vcllständig zu genügen. Bei der Abstimmung entschied sich die Versammlung durch Stimmenmehrheit für ' Antrag Grocholski und Genossen und vervoll- stäudigte denselben durch den gleichfalls mit Stimmen- Mehrheit gefaßten Beschluß, daß die galizische Dele« aation den die Annahme der Resolutionsforderungen bezweckenden Antrag selbst beim ReichSrath einbringen miv letzteren nur dann verlassen werde, wenn dieser Antrag abgelehnt oder wesentlich modificirt werden
Frankreich.
Paris, 9. Jan. Zn den radikalen Kreisen haben die Wahlen vom letzten Sonntag keineswegs mißfalle», da man in der Provinz den größten Theil ibrer Kandidaten durchbracht«. Victor Hugo hat die Gelegenheit seiner Niederlage dazu benutzt, um eine Proclamation an das Pariser Volk zu erlassen. Ob- aieich dieselbe von allen Blättern, welche seine Wahl verlheidigt haben, gebracht wird, so hat dieses wahn- witzige Machwerk doch überall nur die Lachnerven gereizt oder auch Mitleid erregt. Dasselbe wiederzu- gcben, ist nicht der Mühe werth. —> Ter General Lacroix hat folgende Depeschen an den General Gou verneur von Algerien gesandt: Lager Blidet Amoer, 30 Dec. Ich habe Tuggurt heute Morgen verlasten; ich marschire auf Wargla; alle Mörder der Tirailleurs sind verhaftet worden. Lager Kekrik, 3. Jan. Nach einem langen und raschen Marsche ist der Kommandant Rose an der Spitze der Plänkler in Wargla eingerückt, welches er in der Nacht überfallen und genommen hat. Unter den Gefangenen befindet sich der Khalifa des Scherifs Duschucha; das Gerücht, welches BetrefsS deS Todes desselben verbreitet war, ist nicht begründet.
Großbritannien.
Loudon, 10. Jan. Der Herzog v. Gramont wird mit der harmlosen Unverschämtheit, womit er au» den Depeschen von Lord AugustuS LofluS nachzuweisen suchte, daß Preußen den Krieg vom Zaune gebrochen, selbst vor dem Versailler Untersuchungs- Ausschuffe und bei seinen übrigen Landsleuten wenig Glück gehabt haben. Im Auslande wird sich Niemand in dem Gewebe von Ausflüchten fangen lassen, mit welchem der frühere Minister des Auswärtigen seine leichtsinnige Politik zu verdecken meint. Die Times kann sich deS Spottes nicht enthalten, wenn sie die fonderbarm Widersprüche in den Aussagen des Her zvgs einander enrgegenstellt: der Kaiser zieht wider Willen in den Krieg, und doch hat er sich vorher Bundesgenossen verschafft, wie Gramont behauptet; nichts lag der französischen Regierung ferner, als der Gedanke an einen Bruch mit Preußen, und doch hatte sie, wie sie glaubte, Süddeutschland hinreichend bearbeitet, daß es gegen Preußen die Waffen ergriffen hätte, sobald nur ein französischer Soldat in die Pfalz eingerückt wäre. „Seit 1866", sagt die Times iw Weiteren, „hatten die luxemburger Frage, die belgischen Eisenbahnen, die Gotthardbahn und andere Dinge Gelegenheit gegeben, daö gegenwärtige Uebelwollen er kennen zu lasten. In allen diesen Fällen war die Welt überzeugt, erstens, »aß die Zwistigkeiten aus stanzösischen Anmaßungen entsprangen, zweitens, daß sie durch deutsche Nachgiebigkeit beseitigt wurden. Die Hohenzollcnsche Angelegenheit würde keine Ausnahme von der Regel gewesen sein. Aber Frankreich war nicht zufrieden mit dem Rücktritte des Thronbewerbers: e» stellte an Preußen Forderungen, welche dieses als eine vorsätzliche Beleidigung betrachten mußte, und als auf den Schimpf geantwortet würbe, zog die franzö- sijche Regierung »leichten Herzens« in den Krieg. Gramont ist aber entrüstet über Herrn Thiers, der die Behauptung, daß die Kriegserklärung eigentlich von Berlin ausgegangm sei, alS eine »amtliche Lüge« brandmarkte. Aber das einzige Beweisstück, welches der Herzog vorführte, ist die Depesche von Lord Augustus LoftuS vom 13. Juli 1870. Die englische Depesche aber ist nicht« weiter, als ein sonnenklares Zeugniß, daß BiSmarck seine Geduld so weit ausgedehnt hatte, daß eS Feigheit gewesen wäre, sie noch weiter anzuspannen. Gramont deutet an, daß nur die Angriffe deS Herrn Thiers gegen die kaiserliche Re gierung England daran verhindert hätten, einen starken Druck auf Preußen auszuübm, um nach Sedan gün stigc Bedingungen für Frankreich zu erwirken. Eine grundlose Behauptung. England hatte nie die Macht, in den Kampf einzugreisen. Vor dun Ausbruche des Krieges hätte cS vielleicht, indem eö, wie in dem luxemburger Falle, schwere Verbindlichkeiten auf sich genommen, den Tag de« Unheils hinauSfchieben, aber nicht abwenden können. Eine Einmiichung nach Sedan aber würde nicht den Frieden, sondern nur den Anfang eine» allgemeinen europäischen Kampfe» herbei- grführt haben."
Rußland und P»leu.
Petersburg, 7. Jan. Wie dir „N. Ev.-K- Ztg." erfährt, hat der im Sommer wegen Bücher- dirbstahls zur Verbannung nach Sibirien verurtheilte 0r. Pichler in den letzten Tagen de« November« seine Reise antretrn müstcn. Ein von ihm kurz vorher
Telegraphische Tours- und Marktberichte.
Frankfurt a. DL, 12. Januar. «Schluß der Börse). Staatsbahn-Actien 4!3$, Elisabeth 251, Galizier 267, Lombarden 229*. Nordwestbahn 229$, Creditactien 350$, Silberrente 64, Spanier 31%, 1882t Amerikaner 96, gekünd. 1882r Amerikaner 96, österreichische Nationalbank 861. 1860r Loose 93, volle französ. Rente 801, neue Ruffen 88$, öftere. Papierrente 56*4, Oberhessen 82V Bundes-Anleihe 100, 4j; Cons. Preußen 102$, 4 z Kurdessen 94 B-
Berlin, 11. Januar.(AnfangScourse). Creditactien201, Staatsbahn 235, Lombarden 125$, Amerik. — -
Wien, 11. Jan. (AnfangScourse). Creditactien 344.80, Lombarden 214.80, Staatsbahn 402, Napoleons 9.9$.
Berlin, 11. Januar. Weizen loco 68—84 Thlr., April-Mai 82 Thlr. Mai-Juni 81$ Thlr. Roggen Januar 564Thlr., April-Dtai 57$ Thlr. Mai-Juni 57$ Thlr. Hafer loco 48 Thlr., April - Mai 48 Thlr., Mai - Juni 46$ Thlr. (Alles pr. 2000 Psd.) Spiritus (pr. 100 Liter i 100«/« ohne Faß» Januar 23 Thlr. 20 gje. bis 23 Thlr. 23 Sgr., April-Mai 24 Thlr. 10 Sgr. bis ? • Thlr. 8 Sgr- Mai-Juni 24 Thlr. 11 Sgr. bis 24 Thlr. ■ Sgr.
Köln, 11 Januar. Weizen eff.. .„ hccsiger 9 Thlr. —. März 8 Thlr. 7. Mai 8 Thlr. 9$. Juli - Thlr. —. Roggen effectiv hies. 6Thlr. 17$ März5Thlr. 27. Mai 5 Thlr. 29. Juli — Thlr. —. (alles per 200 Zollpfund). Weizen matter. Roggen unverändert.
Hamburg, 11. Jan. Produktenmarkt. Weizen per Jan.-Februar per 2000 Pfd. — B , 160 ®.; per April-Mai per2000Pfd. netto — B-, 166 G- Roggen per Januar- Februar per 2000 Pfund — B- 112$ ®.; per April - Mai — B., 115 G
eingereichtes Gnadengesuch blieb erfolglos. Er wurde am 25. November mit anderen Milverbanmeu nach Moskau trausportirl. Dort bleibt er bis Ende April in dem für Verbannte bestimmten Gefängniß, und von da, sobald das Eis auf den Flüssen aufgeht, zu Schiffe nach Perm gebracht zu werden; dann beginnt die mühselige Wanderung über das Ural-Gebirge. Gegen Ende Juni langt der Verbannte in Tjumen an, einem Städtchen am Tura, einem Nebenflüsse des Tobol, etwa 300 Meilen von Moskau In Tjumen erhält er dann den Ort im tobolskischen Gouvernement angegeben, an dem er sich niedcrzulassen hat. — Dr. Pichler war in der Letzten Zeit, da die Hoffnung auf Befreiung schwand, sehr niedergeschlagen. In seiner äußeren Erscheinung unterscheidet er sich in nicht- von den übrigen Verbannten; er trägt dieselbe Kleidung, wie sie.
Indien.
In Betreff der Expedition der Engländer gegen die Luschai kursiren die abenteuerlichsten Gerückte. Die Luschai sind ein wilder und verwegener Volks- stamm, welcher die nordwestliche Hügelgegend des Königreichs Birma bewohnt und häufige Einfälle in das britische Gebiet unternimmt, die in letzter Zeit einen sehr bedenklichen Charakter angenommen haben. ES soll nämlich mehr al« wahrscheinlich sein, daß diese Einfälle von der birmanischen Regierung, und zwar im Einvcrständniß mit einer dritten Macht, aufge- muntert und unterstützt werden. Durch einen aufge- fangenen Brief sollen nämlich die Engländer zur Kennt- nitz gelangt sein, daß in jüngster Zeit nicht weniger als 60,000 Feuergewehre nebst entsprechender Munition durch das britische Gebiet selbst, folglich durch Vermittelung indobritischer Unterthanen, in das Land der Luschai geschmuggelt worden sind. Die Waffen sind also über'S Meer gekommen, und da die Luschai keine indirekten überseeischen Verbindungen mit anderen Ländern und auch nicht die Mittel haben, sich so ansehnliche Waffenvorräthe zu verschaffen, so sicht daS Einverständniß einer dritten Macht mit diesem kriegerischen Bergvolk außer allem Zweifel. Zu diesen Umständen gesellt sich auch die feindselige und herausfordernde Stimmung gegen England, welche sich in letzter Zeit am Hofe des Königs von Birma kundgab. Bekanntlich war Birma einst ein mächtiges Reich, welches sich bis an den bengalischen Meerbusen erstreckte, dem aber England zu Anfang dieses Jahrhunderts in kluger Voraussicht die westlichen und südlichen Küstenprovinzen von Aragan und Peku ent- riffen hat. Einerseits wird nun berichtet: es Halle sich am Hofe von Birma seit einiger Zeit ein fremder Agent auf, der den König zum Kriege gegen England zu ermuthigen suche, und ihm die Wiedereroberung der verlornen Provinzen und die Erwerbung von Bassein und Assam in Aussicht stelle, zu welchem Zw«k er sich anheischig mache, ihm ein mit 84 Ge schützen bestücktes Panzerschiff zu verschaffen.
Vermischte».
— „Du, das ist Einer von außerhalb!" raunte jüngst ein, die Räbe des Frankfurter Bahnhofes zu Berlin unsicher machender Bauernfänger seinem als Schlepper fungi- renden Collegen zu, indem er auf einen hier augenscheinlich Fremden und des Weges Unkundigen deutete. Wenige Minuten später war mittelst der theilnahmsvollen Frage: „Sie sind wohl nicht von hier?" die Bekanntschaft mit dem dieselbe bejahenden Fremden anaeknüpft, der sich auch bald und auf Zureden der Beiden entschloß, ein gemütbliches Seidel mit ihnen zu schwelgen. Kurz nach ihrem Eintritt in ein in der Koppenstraße belegenes Bierlokal wurde ein kleines Jeu arrangirt, von welchem sich der mit einer gut gespickten Brieftasche versehene „Außcrhalb'sche" selbstverständlich nicht ausschließen konnte. Der gewöhnten Manier entsprechen und um ihn erst sicher zu machen, ließen die Herren Jn- dustrieritter ihr Opfer im Beginne des Spieles nicht unerheblich gewinnen, was denn auch die Wirkung nicht zu verfehlen schien, da dasselbe schon nach kurzer Zeit, und nachdem es ca. 17 Thlr. eingeheimst hatte, mit Stenorstimme erklärte, seinen Mitgliedern Revanche bieten, und auf eine Harte 50 Thlr. riskiren zu wollen. Sollte, wider Ermatten, ihm auch dies gelingen, so sollte seine ganze Baarschaft in Höhe von ungefähr 500 Thlr. auf's Spiel gesetzt werden Selbstverständlich gewann er auch diesmal. Voll des Jubels über sein unerhörtes Glück und nachdem er im Uebermaß desselben, und nicht ohne seinen Gewinn vorher einzustecken, ein Achtel und ein solennes Frühstück für die Gesellschaft bestellt hatte, verließ er auf einen Augenblick das Zimmer, um angeblich ein dringendes Bedürfniß zu befriedigen. Bald erschien auch das Bier und Dejeuner, wer aber nicht mehr erschien, war der Fremde, der jedoch statt Seiner einen Dienstmann mit einem Zettel folgenden lakonischen Inhalts sendete:
„Erwartet mich in Eurem Kreis nicht länger;
Ich fand, was ich gesucht, bei Euch das goldne Kalb, Ich selber bin ein alter Bauernfänger, Jedoch nicht aus Berlin, o nein, von außerhalb."
Dian kann sich das Erstaunen der um 76 Thlr. geprellten und zur Bezahlung des Frühstücks nunmehr verpflichteten Gesellschaft denken.
zu Burghaun sind definitiv bestellt worden. — Es find ernannt: der Postpraktikant Kötte in Dresden zum Postie- krctär in Hanau und der Postexpedient Eggert in Kassel zum Postsekrctär daselbst. Versetzt sind: die Postsekretäre Carl Brie de von Hersfeld nach Wildungen, Kalb von Marburg nach Corbach, Bernhard von Gießen nach Treysa,- Stamm von Frankfurt a. M. nach Frankenberg, Reg.-Bez. Kassel, Friedrich Fenner von Kassel nach Lage in Lippe; denselben sind die Vorsteherstellen bei den dortigen Postan- talten übertragen worden- Es sind ferner versetzt: die Post- ekretäre Beckmann von Corbach nach Hcrsfeld, Conrad Geßner von Bremen nach Kassel und Friedewald von Salmünster nach Kassel, Postverwalter Schmalz von Raboldshausen nach Salmünster; die Postamts-Assistenten Thielepape in Kassel und Schenk in Hanau nach Straßburg i. Elsaß, Helwig von Homberg nach Düsseldorf, sowie die Postpraktikanten Ramus von Düsseldorf nach Kassel und Westendorf von Schlüchtern nach Freiburg in Sachsen. Der Post-Agent Bachmann in Niederheisheim ist freiwillig aus dem Postdienste ausgeschieden und der pensionitte Feldwebel-Gensdarm Kühnemann in Witzenhausin zum Post-Agenten in Niederbeisheim bestellt worden. — Versetzt ist Amtsrichter Schminke zu Frankenberg in gleicher Eigenschaft an das Amtsgericht zu Windecken, Amtsgerichts-Sekretär Becker in gleicher Eigenschaft an das Amtsgericht zu Rinteln. — Zu etatsmäßigen Gerichtsboten sind ernannt die Hülfsboten Winter bei dem Appellationsgericht zu Kassel, Bock bei dem Amtsgericht zu Gelnhausen, Icke bei dem Amtsgericht zu Witzenhausen. Gerichtsbote Hildebrand zu Treysa ist gestorben.
Telegraphische Depesche« der Ober- hessische« Zeit««g.
München, 12. Jan. Sitzung der Abgeordnetenkammer. Abg. Rußwurm interpellirt die Regierung anläßlich der Vorgänge bei dem Begräbniß des Alt- katholiken Zunner in Amberg, wobei die RegirungS- behörde entschied, Zunner sei als Katholik gestorben und in Folge dessen die Sterbeglocken auf Veranlassung der Polizei zwangsweise geläutet worden seien. Der Interpellant sehe hierin und in der Gestaltung gottesdienstlicher Handlungen durch den excommunicirten Professor Friedrich Verfassungsverletzungen. Der CultuSmiuister rechtfertigt das Vorgehen der Regierungsbehörde, welche nur verfügte, Zunner fei als Katholik zu behandeln, womit sie den Standpunkt der Regie- rung zu dem ihrigen mache. Die Regierung habe die civilrechtlichen Folgen der Excommunication abzu- wchren und mische sich nicht in Gewisscnsfragen. Bezüglich deS Glockengeläutes stehe die Frage offen, da die betreffenden Rechtsverhältnisse noch unbekannt seien. Die Regierung werde stets daS Kirchencigenthum schützen, ohne die Frage des Verhältnisses zwischen dem Kircheubcsitz und Besitz der Gemeinde an der Kirche zu präjudiciren.
Wien, 11. Januar. Die von der Commission deS Herrenhauses angenommene Adresse hebt die gesteigerte Zunahme de« inneren Unfriedens und die Schädigung deS Staatsgemeinwesens unter der früheren Regierung hervor, erklärt sich bereit, die im Reicks- rathe geltend gemachten Wünsche der Einzclländer in Erwartung einer dauernden Verständigung in eingehende Berathung zu nehmen, betont die dringliche Nothwendigkeit, die Unabhängigkeit des ReickSrathes zu sichern, begrüßt freudig die angekündigten Gesetz- entivürfe und spricht die Erwartung auS, daß zur Hebung ver Landwehr die finanzielle Leistungsfähigkeit der Steuerträger nicht in gesteigertem Maße in Anspruch genommen und die Steuerreform vollendet werken wird.
London, 11. Jan. WochenauSweiS der englischen Bank. Baarvorrath 24,901,910, Abnahme 389,851. Notenumlanf 25,373,130 Abnahme 272,280. Noten- reserve 13,847,560, Abnahme 143,605 8. Platz- disconlo —.
Ernennungen, ßetleiiimgea rc.
Der Stationsvorsteher 2r Klasse der Bebra ■ Hanauer Eisenbahn, Jakob Damm zu Langenselbold, ist definitiv bestellt worden. Der Baucommiffar, Bau - Inspektor Buck ist von Bergen nach Rotenburg versetzt worden. Die Bahnmeister der Bebra-Hanauer Eisenbahn, Enzeroth zu Flieden, Röll zu Bebra, Stahl zu Schlüchtern und Henkel