in dm letzten Tagen als zweifelhaft gemeldete Nachricht von dem Rücktritt des CultuSmini sters v. Mühl er wiro im heutigen Blatt der „Kreuzzeitung" bestätigt, indem sie sagt, „der Rücktritt deS Kultusminister- wird wahrscheinlich erfolgen, ein Nachfolger fei noch nicht ernannt." — Der deutsche Botschafter Graf Bernstorff in London ist mit Gemahlin nach Berlin gereist, um auf Befehl deS Kaisers dem bevorstehenden Orden-feste beizuwohnen. — In Stuttgart haben gestern die Setzer die Arbeit eingestellt. Gegen dreihundert feiern. Viele derselben sind abge- reist. Die Polizei warnt in Maueranschlägen vor Gewaltchätigkeiten. DaS Weitererscheinen der Zei tungen ist gesichert. — Die baierische Abgeordnetenkammer genehmigte in ihrer gestrigen Sitzung mit Einstimmigkeit die Rechnungsnachweisungen bezüglich des
doch preußischer Beamter, möchte auch nicht zulasten, daß ich als Ausländer betrachtet werde. DaS Sinan gement mit den kaiseAichm Commissarien wäre eine
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durch eine Reihe vo» Manövcrn und Bestechungen in den Gerichtshöfen, an der Börse und in Wall-Street die Herrschaft über die genannte Bahn verschafft hatte, und wie er bis zum letzten Augenblicke seines Lebens diese Gewalt dazu benutzte, um der Gerechtigkeit und
Ehre ins Gesicht zu schlagen und die Actionäre zu
plündern. Wo er die Richter nicht kaufen konnte —
und meist konnte er er nur gar zu leicht —, da
wußte er mit unvergleichlicher Schlauheit und Unver- schämtheit die Maschen des Gesetzes so auseinander zu ziehen, daß er bequem hindurch spaziren konnte. Auf die eine oder andere Weise erreichte er stets sein Ziel; die Einkünfte einer sehr werthvollen Bahn stoffen ganz ausschließlich in seine Tasche, und wo dies für seine unerhörte Verschwendung nicht ausreichte, da verkaufte er neue Actien, so viel er wollte, oder so viel er los werden konnte. Kurz, FiSk war einer der größten und gemeinsten Jndustrieritter seiner Zeit; nicht verstohlen, sondern offen verfolgte er seine Zwecke, und den Tausenden von Actionären, welche arglos in seine Falle gegangen waren, gelang es erst vor ganz kurzer Zeit, und zwar nach zweijährigem harten Ringen, einige gegründete Hoffnung auf Sicherung ihres Rechtes zu erlangen. WaS das Privatleben Fisk'S anbetrifft, so stand e« mit seiner Jndustrieritter- sckaft im Einklänge. Sein Opernhaus und seine Gelage, der „permanente Harem", mit welchem die Operntruppe ihn versah, und die nächtlichen Orgie» — alle» dies war Stadtgespräch in Newyork, und er selbst und seine Creaturen pflegten sich der Art und Weise zu rühmen, wie da- Geld gewonnen und wie es wieder verschleudert wurde. Die Kugel des Meuchelmörders und ein ehrloses Grab ist das paffende Ende einer solchen Laufbahn. Am 3. Januar stürzte er auf dem Corridox de» Grand Hotel von drei
Die Polen im Abgeordnetenhaus des diesseitigen Oesterreich haben beim Beginn der Adreßdebatte am Sonnabend ihre Stellung zu den beiden wichtigsten Fragen des Augenblicks sehr bestimmt bezeichnet. Sie kündigten nämlich ein Amendement an, welches die Trennung der galizischen Frage von der Wahlreform' verlangt. Sie jeftehen also auf ihrer Forderung neuer exceptioneller Stellung in Oesterreich. Der Ministerpräsident gab aber nach dem Schluß der Generaldebatte die bestimmte Erklärung ab, daß die Regierung auf dem in der Thronrede ausgesprochenen Programm bestehen bleibe. — lieber die diplomatischen Reformen, welche Graf Andrassy beabsichtigt, verlautet in Wien, daß dem Rothbuch ein Ende bereitet werden soll. „Nichts al- der Umschlag soll davon übrig bleiben", soll Graf Andrassy gelegentlich geäußert haben. Bekanntlich ist einem Antrag der ungarischen Delegation schon das übliche Expose zum Opfer gefallen. Der Hauptbeweggrund für Beseitigung des Rothbuches sind die Unbequemlichkeiten, die gelegentlich durch Interpellationen der auswärtigen Mächte über die dort veröffentlichten Schriftstücke verursacht wurden. — In der gestrigen Sitzung des Herrenhauses brachte der Finanzminister das Budg-t für 1872 ein und wurde dasselbe sofort einem auS 21 Mitgliedern bestehenden Ausschüsse überwiesen. Der Adreßcutwurf. wurde hierauf unverändert und ohne Debatte angenommen. — DaS Unterhaus nahm in feiner gestrigen Sitzung, nach Ablehnung des Amendements auf Trennung der galizischen Frage von der Wahlreformfrage, den vom Ausschuß beantragten Adreßentwurf unverändert an. — In Pest brachte im U"terhause am Sonnabend Majoros einen Gesetzentwurf ein, betreffend die Eman- cipation der Frauen.
DaS officielle Blatt der französischen Republik enthält folgende Note: „Da Se Excellenz der Herr Graf v. Arnim am 9. Jan. die Schreiben überreichte, welche ihn in der Eigenschaft eines Botschafters Deutschland- bei der französischen Regierung beglaubigen, und da Se. Excellenz der Herr Graf von Gontaut-Biron von Sr. Majestät dem Kaiser in der Eigenschaft eines Botschafters von Frankreich empfangen worden ist, so sind die diplomatischen Beziehungen zwischen beiden Ländern wieder auf den normalen Fuß gesetzt. Aus diesem Grunde hat die specielle Mission, welche bei dem Obergeneral der OccupationS- Armee hergestellt worden war, ihr Ende erreicht. Die dringlichen und localen Fragen, welche aus der militärischen Occupation entspringen, werden in Zukunft
No» Landtage.
HauS der Abgeordneten. 18. Plenarsitzung vom 15. Januar 1872.
Der Präsident v. Forckenbeck eröffnet die Sitzung Mittag- 11'4 Uhr. — Der Abg. Gerstenberg hat sein Mandat niedergelegt. — Am Ministertische: Fürst Bismarck, Minister Eamphausen, Legationsrath von Bülow. — Das Haus vermeist einen Antrag des Abg. Heyse, auf Erhöhung der Reisekosten, Diäten rc. für die Beamten an die Budgetcommission. — Das Civilbeamtenpensionsgesetz geht an eine besondere Commission von 14 Mitgliedern.
Das Haus fährt in der SpecialdiScussion deS Etats fort: Aüswärtige Angelegenheiten. LegationS- rath v. B ü l o w erläutert den Etat, der an Ausgaben 133,000 aufweist, d. h. 56,000 Thlr. mehr als pro 1871. Dieses Mehr ist zum großen Theile dadurch entstanden, daß die Gesandtschaften in Karlsruhe (11000 Thlr.), Darmstadt (9000 Thlr.), München (16700 Thlr.), Stuttgart (11600 Thlr.), auf den preußischen Etat übernommen worden sind. — Abg. Dr. Löwe bekämpft wiederum da» Aversum von 30,000 Thlr. an daS Deutsche Reich für die Besor gung speciell preußischer Angelegenheiten. Viele dieser Arbeiten könnten durch einen CommissariuS abgemacht werden; das Beispiel Preußens mit dem Accreditiren von Gesandten an deutschen Höfen werde von anderen deutschen Staaten nachge.hmt, und daS sei bedenklich. Der Militärbevollmächttgte in Baiern, für den 2000 Thlr. gefordert werden, mag nothwendig und noth- wenditzer sein, als derjenige in Frankreich und Ruß land; aber — das ist doch kein specifisch preußischer Posten, denn wir haben nur R e i ch S militärangelegen beiten. — DaS Aversum von 30,000 Thlr. hat der Steuerbehörde gegenüber die Bedeutung, daß die Beamten deS Auswärtigen den Charakter preußischer Beamten behalten. Tas Aversum ist nicht correct und hat diese nicht correcte Consequenz. — Fürst Bismarck: Vorredner hat stets über diese Angelegenheit gesprochen, Tadel daran geknüpft; er hat aber nie gesagt, wie eS anders zu machen sei und das würde ihm auch schwer geworden fein. Er entwickelt viel Beredsamkeit aber nicht so viel Logik. Ich beziehe mein Gehalt aus der BundeSkasse und bin
uns im Süden verhandelt worden; für die Unterhaltung der Gesandtschaften dort waren andere Gründe maßgebend, und zwar war ihre Hauptaufgabe, eine Verständigung über die Stimmabgabe am Bunde, und auf diese Stimmabgabe einzuwirken, und jetzt ist die Stimme im Bundesrathe, der über das Wohl und Wehe von 24 Millionen Preußen mit entscheidet, viel wichtiger, als damals im Bundestage, darum ist es auch viel wichtiger jetzt Gesandtschaften im Süden zu unterhalten, denn wir haben Rücksicht auf die Stimmung des GesammtministeriumS und auf die des eigenen Landtags zu nehmen. Mit kaiserlichen Com- misfaricn kann ich eine Correspondenz für solche Zwecke nicht führen, kann nicht fordern, daß Baiern Matricularbeiträge zahle dafür, daß Preußens Stimme in München zur Geltung gelange. Die Politik muß nur von practischen Gesichtspunkten aus betrachtet werden; sie ist eine practische Wissenschaft. — Der Militärbevollmächttgte in München ist ein Hülfsarbeiter der preußischen Gesandtschaft, der Verständigung über gemeinsame Einführungen anzustreben hat, wir der Gesandte in politischen Angelegenheiten. Ich bitte dringend, davon überzeugt zu sein, daß Gesandtschaften zum unentbehrlichsten Handwerkszeug unserer Politik gehören. — Abg. Braun (Waldenburg): dem eben Gesagten ist kaum noch etwas hinzuzufügen; Redner geht auf Verhältnisse vor 1866 ein.
(Fortsetzung in nächster Nr.)
Der Tag zu Kassel.
Historische Erzählung aus der Jugendzeit Philipp des Großmüthigen.
Bon W. Bennecke.
(Fortsetzung.)
Hinter Thum war Taubenheim in das Zimmer getreten und jetzt erschien auch Boyneburg, gefolgt von Philipp von Waldeck und mehreren Dienern. Kaum hatte Wilhelm von Hessen den Landhofmeister erblickt, alt seine Aufregung zu steigen schien.
„Ha!" schrie er auf Boyneburg deutend, „seht Ihr den Bösen? Kennt Ihr ihn nicht? Doch ich habe ein Mittel!"
Ein an der Wand hängendes Schwert aus der Scheide reißend, schwang er e« gegen Boyneburg.
„Dies ist gerecht!" rief er. „Komm' heran, Satan, wenn Du e« wagst, gegen geweihte Waffen zu kämpfen!"
Die Adern auf de» Landhofmeisters Stirn schwol- kn mächtig an.
„Bringt den Narren zur Ruh!" befahl er, den Dienern winkend, dann ergriff er den Arm des jungen Landgrafen und zog ihn an sich.
„Kommt her, Junker! ES ist Zeit, Euch aus dieser Gesellschaft von Wahnwitzigen und Uebelgesinn- tat zu entfernen! Der Seiler wird sein Werk been bigt haben! Mit Euch, Doctor, werde ich später täten!"
Die Diener schickten sich an, auf Wilhelm von Hessen einzudringen. Da vernahm man einen ent iftnien dumpfen Schall, der sich schnell hintereinander wiederholte. Alle lauschten auf---- *
„Sie läuten Sturm in Kastel!" schrie ein hessi- ich«t Rottmeister, die Freitreppe heraufstürmend.
„Ein Hanse bewaffneter Bürger ist vom ober»
ogi lar i aff-lt uzel« voll« ähett _2! was
Baumgarten her in den Vorhof eingefallen!" keuchte ein alter Büchsenmeister hinter ihm.
„Verflucht!" rannte der Landhofmeister Philipp von Waldeck zu. „Ich ließ die Geschütze zurückziehen und stellte die sächsischen Knechte in den unteren Baumgarten, um des Landgrafen Auszug zu decken und ihren Argwohn zu verscheuchen, bis ich allein Herr im Schloß." Dann rief er laut, den jungen Landgrafen von sich stoßend:
„Graf Thum, versucht in den unteren Baumgarten zu gelangen unb führt die Knechte zum Ersatz herbei Ihr, Taubenhain, benachrichtigt die Fürsten von der Gefahr! Und jetzt die Thore zu, die Gitter 'runter, Alles an die Stücke! Zu den Waffen! Zu den Waffen! Wir wollen doch sehen Ihr Herren Bürger von Kassel!" — «
Bei der Verwirrung, welche das Sturmläuten und der Angriff auf das Schloß hervorgerufen, hatte Niemand auf Wilhelm von Hessen mehr geachtet. Der hatte plötzlich beruhigt das Schwert wieder in die Scheide gesteckt und Grebe unter den Arm fassend, benfelben an den Tisch gezogen.
„Laßt die Narren toben," flüsterte er ihm zu, „suchen wir den Stein der Weisen!"
(Fortsetzung folgt.)
Zäme» FiSk.
Unter der großen Zahl der amerikanischen Jndu- ftrieritter, welche durch alle Mittel, vom gemeinsten Betrug, der Bestechung rc. an bis zur Gewalt hinauf, zu Geld und damit zum Genuß deS Lebens in ihrer Weise zu gelangen streben, steht JameS FiSk oben an. Im Jahre 1868 wurde fein Name zuerst in Verbindung mit der Eriebahn genannt. Wer feit jener Zeit daS Wort Erieactte kennt, weiß, wie JameS FiSk sich
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